Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 28 Dr. Bloch's Wortzrnsrtzrrill. Nr. 2 M u z et, die Stadträtbe Novak und Dr. Hrabal, städtischer O-eringeriieur Cututoöic, Direktor Anton Friml. Schulinspector Paul OreLkodiL mit den Direktoren D o u L e v i o nnd RoLi 6, Bezirksvorstand Keufelj. eine Abordnung der U-ilerstädter israelitischen Cultusgemeiude mit Herrn Kellner und der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein mit Frau Friedericke Bauer au der Spitze rc. rc. Selbstverständlich war auch der Erbauer des herrlichen, der Initiative des Vorstandes der israelitischen Eultusgemeinde, Herrn Dr. Hugo Spitzer, entspringenden Gebäudes, Herr Stadtbaumeistcr W. C. Ho fb a u e r anwesend. Schlag 11 Uhr begann das Fest, indem Herr Dr. Hugo Spitzer die außerordentliche Generalversammlung in dem prachtvollen Sitzungssaale des Neugebäudes eröffnete und dem Baumeister Herrn W. C. H v f b a u e r, das Wort ertheilte: Stadtbaumeister W. C. Hofbauer, sympathisch von den Anwesenden begrüßt, sagte Folgendes: „Hochverehrte Versammlung! Sehr geehrter Herr Vorstand! Bor nicht allzulanger Zeit ist der öffentliche Ruf ergangen, Projecte für das Amts- und Schulgebäude der israelitischen Eultusgemeinde zu verfassen. Durch das gegebene, reiflich überlegte und wohldurchdachte Programm war es mir ein Leichtes, das Project zu verfassen, uud es wurde mir der ehrende Auftrag zu theil, dieses Project zur Ausführung zu bringen. Und nun ist's vollendet! Welch' erhebendes Gefühl, wenn rastloses Schaffen von solchem Erfolge gekrönt ist, dessen wir uns heute freuen dürfen, uud die Freude wird eine umso größere sein, wenn der Bau auch den Beifall der hochverehrten Versammlung findet. Und in dieser Voraussetzung glaube ich im Sinne Aller zu sprechen, wenn ich dem Wunsche Ausdruck gebe, daß das ganze Haus, respektive dessen Räume nicht nur als solche entsprechen mögen, sondern, daß auch in der in diesem Hause untergebrachten Schule die Jugend, sowohl im eigenen Interesse, als auch zum Wohle des Staates, zu tüchtigen Staatsbürgern herangebildet werde, daß ferner in diesen Räumen, jn welchen wir uns soeben befinden, alle gefaßten Beschlüsse nur zum Wohle der Gemeinde sein mögen, und'Haß schließlich die Beamten, welche hier Wohnung finden, auch ein trautes Heim haben mögen. Indem ich noch den Segen des Allmächtigen für dieses Haus und alle in demselben erhofften Zwecke erflehe, überreiche ich Ihnen, hochverehrter Herr Vorstand, den Schlüssel desselben. Gott schütze dieses Haus!" (Lebhafte Zivio-Rufe.) Diesen Worten folgte ein weihevoller Chorgesang, welcher am Harmonium vom Herrn Caprllmeister Stefan begleitet wurde, nach welchem der Culmsvorstand Herr Dr. Spitzer das Wort zu folgender (croatischer) Begrüßungsansprache ergriff: Es ist mir eine angenehme Pflicht, die hocha «sehnliche Festversammlung und insbesonders unsere hochverehrten Gäste im Namen des Vorstandes auf das Herzlichste zu begrüßen, und unseren wärmsten Dank dafür auszusprechen, daß Sie unserer Einladung Folge leisteten, uni an dieser bescheidenen, aber für uns so bedeutsamen Feier theilzunehmen. Mit der Einweihung dieses von unserem verehrten Mitbürger Herrn Hofbauer so schön und geschmackvoll erbauten Hauses feiert unsere Gemeinde ein hochwichtiges, ich möchte sagen entscheidendes Moment ihrer Geschichte. Aus ganz bescheidenen Anfängen hervorgegangen, im Jahre 1847 von kaum zwanzig Glaubensgenossen gegründet, hat sich unsere Gemeinde während des abgelaufenen halben Jahrhunderts zu ihrer heutigen Größe und ihrer heutigen Bedeutung entwickelt. Unter den schwierigsten Verhältnissen, unter den größten Opfern waren unsere Vorgänger stets bestrebt, ihre culturellen und confessionellen Institutionen zu verbreitern und zu befestigen. Allein, trotz aller dieser Bestrebungen, trotz aller dieser Opfer ist es ihnen nicht gelungen, das zu erreichen, was heute als erreicht erscheint: eine würdige Hrimstätte für unsere wichtigste Institution, für unsere confeffw nelle Schule, zu schaffen. Jeder Privatmann, der den Bau seines eigenen Hauses vollendet, feiert dieses Ereigniß mit ganz besonderer Begeisterung; er feiert es, weil er seine Mühe und Plage gesegnet sieht, weil er den Tag erlebt hat, an welchem er Alle, die er liebt und die ihm ans