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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 104 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 7 auf den First des Daches steigen (oder auf den Gipfel des Baumes) und mich herabstürzen, damit ich getödtet werde. Aber dies genügt der talmudischeu Gewissenhaftigkeit noch nicht. Man muß den so Sprechenden den Baum besteigen und herabfallen sehen, d. h. es muß mit absoluter Gewißheit angenommen werden können, daß der Selbstmord bei vollem Bewußtsein geschehen ist und in diesem Falle werden dem Selbstmörder die letzten Ehren nicht erwiesen. Findet man jedoch eine Person erhängt oder mit dem Schwerte getödtet, darf man, selbst wenn der Selbstmord unzweifelhaft ist, nur annehmen, daß die Thal in einer plötzlichen Sinnesverwirrung vollbracht wurde und die letzten Ehren werden nicht vorenthalten. (Leniaellotll II, 2 u. 3 und fast gleichlautend bei allen Codificatoren, z. B. Jore dea 345 und 2.) So lange nicht bewiesen werden kann, daß der Selbstmörder nach einem vorher überlegten Plane handelte, darf der Selbstmord nicht als Verbrechen betrachtet werden, sondern nur als Folge eines pathologischen Zustandes, für den nur Mitleid aber keine Sühne am Platze ist. Die Milde, von der das Judenthum sich bei Beurtheilung des Selbstmörders — nicht des Selbstmordes — leiten läßt, tritt noch strahlender hervor, wenn man die andere Bestimmung ins Auge faßt, die Bestimmung über Motive, die zum Selbstmord führten. Der Talmud bringt schon aus der Bibel ein Beispiel für einen Selbstmord, der bei vollem Bewußtsein verübt wurde und doch nicht getadelt werden kann und auch nicht getadelt wird. Es ist dies der Selbstmord des Königs Saul, der um der Ehre seines Volkes willen nicht lebend in die Hand der Feinde fallen wollte. In nachbiblischer Zeit erscheint die große Reihe der Männer und Frauen, die in der Wahl zwischen Preisgabe des Gottesglaubens und Preisgabe des Lebens den Selbstmord wählten. Ihrer geschieht immer nur lobend und preisend Erwähnung, da sie nicht als Selbstmörder, sondern als Märtyrer zu betrachten sind. Alle, die lieber in den Tod gehen, als eines der drei Cardinalverbote: Preisgabe des Glaubens, Unzucht und Mord, zu übertreten, werden gerühmt und ihr Tod gilt als ein heiliger. Die Codificatoren nennen als Beispiele niedriger Motive Zorn und Furcht. Das ist, was die Furcht betrifft, viel zu unbestimmt gehalten (4ore dea 345). Ein Gutachten hat die allerdings nicht unwidersprochen gebliebene Meinung, daß auch Kummer und Noth als Entschuldigungsgründe für den Selbstmord gelten können, (kiselie leselruda zur Stelle.) Klarheit über diesen Punkt gibt das schon erwähnte Gutachten dcs,R. Moses Sofer. Er spricht neben Geistesverwirrung und Stumpfsinn auch von den idealen Gründen, die den Selbstmord entschuldigen. Zorn und Furcht vor Armuth und Noth und Furcht vor körperlichen Leiden sind sicherlich nur materielle Gründe. Man muß Armuth, Noth und körperliche Leiden ertragen können und darf die Hoffnung auf göttlichen Beistand und göttliche Hilfe nicht verlieren. Auch einen Selbstmord, den man verübt, um der irdischen Strafe für ein begangenes Verbrechen zu entgehen — und bestehe diese Strafe auch nur aus peinigenden Gewissensbissen, — wird das sittliche Bewußtsein nicht entschuldigen. Wer Böses gethan hat, muß ausharren, um alle Folgen seiner Thal zu ertragen und sich durch ein Leben der Buße und Reue sich vor Gott und Menschen zu reinigen versuchen. „Will ich denn den Tod des Frevlers, sondern daß er umkehre von seinem Wege und lebe! (Ezechiel 33, 11.) Kann der Selbstmord aus unglücklicher Liebe als aus idealen Motiven entstammend angesehen werden? Man spricht von der großen Leidenschaft, die Alles sühnt und Alles heiligt. Wenn es sich nur um eine große Leidenschaft und nicht um kleinliche, sehr kleinliche Sinnlichkeit handelt, die mehr von Rechthaberei als von einem tiefen, gewaltigen Gefühle getrieben zum Selbstmorde führt. Die idealen Motive liegen nach einer andern Richtung hin und beziehen sich immer auf das Wohl Anderer und nicht auf das des Selbstmörders. Wie Saul durch seinen Tod die Ehre des Volkes schützen wollte, kann nur ein Selbstmord Entschuldigung finden, der verhüten soll, daß Andere in Schande und Unehre gerathen. Das sind also die Momente, von denen sich der Rabbiner, der Lehrer des jüdischen Gesetzes, in den, Gott sei Dank, selten vorkommenden Fällen