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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-05-06 · 18 (6.5.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
18 (6.5.1898)
Date
1898-05-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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2Lr. 18 Vr. Bloch » MochrnlchrM^ Seite 35& gaben des Werkes erhält, nämlich die Buchstaben Alef bis Mem die alte Folio-Ausgabe, dann die Buchstaben Nun bis Taw die neuere Octav-Ausgabe. Alle jene Leser, welche sich für die Wissenschaft des Jndenthums interessiren, von diesem Werke aber keine genaue Kenntniß besitzen, will ich darüber aufklären, daß in diesem Monumentalwerke über alle Fragen jüdischreligiöser Materien Bescheid zu finden ist, so zwar, daß die Erörterung und Begründung jedes Gegenstandes keinen Zweifel zurückläßt. Beispielsweise mag hier angeführt sein, daß über den Namen „Abaja" allein nicht weniger, als siebzehn Artikel Vorkommen. Zu dem Schlagwort „Abel" und „Abelus" werden mehr als sechzig Artikel gebracht. Das Schlagwort „Ab" und „Aba" umfaßt über vierzig Artikel. Zu dem Wort „Almanah" gehören mehr als fünfzig Artikel. Zur Definirung des Wortes „Alte" heißt es (Blatt 172, Ausgabe Lyck): Die Erklärung dieses Wortes ist enthalten im Connnentar Raschi zu Traktat Nedarinl Fol. 3 bis 6 unten und bedeutet „sogleich". Ueberall wo das Wort vorkommt, hat es den Sinn von „auf der Stelle". So klar und bestimmt finden alle Begriffe ihre Erklärung in diesem Werke. Der Verfasser führt alle Stellen an, wo über den behandelten Artikel im Talmud und in den einschlägigen Werken der Halachah eine Erörterung desselben zu finden ist. Dieses Werk läßt den kundigen Leser bei keiner Frage im Stiche und gibt über jeden Gegenstand ausführlich Bescheid. Wollte ich übrigens den ganzen Werth dieses Riesenwerkes ausführlich darstellen, so würde dies den Raum eines Zeitungsartikels weit überschreiten. Ich will hiermit die jüdische Gelehrtenwelt auf dieses Werk aufmerksam machen mit dem Bedeuten, daß es sich sehr empfehlen würde, eine vollständige, neue Ausgabe desselben zu veranstalten. Dazu wäre meines Erachtens weiter nichts nöthig, als daß ein Verleger gewonnen wird, dem gegenüber etwa 200 Subscribenten zur Abnahme des Werkes bandweise sich verpflichten und nach Lieferung jedes Bandes den entfallenden Betrag bezahlen. In Wien, Berlin, Leipzig oder Frankfurt würde sich ein derartiger Unternehmer nicht schwer finden lassen. Danlit wäre eines der besten und werthvollsten Werke des Judenthums in schöner, einheitliche Auflage hergestellt. Sehr wünschenswerth wäre es, daß dieser Appell nicht wirkungslos verhallen möchte. PH. Lederer, Rabbiner in Liebeschitz bei Saaz. Das Gutachten des Pros. Gottfried Pohl im Prorefle des R. Sabbathsi Safflsta (Bah). (Literarische Skizze zur jüdischen Apologetik.) Seitdem durch die Reformation die neue humanistische Geistesrichtung auch in Deutschland treue Anhänger gesunden hatte, sollte — neben den elastischen Sprachen — auch die Ursprache der heiligen Schrift das Gemeingut aller Gebildeten werden. Der Wohllaut der hebräischen Sprache veranlaßte viele christliche Gelehrte für Alles, was in der Bibel geschrieben stand, Theilnahme zu erwecken. Im 16. und 17. Jahrhundert finden wir daher eine große Anzahl christlicher Philologen mit gelehrten Juden Umgang pflegen, mit ihnen correspondirend und ihr tiefes, reiches Wissen bewundernd. Dieses gelehrte Interesse für das Judenthum sollte aber den Juden selbst zum Unheil gereichen. Mit scheelem Blicke betrachteten die. Dominikaner und später die Jesuiten — die fanatischen Seelsorger der großen Menge — die immer. weiter um sich greifende Entwicklung der hebräischen Sprachwissenschaft und das tiefe Eindringen in die jüdische Literatur. Mit dem Scharfsinn ihres unbegrenzten Hasses erkannten sie sofort, welch' eminente Gefahren der Kirche von dorther drohten. Nun. galt es, einen vernichtenden Schlag gegen die feindliche Stellung zu führen. Mit rastlosem Fleiße schleppten diese Fanatiker aus den entlegensten Winkeln der hebräischen Literatur allen Schutt und Staub zusammen und gaben chn für den eigentlichen Kern der jüdischen Lehre aus. Sie