Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 76 Dr. Bloch's Wochenschrrfl. Sk. 6 ganze Kampf der menschlichen Familie einer Besserung der Zustände der Arbeiterklasse gälten. Sowohl Gompers wie die übrigen Gewerkschaftsvertreter betonten, daß ihre Verbände die Erhöhung der Lebenshaltung und des socialen Ansehens ihrer Mitglieder anstrebten, aber durchaus die Rechte der Unternehmer respectirten und jeden frivolen Contractbruch auf das Entschiedenste verwürfen. Treue und Glauben müssen herrschen und Jeder in dem Maße geachtet werden, als sein Werth unter seinen Mitbürgern gelte. Da demnach alle Theile in dem Wunsche einig waren, dies Friedenswerk zu verwirklichen, so wurde schließlich einstimmig beschlossen, einen aus je 12 Vertretern des Capitals, 12 Vertretern der Arbeit und 12 Neutralen bestehenden ständigen Ausschuß als oberste Vermittlungsstelle zwischen Capital und Arbeit einzusetzen. Dieser Ausschuß soll sein Bestes thun, den -industriellen Frieden zu fördern, an der Einführung eines gerechten Verhältnisses zwischen Arbeitern und Unternehmern beizutragen, seine Vermittlung zur Verhinderung von Streiks und Boycotts anzubieten und bei eingetretenem Bruch die Wiederaufnahme friedlicher Beziehungen anzubahnen. Dagegen wird sich der Ausschuß grundsätzlich nicht mit abstracten Problemen abgeben oder sich das Schicdsrichteramt anmaßen, wenn ihn nicht beide Theile selbst darum ersuchen. Vermilchtes. Wien. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kaiserl. Rath Heinrich Klinger hat aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub von mehreren Wochen genommen und wird denselben im Süden verbringen. Während dieser Zeit führt der I. Vice-Präsident Herr Dr. Alfred Stern die Präsidialgeschäfte. „Der jüdische Kaufmann und die kaufmännische Ehre" von Dr. Max Grunwald. Von dem vorstehend benannten Vortrage wird in Warschau bereits eine hebräische Ausgabe veranstaltet. Das hebräische Tagblatt „Hazefirah" hat in Nr. 10 vom 24. d. M. mit dem wörtlichen Abdruck der deutschen Uebersetzung begonnen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 2. Februar d. I. um bald 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Bethause, IL, Große Schiffgasse 8, die Trauung des Fräulein Bertha Singer, Tochter des Herrn Adolf S i n g e r, mit Herrn Nathan P o l l a k, Procuristen der Firma Kann & Singer's Nächst, statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Rosa Sensky, Tochter des Herrn Jacob Sensky, hat sich mit Herrn Leopold Bruckner verlobt. Wien. Zum Leichenbegängniß des Obercantor Tiger theilt uns Herr Vereinsvorsteher S. S t r a ß b e r g als Delegirter der Wiener Chewra-Kadischa mit, daß noch Obercantor Seifert von der Fugbach-Synagoge das o*ö?n ^>8 recitirt hatte und daß sein Vortrag bei den Theilnehmern der Trauerversammlung einen tiefen Eindruck zurückließ. Wien. Am 25. d. M. (Sabbath Beschalach) beging der in weiten Kreisen bekannte ehemalige Wiener Buchhändler M. Hirschler die Barmizwafeier eines seiner Enkelkinder. Der vom ReligionSlehrer D. Skutezky vorbereitete Confirmand hielt eine sehr gelungene Ansprache und zeichnete sich durch seine gewandte, verständniß- und empfindungsvolle Vortragsweise besonders aus. Wien. Der „Israelitische Humanitäts-Verein für den zehnten Gemeindebezirk Wiens" veranstaltet Mittwoch den 5. Februar l. I. im Ballsaal Ronacher einen Wohlthätigk e i t s b a l l, dessen Reinerträgniß den Humanitären Bestrebungen des Vereines zugesührt werden soll. Die Veranstaltungen dieses Vereines erfreuen sich seit Jahren einer großen stets wachsenden Beliebtheit und das Comite wie die Bereinsleitung sind stets bestrebt, den Ball zu einem Glanzpunkt der Saison zu gestalten. Angesichts der großen Noth, die speciell im X. Gemeindebezirk herrscht und der zu steuern das Bestreben des Humanitären Vereines ist, kann der Besuch des Wohlthätigkeitsballes dringend empfohlen werden. Die Einladung zeichneten fürdie Vereinsleitung: Em. S ch i d r o w i tz, X., Leebgasse 56; für das Ball-Comite: Jac. S. S t r a ß b e r g. X., Favoritenhof; für das Junge-Herren- Comite: Doctor Ph. Schwarz, Obmann. Wien. (Ball der Lese- und Redehalle jüdische r H o ch s ch ü l e r.) Es war ein schönes Fest, mit dem die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler zum erstenmale in die Oeffentlichkeit trat. Man muß sagen, daß dieser Verein, dessen sympathische Ziele und Bestrebungen bekannt sind, es verstanden hat, ein