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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sette 37 Nr. 3,< Dr. Bloch's Wochenschrift. Man schreibt aus Lemberg: „Slowo Polskie" melden einen an die Affaire Araten erinnernden Vorfall, welcher sich hier vor einigen Tagen ereignete. Die zehnjährige Tochter des jüdischen Bürstenbinders Reisler wurde auf der Straße von einem unbekannten Frauenzimmer angesprochen und mit Zuckerwerk nach dem entlegenen Vororte Lesienice gelockt, wo schließlich Vorübergehende auf das sich sträubende Kind aufmerksam wurden und dasselbe sammt der Eirtführerin auf den Gendarmerieposten brachten. Dort gab Letztere an, sie heiße Emma Lozinska und habe die Absicht gehabt, das Mädchen in ein Frauenkloster zu bringen, um es dort zu taufen. In dieser Angelegenheit wurde die Strafuntersuchung eingeleitet. Ein Capitel aus der jüdischen Kunstgeschichte. Hunderte von Zuhörern, darunter die besten und vornehmsten der israelitischen Gemeinde, haben Samstag, den 12. d. M., im Festsaale des Niedei österreichischen Gewerbevereins sich eingefunden, um dem von der „Gesellschaft zur Erhaltung und Sammlung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" veranstalteten Vortrage beizuwohnen; viele Hunderte haben wegen Raummangels keine Karten mehr erhalten können. Nt an bewirbt sich mit erfreulichem Eifer um den Znlaß zu diesen Vorträgen, die sich bereits einen glänzenden Ruf erworben haben und eine unentbehrliche Einrichtung des jüdischen Geistes- und Gesellschaftslebens in Wien geworden sind, und jeder neue Vortrag erhöht den Ruhm dieser Veranstaltungen und fügt zu den Verdiensten des Vorstandes der Gesellschaft ein neues Lorbeerblatt hinzu. Was an Ehren der Gesellschaft zuerkannt werden kann, geschieht. Aber Ihr, aufmerksame Zuhörer, Ihr, jüdische Mitbürger, denen man so gerne diese geistigen Genüsse bietet, habt Ihr auch bedacht, daß eine solche Gesellschaft nur daun sich für alle Zeit consolidiren. nur dann ihre Ausgaben erfüllen, nur dann ihr Gebiet beherrschen, nur daun ihre Ziele erreichen, nur dann ihr Programm erweitern kann, wenn Ihr nicht blos zuhört, sondern auch mitwirkt? Wie viele von Euch haben sich schon die Frage vorgelegt, woher nimmt denn die Gesellschaft die Mittel, um uns so auserlesene Genüsse zu bieten, wer versetzt die Gesellschaft in die Lage, so reiche Sammlungen anzulegen, die nicht blos Kunst- und historischen Werth an sich besitzen, sondern deren Zusammenfassen von der größten Bedeutung für das Judenthum selbst ist? Wie viele von Euch sind bereits Mitglieder dieser Gesellschaft? Wer hat schon seine Pflicht an die Gesellschaft erfüllt, indem er sein Scherflein dargebracht hat, um die Sammlungen zu bereichern, die Mittel zur Herbeischaffung derselben zu vermehren? Und hat denn Keiner noch daran gedacht, daß für diese Sammlungen auch ein eigenes Heim geschaffen werden sollte? Hat noch in keinem jüdischen Hausbesitzer der Wunsch sich geregt, dieser Sammlung ein würdiges Obdach zu bieten? Haben die vom Glück begünstigten unter unseren Glaubensgenossen sich noch nicht der Pflichten des Besitzes erinnert, die ihnen nahelegen sollten, durch eine schöne große gemeinsame Widmung ein Gebäude zu errichten, das dieser jüdischen Lehr- und Ehrenanstalt, diesem monumentalen Gedanken des Zusammenfaffens jüdischer Culturthätigkeit ein, würdiges Obdach gewähren sollte, ein Obdach, das selbst eines der schönsten Monumente jüdischen Gemeinsinnes, zugleich eines der beredtesten Documente gegen die Feinde der Juden sein müßte? Ihr seid begeistert von den Vorträgen, Ihr seid erhoben durch die Beweise des ethischen und culturellen Werthes des Judenthums, die aller Welt vorgeführt werden, nun, so sorgt denn auch, daß sie Euch für alle Zeiten erhalten bleiben und daß Ihr nicht bei Anderen zu Gaste einkehret, sondern daß Ihr die Gäste im eigenen Heim empfanget. Es kann gar nicht nachdrücklich genug die Bedeutung des eigenen Heims