Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 18 (5.5.1899)
- Date
- 1899-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 341 geantwortet und sein Bedauern über die Verwechslung ausgedrückt. K o r k i s ruft dazwischen: „Das Actionscomite wollte Sie betrügen?" Dr. Salz erwidert: „Das A c t i o ns c o m i t 6 wollte uns auseinanderjagen/ Nun seien wieder einige Monate verstrichen — setzte Dr. Salz fort — und der Ausschuß habe sich nicht gerührt. Ueber einen Brief an B e n t w i ch antwortete dieser dem Redner am 3. März 1899 mit der Mittheilung, daß Schritte eingeleitet werden, um die Maccabäergräber zu kaufen. Bis heute sei gar nichts geschehen. Angesichts dieser Mittheilungen war das Schicksal des Antrages Hochfeld entschieden. Er war nicht mehr zu halten, itub der Antragsteller und seine Gesinnungsgenossen accommodirten sich daher dem Anträge Fuchs mit der Modalität, daß nach Einlangung der Antwort des Actionscomites der Centralausschuß des Vereines über den Antrag H o ch f e l d abzustimmen habe. Der beschlossene Antrag lautet: „Die Versammlung fordert den Centralausschuß auf, an das Actionscomite die Anfrage zu richten, ob es die Thätigkeit des „Ahavas Zion" in puncto Colonisation, als im Rahmen des Baseler-Programmes gelegen, anerkenne. Nach Einlangung einer Antwort hat der Centralausschuß unter Zuziehung aller Stellvertreter mit vollständigem Stimmrecht über den Antrag Hochfeld abzustimmen." Man darf wohl auf die Antwort des Actionscomites gespannt sein. Den zweiten Antrag zog der Antragst e l l e r selbst zurück. Um zehn Uhr Nachts war die Versammlung zu Ende. Im Namen derselben sprach S v r e ch e r dem Vorsitzenden Dr. Salz für seine energische, aber auch loyale Leitung den Dank aus, der stürmischen Beifall fand, als Sprecher ein Hoch auf den Vorsitzenden ausbrachte. Dieser dankte allen Anwesenden für ihre Unterstützung und schloß die Versammlung mit dem Rufe: „H o ch d e r Z i o n i s m u s!" Die Delegirten ziehen nach Hanse, beseelt von frischen Hoffnungen und gestärkt zu frischer Arbeit für ihre armen Brüder, die der Hilfe und Rettung stündlich bedürfen. Politischer Volksverein. Generalversammlung vom 26 April 1896. Unter zahlreicher Betheiligung seiner Mitglieder und Gesinnungsgenossen beging der Politische Volksverein am 26. April, 8 Uhr Abends, in Khuner's Restaurativnssaal seine diesjährige Generalversammlung, welche einen ebenso interessanten, als lebhaften Verlauf nahm. Nach Erledigung der statutenmäßigen Formalien und Begrüßung der Versammlung erstattete der Vorsitzende, Vereinspräsident Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Fialla, den Geschäftsbericht für das abgelaufene Bereinsjahr, wie folgt: „Geehrte Generalversammlung! Der Rückblick irgend einer österreichischen Corporation auf ihre Thätigkeit in der inhaltsvollen Epoche des Jahres 1898 kann füglich und schicklich nicht anders beginnen, als mit dem Hinweise auf jene zwei so furchbar schmerzlich contrastirenden Ereigniffe, welche diesem Jahre schicksalschwerer Mischung von Heil und Unheil für die Geschichte unseres Vaterlandes sein historisches Gepräge verliehen haben, — wir verstehen Alle: Das jähe, tiefdüstere Ableben unserer geliebten Kaiserin und das glorreiche, fünfzigjährige Reglern ngsiubiläum unseres Monarchen. (Die Versammlung erhebt sich.) Wir gedenken dieser beiden bedeutsamen Ereignisse, jenes in Wehmuth, dieses in Dankbarkeit; in beiden Fällm hat Ihr Vorstand, seinem Empfinden und seinem Pflichtgefühle folgend, die Ausdrücke der schmerzvollen Theilnahme und treuesten Loyalität in Condolenzschreiben und kunstvoller Adresse an die Stufen des Thrones gelangen lassen und zweimal den Ausdruck des kaiserlichen Dankes durch den Statthalter empfangen. Huldigen wir auch heute dem Andenken der erhabenen Kaiserin und erneuern wir die Versicherung unserer hingebungsvollen Treue für Thron und Vaterland, indem wir uns — wie bereits geschehen — von unseren Sitzen erheben und diese Kundgebung in dem Protokolle unserer heutigen Generalversammlung verzeichnen. (Lebhafte allseitige Zustimmung.) Angesichts dieses Jubiläums — setzt Redner fort — läge die Versuchung nahe, den engen Rahmen eines bescheidenen Vereins-Jahresberichtes