Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 3 (18.1.1901)
- Date
- 1901-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 38 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 3 Synagogen in Prag-Weinberge, Czaslau und Malaczka sowie in Budweis und Wien (Mariahilf und Alsergrund), bei deren Vorführungen die Zuhörer den Erbauern Baurath Stiaßny und Architekt Fleischer in gerechter Anerkennung ihrer grandiosen künstlerischen Leistungen den verdienten Zoll der Bewunderung darbrachten. Dr. Grunwald warf sodann die Frage der Embleme auf und führte den Nackweis, daß jüdische Baukünstler aller Zeiten aus der gesammten Thier- und Pflanzenwelt ihre Embleme entlehnten. Die Besprechung dieser Frage führte ihn zur Discussion über die jüdischen Symbole: den siebenarmigen Leuchter (die Menorah) und das Hexagramm (den Davidsschild). Die Menorah gilt in den ersten Jahrhunderten der üblichen Zeitrechnung als das eigentliche und alleinige jüdische Symbol. Sie findet sich als solches unzählige Male im Heiligen Lande, in den Küstenländern des mittelländischen Meeres rc. Ihre Bedeutung ist, wie der Titusbogen in Rom unverkennbar darftellt, die Vereinigung von Wasser und Feuer, die Aussöhnung der contrairstcn Gegensätze, der Weltfriede. Das Hexagramm ist niemals ausschließlich und alleiniges jüdisches Symbol gewesen. Das Heidenthum wie das Christenthum und der Islam kennen es früher; erst später wird es als Schild Salomo's von dem Pentagramm, dem Siegel Salomo's, unterschieden. Die Juden nennen es Davidsschild, sie kennen es unter diesem Namen nachweisbar erst seit der Mitte des (vierzehnten oder) sechzehnten Jahrhunderts. Das Hexagramm stammt aus der babylonischen Kosmogouie, wo es die Vereinigung von Wasser und Feuer, also gleichfalls, wie die Menorah, den Weltfrieden darstellt. Den Juden ist es durch das mystische „Buch der Schöpfung" vermittelt worden. Redner erwähnt die verschiedensten Deutungen, die man für Magen David (Davidsschild) versucht hat, auch die sprachliche Ableitung von dem Druden fuß, widerlegt in geistreicher Weise alle die Hypothesen mit einem Aufwand hoher Gelehrsamkeit und führt den Nachweis, daß Hexagramm und Menorah denselben Friedeusgedanken symbolisiren. An zahlreichen Blldern zeigte er die Verwendung der Menorah zu den mannigfaltigsten Zwecken. Aus diesem jüdischen Symbole deducirte er auch die Friedensmission der Juden und trat dann mit lebhaftem Eifer für die Verwendung bei jüdischen Bauten eine Verbindung von Gothik und Kuppeldach, als Grundriß das Hexagramm, am Giebel die Menorah als Ausdruck derjenigen Gedanken, ein, die nach den Lehren des Judenthums die Grundlagen der Weltordnung bilden: Gerechtigkeit, Wahrheit, Frieden! Stürmischer Beifall lohnte den geistvollen Redner, und so wie er wurde auch der Präsident der Gesellschaft, Baurath S t i a ß n y, beglückwünscht, dessen Initiative die Gründung des Museums und die Abhaltung dieser Vorträge zu verdanken ist. ^Johann Lichten st ad t. q- * * * Die nächsten Vorträge der Gesellschaft sind: am 3t. d. M. Rector Schwarz: „Der Talmud"; Mitte Februar findet ein Skioptikonvortrag des Herrn Beck statt. Anfang März liest der Vicepräses k. k. Hofschauspieler und Oberregisseur Adolph v. S o n n e n t h a l und Ende März hält Geheimrath Dr. Cohn (Berlin) einen Vortrag. Vormerkungen auf Karten werden von jetzt ab entgegengenommen im Bureau I., Rathhausstraße 13, im jüdischen Museum, dessen Besichtigung jeden Samstag von 11 — 1 Uhr gestattet ist. Jüdischer und christlicher Srlavenhandel. (Schluß.) Dagegen verfügte Benedikt VIll., als die Priesterehe definitiv verboten wurde, daß von Geistlichen selbst mit freien Frauen erzeugte Kinder Sclaven der Kirche werden sollten. Einmal wurde sogar von Leo IX. verfügt, daß auch die Frau Sclavin werden sollte. Den Sclaven selbst wurde der Eintritt in den geistlichen