leiten läßt, wenn einem Selbstmörder die letzten Ehren versagt oder erwiesen werden sollen. Die absolute Gewißheit, daß ein Selbstmord vorliegt, wird nicht abhalten, zu fragen, ob der Selbstmörder seine That mit Ueberlegung verübt hat. Ist auch dies der Fall, bewiesen dadurch, daß der Selbstmörder von seiner That sehr kurze Zeit vor derselben gesprochen oder ihrer in einem Briefe z. B. erwähnt hatte, wird nach den Motiven des Selbstmordes gefragt werden müssen. Wenn sie idealer Natur sind, werden auch da noch die letzten Ehren erwiesen. Es soll ja auf Erden kein Todtengericht über den gehalten werden, der schon vor dem ewigen Richter steht. Zum Ausdruck soll nur gebracht werden, daß in unfern Augen der Selbstmord, aus materiellen Gründen bei vollem Bewußtsein verübt, ein schweres Verbrechen ist. Deshalb lautet auch eine Bestimmung, daß selbst im äußersten Fall nur das wegzubleiben habe, was sonst zu Ehren des Verstorbenen, aber nichts von dem, was zu Ehren der Hinterbliebenen geschieht (4ore dea 345, 1). Ist der Selbstmord mehr Schicksal als Schuld, und ist der Selbstmörder das Opfer einer schrecklichen Pflichtencollision, in der nach dem schweren Kampfe mit dem Willen zum Leben nur der Tod als einziger Ausweg zur Rettung der Seinen erscheint, dann werden wir vielleicht nicht immer entschuldigen, aber immer begreifen und die herzerhebende Milde des talmudischen Schriftthums zur Anwendung bringen. Correspondenzen. Die Juden als Urheber des südafrikanischen Krieges gegen die Buren. Sowohl die deutschnationalen als auch die christlich-socialen Antisemitenblätter verbreiten und commentiren einen giftgeschwollenen Artikel der „Berliner Kreuzzeitung", welche nicht nur die „jüdischen Millionäre" Veit, Eckstein & Co., sondern alle Juden in Südafrika anklagt, dukch verbrecherische Umtriebe zum Zwecke der Börsenspeculationen den Krieg angezettelt zu haben. Die „verfluchte Goldgier" der „Weltjuden" war die Ursache von Jamesons Raubzug und die Börsenjobber von London haben das unschuldige englische Volk zu dem Burenkrieg verführt. Au der Londoner Börse spielen aber die Juden eine kaum nenneuswerthe Rolle. Umsomehr kehrt die Anklage gegen die genannte „jüdische" Firma Veit, Eckstein & Co. immer wieder. Ein württembergischer Gutsbesitzer schreibt nun der Zeitschrift „Im deutschen Reich" auf Grund genauer Personenkenntniß Folgendes: „Eckstein ist der Sohn des verstorbenen Pfarrers Eckstein in Birkach, Oberamt Stuttgart. Seine Mutter wohnt noch hier Silberburgstraße 175, sein Bruder, Wilhelm Eckstein, wohnt Christophstraße 5, hier. Daß man in Birkach jemals einen jüdischen Pfarrer gehabt hat, ist mir neu: Ecksteines Witwe und Bruder und seine zahlreichen hiesigen Verwandten sind lauter gute, evangelische Christen, die wohl noch Niemand außer der „Kreuzzeitung" für Juden oder für Nachkommen von Juden gehalten hat. Die Firma, von der das „fromme Blatt" fabelt, heißt: Wernher Veit & Eckstein in Johannesburg, und mir wird versichert, daß auch diese nicht mit Juden verwandt sind, doch fehlt mir jede Veranlassung, deren Taufscheine einzufordern. Das überlasse ich der „Kreuzzeitung", sie kann hier aber zuverlässigen Bescheid darüber erlangen, die Familie Eckstein hier ist zur Auskunft erbötig und wird sich geradeso wie ich darüber amüsiren, daß ihr Verwandter als guter Jude den Burenkrieg mit herbeigeführt hat." Eine adelige jüdische Familie. Unter dem Vorsitze Doctor Adolf Agai's hielt jüngst die „Ungarisch - Israelitische literarische Gesellschaft" eine Vortragssitzuug, welcher ein zahlreiches distinguirtes Publicum anwohute. Zunächst hielt Oberrabbiner Dr. Julius Diamant (Vukovär) einen historischen Vortrag über „Eine adelige jüdische Familie des XVlI. Jahrhunderts", in welchem er das Leben der Marrannen in Spanien und Portugal eingehend schilderte und die Geschichte der adeligen Familie T e i x e r a besprach, deren Mitglieder, um treue Anhänger des Judenthums bleiben zu können, das Land der Inquisition im Jahre 1643 verließen und in die Fremde zogen. Diego Teixera ließ sich in Antwerpen, später in Hamburg nieder und gründete dort ein weltberühmtes Bankhaus, das mehrere Fürsten und Regenten namhafte Dienste leistete. Er und sein Sohn Manuel waren Residenten, Vertraute und Freunde der schwedischen Königin Christine und der Könige von Dänemark Christian IV. und V. Sie standen mit Fürsten

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