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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-06 · 18 (6.5.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 356 Vr. Nlortz's MochenptzrM Nr. 18 sie leben, daß sie nicht immer dazu sprechen und schreiben: „jarum hodo", seine Majestät und Herrlichkeit werd' immer höher. Ja in eben dieses Büchleins Prager Edition stehen aus dem Titel diese Worte: Gedruckt hier zu Prag; unter der Herrschaft Unseres Herrn, des Allerdurchlauchtigsten und glorreichsten Kaisers Leopoldus: Gott erhöhe seine Majestät und vergrößere sein Reich: Amen. Ja in allen Sabbathen wird in ihren Schulen öffentlich ein ausdrücklich Gebet für die höchste Wohlfahrt ihres Landesfürsten, mit lauter respectueuser Nennung seines allertheuersten Namens, gebetet." So weit Pohl's Gutachten. Wahrlich, in unseren Tagen, in einer Zeit der Racenkämpfe, des Anstürmens gegen das Semitenthum, gegenüber den Verdächtigungen Mischer Wissenschaftsbestrebuugen, an die uns antisemitische Wahrheitsliebe und Sachkenntniß nach und nach gewöhnt haben, berührt es uns überaus wohlthuend, einer E innerung an Gottfried Pohl zu begegnen. B i s e n z. Rabbiner Dr. Josef Hoff. Die hervorragendsten Rabbinrn Prags. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Böhmen. Von Dr. M. H. Friedlander. IX. David Oppenheim. Ungefähr zehn Jahre nach dem Abzüge Abraham Bode's von Prag wurde David, Sohn des Abraham Oppenheim aus Worms, zum böhmischen Landesrabbiner ernannt. Oppenheim, der einer hochgeachteten Familie entstammte, wurde in dieser seiner Würde als böhmischer Landesrabbiner vom Kaiser Karl VI. am 19. September 17x8 bestätigt. In der Bestätigungsurkunde heißt es unter Anderem: „Daß haben wir ihm David Oppenheim, als welcher seine Integrität und um integrirten Wandels willen, auch seiner Gelehrsamkeit halber in jüdischen Gesetzen angerühmt wird, die kaiserliche und königliche Gnad gethan und denselben in obberührter Oberrabbiner-Function hiemit bestätigen und confirmiren wollen. Thuen das Confirmiren und Bestätigen ihn auch in Kraft dieses Briefes als regierender König Boheim. Und gebieten hierauf allen und jeden Unfern nachgesetzten Obrigkeiten, Magistraten, Inwohnern und Unterthanen, was Würoen Amtes oder Wesens, die in Unfern Erbkönigreichen Boheim seien, Insonderheit unserer königlichen Statthalterei, daß sie mehrerwähnten David Oppenheim bei dieser ihm erthellten und confirmirten Oberrabbinerstelle gebührend schützen und handhaben in die allgemeine Landesprotection nehmen und selben auf allen Fall in demjenigen, was er als confirmirter Oberrabbiner der Landesjudenschaft vermög dieser seiner Function zu verrichten hat, assistiren und kräftigst manuteniren, auch auf keinerlei Weise gestatten, noch zulasten sollen, daß ihm von andern Juden, es seien wer sie wollen, der mindeste Eingriff oder Verhinderung an der Oberrabbiuer-Function geschehen möge, bei Vermeidung unserer schweren Strafe und Ungnade (Orient VI, 14)". David Oppenheim war ein Neffe des berühmten Hofjuden Samuel Oppenheim in Wien, dem er zunächst seine große Bibliothek, die sich jetzt in Oxford befindet, zu verdanken hatte. Nathan Adler, Lehrer des sel. Rabbi Moses Sofer, erzählt, daß ihm, als er sich auf der k. k. Hofbibliothek iu Wien, über die geringe Zahl von hebräischen Werken verwunderte, mitgethellt worden sei, wie die meisten und kostbarsten Manuscripte durch den Prinzen Eugen an Samuel Oppenheim gelangt wären. Er wußte den Hoffactor für Geldoperationen nicht besser zu stimmen, als wenn er ihm einige der hebräischen Schätze als Prämie in Aussicht stellte. Kaum durften die Anleihenmacher der Gegenwart gleich wistenschaftliche Zwecke als Prämie für ihre Operattonen im Aüge haben. (Frankl's Inschriften 16). Samuel Oppenheim hatte sich gleich Samson Wertheimer hohe Verdienste um den Staat erworben, er erhielt daher am 13. März 1699 ein Privilegium, in welchem diese seine Verdienste gebührend anerkannt werden. Dasselbe lautet: „Wir Leopold rc. bekennen öffentlich mit diesem Brief und thuen kundt, daß wir gnädiglich angesehen, die eyfrig unverdroffen gut und ersprießliche Dienste, welche Uns und unserem löbl. Erzhauß Oesterreich zu des gemeinen Weesens auch Unserer Hoffkammer Besten Unserer k. Oberfaktor und Hofjudt Sam. Oppenheimer wie auch seine beiden Söhne Emanuel und Wolf Oppenheimer bereits in die 24 Jahre in unterschiedliche Weege und insonderheit in vormahligen