Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021388--10529-3035015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 2 Dr. Vtortz's Wortzrnfchrifi. Sette 29 Nun hielt Oberrabbiner Dr. Diamant eine auf das seltene Fest Bezug habende, sehr geistvoll ausgearbeitete Weiherede, worauf ein Choral gesungen und das schöne Fest beendet wurde. Nach der Festlichkeit wurden die Versammelten zu einem Imbiß eingeladen, wobei zahlreiche Damen, insbesondere Frau Dr. Sprtzer, Frau Josef Kunetz und Frau Carl Schwarz in der liebenswürdigsten Weise die Honneurs machten. Wir wollen diese Gelegenheit benützen, uns das Haus näher zu betrachten. Das herrliche Gebäude bildet die Ecke der Bahnhofstcaße und des Fruchtplatzes. Dasselbe besteht aus zwei vollkommen getrennten Theilen, wovon der erste (Bahnhofstraße) die Amts¬ und Schullocalitäten, der zweite (Fruchtplatz) die Beamtenwohnungen enthält. Mit dem Baue dieses Hauses bleibt für immer der Name des Cultusvorstehers Dr. Hugo Spitzer verknüpft. Sein getreuer Mitarbeiter an diesem Werke, welches ein dauerndes Denkmal seiner Verdienste um die Cultusgemeinde bilden wird, war Herr Gemeindesecretär Nathan Schwarz, der an den Kämpfen und Unannehmlichkeiten, mit welchen stets ein solch großes Werk verbunden ist, redlichen Antheil nahm. Jnowrazlaw. Die hiesige Stadtverordneten- Bersammlung zählt je 10 evangelische, katholische und jüdische Mitglieder, von den 6 unbesoldeten Stadträthen gehören je 2 denselben Bekenntnissen an. Die hiesige Mittelschule wird gänzlich aus städtischen Mitteln erhalten. Unter ihren 10 Lehrern ist kein Jude. Vor drei Jahren beantragte bei eintretender Vacanz ein jüdischer Stadtverordneter die Berufung eines jüdischen Lehrers, wodurch der Zuschuß von 200 Mark für den jüdischen Religions-Unterricht gespart werden würde. Der Antrag wurde angenommen, aber ein nicht-jüdischer Lehrer an gestellt. Bei der diesjährigen Etatsberathung schlug die Schulbehörde wieder die Anstellung eines Mittelschullehrers vor. Die Forderung wurde bewilligt. Der jüdische Stadtverordnete Herr Sandler beantragte wiederum die Berufung eines jüdischen Lehrers, was einstimmig angeuomulen wurde. Der Magistrat wies in dem Ausschreiben daraus hin, daß bei der Besetzung ein jüdischer Lehrer berücksichtigt werden solle. Es liefen Meldungen ein, darunter zwei von hiesigen Lehrern. In der vorwöchigen Stadtverordneten-Sitzung theilte der Referent mit, daß der Magistrat einen nicht-jüdischen Lehrer gewählt habe, weil, da die Lehrkraft voll in Anspruch genommen werde, die oben erwähnte Ersparniß von 200 Mark also eintrete und weil der Unterricht leiden würde, da der jüdische Lehrer an Sabbath- und Feiertagen nicht schriebe. Der Kreisschul-Jnspector habe deshalb die Berufung eines jüdischen Lehrers abgelehnt, die Schulcommission sei ihm beigetreten, und so habe sich der Magistrat zur Wahl eines nicht-jüdlschen Lehrers genöthigt gesehen. Stadtverordneter Herr Rosenberg meinte, daß die Juden, die ein Drittel der städtischen Steuern ausbrächten, wohl die Anstellung eines jüdischen Mittelschullehrers neben 10 nicht-jüdischen beanspruchen dürften. Sollte die Sabbathheiligung als Hinderniß der Anstellung gelten, so müßte man die jüdischen Seminare und höheren Lehranstalten schließen. Der erste Bürgermeister erklärte, daß er erst seit wenigen Monaten an der Spitze der Verwaltung stehe, daß er die oben mitgetheilten Vorgänge nicht gekannt habe und den Zustand bedauere. Der Magistrat habe einen jüdischen Bewerber angefragt, ob er am Sabbath schreiben und an den hohen Feiertagen unterrichten werde. Der Bewerber habe verneinend geantwortet. Stadtverordneter Sandler gab der Verwunderung Ausdruck, daß man die 4 Vormittagsstunden am Sabbath nicht mit schreibfreiem Unterricht besetze. Stadtverordneter Bankier Salomonsohn meinte, daß die ohne Mitwirkung der Stadtverordneten-Berjammlung erfolgte Lehrerberufung nugiltig sei. Nachdem der Bürgermeister erklärt hatte, daß die Bestätigung der Regierung bereits nachgejucht sei, einigte man sich dahin, daß bei der nächsten Vacanz ein jüdischer Lehrer angestellt werden solle. — Die beiden jüdischen Stadträthe haben ihr Amt niedergelegt. Vermischtes. Wien. (Jüdisches Museum.) Der zweite Vortrag im IV. Eyclus, welchen die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums in dieser Saison veranstaltet, wird Samstag den 12. Jänner 1901, präcise TU Uhr Abends, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbev^reins stattfinden. Derselbe bringt einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Hamburg: „Ein Capitel aus der jüdischen Kunstgeschichte" unter gleichzeitiger Vorführung von Skioptikonbildern. Wien. (Politischer Bolksverein.) Samstag den 19. d. M., ' ..8 Uhr, veranstaltet der Politische Volksverein im großen Saale des Hotel Central, II.. Taborstraße 8, einen Vortrag des Germanisten Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Hamburg über das Thema: „Goethe und die Juden". Die Eintrittskarten zu diesem eine abschließende jüdische Goethefeier darstellenden Vortrage werden unentgeltlich verabfolgt und können schon jetzt in der Kanzlei des Vereinsp.