Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 41 (12.10.1900)
- Date
- 1900-10-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 743 Sie sehen daher, geehrter Herr Doctor, wie leicht Unverstand oder auch Armuth als Unmoral angesehen werden kann. Ich bin der ernsten Ueberzeugung, daß die Zunahme der unehelichen Geburten der Juden in Ungarn zusammenhängt mit der vergrößerten Einwanderung aus Galizien, aus einem Gebiete, wo blos die religiöse Trauung leider stark in Uebung ist. Ich bin zwar nicht abgeneigt, zu glauben, daß die Moral, soweit sie die Keuschheit betrifft, bei den ungarischen Juden im Abnehmen begriffen ist, aber es lohnt sich jedenfalls, diese Frage, soweit sie die unehelichen Geburten betrifft, ernsthast zu untersuchen. Hochachtungsvoll Iork-Steiner. Briefkasten. I. L. in Halle, a. S. Der antisemitischen „Reform" entschlüpft bei Besprechung der Spaltung der Partei das Bekenntniß: „So viel steht jedoch schon fest, daß, wie in allen Parteien, auch in der antisemitischen Feigheit, Eigennutz, Dünkel und Streb er thum mit derDummheit um die Siegespalme streiten." Wir wagen nicht zu widersprechen. G. g. Dienstag - am Eingang des Versöhnungstages — war eine Premiere im Raimundtheater. Mittwoch — am Ausgange des Versöhnungstages — eine Premiere im „Deutschen Volkstheater". Die Directoren haben zweifellos das volle Recht, die Novitäten an den ihnen passenden Abenden aufzuführen. Ob die jüdischen Premieren-Stammgäste der beiden Theater nicht sozusagen aus Anstandsgefühl, — wenn schon nicht aus religiöser Pietät — auf den Besuch dieser beiden Premieren hätten verzichten sollen, ist eine andere Frage. Justus. Dr. B a x a wird für den Reichsrath candidirt. Das hat er schon für seine Ritualmord-Hetze verdient. Solche Männer müssen in Oesterreich zur Geltung kommen. -ing. Offenbar haben die theologischen Leuchten der Antisemiten noch immer nicht genug an den fürchterlichen Blamagen, welche sie durch ihre Cooperation mit B r i m a n« s und Paulus Mayer erlebten. , Dr. W. G. In der That war es seit jeher der Traum des Dr. Lueger gewesen, Bürgermeister von Wien zu werden. Er blieb sich auch consequent in der Sehnsucht nach diesem Ziele; nur in den Mitteln zur Erreichung desselben gestattete er sich eine kleine Aenderung. Als Dr. Lueger sah, daß er als ein für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schwärmender Demokrat nicht sein Ziel erreichen werde, wurde er — Antisemit. H. R—g. E. V e r g a n i behauptet nunmehr, er denke gar nicht daran, für den Reichsrath zu candidiren. Das heißt, nach dem Ausgange seines Processes, der ihn zur Niederlage aller seiner Ehrenstellen zwang, will Niemand daran denken, ihn zu candidiren. A. Alles, was wahr ist: es gibt auch Antisemitenführer, die noch nicht mit dem Strafgesetze m Conflict gerathen sind. ,.Leser". Die „Reichspost", das Organ der ecelesia militans, genirt sich gar nicht, weiterhin den Erzbischof Stadler zu glorificiren und die hämischesten Glossen gegen die — Cabinetskanzlei des Kaisers zu richten. Die Herrschaften sind eben von einem solchen Machtbewußtsein erfüllt, daß sie einen Widerspruch von keiner Seite mehr dulden. a. Die Gattin Iokay's ist Jüdin geblieben. Nemo. Wie die „Arbeiter-Zeitung" mittheilt, ist der Pariser Correspondent des „Deutschen Volksblattes" ein getaufter Jude. Das ändert aber nichts daran, daß seine Berichte von einer Verlogenheit strotzen, als ob sie aus der Feder eines waschechten Antisemiten stammen würden. A. N— g. Da Prof. Albert nicht mehr widersprechen kann, vermag das „Vaterland" allerdings zu behaupten, daß er zu den „Ihren" gezählt