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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 180 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 11 Eultusgcmeinde nahezu vollzählig unter Führung ihres Präsidenten, Dr. Moritz Rothkopf. Unmittelbar hinter der Leiche schritt Rabbiner Dr. Weszel, diesem folgte Se. Excellenz der Eiviladlatus Baron Kutschera mit dem Vorstande der sephardischen Gemeinde und eine überaus zahlreiche, ausschließlich aus männlichen Leidtragenden bestehende Menge, denn der strenge sephardische Ritus gestattet die Theilnahme weiblicher Leidtragender nicht. Vor dem Sarge schritt ein Knabe mit dem Orden des Verstorbenen auf einem rothsammtenen Polster. Auf dem Friedhofe wurden abermals Todtengebete verrichtet und Psalmen recttirt, worauf die Leiche unter strenger Einhaltung der vorgeschriebenen einfachen Ceremonien in das Grab versentt wurde. Zum Zeichen der Trauer waren gestern tagsüber sämmtliche Spaniolen gehörende Geschäfte geschloffen. Gleiwitz. Bon Zeit zu Zeit hört man selbst von den königlichen Landräthen, deren politisches Verhalten uns im Allgemeinen leider wenig Veranlaffung zur Billigung gibt, etwas Erfreuliches. So hat der Landrath des Pleffer Kreises im amtlichen Pleffer Kreisblatt Folgendes bekannt gemacht: „In Ncumann's Stadtbuchdruckerei in Gleiwitz ist zum Preise von o Pfennig das Stück ein Schristchen über Ritualmord und Eid als offener Brief an den Reichstagsabgeordneten Liebermann v. Sonnenberg in Groß-Lichterfelde vom Rabbiner Doctor Wilhelm Münz in Gleiwitz erschienen. Indem ich die Kreiseingeseffenen auf dies vorzügliche Schristchen aufmerksam mache, empfehle ich die Beschaffung der Lectüre desselben Allen, welche noch das Märchen des Ritnalmordes der Juden glauben und in unbegründeten Vorurtheilcn unseren jüdischen Mitbürgern gegenüber befangen sind". Breslau. Die Einweihung des neuen jüdischen Friedhofes der Synagogengemeinde fand am 14. v. M. in Eosel statt. In ca. 30 von der hiesigen Synagogengemeinde gestellten Equipagen fuhren etwa 70 bis 80 Vertreter der verschiedenen Breslauer Gemeindecollegien um halb 11 Uhr vom Gemeindehaus aus nach dem Friedhofe hinaus, woselbst um 11 Uhr der feierliche Einweihungsact mit der Uebergabe der Schlüffe! durch Regierungsbaumeister Ehrlich an den Vorstandsvorsitzenden, Stadtrath Pringsheim, und von diesem an den Vorsitzenden der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungsgesellschast, Herrn Eduard Sachs, eingeleitet wurde. Nach einem herrlichen Chorgesange in der Eapelle ergriff Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort, um in ergreifender Ansprache auf die ernste Bedeutung der heuügen Feier und der Oettlichkeit hinzuweisen. Nach einem Sologesänge des Obercautors Cerini mit darauf folgendem Chor hielt Rabbiner Dr. Guttmann eine längere Rede, in der er das Thema Leben, Tod, Grab und Jenseits behandelte. Mit weiterem Chorgcsange endete die weihevolle Feier, an die sich noch ein Rundgang durch die Baulichkeiten und Anlagen des Friedhofes anschloß. Die gärtnerische Oberleitung wurde einem ehemaligen Zöglinge der Anstalt in Ahlem bei Hannover. Herrn Leffer übertragen. — Das jüdische theologische Seminar beging in herkömmlicher F:rm die Feier des Todestages seines ersten Direktors Dr. Zacharias Frankel. Die Gedenkrede hielt Herr Dr. Tikrin über „die Ethik Philos". — Zum Besten des Vereines zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder fand am 17. v. M ein Liederabend statt, in der die großherzogliche Kammersängerin Jettka Finkenstein ihre Kunst in den Dienst einer edlen Sache stellte. — Am 24. v. M. starb hier der Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt. Der Verstorbene feierte vor einigen Wochen sein 60jähriges Jubiläum als Director einer hebräischen Unterrichtsanstalt, und wurden dem würdigen Jubilar aus diesem Anlaffe viele wohlverdiente Ehrungen zu Theil. Vom Kaiser wurde er durch Verleihung des königlichen Kronenordens ausgezeichnet. Im 58. Lebensjahre starb hier nach längerem Leiden Dr. Albert Weigert, eine über die literarischen und gesellschaftlichen Kreise unserer Stadt hinaus wohlbekannte Persönlichkeit. Der Verstorbene, der seit frühester Zugend durch körperliches Leiden an den Rollstuhl gebunden war, ftffelte überall schon durch seinen sympathischen und ausdrucksvollen Kopf die allgemeine Aufmerksamkeit und bildete in gesunderen Tagen stets den Mittelpunkt eines geistig angeregten Freundeskreises. In früheren Jahren war Dr. Weigert vielfach literarisch thätig. Frankfurt a. M. Die Jüdische Haushaltungsschule hat einen großen Fortschritt gemacht, sie wird demnächst in das ehemalige Geschäftshaus der Firma M. A. v Rothschild und Söhne, Fahrgasse 146, überfiedeln. Die jetzigen Eigenthümer dieses Hauses, die Herren Baron Alphonse de Rothschild in Paris, Lord Rothschild in London und Freiherr Albert v. Rothschild in Wien, hatten die große Güte, den größten Theil des genannten Hauses nebst Bodenraum und Keller auf 10 Jahre der Anstalt unentgeltlich zu überlassen. Den beengenden Verhältnissen einer Miethwohnung entrissen, geschützt vor Kündigung und Steigerung, kann sie fich ungestört entfallen und wenn der göttliche Beistand und die Theilnahme unserer Glaubensgenossen nicht fehlt, ihre wohtthätige Wirksamkeit stets weiteren Kreisen zu Theil werden lassen. Ti^e innere Befriedigung gewährt es, daß die Räume, in denen der verewigte Zaddik Freiherr Wilhelm Carl v. Rothschild s. A. viele Jahrzehnte hindurch für das Wohl der Menschheit lichte «Nd wirkte, nunmehr einem Werke gewidmet find, das so ganz dem frommen Sinn des Verewigten entspricht: bedürftigen jüdischen Mädchen theils praktische Ausbildung, theils ein gemächliches Heim zu mäßigem Preise zu gewähren. Aus dem Jahre 1900/1901 ist zu erwähnen, daß Fräulein Hedwig Reinheimer am 15. Juli ihre Stellung als Hilfsllhrerin angetreten hat und sich recht gut bewährt. Der Jahresbericht meldet: Von den 24 Zöglingen, welche im Lauf? des Vereinsjahres unsere Curse durchmachten, sind 18 in Stellung gegangen. Die Anstalt erhielt von den Hinterbliebenen des seligen Freiherrn Wilhelm Carl v. Rothschild 2000 Mark zu dessen ehrendem Andenken; Frau Geiu ralconsul Max Goldsckmidt v. Rothschild spendete 1000 Mark. Die Einnahmen betragen ca. 23.000, die Ausgaben ca. 22.000 Mark. Der Vorstand der jüdischen Haushaltungsschüle bcfitt»t aus folgenden Damen und Herren: Alfred Geiger, erster Borsitzevd-er. Emma Mainz, zweite Vorsitzende. Emil L. Heidenheimer, Cassier. Th. Fürth, Schriftführer. Adelheid Geiger, Oeconomin. Bertha Baruch, Henriette Benorio, Clementine Bottenwieser, Elise Goldschmidt, Hanna Goldschmidt, Philippine Hochschild, Elise Marx. Gella Stern, Max Bauer, Dr. Jacques Benario. Würzburg. Das hiksige „Journal" berichtet aus der Sitzung der