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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 16 Vr. Bloch'» WochrMchrM Seite 297 musikalische Theil, insbesonders der von ihm componirte und mit Orchesterbegleitung executirte 15. Psalm und das Festlied erhöhte die weihevolle Festesstimmung. Die formvollendete vom Jubilar schwungvoll vorgetragene Festrede, erfüllte die Zuhörer mit Begeisterung. Hierauf folgte das Gebet' für den König mit Absingung der Volkshymne. Nach beendetenl Gottesdienste begab sich der Obergespan zum Platze des Jubilars, beglückwünschte ihn in herzlichster Weise, beehrte jedes einzelne Vorstandsmitglied mit einer kurzen Ansprache. Am nächsten Vormittage veranstalteten die gewesenen Schüler und Schülerinnen eine Festversammlung im geschmückten Gemeindesaal, der ein sehr gewähltes Publicum beiwohnte. Die Versammlung wurde durch den Vorsitzenden Herrn Med. Dr. Heinrich Blau eröffnet, welcher in seiner Begrüßungsrede den Anwesenden für ihr freundliches Erscheinen bestens dankte und eine Deputation zur Einholung des Jubilars ersuchte. Bei dessen Erscheinen ertönte ein brausendes „Zivio", worauf der Vorsitzende denselben in feierlicher Ansprache begrüßte. Der Vorsitzende ertheilte dem Herrn Cand. jur. Leopold H ö n i g s b e r g das Wort zur Festrede. In der Festrede schilderte er das Wirken des Jubilars als Religionslehrer, betonte die besondere Selbstaufopferung für die Jugend, charakterisirte ihn als Priester der Milde, Liebe und Versöhnlichkeit. „Ihm ist die Schule die Bildungsanstalt des Charakters der Männer mit festen Grundsätzen. Nicht die leeren Formen sind es, welche die religiös-sittliche Erziehung cmsmachen. Ein Herz, das jüdisch fühlt." — . . . ^Brausendes Zivio.) Reicher Beifall lohnte den jugendlichen Redner. Sodann beglückwünschte den Jubilar im Namen der gewesenen Schülerinnen das Fräulein Laura Hermann in sinnigen Worten und überreichte ihm die von den gewesenen Schülern und Schülerinnen Unterzeichnete Adresse. Maturant Herr Bernard E b e n s p a n g e r sprach im Namen der jetzigen Schüler, worauf der Jubilar mit schönen Worten dankte und seiner Freude Ausdruck gab, aus dem Munde seiner Schüler erfahren zu haben, daß sie.treu ihrem Glauben bleiben wollen ... (Nicht endenwoflendes Zivio!) Der anwesende Stadtpfarrer Domherr K o l a r i c ließ es sich nicht nehmen, überwältigt von dem Eindrücke dieser schönen Feier, mit herzlichen Worten in treffender Rede den Jubilar zu beglückwünschen und ihn zu versichern, daß er immer Gefühle der Achtung und Verehrung für ihn gehegt habe und daß ihr identisches Wirken als Seelsorger, die Gleichartigkeit ihrer Pflichten ein häufiges gegenseitiges Entgegenkommen erfordere, dessen er sich immer versichert halten könne. Redner beglückwünschte auch die Gemeinde, einen so würdigen, aufopferungsvollen, hochgebildeten Seelsorger ihr Eigen nennen zu können. Nicht endenwollender Beifall folgte dieser spontanen Kundgebung. Mit einem Hoch auf den König und auf das croatische Vaterland nahm unter Absingung der Volks- und Nationalhymne dieses seltene, schöne und erhebende Fest ihren würdigen Abschuß. Pisek, 10. April. (Berichtigung.) Dem Herrn Anonymus, der die Güte hatte, mich darauf aufmerksam zu machen, daß der von mir erwähnte Akiba kein Schames, sondern ein Schochet war und daß nicht die Behörde ihm das Ohr abschneiden ließ, sondern daß der fromme Rabbi Jesaias selbst es ihm in der Aufregung abgebissen hätte, bin ich für diese Belehrung dankbar, obwohl er es unterlassen hatte, die Quelle, aus der er geschöpft, anzugeben. Ich meinerseits habe diese Geschichte, so wie sie von mir hier erzählt wurde, in »keiner Jugend von einem äußerst frommen, sehr gelehrten und allgemein geachteten Rabbiner, dem sie von seinem seligen Lehrer, dem weltberühmten Rabbi Moses Sofer in Preßburg mitgetheilt wurde, erzählen gehört. Wer jedoch besser informirt war, Rabbi Sofer oder der Anonymus, hierüber entscheiden zu können, bin ich nicht in der Lage. Ich kann es jedoch nicht unterlassen, zu bemerken, daß die Behauptung oder richtiger die Combination, R. Jesaias Hurwitz, der doch kein Montenegriner, sondern ein echter und rechter Sohn Abrahams war, daß R. Jesaias, der in ganz Israel gefeierte Lehrer, der „Schelah Hakodausch", einem Menschen das Ohr abgebissen hätte, recht märchenhaft klingt. Berlin. 