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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-07 · 45 (7.11.1902) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
45 (7.11.1902)
Date
1902-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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mssmesBrnG Seite 724 Dr. Blmtz's WmtzVNsttzrM. Str. 45 um seinem Schwiegersöhne die zu besetzende Rabbinerstelle zu sichern", und fügen hinzu, daß der Redner später ausdrücklich meinen Namen genannt, als diejenige Person, die er hat bezeichnen wollen. In dem; Artikel heißt es ferner, „daß mehrere Cultusvorsteher in ihrer Angst, - Rabbi Bloch könnte sie stürzen, bereits Reverse gegeben haben, daß sie für die Wahl Dr. Grunwald's ihre Stimme abgeben werden"; „daß; sich unter den Vorstehern der Majorität nur ein einziger — man nennt David Ritter von Gutmann — gefunden hat, der den Muth besaß, den zudringlichen Rabbi mit der Bemerkung hinauszucomplimentiren, daß er sich nie und nimmer zu einer solchen Comödie hergeben werde." j; Endlich bezeichnen Sie mich in dem Artikel als einen „Coulissenschieber", von „dessen Gnade die Gestaltung des jüdischen Gemeindelebens und aller seiner (?) Institutionen abhänge."!; Demgegenüber fordere ich Sie auf Grund des § 19 des Paßgesetzes auf, nachstehende Berichtigung in der gesetzlichen Form und Frist abzudrucken: Es ist unwahr, daß ich alle Vorsteher besucht habe, um meinen Schwiegersohn die Rabbinerstelle zu sichern. i Es ist unwahr, daß ich auch nur einen Theil der Vorstandsj1 Mitglieder zu diesem Behufe besucht habe. Es ist unwahr, daß mehrere Cultusvorsteher in ihrer Angst mir Reverse gegeben haben, daß sie für Dr. Grunwald stimmen werden. Es ist unwahr, daß auch nur ein einziger Cultusvorsteher mir >> einen solchen Revers gegeben hat.! Es ist unwahr, daß ich den Vorsteher Herrn David Ritter v.! Gutmann je besucht hatte, um ihn für meinen Schwiegersohn zu gewinnen. Es ist unwahr, daß Herr v. Gutmann mich „hinauscomplimentirt" hat. Es ist unwahr, daß er mir erklärt hat, er werde sich nie und nimmer zu einer solchen Comödie hergeben. ' Es ist unwahr, daß ich ein „Coulissenschieber" der Wiener Cultus- \ gemeinde bin und daß die Gestaltung des jüdischen Gemeindelebens und aller seiner Institutionen von mir abhängt, j Wahr ist vielmehr, daß ich Herrn Vorsteher David Ritter von ji. Gutmann seit länger als einem Jahre überhaupt nicht besucht habe. Wahr ist ferner, daß ich mit dem Herrn Vorsteher David l Ritter v. Gutmann über die Rabbinerwahl und über meinen Schwiegerf sohn niemals auch nur ein Wort gewechselt habe, daß er somit niemals Gelegenheit hatte, mich „hinauszucomplimentiren" und mir eine solche oder ähnliche Antwort zn ertheilen, wie Sie in Ihrem Blatte gemeldet haben. Wahr ist. daß ich im Laufe dieses ganzen Jahres höchstens mit 4 oder 5 von den 36 Vorstandsmitgliedern persönlich zu sprechen über- \ Haupt Gelegenheit hatte, und das größtentheils über Angelegenheiten, [ welche mit der Rabbinerwahl nichts gemeinsam haben. Wahr ist endlich, daß ich auf die Gestaltung des Gemeindej lebens und der Gemeindeinstitutionen nicht den geringsten Einfluß I nehme. | Wahr ist, daß mir zu solcher Einflußnahme jede Gelegenheit j fehlt und ich solche nie gesucht habe." i Es wäre nur menschlich und verdiente auch dann keine I Anpöbelung, wenn es wahr wäre, wie cs unwahr