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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Date
1898-05-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 21 Br. Bloch's Wochenschrift Seite 419 Jakob Leipnik hat da eine That verrichtet, die in des allbarmherzigen und allgerechten Gottes großem Buche mit goldenen Lettern verzeichnet werden wird. Das Kind, das er mit furchtbarer Todesgefahr gerettet, steht zwischen ihm und feinem Glück, zwischen ihm und seines irdischen Lebens höchster Glückseligkeit — wenn der Knabe im Rauch erstickt wäre — wäre die Familie Leipnik auf ihn übergegangen, hätte Jakob das Mädchen heiraten können, das er liebt, und von dem er wieder geliebt wird!" Der Pfarrer machte eine längere Pause, dann fügte er hinzu, „ich glaube nicht zu viel gesagt zu haben, wenn ich diese Leute als brave und würdige bezeichnete." „Das ist eine That, die weit die Schranken der Alltäglichkeit überragt", bemerkte Bollwitz. „Ah! Papa, Du mußt es mir zuliebe thuu," rief Anna, „mußt ihm die erledigte . . . Der Baron hatte keine Lust, die Bitte seiner Tochter, die er nicht erfüllen wollte, nochmals anzuhören, und er wandte sich daher plötzlich an den geistlichen Herrn: „Sie sagten ja, Herr Pfarrer, der Jakob Leipnik sei ein mittelloser Mensch" — er griff in seine Tasche und zog einen Ducaten aus derselben, „geben Sie ihm dieses Goldstück als Präsent für die Rettung eines Menschenlebens, wenn der Gerettete auch nur eiu kleiner Judenbub war." „Ich muß die großmüthige Gabe für Jakob Leipnik," entgegnete der Pfarrer mühsam, ein ironisches Lächeln unterdrückend, „mit gebührendem unterthänigem Danke zurückweisen; er ist zwar unbemittelt, aber er gewinnt durch seine Thätigkeit und seinen Hausirhandel doch so viel, sich und auch seine Schwägerin und deren Kind zu erhalten; — wäre er gar so arm wie Euer hochfreiherrliche Gnaden glauben, würde ein so gewissenhafter Mann wie er, nicht darangehen, sich einen Hausstand gründen zu wollen." Der Baron steckte etwas mißvergnügt den Ducaten in die Tasche, klopfte seine Pfeife aus, was gewohntermaßeu als Zeichen galt, daß er die Sitzung aufgehoben wünsche. Der Pfarrer empfahl sich und auch die übrigen Glieder des kleinen Kreises erhoben sich, um sich nun im Hause den gewohnten Be.- schäftigungen oder auch dem Müßiggang hinzugeben. - (Fortsetzung folgt.) Geschichte der Juden in Kremsier. Was wir hören und erfahren. Was unsere Väter erzählen. Laßt den Kindern treu bewahren, Den Nachkommen es nicht verhehlen. Psalm 78, 6. Jeder mehr oder minder berühmte Dichter, Schauspieler, Künstler oder Feldherr findet seinen Geschichtsschreiber, die kleinste Errungenschaft aus religiösem, politischem oder industriellem Gebiete erhält ihre — wenn auch, zuweilen blos vorübergehende Würdigung. Monographien und Beschreibungen aller Art, die mannigfaltigsten Darstellungen historischer Ereignisse, sowie oft auch minder wichtige Produkte geistiger Thätigkeit überfluten den Büchermarkt. Das 19. Jahrhundert ließ für das Judenthum eine recht ansehnliche Zahl von Werken verschiedenen Inhalts und mannigfacher Art erstehen, vornehmlich das letzte Jahrzehnt weist einen nie geahnten literarischen Reichthum auf. Aus der Fülle der Schriften und Werke, die die. Geschichte des Judenthums oder einen Theil derselben zum Gegenstände haben, erhebt sich ein Buch, das ob seiner vielen Vorzüge verdient, unter die ersten und besten Geschichtswerke gezählt zu werdem Die „Geschichte der Juden in Kremsier (mit Rücksicht auf die Nachbargemeinden)",. deren zweiter Theil eben erschien, ist eine jener vortrefflich m Quellen, aus denen das Judenthum seine Geschichte, seinen Werdegang der geistigen und wirthfchaftlichen Entwicklung schöpft; die umfassende großartige Geschichte der Juden mit all ihren Wandlungen und Wechselfällen ist hier um einen Theil bereichert worden. Jede Phase des socialen Lebens findet in der jüdischen, d. i. der