ebenso distinguirtes als zahlreiches Publicum zu einem Ballfeste zu vereinrgen, das sich an Glanz und Vornehmheit in die Reihe der ersten akademischen Veranstaltungen stellen kann. Da dieses Fest der einzige jüdisch-akademische Ball der Saison ist, trug es den Charakter eines jüdischen Studentenballes, dem auch officiell dadurch Rechnung getragen war, daß alle jüdisch-akademischen Studentenvereine daselbst vertreten waren. Einen besonderen Glanz erhielt das Fest durch die Anwesenheit hervorragender Vertreter akademischer und anderer hochangesehener Kreise, die insgesammt dem glänzenden Ehrencomits angehörtcn und von der prachtvoll decorirten Ehrenestrade aus dem frohen Treiben der Jugend zusahen. Man bemerkte unter Anderen den Pro-Decan der philosophischen Facultät Hoftath Professor David Heinrich Müller, Universitätsprofessor Dr. S. Ebrmann, Universitätsdocenten Doctor M. Hajek, Reichsrathsabgeordneten Dr. Emil Byk, Herrn Dr. Richard Rappaport u. s. w. Als unter den Klängen der vom Capcllmeister Lehär persönlich dirigirten Polonaise das Counts seinen Einzug hielt, konnte man einen vollen Ueberblick gewinnen über den reichen Kranz jugendfrischer, fröhlicher, in gesuchtester Eleganz gekleideter Vertrerinnen der Damenwelt, die gewiß nicht in letzter Linie zum Gelingen des Festes beitrugen und denen die akademische Jugend unermüdlich beim Tanze assistirte. Einstimmig wurde in anerkennender Weise über die rührige Thätigkeit und Umsicht des Executivcomites geurtheilt, an dessen Spitze die Herren Jur. Robert Glesinger, Med. Ignaz Zollschan, Med. Otto Glogan, Jur. Bernhard Schapire und Jur. Arthur Brill standen. Neben dem eminenten gesellschaftlichen Erfolg ergab sich ein bedeutendes Reinerträgniß, welches dem hunianitären Zwecke des Balles — der Unterstützung mittelloser jüdischer Hochschüler — zufließt. Das Ehrencomits bestand aus folgenden Herren: Max Allina, Director und Professor; Dr. Alois Biach, Univ.-Docent; Prof. Ignaz Brüll, Componist; Lucian Brunner, Fabrikant; Dr. Emil Byk, Reichsraths- Abgeordneter; Dr. Salomon Ehrmann, k. k. Univ.-Prof.; Doctor Hermann Fialla, Hofu Ger.-Adv; Dr. S. Freud, Univ.-Docent; Adolf Gelber, Redacteur; Heinrich Glücksmann, Schriftsteller; Th. Ritter v. Goldschmidt, k. k. Baurath; Dr. Marcus Hajek, Univ.- Docent; Dr. Alb. Hamerschlag, Univ.-Docent; Dr. Theodor Herzl, Schriftsteller; I. Kareis, k. k. Hofrath; Prof. Dr. Leon Kellner, Docent; Dr. Gustav Kohn, Landesschulrath, Hof- und Gerichts- Advocat; Dr. Sigmund Kornfeld, Primarius; Dr. Leop. Königstein, k. k. Univ.-Prof.; Doctor Theodor Lieben, kaiserl. Rath; Arthur Edler v. Mises, Oberingeuieur; Dr. Leopold Oser, k. k. Univ-Prof., Regierungs- und Sanitätsrath; Richard Rappaport, Privatier; Dr. Heinrich Steger, Regieruugsrath, Hof- und Gerichts-Advocat; Dr. Benno Straucher, Reichsraths-Abgeordneter. Wien. Frau Dp. Ludwig G r o ß m a n n hat zur Bermählungsfeier Ihrer k. k. Hoheit Frau Erzherzogin Elisabeth dem hohen Brautpaar nachstehenden Glückwunsch zugesendet: Hohes Brautpaar! In kalter, frostiger Winterszeit Am dreiundzwanzigsten Januar, Ein hohes Brautpaar voller Freud' Geht hin zum Traualtar. Mit Myrthengrün und Blüthen Die Beiden sind geschmückt, Im Herzen reichster Frühling Und Seligkeit im Blick. Durch Priesterhand verbunden In treuer Lieb' erfüllt, Seh'n sie in rosiger Zukunft Vor sich ein herrlich Bild. Elisabeth, Du Holde, Nun bist Du ewig mein, Es wird für mich die Erde Ein Paradies nun sein. Otto, an Deiner Seite Fand ich der Liebe Glück, Das freudig mir gewährte .• Ein gütiges Geschick. Der allgeliebte Kaiser, Im Herzen tief bewegt, Er hat Euch heute segnend Die Hand' aufs Haupt gelegt. Der kaiserliche Segen Begleit' Euch jederzeit Auf all Euern Wegen Bis in die Ewigkeit! Von Seite des k. k. Obersthofmeisteramtes erhielt die Verfasserin auf telegraphischem Wege folgende Dankeskundgebung: „Ihre k. k. Hoheit Frau Erzherzogin Elisabeth Maria dankt yuldvollst für das sinnige Gedicht zu höchst deren Vermählung." Wien. (All gemei n er Kr a n ke n u n t e r st ü tz u n g sv e r e i n „Men s ch e n l i e b e".) Dieser Verein hielt am26. d.M. seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Dem Jahresbericht entnehmen wir, daß der Verein unter der überaus tüchtigen Leitung seines Präsidenten, Herrn M. Pilpel, trotz der kurzen Zeit feines Bestandes bereits über eine Mitgliederzahl von nahezu 300 und über ein Baarvermögen von 1300 Kronen verfügt.