Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 45 (7.11.1902)
- Date
- 1902-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 45 Dr. Bloch’s Iahr-a«, Xß Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. W K. k. Postfxsrcsffen-Amr Clearing-Verkehr Nr. 610.976. Lrdsrlion und KdmimflraNoi» wir« IX/1, Verggasse Nr. 39. Ttlephon Nr. 14.847. Wie«, 7. Uovrmber 1902. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. * * »rrugsxrri» für Srstrrrrtch Halbjährig 8 Ätonetu Einzelexemplare 50 Heller. 3Tür’» Ansloard: Halbjährig 10 ökrouen. Banzjährig 20 ■ Anzeige«: Die4malgespaltene Vetitzeile 24 Heller. Inhaltr Leitartikel: Vorstands- und Rabbinerwahl in der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. — Eine neue Kundgebung gegen die rumänische Fremdengesetzgebung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschlchte. — Emile Zola und Picquard. — Oeffentliche Wohlthätigkeit. — Correspondenzen: Tabor, Marienbad, Budapest, Nagy-Kanizsa, Nürnberg, Hamburg, Paris, Petersburg, Baden, Philadelphia. — Vermischtes: Zur jüdischen Wirthschastsgeschichte. Kranzablösungsspenden. Brünn. Holleschau, Lobositz, Prag, Nußdorf a. d. Traisen, Bisenz, Karlsbad, Krakau, Groß - Becskerek, Belovar, Budapest, Berlin, New-Aork. — Feuilleton: Bilder aus Sibirien. — Literatur. — Brieftasten. — Inserate. Dorstands- und Raddinernrahl in der Wiener israelitische« Cnltnsgemeinde. Die Wiener israelitische Cultusgemeinde steht vor den zweijährigen Ergänzungswahlen ihres Vorstandes und die bekannten oppositionellen Elemente (»Zionisten" und »Jüdischer Bolksverein") haben bereits ihre Zurüstungen getroffen, nach langen Verhandlungen ein »Protokoll" zu Schutz und Trutz unterfertigt, um gemeinsam in die Wahlschlacht zu ziehen. Wem die bunten Vorgänge aus den letzten Jahren nur einigermaßen in Erinnerung haften geblieben, dem dürste es nicht schwer fallen, die Formen des uns bevorstehenden Wahlkampfes in seiner Phantasie sich auszumalen. Beachtenswerthe Proben sind uns bereits aufgewartet worden. In Nr. 41 der »Welt" vom 10. Oktober war das officielle Programm der Zionisten für die Wiener Cultuswahlen zu lesen, welches von auswärtigen zionistischen und Wiener antisemitischen Blättern auszüglich nachgedruckt worden. Da hieß es: »Aus dem Cultus und seinen Functionen sind Corruption und Bestechung auszumerzen, und dies mit den schärfsten Mitteln. Zur Motivirung unserer Forderung muß auf die Vielen leider allzu bekannten Thatsachen hingewiesen werden, deren Aufzählung nicht angezeigt erscheint, aber auch unzweckmäßig wäre, nachdem diese Geheimnisse ja öffentliche sind/ Das liest sich so, als ob die Verwaltung der Wiener israelitischen Cultusgemeinde den unsauberen Händen einer feilen Bande von Beutejägern und Profitmachern ausgeliefert wäre. Männer, die in ehrenvoller, hingebender, opferreicher und selbstloser Arbeit im Dienste der jüdischen Sache grau geworden, deren Charakter Ehrfurcht einflößt, deren Name selbst bei den Gegnern Verehrung genießt, werden plötzlich vor aller Welt der Corruption und Bestechlichkeit angeklagt. Im unreellen Wettbewerb mit den antisemitischen Vorbildern hat man die Methode ihres politischen Kampfes auch darin sich zu eigen gemacht, daß man der Verpflichtung, für solch schwere, ehrenkränkende öffentliche Anklagen Beweise und Thatsachen anzusühren, mit der hier nicht weiter zu charakterisirenden Redewendung sich entschlägt, daß deren Aufzählung »nicht angezeigt erscheint", »und unzweckmäßig wäre" und dieselben überdies »öffentliche Geheimnisse" bilden. Für den Anfang zweifellos eine hübsche Leistung, hinreichend, die moralische Qualität der Kampfmittel zu charakterisiren, über welche die coalirte Opposition verfügt. Allein auch über die intellectuellen Qualitäten der Kampfmittel und Schlagworte, welche in dem bevorstehenden Wahlringen ihre Wirksamkeit erproben sollen, hat man uns nicht im Unklaren gelassen. Das officielle Organ des Jüdischen Bolksvereines, »Jüdisches Bolksblatt", vom 31. October enthält den Bericht über eine Cultuswählerversammlung in Fünfhaus, in welcher ein Wortführer im Zusammenhang mit den Vorstandswahlen auch die bevorstehende Rabbinerwahl in den Kreis seiner Erörterungen zog. Das Parteiorgan fühlt sich gedrängt, aus diesem Anlaffe den Gegenstand in seiner eigenartigen Methode zu beleuchten, und »einige principielle Bemerkungen" hinzuzufügen. Daß weitere Kreise der Gemeinde ein lebendiges Interesse für die bevorstehende Rabbinerwahl an den Tag legen, kann nur im hohen Maße erwünscht sein, und daß der Gegenstand auch von der heißen Atmosphäre der stürmischen Wählerversammlungen nicht verschont bleiben werde, mußte man erwarten. Für den geistigen Horizont der oppositionellen Wortführer, für die Weite ihres Gesichtskreises, die Höhe ihrer Auffassung, die Tiefe ihres Verständnisses ist einzig und allein die M e t h o d e kennzeichnend, in welcher sie die Frage behandeln. Entsprechend der Resolution der Bertrauensmänner-Versammlung vom vorigen Herbst geht der Vorstand daran, für die Wahleines neuen Rabbiners eine Anzahl Candidaten zum Probe Vortrag nach Wien einzuladen. Wenn das »Jüdische Bolksblatt" gut unterrichtet ist, sind hiefür 16 Candidaten in Aussicht genommen, die es namentlich anzuführen in der Lage ist. Indessen diese 16 Einladungen und 16 Probepredigten wären eine bloße Comödie, weil einer der Eingeladenen auch Dr. Grunwald aus Hamburg ist und das »Jüdische Bolksblatt" bereits sicher weiß, daß mehrere Cultusvorsteher dem »Rabbi Bloch" Reverse gegeben haben, »daß sie für die Wahl Doctor Grunwald's ihre Stimme abgeben werden." Nur ein einziges Vorstandsmitglied, Herr David Ritter von Gutmann, »besaß den Muth, den zudringlichen Rabbi mit der Bemerkung hinauszucomplimentiren, daß er sich nie und nimmer zu einer solchen Comödie hergeben werde." Unfern Lesern brauchen wir nicht erst mitzutheileu, daß diese Erzählung mit all der räubergeschichtlichen Ausschmückung vom Anfang bis zum Ende erfunden ist, und wir haben demgemäß dem Blatte nachstehende Berichtigung zugefendet: »An den verantwortlichen Redacteur der periodischen Druckschrift »Jüdisches Volksblatt" Herrn Leon Zweig in Wien. In der Nr. 44 der periodischen Druckschrift »Jüdisches Volksblatt" vom 31. October, Seite 2, publieiren Sie die Mittheilung eines Redners aus einer Cultuswähler-Versammlung in Fünfhaus, »daß schon jetzt ein Mann sich bei allen Vorstehern die Füße wund läuft,