Herz gewachsen, um den eigenen Herd versammelt! Mit wie viel größerer Begeisterung und Dankbarkeit muß unsere Gemeinde den heutigen Tag begehen, welcher in so vielen Beziehungen für uns wichtig und freudig ist! Wenn auch dieses Haus, welches wir hiemit unter Mitwirkung so vieler angesehener Freunde und Förderer einweihen, für uns eine materielle Errungenschaft, eine Vermehrung unseres Vermögens bedeutet, so sehen wir dennoch darin auch etwas Höheres. Jn ihm wird uns der Sieg des Principes, der Sieg der Erkenntniß der unumgänglichen Nvthwendigkeit einer confessionellen Schule für das Judenthum verkörpert, in ihm wird uns abermals einer jener unzähligen Beweise der unerschöpflichen Lebenskraft des Judenthums vor Augen gebracht, welche manchesmal geschwächt, aber niemals vernichtet werden kann, es ist uns ein Zeugniß der Opserwilligkeit unserer Gemeindemitglieder und ihrer treuen Anhänglichkeit an die Institutionen unseres Glaubens. Dieses Haus ist ferner ein hehres Denkmal der brüderlichen Liebe und Eintracht, welche in unserem schönen Baterlande und insbesondere in dieser herrlichen Stadt zwischen allen Bürgern ohne Unterschied der Religion herrscht, es verkündet es Jedermann, daß die im Gesetze gewährleistete Gleichberechtigung unseres Glaubensbekenntnisses kein todter Buchstabe geblieben ist, sondern sich tief eingewurzelt hat im Herzen der gesammten Bevölkerung, daß unsere berechtigten Bestrebungen seitens der competenten Factoren nicht nur systematisch beobachtet, sondern nach besten Kräften unterstützt und gefördert werden. Unter diesen Auspicien ist für unsere Gemeinde der Fceudentag herangekommen, an welchem ihr heißester Wunsch in Erfüllung geht, der Tag, an welchem wir dieses Haus einweihen, in dem unsere Jugend, die Hoffnung unserer Zukunft, zu treuen Söhnen unseres theueren Vaterlandes, zu tüchtigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft, zu ehrlichen Anhängern unserer Religionsgenossenschaft erzogen werden soll, dieses Haus, welches bestimmt ist, den Mittelpunkt unseres Gemeindelebens, den Mittelpunkt für alle Mitglieder unserer Gemeinde zu bilden. Ich glaube jedoch, hochverehrte Versammlung, daß wir unsere Thätigkeit in diesem Heime nicht würdiger beginnen können, als indem wir auch in diesem feierlichen Momente unseren Blick zu jener erhabenen Stelle richten, um welche sich zu jeder Zeit alle ehrlich denkenden Bürger, alle treuen Söhne des Vaterlandes schaaren, zu dem erhabenen Throne, von welchem seit 52 Jahren ein Herrscher die Geschicke seiner Völker lenkt, der ein leuchtendes Vorbild in der Erfüllung seiner Pflichten, ein leuchtendes Vorbild als liebender und zärtlicher Vater seiner Unterthanen ist. Insbesondere uns Juden obliegt die Pflicht, in diesem feierlichen Momente mit ganz besonderer kindlicher Liebe unseres allergnädigsten Königs zu gedenken, unter dessen gesegneter ' Regierung alle jene Gesetze entstanden sind, welche die Schranken zwischen Bürger uud Bürger, Menschen und Menschen zerstörten, die Kluft zwischen den einzelnen Bewohnern dieses Landes überbrückten. Richten wir unseren Blick dahin und vereinigen wir uns jetzt und jederzeit in dem aus tiefstem Herzen kommenden Rufe: Gott segne und erhalte Se. k. u. k. apostolische Majestät, unseren geliebten König Franz Joseph den Ersten, bis an die äußerste Grenze des menschlichen Alters!" Bei den letzten Worten hatten sich die Anwesenden erhoben und brachen nun in stürmische Ävio-Rufe aus, worauf im Nebensaale von den Sängern die Volkshymne intonirt wurde. Nun ergriff der Vorstand - Stellvertreter, Herr Bela Springer, das Wort zu einer deutschen Ansprache, in welcher er des erhebenden Momentes gedachte und den Zweck des Gebäudes in geistvoller Ausführung beleuchtete. Er schloß seine Rede, indem er dem B a n u s, dem Obergespan Grafen P e j a c s e v i ch, dem Bicegespan Levin von C h a v r a k, dem Bürgermeister Grass und der Stadt Essegg und dem Gemeinderath der Stadt Effegg, den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, dem Schöpfer der Idee, das Haus zu bauen, dem Cultusvorstand Dr. Spitzer, dem Baumeister W. C. Hofbauer den wärmsten Dank aussprach und beantragte, dem Cultusvorstande Dr. Hugo Spitzer den Dank der Gemeinde protokollarisch auszudrücken. (Lebhafte Ävio-Rufe.)