ist, daß Dr. Blech k Vorstandsmitglieder mit Befürwortung seines Schwiegersohnes | irgendwie behelligt hätte. Dr. Max Grunwald wünscht und j: braucht aber überhaupt keine Protection und keine verwandtschaft- I liche Empfehlung. Insbesondere in Wien nicht, wo er [ seit zehn Jahren so gut bekannt ist, wie in seiner Vaterstadt. Vor zehn Jahren hat er hier in Wien gelegentlich einer | Preisausschreibung für die beste Arbeit über den „Einfluß jj Spinoza's auf deutsche Dichter und Denker" die I Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gelenkt. Die drei Preisrichter, hervorragende Professoren, haben einstimmig den f Preis einer Arbeit zugesprochen, als deren Verfasser später der damals zwanzigjährige M. Grunwald aus Gleiwitz sich herausj stellte. Seitdem hat er sich durch eine größere Anzahl von Vor- | trägen, die er in den vornehmsten Vereinen unter stets wachsendem \ Andrange einer aus den besten und intelligentesten Kreisen sich recrutirenden Zuhörerschaft gehalten, zahlreiche Freunde, begeisterte Verehrer gewonnen, ja selbst bei Uebelwollenden ein günstiges Urtheil sich erzwungen, wie es im „Jüdischen Bolksblatt" selber wiederholt zum Ausdruck gekommen ist. Kennzeichnend aber scheint uns vor Allem der antisemitische Jargon, dessen man sich im Oppositionslager diesmal zu bedienen fiir entsprechend findet. „Rabbi Bloch", der „Märtyrer des Judenthums", nannte bekanntlich der Canonicus Prof. August Rohling den damaligen Abgeordneten Dr. Bloch, den er dadurch herabzusetzen vermeinte. Nun übernehmen die sogenannten jüdischnationalen Wortführer die vom Antisemitenhäuptling Rohling geprägten Bezeichnungen. Sprachliche Reminiscenzen, Farbe des Styls schmiegen sich den Gedankengängen harmonisch an, die man zu propagiren unternimmt. Der Feldzug gegen das Familienmitglied des „Rabbi Bloch", des langjährigen österreichischen Reichsrathsabgeordneten, wird eröffnet, indem man die Fahne des Nativismus entfaltet und zur Abwehr gegen die „Fremden" aufruft. In der Bibel wird eingeschärft und es gilt als ein altes semitisches Princip: „Es sollen die Söhne nicht getödtet werden, der Väter wegen". Um die politische Gegnerschaft und die persönliche Gehässigkeit gegen Dr. Bloch brutal und ohne Verbrämung auf seine Kinder auszudehnen, scheut man nicht den Fluch der Lächerlichkeit. Deswegen hat das „Jüdische Volksblatt" sich für die Rabbinerfrage ein anderes „Princip" zurechtgelegt, dem es Geltung verschaffen will, das „Princip" eines blöden Nativismus. Bei der Wahl eines Wiener Rabbiners dürfen nicht wissenschaftliche Befähigung, nicht persönlicher Charakter, nicht Rednergabe, noch religiöse Führung als entscheidendes Moment in Betracht gezogen werden, sondern vor Allem der Geburtsort des Candidaten. Und diese Lehre verkünden uns — seltsam genug — „nationale" Wortführer. Wir citiren wörtlich: „Der Ruf der jüdischen Gelehrten, der Rabbinen und Cantoren Oesterreicb-Ungarns ist ein so alter, daß wir gewohnt waren, daß unsere Monarchie das ganze Ausland mit jüdischen Gelehrten versehen hat. Das Berliner Rabbinat besteht beinahe ausschließlich aus Oesterreichern oder Ungarn. Die Rabbiner Dr. Ungerleider, Dr. Maybaum, Dr. P. Frankl, Dr. Rosenstein, Dr. Weisse und Dr. Stier in Berlin sind Kinder unserer Monarchie; die Professoren der beiden Berliner Seminarien: Dr. Joel Müller, Dr. Martin Schreiner und Rector Hoffmann