Gemeindebevollmächtigten: Das Schächten solle den christlichen Metzgern im hiesigen Schlachthofe verboten werden, beantragte Gemeinde-Bevollmächtigter Frey im Gemeindecollegium. Gemeinde- Bevollmächtigter Reckermann erklärte, die Metzger ließen sich keine Vorschriften machen, wie sie ihr Vieh schlachten sollten. Wenn der christliche Metzger nicht schächten müßte, thäte er es nicht, übrigens tobte die Schußmaske auch nicht sofort; bei einem starken Thier müßten immer noch einige Schläge auf den Kopf gegeben-werden, bis es tobt sei. Gemeinde - Bevollmächtigter Dr. Stern betrachtet die Sache vom objectiven Standpunkt; es sei doch eigenthümlich, daß die Militärverwaltungen in Ansbach und Mainz nur Fleisch von geschlichteten Thieren zum Conservenfleisch nehmen; das Schächten habe also auch seine Vortheile. Gemeinde-Bevollmächtigter Hartmann betonte, man solle ein Gewerbe, das schon von allen Seiten gedrängt wurde, nicht noch mehr drängen, sondern den Antrag ablehnen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Gemeinde-Bevollmächtigten Bayer, Frey und Schubert abgelehnr. Hamburg. („N eue Dammthor-Synagog e".) Der , in der diesjährigen Garantenversammlung von dem Vorsitzenden überreichte Bericht beweist von Neuem, wie dieses Gotteshaus trotz aller Schwierigkeiten, die ihm von concurrirender Seite bereitet werden, in stetem Wachsthum und Aufblühen begriffen ist. Der Bericht weist einen Bestand von Mark 24.24237 gegen Mark 20.314‘84 im Vorjahre auf. An Stellenmiethe sind Mark 300, durch die Religionsschule Mark 480, an Trauungs gebühren Mark 735, an Mizwoth, Spenden und Jahreslichtern Mark 597°51 mehr vereinnahmt worden. Die Religionsschule, zur Zeit in Hamburg die einzige, welche von einer religiösen Körperschaft unterhalten wird, wird auch von Schülern, deren Eltern nicht dem Verband der „Neuen Dammthor-Synagoge" angehören, besucht. Zahlreiche Beitritte, besondors in letzterer Zeit, sichern dem Unternehmen für lange Jahre hinaus eine gedeihliche Existenz. Die Verwaltung der „Neuen Dammthor-Synagoge" besteht aus nachstehenden Herren: Präsident Moriz Staven- Hagen, Bicepräsident M. Ro s enb l u m, Schriftführer Jonas Bing, Schatzmeister I. Hirschmann, Ausschußmitglieder Jul. Asch er, Martin Fränkel und Georg Rothe nb e rg. Als Rabbiner der „Neuen Dammthor-Synagoge" wirkt Doctor Max Grunwald. Hamburg. Im israelitischen Gemeinschaftsheim (Toynbeehalle) wurden vom 26. October v. I. (Eröffnung) bis zum 4. Februar d. I. an 27 Abenden folgende Vorträge gehalten: 1. Ueber Toynbeehallen. 2.' Ueber Ahasver in Rom von Robert Hamerling. 3. ^Wissen und Bildung. 4. Ueber Hygiene der Bekleidung. 5. Ueber Erziehung. 6. Ueber Hagedorn. 7. Ueber die Entwicklung der Presse. 8. Ueber Meier EzofoviH von Orzesko. 9. Ueber den Einfluß der Suggestion auf die Massen. 10. Ein fluß der jüdischen Religion auf den Islam. 11. Exegetische Skizze. 12. Ueber Nährstoff. I. 13. Die wissenschaftlichen Anarchisten. 14. Ist Väterliche größer als Mutterliebe? 45. Ueber die Temperamente. 16. Ueber die Nährstoffe. II. 17. Ueber Heinrich Heine mit Recitation. 18. Schilderung des LebenSganges Richard Wagner's. 19. Ueber Spiele, insbesondere Kartenspiele und körperliche Hebungen mit anschließender DiScussion. Gelesen wurden : 1. Das Jahrzeitlichti von Kompert^ 2. Frauenliebe — und Leben von Chamiffv. 3. Seeno auSLessinglS

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