Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021451--11611-3036158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 11 Dr. Bloch's WochrnjchrifL Äeue 179 gedrängten Inhaltes, Werke zu Studienzwecken, populäre Schriften über das Judenthum in den verschiedenen Zeitläuften über die Stellung desselben zu anderen Völkern und Religionen, zu Wissenschaft, Kunst, Industrie und Handel, Zeit- und Streitschriften, Unterhaltungs- und Belehrungsschrifteir für die jüdische Jugend und eine Sammlung von Religionsbüchern enthalten. Dem Beschlüsse folgte die That und widmete die Vertretung für die ersten Anschaffungen einen Gründungsbeitrag, sowie eine dauernde Jahres-Subvention. Die vielfach erprobte Opferwilligkeit und Intelligenz unserer Gemeindemitglieder hilft Las so bedeutungsvolle Unternehmen durch munifieente Geld- und Bücherspenden in würdiger Weise ausgestalten. Die Leitung der Bibliothek ist einer Commission übertragen, bestehend aus den Herren Dr. Baderle, Prof. Dr. Frank, Rabbiner Dr. Oppenheim, S. Zweig. — Möge demselben eine segensvolle Wirkung und eine bedeutende Wirksamkeit beschieden sein! B.-Leipa. Mit Bezugnahme auf die in der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 7. Februar l. I., Nr. 6, gebrachte Notiz über den hiesigen Doppelselbstmord auf den Schienen sind wir heute in der Lage, mitzutheilen. daß über Berufung des Privatklägers, Herrn Dr. Josef Wiesen. Rabbiner in Leipa, gegen Herrn Dr. Rudolf Lang stein, Rechtspraktikanten, derzeit in Prag, in der Strafsache wegen Ehrenbeleidigung die Berufungsverhandlung bei dem k. k. Kceisgerichte Leipa am 3. März abgehalten wurde, bei welcher Herr Dr. Knöpfelmacher, Advocat in Leitmeritz, den Privatkläger und Herr Dr. Ludwig Goldberger, Advocat in Prag, den Angeklagten vertrat. Mit Urtheil dieses Berufungsgerichtes wurde das erstrichterliche Urtheil vom 10. Jänner l. I. abgeändert und der Angeklagte, Herr Dr. Langstein, im Sinne der Anklage wegen Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre nach § 488 St.-G. schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von 50 Kronen, im Falle der Uneinbringlichkeit zu 5 Tagen Arrest, sowie zum vollen Kostenersatze erster uno zweiter Instanz verurtheilt. Dieses Urtheil wurde damit begründet, daß die sämmtlichen von dem Angeklagten gegen den Privatankläger in einer Beschwerdeschrift des Elfteren gegen Herrn Rabbiner Dr. Wiesen öffentlich vorgebrachten Anwürfe sich als erdichtet und entstellt erwiesen haben und daß dem Angeklagten auchnicht in einemeinzi gen Punkte dervonihm angebotene Wahrheitsbeweis gelungen ist. Eger. Sonntag den 2. d. M. Früh durchschwirrte unsere Stadt die Nachricht, Gustav Ernst, der Begründer des Antisemitismus in Eger, sei todt, habe sich vergiftet! Dieser Mann konnte sich getrost an die Brust schlagen und auf seinen Cousin Carl Jro, sowie auf alle die antisemitischen Größen, die Eger besitzt, Hinweisen und ausrufen: Da sehet, alle diese sind mein Werk! Er war Besitzer eines sehr gut eingeführten Weißwaarengeschäftes, allein durch sein antisemitisches Wühlen von den Juden gemieden und von seinen gleichgesinnten Genossen absolut nicht unterstützt, ging sein früher gutes Geschäft stets mehr und mehr abwärts, und da er seinen Ruin vor Augen sah. griff er zum Gift. Er vergiftete sich Samstag den 1. März (mit Strychnin), eine Witwe mit vier unversorgten Kindern zurücklassend, wovon