5. April. Gegenüber den nichtswürdigen Verleumdungen unserer Gegner, daß nur „Franzosen, Polen und Juden" in den Märztagen des Jahres 1848 in Berlin die Revolution angefangen, ist es von Interesse, zu erfahren, daß gerade ein Jude es war, der Seidenwaarenhändler Julius Wolf Meyer. Chef der damaligen großen Seidenfirma W. A. Meyer Söhne, deren Geschäftshaus neben dem Palais des Prinzen in der Behrenstraße lag, der an jenem traurigen 19. März den Prinzen von Preußen und seine Gematin von seinem Valais im eigenen Wagen weggefahren und sich dafür später fortdauernder Gnadenbeweise von diesem zu erfreuen gehabt habe. Der Prinz hat auch noch als König imb Kaiser dem späteren Commereienrath Julius Wolf Meyer bis zu dessen 1872 erfolgten Tode seine Dankbarkeit alljährlich durch kostbare Geschenke zu erkennen gegeben, die meist aus der königlichen Porzellanmanufactur hervorgegaugen waren. „Einen Theil dieser mit dem Monogramm des Kaisers versehenen Geschenke", so heißt es in einem der „V. Z." zugegangeneu Briefe, „hat der Schreiber dieser Zeilen selbst gesehen. Sie werden in den Familien des Bankdirectors Julius Alexander, eines Schwiegersohnes I. W. Meyer's, dessen Leichenzug auch ein Galawagen des Kaisers begleitete und seines schon verstorbenen Sohnes, des als humoristischer Schriftsteller unter seinem Pseudonym Siegmey besonders in den Siebziger- Jahren bekannten Siegbert Meyer, noch als Andenken an den hohen Geber pietätvoll bewahrt." Berlin, 3. April. Die Zeitschrift „Im Deutschen Reich" schreibt: „Wer einen alttestamentlichen Namen hat, soll ihn behalten und ihm durch sein Verhalten Ehre macheil. Die hiesige antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlichte dieser Tage ein vom 6. November 1897 datirtes, an einen aus der Provinz Poseir nach Berlin gezogenen Herrn gerichtetes Schreiben nachstehenden Inhalts: „Ans das an die Kö'.ügliche Regierung zu Posen gerichtete, mir zur Verfügung übergebene Gesuch vom 22. October 1897 erwidere ich Ihnen, daß Sie znr Annahme von Vornamen einer obrigkeitlichen Erlaubniß nicht bedürfen. Diesseits findet sich demgemäß nichts dagegen zu erinnern, wenn Sie den Namen „Einil" weiterführen. In den Registerblättern des.Einwohnermeldeamts ist dieser Vorname eingetragen. Der Polizei-Präsident." — Damit ist der Wunsch des betreffenden Herrn, welcher früher „Nehemias" geheißen haben soll, erfüllt, aber gleichzeitig auch in bedauerlicher Weise der Anschein erweckt worden, daß sich ein Jude schämt, einen alttestamentlichen Namen zu tragen. Wenn wir die Gegner entwaffnen wollen, so müssen wir zeigen, daß wir stolz darauf sind, Juden zu sein. Sicher wird ein gesinnungsvoller „Nehemias". der seinem deutschen Vaterlande und seiner jüdischen Religion treu ist, mehr Achtung und Sympathie erwerben, als einer jener Mnthloseu, der nach dem Synagogen-Besuch sein Gebetbuch in dickes Zeitungspapier wickelt, damit ihn nur ja Niemand für einen Inden halte!" Rom, 1. April. Die Feier des 50. Jahrestages der Staat s verfass ung, welche am 4. v. M. im gesammten Italien begangen wurde, hat auch in den israelitischen Gotteshäusern den erhebendsten Ausdruck gesunden. In Turin hatten die israelitischen Bürger am 29. Mürz noch ein specielles Fest zu begehen. An diesem Tage waren fünfzig Jahre verstrichen, seitdem Carl Albert in einem Specialgesetze die völlige Gleichheit der Israeliten Piemont's mit allen anderen Bürgern des Staates aussprach. Die Feier trug einen höchst solennen Charakter; unter den Vertretern der Staats- und Militärbehörden befand sich auch General Ottolen ghi, Divisions-Commandeur und Adjutant des Königs, der als Jude zugleich das lebendigste Zeugniß dafür abgab, daß die Emancipation ihre volle Verwirklichung gefunden hat. Eine besondere Ovation wurde dem berühmten Verfasser des .,11 Propheta“, dem greisen Dichter David Levi, bereitet. Einst als Jüngling in der Schaar der Studenten, welche unter M a z z i n i für die Freiheit kämpften, konnte Keiner mehr als er berufen sein, die Hymne für den Tag zu schreiben, die Alle mit der höchste» Begeisterung erfüllte. Interessant war das Zusammentreffen mit einer Auszeichnung, welche der würdige Greis an demselben Tage erfuhr, indem ihm im Aufträge des Königs das Officierskreuz des Ordens della Corona d’Italia übergeben wurde, begleitet von einem eigenhändigen Schreiben des Herrschers, in welchem er seine Anerkennung für die Verdienste, die David Levi sich um das Vaterland erworben hat, ausdrückte. Wien. (Verlobung.) Am 10. d. M. hat sich der Sohn unseres Mitarbeiters Oberlehrers L. Riesenfeld aus Ungarisch-Brod, Herr Gustav R i e s e n f e l d, Vicepräses des humanitären Geselligkeitsvereines der NugarischBroder in Wien, mit Fräulein Olga L ö w i t, Tochter des Liqueur-Fabrikauteu Herrn Alois L ö w i t. Jiüin (Böhmen), verlobt.

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