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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-05 · 18 (5.5.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
18 (5.5.1899)
Date
1899-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 340 Nr. 18 Dr. Bloch's Wochenschrift nothwendigen Mittel ausfindig zu machen. Die weiteren Punkte der Tagesordnung aus Arrangirung einer Reise galizischer Zionisten nach Palästina und Regelung des Imports palästinensischer Esrogim nach Galizien gelangten zur Annahme. Mit der Wahl zweier Commissionen wurde die Vormittagssitzung geschlossen. Die eingesetzten Commissionen, von denen die eine Wahlvorschläge, die andere eine Aenderung der Geschäftsordnung auszuarbeiten hatte, entledigten sich auch während der Mittagspause ihrer Aufgaben. Nachmittags referirt für die Geschäftsordnungscommission Sprecher. Von den vorgeschlagenen Aenderungen sind wesentlich die, wonach ein Antheilschein nur an einer Auslosung theilnehmen kann und die Manipulationsgebühr von 10 Hellern, die besonders onerös ist für Diejenigen, welche ihre Antheilscheine ratenweise ä 50 Heller auszahlen, wegzufallen hat. Dann beantragt Sprecher in eigenem Namen: 1. Der Verein „Ahavas Zion" verpflichtet sich, die Landesconferenz zu beschicken. 2. Alle galizischen Filialen des „Ahavas Zion" verpflichten sich, sich an der L a n d e s c o n f e r e n z zu betheiligen. Zu diesem Punkte sei Folgendes bemerkt. Seit ungefähr einem Decennium besteht in Galizien eine jüdisch-nationale Bewegung, deren Haupttcägcr mehrere junge Doctoren in Lemberg, wie Dr. Malz, Dr. Korkis sen., Dr. Gabel, Dr. Zipper, Sprecher, Stand, sowie Dr. Salz in Tarnow und Bromberg, der gegenwärtige Verwalter der Colonie „Machnajim", waren. Sie haben seinerzeit die Brochüre: „Welches Programm soll das der jüdischen Jugend sein?" herausgegeben und damit eine Agitation im ganzen Lande eingeleitet, die zur Gründung von mehrfachen Organisationen führte. Dieses „Programm" stellte zweifache Aufgaben auf, „innere" und „äußere". Als innere Aufgaben wurde die wirtschaftliche und politische Organisation der galizischen Judenschaft, als äußere die Colonisation Palästinas und das was man heute in Rußland, besonders unter dem „culturellen Zionismus" versteht, ausgestellt. Zur Durchführung dieser Aufgaben wurde ein Landescomite in Lemberg eingesetzt, das alljährlich alle galizischen Gesinnungsgenossen zu einer Landesconferenz zusammenrief. Seit der Aera Herzl erlitt diese Arbeit eine Störung, das Landescomite wollte sich nicht den Anordnungen des Wiener Actionscomites fügen und dasselbe war daher bemüht die Autorität des Landescomitvs und die Einheitlichkeit der bisherigen Organisation zu erschüttern. Der Antrag Sprecher zielte dahin, ein festeres Band zwischen dem Lemberger Landescomite und dem „Ahavas Zion" zu schaffen, wenn letzterer sowohl selbst als auch durch seine Filialen sich an der Landesconferenz betheiligen würde. Wegen einer Aufklärung über die ganze Sachlage richtete daher Dr. Landau eine Anfrage anSprecher. Redner bittet den Antragsteller um Auskunft über das Verhältniß beider Landescomitäs und über die Landesconferenzen, da dieselben voriges Jahr sowohl in Kolomea als in Stanislau stattgefunden haben. Sprecher erklärt, daß er dem Vorredner für die Anfrage dankbar sei. Es besteht wirklich ein Dualismus; derselbe soll jedoch aufhören. In Galizien dürfe es nur eine Partei und eine Leitung geben. Darüber werde auch bei der nächsten Landesconferenz der Beschluß gefaßt werden. Doctor Landau ist dafür, daß sich der „Ahavas Zion" mir Rücksicht auf seinen rein wirtschaftlichen Charakter von den politischen Kämpfen fernhalten solle. Da sich der „Ahavas Zion" jetzt zu einem österreichischen Verbände umgestalte, so gehe es auch nicht an, gerade den galizischen Filialen besondere Verpflichtungen aufzuerlegen. Die meisten Vereinsmitglieder und auch Redner selbst seien Zionisten, aber der Verein muß seine Souveränetät und Unabhängigkeit den jetzigen zionistischen „Parteileitungen" gegenüber wahren. Daher mögen der Verein und seine galizischen Filialen lediglich „berechtigt", aber nicht „verpflichtet" sein, an der Landesconferenz theilzunehmen. Es sprechen noch T i e g e r, Hochfeld, Korkis. Spitz stellt sodann folgenden Vermittlungs-Antrag : „Die Generalversammlung anerkennt die Nothwendigkeit einer einheitlichen Landesorganisation in Galizien und fordert den Verein, als der Landesorganisation seit jeher angehörend auf, daß sowohl er, als auch seine galizischen Filialen sich an der vom Landescomitö in Lemberg einzuberufenden