äsidenten, Herrn Dr. Hermann Fialla, Hof- und Gerichtsadvocaten, I., Schottenring 23, behoben werden. Wien. (B e r l o b u n g.) Der Zahnarzt Herr Dr. Emil Mandler verlobte sich mit Fräulein Josefine Weiß. Tochter des Spirituosenfabrikanten und Hausbesitzers Herrn S. Weiß, Wien-Wreden. Wien. Mittwoch den 26. December fand im Stadttempel die Trauung des Herrn Rabbiners Dr. Schornstein aus Leitmeritz mit der Tochter des Cultusvorstehers Director Simon statt. Dem Trauungsacte, welchen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer vollzogen, wohnten das Präsidium der Cultusgemeinde, viele Custusvorsteher, sowi: die Theilnehmer des Religionslehrertages für Mittelschulen und zahlreiche andere Hochzeitsgäste bei. Wien. (T r a u u n q.) Am 20. d. M. findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Großindustriellen Herrn Otto Strakosch, in Firma B. Strakosch & Sohn in Wien, mit Fräulein Mizzi W e i s h u t statt. Der Bräutigam entstammt einer angesehenen Brünner Patricierfamilie, die Braut ist die Tochter des Bankdirectors Herrn Alois Weis Hut. Wien. Dem Großindustriellen Herrn Salomon Kohübe r g e r wurde vom Kaiser der Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Wien. Der Vorstand des Vereines „Chewra-Kadischa" für den XII.—XV. Bezirk hat lein langjähriges Vorstandsmitglied Herrn Max Haas für dessen große Verdienste, die er sich um den Verein erworben, zum Ehrenmitgliede ernannt. Aus diesem Anlasse versammelte sich der gesammte Vorstand mit seinem Obmanne Herrn Dr. Bars am 29. December in dessen Wohnung und überreichte demselben ein prachtvoll ausgestattetes Diplom. Wien. Am 5. d M. veranstaltete der Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeits-Berein sein Elite-Kränzchen, das einen glänzenden Verlauf nahm. Schon die beiden vorangegcmgenen (Abende) Comite-Abende ließen eine rege Betheiligung am Kränzchen erwarten. Die Hoffnungen, die man auf dasselbe setzte, wurden jedoch beiweitem übertroffen. Eröffnet wurde der Tanz von folgenden Paaren: Herr Dr. Jac. Schreiber, Obmann des Herrencomitss, mit Frl. Stephanie Zimmermann, die unstreitig als Ballkönigin zu betrachten ist Hierauf folgten: Herr Gäza Schwarz, Obmann-Stellvertreter. mit Frl Ernestine Schreiber, Herr Dr. Saxl mit Frl. Antonie Renner, Herr Philipp Herzog, artistischer Leiter, sammt Frau, Herr Mediciner Max Krampfliöek, Schriftführer, mit Frl. Regine Fischer, Herr N. Gelbart mit Frl. Olga Loewe, Herr Fritz Glas mit Frl. Marianne Kl in und Herr Jurist Emil Schmitz mit Frl. Emmy Mauthner. — Während der Eotillon-Quadrille wurde von 16 Comite-Damen eine Gavotte unter Leitung des Herrn Tanzmeister Julius Singer aufgeführt, dem an dieser Stelle für sein Bemühen der wärmste Dank ausgedrückc sei An der Gavotte betheiligten sich die Damen: Frl. Stephanie Zim-rermann, Frl. Marianne Klein, Frl. Olga Loewe, Frl. Antonie Renner, Frl. Erna Schreiber, Frl. Helene Freiberger, Frl. Elsa Kraus, Frl. Regine Fi cher, Frl. Eomilla Linduer, Frl. Emniy Mauthner, Frl. Mizzi Knopf, Frl. Elsa Eltbogen, Frl. Malvine Moosberg. Frls. Rosa und Olga Bettelheim und Frl. Renäe Berger. Den Schlußeffect der Gavotte bildete ein 8, eine Ovation für die Präsidentin Frau Therese Spitz. Dieser Tanz wurde von den Anwesenden mit großem Applaus ausgenommen. Bon den Damen des Vorstandes waren zugegen: Die Präsidentin, ferner Frau Anna Goldner, Frau Marie Kohn, Frau Katharina Kohn, Frau Johanna Renner, Frau Adele Stern, Frau Dr. Bachrich und Frau Clotilde Rosner. Von den Herren des Vorstandes waren zugegen: Herr David Spitz, Obmann, Herr Josef Kohn, Beirath, Herr Jacob Goldner, Herr Jacob Kohn und Herr Adolf Stern. — Als elegante Erscheinungen unter den Frauen sind hervorzuheben: Frau Zimmermann und Frau Herzog. Von den Herren, die sich durch ihre Thätigkeit dem Vereine besonders nützlich erwiesen, sind zu nennen: Herr Philipp Herzog und Herr Mediciner Max Krampflieek. Wien. (Todesfall.) Die Familie Pfeiffer ist von einem herben Schicksalsschlage heimgesucht worden. Der jüngste Sohn Siegfried, ein durch seine liebenswürdige Persönlich-