Stand sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht. Das Koncil von Orleans verfügte im Jahre 549: Ein Sclave, selbst ein freigelassener, darf ohne Einwilligung seines Herrn nicht zum Geistlichen ordinirt werden Ist es doch geschehen, so muß er seinem Herrn zurückgegeben werden, doch darf dieser von ihm keine seines Standes unwürdige Dienste verlangen. Thut er es doch, so soll der Bischof den Ordinirten in Besitz nehmen und dem Herrn zwei andere Sclaven für ihn geben?) Ein halbes Jahrtausend später (1035) verfügte das Koncil von Tribur: Kein Sclave soll zu den heiligen Weihen gelangen. Nach den Decretalen können freigelafsene Sclaven der Kirche Geistliche werden, doch muß ihr Vermögen nach ihrem Tode der Kirche heimfallen, von der sie befreit wurden. Das Vermögen der Kirche ist größtentheils entstanden aus Schenkungen der Laien, die in älterer Zeit meistens aus Grundstücken, gewöhnlich mit Sclaven oder Hörigen, bestanden. Diese blieben unter geistlicher Herrschaft in demselben Zustande, in dem sie früher gewesen waren. Wenn die Sclaven Kinder zeugten, blieben diese Sclaven, vermehrten den Reichthum der Herren. Im Benedictinerkloster zu Arezzo fand Muratori durch viele Generationen fortlaufende Genealogien von Sclavenfamilien, mit Angabe über Käufe, Verkäufe, Fluchtversuche u. dergl. Der Zweck dieser Aufzeichnungen war, jederzeit das Besitzrecht Nachweisen zu können, die Abkömmlinge von Sclaven, die sich für Freie ausgeben wollten, in der Knechtschaft zu erhalten?) Papst Gregor I. besaß in Sicilien großen Grundbesitz mit vielen Sclaven, von denen er manche an Freunde verschenkte. Ec besaß auch in Rom Sclaven und ließ einen, der sich geflüchtet hatte, eifrig verfolgen. Seinen Hörigen gestattete er nicht, sich mit den Hörigen eines anderen Grundbesitzers zu verheiraten; nur der im Besitze von Juden befindlichen Sclaven hat er sich angenommen?) Daß die christlichen Bewohner von Corsica im IX. Jahrhundert dem päpstlichen Hofe ein Zehntel ihrer Kinder als Tribut liefern müßten, wie der AbbL de Germanes, Generalvicar von Rennes, in seiner Geschichte dieser Insel erzählt?) erscheint kaum glaublich. Mohammedanische Sclaven haben aber die Päpste, wie aus zahlreichen von Brechts mirgetheilten Urkunden ersichtlich ist, noch bis ins XVIII. Jahrhundert erworben, benutzt und verkauft oder vertauscht. Und manchmal blieben diese auch nach der Taufe Sclaven. Ueberdies waren die Päpste selbst mitunter Urheber der Bersclavung freier Menschen. Während eines Krieges mit der Republik Venedig legte Papst Clemens V. im Jahre 1309 den ganzen Staat, Regierung und Volk, in den Bann, befahl, ihr Vermögen, wo immer es sich finden sollte, zu confisciren, erklärte alle mit Benetianern geschlossenen Verträge für ungiltig und gestattete Jedermann, sie z u S cl a v e n z u m a ch e n?) Ebenso excommunicirte Gregor XI. während seines Krieges mit der Republik Florenz im Jahre 1376 alle Florentiner, befahl allen.Fürsten, in deren Staaten Florentiner fich aufhielten, ihr Vermögen zu confisciren, sich ihrer. Personen zu bemächtigen und sie als Sclaven zu verkaufen. In England und Frankreich wurde der Befehl wenigstens in Bezug auf die Vermögensconfiscation ausgeführt. Wie sich der Papst in einem Schreiben an seinen Legaten in Sicilien rühmte, wurden seine darauf bezüglichen Befehle in allen Ländern ausgeführt. Rur in Sicilien, klagte er, lasse man die Florentiser unbehelligt, worüber er sich umso mehr wundere, als ja die Sicilianer bei *) Guizot a. O. E. 116. a) L. A. Muratori, Dissertazioni sopra Is antiebita italiane, Milano 1751. Diss. 14, I S. 148. *) Otto Hartwig, Aus Sicilien. Cassel 1867, I S. 83. 4) Histoire des revolutions de Corse, Paris 1771,196—101. 5) Nach A. Bertolotti, La schiavitü a Eoma, Rom 1887. 8) S. Romanin, Storia documentata di Venezia, Libro VIII, cap. 1, Venedig 1856.