Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Dr. Bloches Wochenfchrifk. Sette 77 Wenn mau bedenkt, daß der Verein für einen Monatsbeitrag von blos 1 Krone seinen Mitgliedern eine Krankenunterstützung in der Höhe von 14 Kronen wöchentlich verabreicht, ferner sowohl den Mitgliedern, wie auch deren Familienangehörigen im Bedarfsfälle den behandelnden Arzt gratis zur Verfügung stellt, so muß man gestehen, daß es gewissermaßen im Interesse eines jeden Juden liegt, diesem Vereine beizutreten. Der Verlauf der Generalversammlung war auch ein glänzender. Dem Ausschüsse wurde einstimmig das Absolutorium ertheilt und in die neue Vereinsleitung wurden gewählt die Herren: M. Pilpel, L. I. Löffler. I. Deutsch, I. Bartischan, I. Krauß, M. Bellak, E. Goldscheider, S. Saxl, A. Bock, I. Trebitsch, I. Back, M. Piß, H. Liebermann und M. Wolfer. Der Sitz des Vereines befindet sich gegenwärtig im Restaurant Wendlinger, IX., Seegasse 7. woselbst auch Beitrittserklärungen entgegengenommen werden. Brandeis a. E. Am 13. Jänner starb in Brandeis a. E. der dortige verdienstvolle Rabbiner und Obercantor Herr Bernhard Weiß, nach einer mehr als 30jährigen segensreichen Thätigkeit. Das Leichenbegängniß fand am 15. d. M. unter einer außerordentlichen Betheiligung statt. Im schwarzdrappir'ten Tempel, in welchem die irdischen Ueberreste des Entschlummerten aufgebahrt waren, versammelten sich sämmtliche Honoratioren der hiesigen Stadt und Umgebung zur erhebenden Trauerfeier. Nach Absingung eines Trauerchorals des bekannten Prager Tempelquartetts sang Herr Rabbiner und Obercantor Uttitz unter Orgelbegleitung in ergreifender Weise das „Schiwisi", nach welchem Herr Rabbiner Dr. Weiner, Weinberge-Prag, eine formvollendete, tiesempsundene Trauerrede hielt. Im Anschlüsse an dieselbe sang der Brandeiser Gesangverein einen Choral, worauf dann der Sarg auf den zweispännigen Leichenwagen gehoben wurde. Auf dem Friedhofe nahm Herr Rabbiner Uttitz nach dem „Hazur Tomim" in rührenden Worten, in welchen er den Verewigten als Priester und College würdigte, Abschied. Nach Recitirung des Joschew beseser und des Meuucho nechouno schloß diese traurige Feier. Jerusalem. Die schwedische Regierung hat Herrn Doctor D'Arb ela, Chefarzt des Rothschild'schen Hospitals, zu ihrem Consul für Jerusalem ernannt. Szeged. Sonntag den 2. Februar d. I. findet die Trauung des Fräulein Adele Eisen st ädter de Buziäs, Tochter des Herrn Ferdinand Eisenstädter de Buzias, mit Herrn Güza Eppinger aus Budapest statt. Innsbruck. Die hiesige israelitische Gemeinde hat gegen Iren Gemeinderathsbeschluß, daß an Israeliten keine städtischen Geschäftslocale mehr vermiethet werden, an die Statthalterei recurirt. Bielitz, den 27. Jänner. Gestern feierte Herr Philipp Lemberger, Director der israelitischen Schule in Bielitz i. R. in vollster körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag,. der sich für den Jubilar zu einem wahren Ehrentage gestaltete. Herzliche Glückwünsche wurden Herrn Director Philipp Lemberger, der auch auf eine nahezu 50jährige pädagogische Thätigkeit zurückzublicken vermag, von allen Seiten zutheil; von - Nah und Fern, mündlich, schriftlich und telegraphisch waren dieselben eingelaufen. Ansprachen des Präses der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Salomon P o l l a k, des Herrn Rabbiners Dr. Steiner, des Vorstands-Mitgliedes der israelitischen Gemeinde Herrn B r a u n b e r g, des Herrn Directors G o l d b e r g sowie des Herrn Rudolf K e st e l, des Vorstandes des israelitischen Handwerkervereines, gaben Zeugniß von den Sympathien, welche dem Jubilar entgegengebracht werden. Die ehemaligen Schüler des Herrn Directors Lemberger bewiesen durch eine mehrere hundert Unterschriften tragende Adresse, deren künstlerische Ausführung die Lithographie der Herren Brüder Handel, sowie Herr Buchbindermeister Kaluza besorgt hatten, daß sie in Dankbarkeit ihres ehemaligen Lehrers sich erinnern. Herzlich erfreut, tief ergriffen von den zahlreichen Ehrungen sprach Herr Director Lemberger allen zahlreichen Gratulanten seinen herzlichen Dank aus; sicherlich wird ihm der Tag in dauernder und unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Herr Director Lemberger war von 1856 bis 1870 zunächst als Lehrer in Kunzendorf- Lipnik thätig; vom Jahre 1870 bis 1894 bekleidete Herr Director Lemberger die Stellung eines Directors der israelitischen Volksschule. Leipnik. (T r a u u n g.) Sonntag den 2. Februar 1902 um halb 1 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel in Leipnik die Trauung des Fräulein Rosa Bellak mit Herrn Alois Schiller, Spediteur und Möbeltransporteur aus Mähr.