für diese Anstalt — das zugleich andere Zwecke mitverbinden könnte — hervorgehoben werden. Es ist nicht blos Ehrensache, es ist naheliegendes Interesse, daß dieser Wunsch erfüllt werde, diese Anregung nicht unberücksichtigt bleibe. So viel auch auf materiellem Gebiete geschieht und noch zu geschehen hat — diese moralische Pflicht steht noch höher. Also, Ihr Glaubensgenossen, Ehre Demjenigen, der den ersten Baustein liefern wird, Ehre Demjenigen, der den Schlußstein einsetzt! Es war nicht nur das Thema „Ein Capitel jüdischer Kunstgeschichte", das so viele Zuhörer Samstag den 12. d. M. veranlagte, dem Vortrage der jüdischen Musealgesellschaft beizuwohnen, es war nicht blos das Interesse für diese Gesellschaft im Allgemeinen, sondern noch die besondere Theilnahme für den Vortragenden Dr. Max Grunwald, Rabbiner in Hamburg, ist von seinen früheren Vorträgen her hier bestens eingesührt. Man schätzt nicht blos seine tiefe Gelehrsamkeit, seine scharfe Urtheilskraft, seine geistreiche Exegese, sondern auch die brillante Darstellungsgabe, den großen Ton seiner Rede, die Eleganz seiner Vortragsweise. All' diese Eigenschaften hat er auch in seinem jüngsten Vortrage an den Tag gelegt, und als sein sympathisches, sonores Organ durch den weiten Raum erklang, da wirkte auch die physisch-schöne Stimmfarbe mit, um die Sympathien für diesen, vortrefflichen Redner zu steigern. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte das Auditorium dem Vortrage, in welchem Dr. Max Grün- Wald so viel des Neuen vorführte und das Bekannte in so interessanter Weise zu erklären wußte, daß sich die Spannung immer mehr steigerte und mit dem Schluffe erst ihren Höhepunkt erreichte. Dr. Grunwald begann seinen Vortrag mit der Widerlegung der Meinung, daß die Juden keine Kunst besäßen und daß die Vorschrift der Zehngebote so aufzufassen wäre, als dürften die Inden überhaupt keine irdischen Objecte reproduciren. Gegen dieses Vorurtheil hat man in neuester Zeit von verschiedenen Seiten eine Fülle von Material ins Feld geführt. Dieses Material gilt es nun zu sichten und die Frage zu beantworten. Zeigt sich in diesen Denkmälern ein specifisch jüdischer Charakter? Gibt es einen jüdischen Styl? Oder wie hat man sich einen solchen zu denken? Die Synagoge zunächst, der Brennpunkt der künstlerischen Bethätigung bei den Juden, zeigt weder in Einrichtung noch im Styl des Baues ausgesprochen jüdisches Gepräge. Ursprünglich einfach Gemeindehaus ohne gottesdienstliche Bestimmung, entspricht sie der letzteren später vollkommen durch eine Stelle zur Aufbewahrung und eine andere zur Verlesung der heiligen Lehre. Im Baustyl hält man sich anfangs au das Vorbild, welches die Umgebung gibt. Erst seit Beginn des achtzehnten Jahrhunderts läßt sich ein Zurückgreifen auf orientalisches Muster wahrnehmen. In neuester Zeit wird willkürlich gebaut, auch an grotesken Versuchen eigener Stylbildung fehlt es nicht. Die Embleme an Synagogen und Ritualien stellen fast Alles dar, was im Himmel oben und auf der Erde unten und im Wasser unter der Erde ist. Selbst die griechische Mythologie ist reichlich vertreten. Interessant ist, daß Redner im Hamburger Staatsarchiv Urkunden entdeckte, auf denen das Siegel der dortigen jüdischen Gemeinde folgendermaßen dargestellt ist: Man sieht einen Mann in der Tracht des XVII. Jahrhunderts, der unter dem linken Arm ein Buch hält, während die rechte Hand nach den Wolken greift, aus denen sich ihm eine Hand darbietet. Beide Hände vereinigen sich, und darüber befindet sich in hebräischen Buchstaben die damals gebräuchliche Abbreviatur für Hamburg. An zahlreichen, durch das Skioptikon vorgeführten Bildern zeigte der Vortragende die Verschiedenartigkeit des Styls im Synagogenbau. Besonderes Interesse erregten eine polnische Holzsynagoge, eine Synagoge in Festungsbau, die Türmer Mole Antonelliana von den älteren, von den jüngsten die

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