eines ein Krüppel ist. Montag fand unter sehr großer Betheiligung das Leichenbegängniß statt: Die antisemitischen „Egerer Nachrichten" rühmen ihm nach, daß t.r „mit die ersten alldeutschen Saatkörnerin den Egerländer Boden gestreut." Allein der Herr Abgeordnete Jro war wegen einer wichtigen Sitzung verhindert, an dem Leichenbegängniß theilzunehmen. Efsek. (Jubiläum.) Eine schöne und herzliche Feier vereinigte am 6. März sämmtliche Comitödamen des israelitischen Frauenwohlthätigkeits-Vereines und der Volksküche bei der Jubilarin Frau Friederike Bauer, Präsidentin des israelitischen Frauenwohlthätigkeits- Vereines, die am selben Tage ihr fünfzehnjähriges Jubiläum in vorgenannter Eigenschaft feierte. Die verdienstvolle Frau deren edles und selbstloses Wirken in allen Kreisen unserer Bevölkerung unbestrittene Anerkennung findet, wollte in ihrer Bescheidenheit überhaupt nicht den Gegenstand einer Feier bilden. Doch die der Frau Präsidentin mit seltener Anhänglichkeit und einmüthiger Verehrung zur . Seite stehenden Comitsdamen ließen es sich durchaus nicht nehmen, diesen Tag zu einem denkwürdigen Datum für die Jubilarin zu gestalten. Vormittags um 11 Uhr begaben sich sämmtliche Mitglieder des Präsidiums unter Führung ihrer Bieepräfidentin Frau Dr. Hugo Spitzer in die Wohnung der Frau Bauer. Mit einer kurzen, herzlichen Ansprache würdigte Frau Dr. Spitzer die fünfzehnjährige erfolgreiche Thätigkeit und bat die Präsidentin, altz Zeichen der Verehrung eine prachtvoll ausgestattete Adresse, in welcher in sinni er Weise die Photographien sämmtlicher gegenwärtig im Präsioium mitwirkenden Damen ein reizendes Älbuur vüoeu, entgegenzuuehmen. Ueber ihr Ersuchen verlas Herr Secretär Schwarz den von ihm verfaßten T»xt der kunstvoll ausgestatteten Adreffe. Sichtlich bewegt und ergriffen von der unerwarteten Huldigung, dankte die Jubilarin in gerührten Worten, in charakteristisch inhaltsvoller Weise hervorhebend, daß keinerlei andere Ambition sie in ihrer Aufgabe gelenkt und geleitet hat, als eben der Wunsch, die Linderung menschlichen Elends und die zielbewußte Wohlthätigkeit zu fördern und zu kräftigen. Wenn ihr dies einigermaßen gelungen sei, so wäre dies auch ein Verdienst aller ihrer Mitarbeiter am guten Werke, denen sie innigsten Dank ausspricht. Diese Worte wurden mit lebhaften Ävilarufen angenommen. Hernach sprach die Abordnung des Effek-llnterstädter Frauenvereines unter Führung der Frau Präsidentin Therese Obersohn und die der israelitischen Volksküche unter Führung der Frau S. A. Weiß vor. Auch auf deren Ansprachen erwiderte oie Jubilarin in selten herzlicher Weise. Sodann erschien der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des Vorstehers Herrn Dr. Hugo Spitzer, der in markigen und schwungvollen Worten die Bedeutung des Tages hervorhob. Hierauf folgte die Schuldirection, geführt vom Herrn Oberrabbiner Dr. Simon Ungar, deffen Ansprache die Jubilarin tief bewegte. Die Schuljugend war durch ein weißgekleidetes Mädchen vertreten, welches mit einigen Dankesworten seitens der armen Schuljugend ein reizendes Blumengewinde übergab. Auch der Chewravorstand unter Führung des Präses Herrn Adolf Krauß sen., die Filiale der Alliance israölite universelle, vertreten durch Herrn Josef Fischer und Samuel Kästenbaum, sowie eine Abordnung der armen Schutzbefohlenen, deren Glückwünsche Fräulein Netti Hoffmann überbrachte, sprachen