Weltgeschichte, ihren Ausdruck. Es ist kein einseitiger Standpunkt, welchen der Verfasser dieses Werkes einnimmt, sondern das wohlverstandene Interesse, die innige Antheilnahme an dem Schicksal der gesammten Judenschast dictirte die warmfühlendeu Worte, die vielen schönen Stellen des Mitgefühls, der geistigen und materiellen Verbrüderung, die erhabenen Laute des Trostes und der Aufmunterung. Die lichtvolle, klare Darstellung, der schlichte, bilderreiche und verständnißvolle Ton der Sprache, der sich wie ein milder Hauch allüberall verbreitet, das reiche Quellenmaterial und die vielen äußerst interessanten Urkunden machen das Buch zu einem Gemeingut des jüdischen Volkes. Der Verfasser, bereits seit mehr als 20 Jahren als Rabbiner in seiner Gemeinde thätig, hat sich mit diesem Werke ein unvergängliches Verdienst erworben und zugleich sich und seiner Gemeinde durch die vortrefflichen Aufzeichnungen ein ewiges Denkmal errichtet. Während der erste Theil die Geschichte der Gemeinde vom Beginne ihres Bestandes bis in die 48er-Jahre zum Gegenstände hat und in gedrängter, doch klarer Weise die Enrwicklung des Gemeindewesens in Verbindung mit den wichtigsten Ereignissen, die sich in anderen Gemeinden zugetragen haben, darstellt, bringt der zweite Theil die innere Entwicklungsgeschichte der Emancipatiou, die Darlegung der Chronik unserer Gemeinde. Und indem der Verfasser dieser Geschichte den Verlauf, ihren Fort- und Rückschritt an der Hand der überreichen Chronologie verfolgt, gewinnt er einerseits dem Localen die allgemeinen Seiten ab, während er ans der anderen Seite durch die Behandlung der historischen Begebenheiten anderer Städte einen namhaften Beitrag zur Geschichte des gesammten Judenthums liefert. Ludwig August Frankl schrieb einst an den Verfasser, um denselben zu dieser Arbeit anznregen: „An die Stadt Kremsier, wo ich Tage und Wochen mit den edelsten und bedeutendsten Persönlichkeiten während des Reichsrathes 1848—49 verlebte, knüpfen mich ernste, traurige, aber auch heitere glückliche Erinnerungen, die in mir schon lange den Wunsch weckten, daß mre Geschichte Ihrer althistorischen Gemeinde geschrieben würde. Diese Monographie wäre eiu interessanter Beitrag zur Cultur- und Literaturgeschichte nicht der Juden allein. Sie erwerben sich eiu echt vaterländisches Verdienst." Oemsiriensis Neue Bücher. D r. M. Braun und Professor D r. D. K a u sm a n u. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Zweiundvierzigster Jahrgang, diene Folge, sechster Jahrgang Mai 1898. Berlin, di. W. 6, S. Calvary & Co. Mai 1898 Inhalt: Dr. M. Rahmer. Welcher biblische Ortsname ist „Cedsou" im Onamastikon des Hieronymus? Dr. David Rosiu s. A. Die Religionsphilosophie Abraham Jbn Esra's (Fortsetzung). Martin Schreiner, Samuel b. Jahja al-Magribi und seine Schrfft »Ifham al-Jahud« (Fortsetzung) Professor Dr. David Kaufmann, der Grabstein des R. Jakob b. Mose Ha-Levi in Worms. Dr. Max Freudenthal, zum Jubiläum des ersten Talmuddrucks in Deutschland (Fortsetzung.) Dr. B. Placzek» die Parteien im Judenthum. Brünn 1898. Der babylonische Talmud» III. Band, 1. Lieferung. Der Tractat Sukkah (von der Festhütte). Uebersetzt nach der ersten censurfrcien Ausgabe (Venedig 1520—23), mit Berücksichtigung der neueren Ausgaben nebst kurzen Erklärungen von Lazarus Goldfchmidt, Berlin, I. C a l v a r y u. Co., 1898. Festbericht des kaufmännischen Vereines in Reichenberg anläßlich seines 25jährigen Bestandes. 20. März 1898. Reichenberg. Selbstverlag des Kaufmännischen Vereines. 1898 55. Jahresbericht der Gemeinde-Religionsunterrichtsanstalt, erstattet von Dr. I. Guttmann» Rabbiner, Breslau 1898. Sechzehnter Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, erstattet vom Curatorium. Mit einer wissenschaftlichen Beigabe von Dr. G. Baneth: Maimuni's Neumondsberechnung. I. Theil, Berlin 1898. Druck von H. Jlzkowski, Gr. Hamburgerstr. 2.

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