bedienten sich dabei eines unsittlichen Kunstgriffes, indem sie jede abfällige Bemerkung eines obscuren Juden aus irgend einem Zeitalter schlankweg als einen allgemein anerkannten Glaubenssatz des Judenthums hinstellten und darin Lästerungen gegen die göttliche Majestät und die herrschende Religion zu finden suchten. Zu diesen berüchtigten Dunkelmännern gehörte auch der gelehrte Jesuit F r a n c i s e u s Kolb, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts an der Prager Universität als hebräischer Sprachlehrer fungirte. Dieser denunciationssüchtige Pater beschuldigte (1712) den Inhaber der hebräischen Buchdrnckerei in Dyhecnfurt R. Sabbathai Bassista, er habe ein „lästerliches" Gedicht „Schaare Zion" abgedruckt und „im Handel verbreitet". R. Sabbathai b. Josef Bassista (1641—1721), der während seiner Lehr- und Wanderjahre als Chorsänger und Corrector sich sein Brod verdienen mußte, hatte in seinem späten Alter — er mar ein Greis von 70 Jahren — eine Buchdruckerei in Dyhernfurt *) errichtet und hielt sich wiederholt in Breslau auf, da er sein Waarenlager in der „Fechtschule" hatte. In Folge dieser Beschuldigung seitens des genannten P. Franciscus Kolb ward gegen ihn der Proceß eingeleitet. Die königliche Appellationskammer zu Breslau bestellte in diesem Processe als> unparteiischen Sachverständigen den Professor der hebräischen S-prache, bei dem noch heule bestehenden Gymnasium zu St. Elisabeth, G o ttf r i e d Pohl. Pohl's Gutachten beschäftigt sich zumeist mit der Rechffertigung der in dem zionistischen Gedichte „Schaare Zion" oft gebrauchten hebräischen Abbreviatur „A k u m" **), in welcher der Prager Jesuit eine Beschimpfung der christlichen Religion erblickte. „Die hebräische Abbreviatur „Akum",so läßt sich Pohl wörtlich vernehmen***), wird in den ältesten Büchern der Juden, sowie in den heutigen oft gefunden; sie seyen in Tyrkei oder Christenreich, in oder außer Welschland gedruket worden. Sie deutens beständig „ovde cochabim umassaloth" Anbeter der Sterne und Planeten. Und bethenren alle Juden, daß die Auslegung durch „ovde christos umirjam“, Anbeter Christi und Mariä bei ihnen niemals bräuchlich gewesen; und müsse sie von einem boshaften Menschen, den Juden damit zu schaden, erdacht und vornehmen Leuten unter den Christen sein beigebracht worden. Sie schreien über Gewalt und Unrecht, wenn man sie anders liest. Wenn auch sollte Christus dadurch verstanden sein, so müßte sie durch „Koph" geschrieben sein, weil alle Inden nur diesen Buchstaben beständig brauchen, wenn sie Christus schreiben wollen, wie aus dem Namen „Christoph" und anderen erhellet. Ferner lassen Jhro königl. Majestät in Preußen den Amsterdamer Talmud nicht durch ihre Lande passiren, weil in selbiger Edition die Passagen zu finden, die der christlichen Religion disreputirlich sind. Hingegen wird der neue Frankfurter Talmud frei und öffentlich verkauft, weil in dieser Edition Alles weggelassen, was die Ehre des Chriftenthums touchiren kann. „Akum" aber, die Abbreviatur kommt darinnen, wie allenthalben anderswo, oft für: weil nämlich Seine Majestät durch dero hohe Gewissensräthe verständiget worden, daß solches Akum könne tolerirt werden . . ." Also, wie es die Worte geben, werden Heiden dadurch verstanden: dergleichen auch in der Türkei noch sollen gefunden werden . . . Im weiteren Verlaufe seiner Vertheidigungsschrift zeigt sich Prof. Pohl immer mehr als ein beredter Anwalt des Judenthums, indem er besonders auf den Rechtlichkeitssinn der Juden und auf ihre Liebe und Verehrung gegen den Landesherrn hinweist. „Hierentgegen ist es bekannt", sagt er wörtlich, „daß die Juden insgesammt niemals die hohen und höchsten Namen ihrer Landesfürsten nennen, unter Dero Protection *) Vergl. Cassel und Steinschneider in Ersch und Gruber: „Jüdische Typographie und jüdischer Buchhandel". Braun M, „Geschichte des Landesrabbinaks in Schlesien", S. 4 **) P. Kolb löst diese Abbreviatur in „ovde christos umirjam" auf. ***) Enthalten im königl. Provinzialarchiv zu Breslau, Fase. III. Zum ersten Male abgedruckt in Oelsner's Broschüre: „R. Sabbathai Bassista und sein Proceß." Seile 25 ff.

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