der Reihe nach vor und für Alle fand die Jubilarin ein richtiges und treffendes Wort in ihrer Danksagung. Die schöne Feier war damit zu Ende und im zwanglosen Geplauder verblieben noch die zahlreichen Verehrer und Freunde in der Wohnung der Jubilarin, die erst jetzt Zeit und Gelegenheit fand, sich von der unerwartet herzlichen, spontanen Ovation zu erholen. Frau Präsidentin Bauer übersandte noch am selben Tage an die Frau Bieepräfidentin Dr. Hugo Spitzer einen Betrag von zweihundert Kronen mit der Bestimmung, denselben unter den Armen der Gemeinde zu vertheilen. Eine würdigere und edlere Art, die Feier zu erhöhen, hätte die feinsinnige Dame wohl schwerlich finden können. N. Sch. Serajewo. Die spaniolische Bevölkerung unseres Landes hat durch das Ableben des Herrn Abraham A b i n u n, Oberrabbiner für Bosnien und Herzegowina, einen großen Verlust erlitten. Es dürste wohl keinen Zweiten geben, der ihm an Wissenschaft und wahrer Seelenbildung gleichkäme. Schon in seiner Jugend hatte er Umgang mit den hiesigen Rabbinern, die in ihm einen äußerst begabten Menschen erblickten und ihm riethen, sich dem theologischen Berufe zu widmen. Er trat bald in Travnik eine Rabbinerstelle an, wo er durch 28 Jahre wirkte, und als vor 14 Jahren der Oberrabbiner Finzi in Serajewo starb, fiel die Wahl auf Abinun. Wie segensreich er wirkte, dafür dürfte der beste Beweis sein, daß er im Jahre 1898 von Sr. Majestät dem Kaiser durch den Franz Josefs-Orden ausgezeichnet wurde, und die letzte Ehrung, die ihm von seinen Glaubensgenossen und vielen Freunden zu Theil wurde; nicht blos aus Serajewo, sondern auch von auswärts waren Tausende erschienen, die dem hochverehrten Manne das letzte Geleite gaben. Aus Travnik, der ersten Stätte seines Wirkens, kam ein Extrazug mit Trauergästen an. Oberräbbiner Abinun hinterläßt eine Witwe mit vier Söhnen und zwei Töchtern. — Ueber das Leichenbegängniß wird uns ferner gemeldet: Dasselbe gestaltete fich zu einer imposanten Trauerkundgebung um den allgemein geschätzten Mann, der seines Amtes Jahrzehnte hindurch in stiller anspruchsloser Weise gewaltet und sich die Achtung Aller, errungen, die mit ihm bei seinen Lebzeiten in Berührung zu treten Gelegenheit hatten. Die Leiche war im schwarzdrapirten Hofe des Tempels der sephardischen Gemeinde in der öamalusa aufgebahrt, sie lag in einem aus ungehobelten Brettern bestehenden Sarge, war mit einem schwarzen Bahrtuche bedeckt und nur die zu Häupten der Leiche angebrachte, mit purpurfarbenem Stoffe eingefaßte Mütze verrreth die Stellung des Verstorbenen. Nach Verrichtung der vorgeschriebenen Todtengebete hielt der spaniolische Religionslehrer Herr Mercad Romano eine Gedächtnißrede in spaniolischer Sprache, worauf der Rabbiner der österr.-ungar. Cultusgemeinde, Herr Dr. Samuel Weszel, dem dahingeschiedenen Collegen einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Hierauf setzte sich der endlose Leichenzug in Bewegung. An der Tete zwei berittene Sicherheitswachmänner. ihnen folgte die spaniolische männliche Schuljugend mit brennenden Kerzen in den Händen, dann kamen die im Schoße der Gemeinde befindlichen zahlreichen rituellen und humanitären Vereine, deren Mitglieder ebenfalls schwarzumflorte brennende Lichter trugen, eine Ahordnung der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde, hierauf unter Vorantragung einer Trauerfahne die österr.-ungar. israelitische