auszuweiten zu einer Studie über dieses halbe Säculum Vaterlands- und Weltgeschichte, ausgehend von jenem Jahre des Lichtes, auf dessen Ehren- und Todesblättern glänzende Namen unserer Stammesbrüder, wie Spitzer und Jellinek, Fischhof und Gold mark, Mannheimer und K u r a n d a, ruhmvoll verzeichnet stehen, und nach allen Wandlungen und Gestaltungen entmuthigt landen bei den Greueln galizischer und czechischer Plünderungen und bei den hauptstädtischen antisemitischen Verwüstungen, die wiederum gerade in diesen Tagen „Ritualmord" durch alle Gassen schreien und uns drohen, daß die „Nachoder Gebräuche" auch nach Wien kommen werden. (Pfuirufe.) Doch Aufgabe und Zweck der Versammlung erheischen Selbstbeschränkung, und darum müsse der Jahresbericht mit der Constatirung einsetzen, daß die ungeminderte Fortdauer des wilden nationalen und confessionellen Bürgerkrieges, von dessen Lärm unsere Lande widerhallen und deffen Leidenschaften alles ernste politische Leben und Wirken zur Unfruchtbarkeit verdammen, auch in dem abgelaufenen Jahre auf die Thätigkeit unseres Vereines zurückwirken mußte, dem für politische Bethätigung auf staatlichem Gebiete nahezu keinerlei Möglichkeit oder Gelegenheit gegeben war. Umsomehr war die Aufmerksamkeit des Vereines dem eigenen nächsten Jnteressenkreise, der inneren Consolidirung, der Thätigkeit und Gebahrung unserer großen Cultusgemeinde und nicht zuletzt den Verhältnissen unserem Glaubensgenossen im Osten des Reiches zugewandt, deren sich stets steigernde Nothlage und Lebensbedrängniß einer verhäugnißvollen Katastrophe zutreiben". Dr. Fialla übergeht nun in eine Erörterung der einzelnen Actionen des Vereines, aus denen wir hervorheben wollen, daß der Politische Volksverein es war, welcher im Juli v. I. die erste Anregung zu einer öffentlichen Sammlung sür die jüdischen Opfer der galizischen Plünderungen gegeben und dieselbe mit einem, im Kreise des Vorstandes beschafften Beitrage von 1043 fl. eröffnet hat (Großer Beifall), daß der Bereinsvorstand zu öfteren Malen in der Lage war, durch Rechtsbeistand an österreichische Juden, welche im Auslande von Ausweisungsbefehlen schwer betroffen wurden, den Vollzug dieser Maßregel hintanzuhalten und dadurch diesen Stammesgenossen ihre Lebens¬ und Erwerbsstellung zu bewahren, und daß auch im abgelaufenen Jahre mit glänzendem äußerem Erfolge fünf öffentliche Borträge veranstaltet worden sind, welche eines tiefen, nachhaltigen Eindruckes nicht verfehlten: Dr. Rippner: „Ein katholischer Priester als Herold der Judenemancipation". Dr. Ko Hut: „Friedrich der Große und Kaiser Josef II. in ihren Beziehungen zum Judenthum". Professor Dr. Cohen: „Das Judenthum als Weltanschauung und die messianische Idee". A b g e or d n et er Dr. Straucher: „Die politische Lage". Dr. Max Grunwald: „Ein Stück jüdischer Volkskunde". Redner gelangt nun zu den im Vorjahre stattgehabten Neu- und Ergänzungswahlen in den Cultusvorstand der Wiener israelitischen Gemeinde, von deren zehn zur Besetzung gelangten Mandaten sechs ihren früheren Inhabern verblieben und vier den Candidaten des „Politischen Bolksvereines" zugefallen sind. Herr Dr. Fialla beklagt bei diesem Anlaffe die geringe Theilnahme und Mitwirkung der Wählerschaft und nicht minder den in empfindlichster Weise fühlbaren Mangel an geeigneten Candidaten, und führt beide bedauerlichen Erscheinungen auf einen, gewiß nur der vermeintlichen Aussichtslosigkeit der Arbeit und des Kampfes entsprungenen Jndifferentismus zurück, der selbst der eigenen Gemeinde die Jnteressenahme versagt und das Vorsteheramt in derselben mehr als Bürde, denn als Würde betrachtet. Und gleichwohl seien Zusammenschluß, Kräftigung des Gemeinwesens, Betätigung und Belebung des Volksgeistes niemals dringender als in Zeiten, in denen fanatische Verhetzung und die Verwirrung der öffentlichen Rechts- und Ehrbegriffe nns bedrücken, indem sie zugleich ihre Urheber schänden. (Stürm. Beifall.) Die Wahlbewegung selbst eröffnete unser Verein durch die Bildung eines Wahlcomitss, welchem sich die bedeutendsten Tempelvereine anschlosseu, und mit consequenter Aufrechthaltung unseres im Jahre 1896 veröffentlichten Wahlprogrammes, deffen grundlegender Inhalt und Einzelbestimmungen auch in der