- Neustadt, statt. Gaya, 27. Jänner. Heute fand hier die feierliche Jnstallirung Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. B a u e r als Rabbiner der hiesigen Gemeinde statt. Der Ausschuß, unterstützt von allen Mitgliedern der Gemeinde, bereitete deren neuen Rabbiner einen wahrhaft glänzenden Empfang. Vom Vorstande und den Delegationen der Nachbargemeinden wurde Herr Dr. Bauer am Bahnhofe empfangen und in den Tempel geleitet, wo sich inzwischen die Gemeindemitglieder versammelten. Herr Dr. Abeles, der Schwiegervater des neuen Rabbiners, hielt eine sehr beifällig ausgenommene Rede, in der er die Pflichten und das Berhältniß des Seelsorgers zur Gemeinde und umgekehrt schilderte. Hierauf ergriff Herr Dr. Bauer das Wort, um in einer großartig angelegten Rede seine bevorstehende Aufgabe zum Ausdrucke zu bringen. Nach einem feierlichen Gottesdienste, der auch durch Anwesenheit des Herrn Bezirkshauptmannes ausgezeichnet wurde, endete das Fest mit einem Bankette, das durch ein Militärconcert und ein sich daran anschließendes Tanzkränzchen vervollständigt wurde. Besondere Verdienste um das Zustandekommen dieses Festes haben sich erworben die Herren: Samuel Jellinek, Max Sax, Arnold Mandl, Karl Hernhan, Max Fischer u. A. m. Raab. Der aus Concert, Tombola und Tanz bestehende Geselligkeitsabend, welchen der unter der Leitung der hochherzigen Präsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich stehende hiesige israelitische Frauenverein in den glänzend decorirten Räumen des Lloyd-Gebäudes arrangirte, war einer der gelungensten. Wie ein guter Engel, welcher seine Schutzbefohlenen überallhin begleitet, also war auch diesmal die Frau Präsidentin mit den Ausschußdamen bestrebt, durch selbstloses Können und Wollen diesen Abend einem distinguirten Publicum genußreich und den Armen umso erfolgreicher zu gestalten. Im Rahmen des von der Militärcapelle executirten inhaltsreichen Concertes war zu bewundern der schöne Gesang der Frau Johann Schmidl, geborene Sidonie Buchwald, aus Floridsdorf, und das künstlerische Clavierspiel dev Frau Heinrich Oetvös, absolvirten Wiener Conservatoristin. Erstere zeichnete sich durch ihre wunderbare Stimme, letztere durch ihre hohe Technik aus. Die Clavierbegleitung executirten Herr Jacob Hatschek und Herr Jenö Fischer mit gewohnter Correctheit. Hierauf folgte der schöne Gesang des Herrn Sigmund Sas. Hervorgehoben zu werden verdient das künstlerische Biolin-Solo des Aladbr Siü und das Flöten-Solo des Herrn Heinz. Sämmtliche Mitwirkenden wurde reichlich apvlaudirt. Aufs Concert folgte die materiell ergiebige Tombola. Dann begannen die Freuden der Jugend, welche bei den Klängen der Zigeuner-Capelle dem Tanze huldigte. Das Vereinspräsidium und die Ausschußdamen, sowie der Verein überhaupt können nach solch' ausgezeichnetem Resultate vollauf zufrieden sein. Croat.Kreuz. Am 15. d. M. hielt die hiesige israelitische Cultusgemeinde ihre diesjährige Generalversammlung ab und wurde über Antrag unseres allseits geehrten und verdienstvollen Vorstehers Herrn Markus B r e y e r einstimmig beschlossen, unserem Rabbiner Herrn Dr. M. Engel durch eine besondere Ehrengabe unter gleichzeitiger Erhöhung des Gehaltes die Anerkennung der Gemeinde zunr Ausdruck zu bringen. Bei der Wahl des Ausschusses wurde der bisherige Vorsteher xer acclamatiouem wiedergewählt. Feuilleton. Die Hamlmrger Indengemeinde im Jahre 173«. Von Dr. M. Grunwald in Hamburg. (Aus den Mittheilungen des Vereines für Hamburgische Geschichte, Band VH, Heft 3, Nr. 11/12.) (Schluß.) An den Judentumult von 1730 knüpfen sich zwei Momente von allgemeinerer Bedeutung. ES sind dies zunächst die Zeugenaussagen, wie sie am 26. August und an den folgenden Tagen ausgenommen wurden. Sie erinnern uns lebhaft an ähnliche Vorgänge aus allerjüngster Zeit. So erzählt eine Dienstmagd, „Margaretha Dorothea Schultzen, eines Tambouren Frau unter der Herrn Capitain Raschen Compagnie, ohngefähr 30 Jahre alt", sie sei eines Abends, um den Officieren auf dem Wall das Essen zu bringen, mit einem Mann und einer Freundin durch die Peterstraße gekommen. Da hätten ihr zwei Juden eine Schlinge um den Hals geworfen und erst, als sie ihre Begleitung, die ein Stück voraus gegangen, um Hilfe gerufen, von ihr abgelaffen. Andere vor ihren Thüren fitzende Juden hätten darüber gelacht. Hierzu bemerkt nun die als Zeugin aufgerusene Freundin, „Anna Stutin, 21 Jahre alt, Köchin bei Herrn Jürgen Hvltzkamp, Bürgercapitain, aus Oldesloh gebürtig", daß sie nicht mehr wüßte, wann der Vorfall sich ereignet habe. Auch sei es eine andere Straße gewesen und ihr nicht erinnerlich, daß man der Schultzin die Schlinge um den Hals geworfen habe. Sie könne nur bezeugen, daß zwei Judenjungen eine Schlinge in der Hand hielten. Daß es im Judenviertel ebensogut wie anderswo Gaffenbuben gegeben hat, welche selbst vor ehrwürdigen Perrücken wenig