Landesconferenz durch Delegirte betheiligen." Der Nachdruck in diesem ganzen Anträge liegt auf dem Worte „Lemb erg", weil dadurch kundgegeben werden soll, oaß der Verein eine eventuell vom Herzlichen „Bureau" in Kolomea einberufene Landesconferenz, wie dies voriges Jahr geschehen ist, nicht zu beschicken hat. Sprecher und Dr. Landau zogen hierauf ihre Anträge zurück und der Antrag Spitz gelangte zur Annahme. Ebenso wurde der Antrag Holländer angenommen : „Das Landescomits wird aufgefordert, den „Ahavas Zion" nach jeder Richtung zu unterstützen!" Die Resolution H o ch f e l d's auf Unterstützung des Jargonblattes „Haiwri" wurde dem Ausschüsse abgetreten. Als letzter Punkt der Tagesordnung folgten die Wahlen. Ueber Vorschlag von Fuchs wurde Dr. Salz unter lebhafter Acclamation zum Präsidenten gewählt. Die 30 Ausschuß- und 12 Stellvertreter-Mandate wurden conform den Vorschlägen der Commission besetzt. Zu Vicepräsidenten wurden Spitz (Tarnow) und Hochfeld (Lemberg) gewählt. Ausschußmandate wurden an den Redacteur des „Hamagid" Fuchs (Krakau), Redacteur des „Przyßtosz" Dr. Gabel (Lemberg), Dr. Ader (Tarnow), Dr. G ü n z i g (Bielitz), zum Theile auch an Persönlichkeiten außerhalb Galiziens, und zwar an Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld (Prag), Rabbiner Dr. B r o d y (Nachod), Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. F i a l l a, Rabbiner Dr. N e nmark (Rakonitz) u. s. w. vergeben. Dr. S. R.^Landau wurde von der Commission vorgeschlagen, bat jedoch, vorläufig von seiner Wahl abzusehen. Trotzdem wurde über Antrag des ältesten Ausschußmitgliedes F a st Dr. L a n d a u mit stürmischer Acclamation in den Ausschuß gewählt. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Es folgten nun Anträge und Interpellationen. Als Erster ergriff H o ch f e l d das Wort, um die vielbestrittene Frage der Stellung des „Ahavas Zion" zum Baseler Programm aufs Tapet zu bringen. Er stellte folgende Anträge: 1. Die Versammlung erklärt, daß sie auf der Basis des Baseler Programmes stehe. 2. Die Versammlung beschließt, daß sich der „Ahavas Zion" an der Colonialbank-Subscription wenigstens mit einigen Actien betheilige. Antragsteller begründete dies unter Hinweis auf die Nothwendigkeit des Friedens. Fuchs sprach sich gegen die Anträge aus. Was der „Ahavas Zion" wolle, sei bekannt, aber bezüglich des Baseler Programmes herrschen verschiedene Auffassungen. Sei das Baseler Programm für die Colonisation, so stehe der „Ahavas Zion" auf demselben, wenn nicht, nicht. Redner beantragt daher, daß man beim Actionscomite zuvor anfragen möge, ob dieses die Thätigkeit des „Ahavas Zion" als im Rahmen des Baseler Programmes gelegen betrachte. Um zum Anträge H o ch f e l d Stellung nehmen zu können, war es nothwendig, zuvor die Leistungen des vom Congreß eingesetzten Colonisations ausschusses kennen zu lernen. Dr. Landau richtete daher an Dr. Salz, als ein Mitglied dieses Ausschusses, eine bezügliche Interpellation. Dr. Salz ertheilte noch das Wort an Korkis, der den Antrag Hochfeld befürwortete und dessen Ablehnung als einen offenen Bruch mit dem Wiener Actionscomite erklärte. Mit großer Aufmerksamkeit hörte die ganze Versammlung der Beantwortung der Interpellation zu, die gewissen Enthusiasten plötzlich die Augen öffnete. Dr. Salz erklärte, die gestellten Anträge seien nur dazu bestimmt, den Verein in eine schiefe Stellung zu bringen. Die Antragsteller haben vielleicht im guten Glauben gehandelt, aber sie seien schlecht beeinflußt worden. Es bestehe ein Bruch zwischen dem „Ahavas Zion" und dem Actionscomite, nicht aber dem Baseler Programm. Dieser Bruch ist entstanden, weil nach dem ersten Congreß das Actionscomite dem „Ahavas Zion" die Colonisationsthätigkeit verbieten wollte, was sich dieser nicht gefallen ließ. Nun wurde am zweiten Congreß ein Colonisationsausschuß gewählt, und Redner sei froh gewesen, daß jetzt etwas geschehen werde. Allein dieser Ausschuß habe bis heute noch nichts gethan. Am 31. August 1898 habe sich der Ausschuß in Basel constituirt und zum Vorsitzenden Mr. B e n t w i ch gewählt. Das aufgenommene Protokoll wurde sammt einem Circulär am 5. October 1898 von Wien aus versendet, und zwar nicht an die Mitglieder des Colonisationsausschusses, sondern an die Mitglieder der vom Congreß zur Vorbereitung von Anträgen eingesetzten Commission (!), die zum größten Theil aus Gegnern der Colonisation besteht. Redner habe dies sofort dem Mr. B entwich mitgetheilt. Mit Brief ddto. London, den 23. November 1898 habe derselbe

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