sind alle unsere Landsleute. Die berühmtesten Rabbiner des Auslandes, wie Dr. Perles-München, Dr. Rosenthal-Breslau. Prediger Dr. Leimdörfer und Oberrabbiner Hirsch in Hamburg, Dr. Caro-Erfurt ^gegenwärtig Lemberg), Dr. Fröhlich-Halle, Dr. Goitein-Kopenhagen, Dr. Breuer-Frankfurt a. M., sie wurden alle aus unserer Monarchie berufen. Und wir wollen unsere Rabbiner aus dem Auslande holen! Jawohl! Auch Oesterreich-Ungarn hat Rabbiner aus dem Auslande geholt, aber da galt es, Größen, wie Mannheimer, Jellinek (übrigens geborener Oesterreicher), Michael Sacks oder Dr. Kayserling zu acquiriren Jedes Land hat heute das Bestreben, seine eigenen Kinder zu Hause zu versorgen und so haben z. B. Deutschland und Ungarn eine veritable Sperre gegen ausländische Rabbiner durchgesetzt und wir schweifen in die Ferne, um uns Unterrabbiner aus dem Auslande zu holen." Also die Herren erklären selber, daß seit je deutsche Gemeinden aus Oesterreich, österreichische Gemeinden aus Deutschland Rabbinen bezogen haben, das ist alte Gepflogenheit, jüdische Tradition, von der aber dermalen Umgang genommen werden muß. Denn es handelt sich bei der Bestellung eines Wiener Rabbiners nicht darum, in einer schweren Zeit, wie die heutige, einen geistigen Führer zu wählen und dafür den tüchtigsten und begabtesten auszusuchen, sondern ein Landeskind zu versorgen. Die deutsche Reichsregierung, welche principiell jedem ausländischen Juden die Naturalisation verweigert und dadurch die Wahl eines ausländischen Candidaten erschwert hat, erkannte. daß diese Beschränkung der Gemeinden nur zu Härten und Ungerechtigkeiten führt, und hat sich dazu verstehen müssen, Ausnahmen zuzulaffen. So wurden in den letzten Jahren die geborenen Oesterreicher: Dr. Finkel in Pasewalk, Dr. Finkelscherer in München, Dr. Rosenack in Bremen zu Rabbinern bestätigt. Indessen die deutsche Reichsregierung ist eben corrupt, das „Jüdische Volksblatt" kämpft gegen die Corruption. Vom Standpunkt der jüdischen National-Jdee gehören alle Juden zusammen, mit einziger Ausnahme vielleicht der Hamburger. Die Polen in Galizien, die classischen Repräsentanten des nationalen Gedankens, haben strenge darüber gewacht, daß bei Stellenbesetzungen eine Unterscheidung zwischen den Landeskindern und den Connationalen aus dem Königreich oder aus der Provinz Posen eine differente Behandlung nicht platzgreife. An deutsche Universitäten werden österreichische Gelehrte und an österreichische Universitäten reichsdeutsche Gelehrte berufen. Hofrath Theodor Gomperz hat erst jüngsthin im Morgenblatt der „Neuen Freien Presse" vom 1. November die Wohlthat und den Segen dieser geistigen Wechselbeziehungen in beredten Worten gepriesen und darauf hingewiesen, daß unter den 51 Ordinarien der Wiener Universität 12 jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle geborene sich befinden, darunter einige Männer von europäischem Ruf, während andere noch jung sind, aber das Höchste verheißen. Und er fügt die Mahnung hinzu: »Je größer das Werbegebiet, um so größer ist die Aussicht, daß der rechte Mann zur rechten Zeit an den rechten Posten gestellt wird. DieBlüthe derreichsdeutschen sowohl als der deutsch-österreichischen und der deutschschweizerischen Universitäten (bis vor Kurzem auch der einzigen deutsch-russischen Universität) ist in großem Maße

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