und jetzt jüngst geendigten reynländischen, französischen und bey den wieder Türkey geführten Krieg mit großen sich auf Millionen belaufenden Geldsummen im Römischen Reich und in Hungarn für Unsere allda militirte Armeen erforderlichen Proviant, Munition und andere dergleichen Kriegssorten, Herbeischaffung großer Geldsummen zur Auszahlung Unserer Riwonti und Necrutirung Nothürften auf Unsere Quecksilber, Kupfer und andere Gefälle aufgebrachten Antizipationen, Auszahlung vieler Subsidieugelder, Leistung namhafter Cautionen in Holland wegen Unserer Schiffs-Armatur wie nicht weniger eine geraume Zeitherr zu Unserem Hoff gelieferte Futterambts-Nothürften bei Unserer Anwesenheit zu Augspurg zu damalig förgewesten Krönungen zu Handt verschafften verschiedenen Nothwendigkeiten auch zu Unser und Unserer freundlich vielgeliebten Söhne des Römischen auch zu Hungarn Königs und Erzherzogen Carls Liebden Hofstätten gelieferten Livereen rc. (Nzt. ibid.)" David Oppenheim, der von seinem Onkel Samuel Oppenheim dessen reiche Bibliothek geerbt, war stets bemüht, dieselbe zu vergrößern, was ihm thatsächlich.auch gelang; denn er hatte eine Sammlung von 7000 Bänden Druckwerken und 100 Handschriften zusammengebracht. Die Oxforder Bibliothek, die Bodleyana, kaufte die Oppenheimer'sche Büchersammlung im Jahre 1829 um den Spottpreis von 9000 Thalern an. David Oppenheim war einer der vorzüglichsten Schüler des berühmten Rabbi Gerson Aschkenasi, Verfasser der Rechtsgutachten »Abodat Hagerschuni« und »Teferet Hagerschuni«. Aschkenasi, der ein Sohn sehr würdiger und frommer Eltern aus Krakau war, zeichnete sich frühzeitig als großer und scharfsinniger Talmudist aus, wodurch es ihm gelang, von den hervorragendsten Gemeinden Oesterreichs, wie Proßnitz, Nikolsburg und Wien zum Rabbiner gewählt zu werden. Er hatte nämlich, wie viele andere seiner Leidensgenoffen, Polen in dem verhängnißvollen Jahre 1648 verlassen und kam nach Mähren, wo er in Proßnitz Anstellung gefunden. Daselbst starb ihm seine erste Frau. Er heiratete dann die Tochter des mährischen Landesrabbiners Menachem Mendl Krochmal. Nach dem Tode seines Schwiegervaters Krochmal wurde er zu dessen Nachfolger designirt. Kaum war er ein Jahr als mährischer Landesrabbiner thätig, als er von der Wiener Cultusgemeinde zu ihrem Rabbiyer ernannt wurde, wo er bis zum verbängnißvollen Jahre 1670 segensreich gewirkt hatte. Als jedoch in diesem Jahre Kaiser Leopold dem dringenden Verlangen der Wiener Bürger gemäß die Juden, weil sie ihnen, wie sie angaben, auf dem Gebiete des Handels Concurrenz machten, aus Wien, wie aus sämmtlichen Ortschaften Niederösterreichs ausweisen ließ*), mußte auch Gerson Aschkenasi zum Wanderstab greifen und als Exulant die Welt durchziehen. Gott verläßt aber die Seinen nicht. Aschkenasi wurde bald nachher von der Cultus gemeinde in Metz zu ihrem religiösen Oberhaupt ernannt. In Metz erfreute er fich, wie früher in Mähren und in Wien der allgemeinen Hochachtung und Liebe, und wirkte daselbst ungefähr 24 Jahre bis zu seinem 1691 erfolgten Tode. Wie Aschkenasi, zeichnete sich auch sein Schüler David Oppenheim nicht nur als scharfsinniger Talmudist, dessen Hala- *) Außerordentlich groß, sagt Wolf, war der Jubel in Wien in Folge der Austreibung der Juden. Man hoffte, es werde nun eine neue Aera des Glückes und des Segens über die Stadt kommen. Die gläubigen Katholiken trugen sich mit dem Plane, den Papst einzuladen, nach Wien zu kommen und die in eine Kirche umgewandelte Synagoge einzuweihen. Doch begnügten sie sich dann mit dem Bischof von Wien, Freiherrn v. Waltersdorf-Wilderich. Zum ewigen Andenken befindet sich in der Kirche eine Marmortafel, aus welcher dieses Ereigniß verzeichnet ist. Die Freude dauerte jedoch nicht lange. Bald zeigte es sich, daß sowohl der Staat, wie die Stadt einen Ast abgesägt, auf welchem sie gesessen. Zahlreiche Hände, die arbeiteten, waren nicht mehr vorhanden, die Eonsumtion nahm ab und Klagen begannen, daß das Leben in Folge des Abzuges der Juden, theurer geworden sei. Die Bürger hatten versprochen, die Judensteuer, 14.000 fl. jährlich, zu bezahlen. Doch brachten sie kaum die Steuern auf, die sie selbst zu entrichten hatten. Die Hofkammer aber sprach dem Kaiser gegenüber die Besorgniß aus, sie wisse nicht, in welcher Weise sie die kaiserliche Küche und Keller versorgen solle. (Geschichte der Juden in Wien, S. 52.)

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