habe. In Wahrheit war der Professor Alles eher, als clerical-antisemitisch. Anton R. Der Herr Cooperator D i t t r i ch, der als Vorsitzender bei den antisemitischen Wahlversammlungen eine große Rolle spielt, hatte sich in Gemeinschaft mit einem jüdischen Compagnon nur eine Provision von 100.000 fl. ausbedungen, für den Fall, daß er einen Ausgleich zwischen den Engländern und Dr. Lueger herbeiführt. Bekommen hat er das Geld nicht. Spinoza in Deutschland Gekrönte Preisschrift. Von Dr. Max Grunwald IV, 380 8. — M. 7.20. Verlag von 8. Calvary & Co. Berlin N. W. 7. „Der mit Glück erfasste null originell durcbgeführte Gedanke, die Wandlungen in der Erkenntniss und Auffassung Spinoza’s in engem Zusammenhänge mit dem Umänderungsprocesse der modernen Weltanschauung selbst in Verbindung zu bringen, hebt die Arbeit über das Durchschnittsmass literarhistorischer Leistungen hinaus und gewährt ihr die Bedeutung eines durchaus eigenartigen Beitrages zur modernen Culturgeschichte“. (Aus den Urtheilen der Preisrichter.) „Ich weiss nicht, was ich mehr bewundern soll, die ungeheure Gelehrsamkeit, die das gigantische Material zusammenbr achte, oder die Klarheit, mit der es verarbeitet ist. Ich, der Ungelehrte, würde da an ein Wunder glauben, wenn ich es als Spinozist dürfte. Und wie viele, ausser mir, sind Ihnen für die gewaltige Arbeit zu innigstem Danke verbunden.“ (Aus einem Briefe Bpielhatjen’s an den Verfasser.) Eine zweite Preisschrift von demselben Verfasser: Die Eigennamen des Alten Testamentes in ihrer Bedeutung tür die Kenntniss des hebräischen Volksglaubens. Verlagsbuchhandlung Wilhelm Koebner (Inhaber Al. & H. Marens) in Breslau. Preis Mk. 2.50. In dem Bericht der Facultäten an der kgl. Universität zu Breslau vom 27. Jänner 1894 äussert sich die evangelisch-theologische Facultät über diese Arbeit: „Diese Abhandlung zeugt von grossem Fleiss und reichen Kenntnissen“ und he kundetu „reiches und ielseitiges Wissen auf dem Gebiete dero Sprach-v nd Religinswissnschaft“. Sr. Carl Bäuerliche Widmung für Stipendien. Bei der israelitischen Cultusgemeinde in Wien gelangen die Erträgnisse der von Herrn Moriz Bauer zur Erinnerung an seinen am 9. Juni 1897 dahingeschiedenen Sohn Jll Dr. Carl Bauer errichteten Widmung mit zusammen 490 Kronen an würdige und unterstützungsbedürftige israelitische Hörer der Wiener juridischen Facultät zur Verleihung. Die Bewerber haben ihre 1. mit dem Geburtsscheine. 2. dem Zeugnisse über die mit Erfolg abgelegte rechtshistorische Staatsprüfung. 3. dem Armuthszeugnisse oder dem Nachweise, daß sie in dem letzten Studiensemester von dem Collegiengelde befreit waren, endlich 4 dem Absolutorium der Wiener juridischen Facultät belegten Gesuche bis 31. Oetobrr 1900 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde in Wien (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock), zu überreichen, woselbst Gesuchsblanquette unentgeltlich ausgefolgt werden. Competente Bewerber, welche sich in den juristischen Seminarübungen he vorragend bethätigt haben, werden vorzugsweise berücksichtigt. Gesuche, welche nicht mit den oben angeführten Documente» belegt sind, oder welche nach Ablauf des Concurstermines überreicht werden, werden nicht in Behandlung gezogen. J«««s Frühen io« Köaigswarter'uhe SttpcnMc« für Theologe«. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien bringt hiemit zur Kenntniß, daß zwei Jonas Freiherr von Königswarter'sche Stipendien ä Kronen 945 für Hörer jüdischer Theologie, welche gleichzeitig philosophischen^ Studien an der Wiener Universität obliegen, für das Schuljahr 1900 zur Verleihung kommen.