Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 15 (15.4.1898)
- Date
- 1898-04-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 396 Dr. Vwch'E MochrnfltzrM- Nr. 15 genommen und zum Schlüsse den um den Verein verdienten Redner, Herrn Dr. Kulka, Dank und Anerkennung gezollt. — Am 26. März 1898 sand in den Localitäten des „jüdischliterarischen Vereins ein Concertabend statt, welcher von deni am hiesigen Stadttheater engagirten Baritonisten Herrn Leon Asbel unter gefälliger Mitwirkung der Opernsängerin Fräulein Franceskini veranstaltet wurde. Die künstlerisch vorgetragenen Lieder des Herrn Asbel, sowie des Fräuleins Franceskini, ernteten von dem zahlreich erschienenen distinguirten Publicum lebhaften Beifall. Besondere Anerkennung verdienen die beiden Herren Bereinsmitglieder, Herr Moriz Bachrach und Obercantor Singermann, welche durch ihre wohlgelungenen Vorträge zur Verschönerung des Abends wesentlich beitrugen. Um das Zustandekommen dieses schönen Abends hatten sich besonders verdient gemacht die Herren Moriz Bachrach und Moriz Groß. Lvieliczko, den 4. April. Der Palmsonntag ist für die Juden in Galizien und speciell in Wieliczka ein kritischer Tag. Noch selten ist es vorgekommen, daß an diesem Tage sich ans der Straße zeigende Glaubensgenossen nicht attakirt worden sind.Das war aber immer nur der Uebermuth halbwüchsiger Burschen, der der Tendenz entbehrte. Nach den bedauerlichen Vorfällen der letzt stattgefundenen Excesse lag jedoch die Vermuthung nahe, daß sich der Mob nicht damit begnügen würde, mit Palmenwedeln zu fechten, und es kam auch dergestalt. Strömender Regen hinderte zwar größere Ansammlungen und die gesammte, in Bereitschaft stehende Polizei bewirkte, daß in Wieliczka von besonderen Ausschreitungen nichts bemerkt wurde. Speciell trug hiezu auch der Umstand bei, daß die Juden den ganzen Vormittag sich in ihren Wohnungen aufhielten und die Straße überhaupt nicht betraten. Dies war eine am Sonnabend in der Synagoge ausgerufene Parole. Nach dem Kirchgänge rotteten sich 150 bis 200 Dorfbewohner zusammen und zogen in Abtheilungeu durch, respective nach Klasno. Auch hier zeigten sich keine Juden auf der Gaste.— ängstlich hatten sich dieselben in ihre Wohnungen zurückgezogen und die Fensterläden geschlossen. Wo letztere fehlten, da wurden durch Steinhagel die Scheiben ausgeschlagen und den armen Menschen großer Schaden zugefügt. In der Wohnung der jüdifchen Hebamme Perlmann wurden 16 Scheiben eingeschlagen und ein Fensterrahmen ausgebrochen. Die Frau des Schächters Straußberg wurde im Zimmer durch einen hineingeworfenen Stein im Gesichte verletzt. Der in Klasno anwesend gewesene Gendarm versuchte die Menge auseinander zu treiben, war aber vollständig machtlos und eine von ihm vorgenommene Verhaftung wurde durch die Excedenten illusorisch gemacht. Hätte die Behörde nur die geringsten Vorsichtsmaßregeln getroffen, so wäre der Palmsonntag in aller Ruhe verlausen, und die Behörde kann sich nicht einmal der Ausrede bedienen, daß sie überrascht worden sei, da sie ganz gut wußte und weiß, daß dieser Tag immer dazu benutzt wird, den Juden eines am Zeuge zu flicken. Kolin. Der im „Prvceß Zola" zu so unsäglich trauriger Berühmtheit gelangte „Monstern- ]e commandant" wäre mit seiner Prahlerei, tausend Juden ganz allein mit einem Knüppel zu erschlagen, weniger als ernst zu nehmen, selbst dann, wenn er dem Vorschläge seitens eines einzelnen Juden, mit ihm an die Grenze zu kommen, nicht so energisch ausgewichen wäre, wie er es gethan. Man hielt ihn vielmehr für das, was er ist — für einen Prahlhans, nicht aus Ungarn, sondern würdig aus der Gascogne zu stammen, wo zeitlebens derartige „blowers" gezeitigt wurden. — Doch nicht vom Schwcrenöther Esterhazy, der sie erschlagen, sondern von Einem, der die Juden fressen will, möchte ich Ihnen berichten. — Wo der zu sehen ist? Sie müssen weder nach einem noch nicht durchquerten Theile Afrikas, noch nach einem von Weißen unbewohnten Theile Australiens reisen, um ihn zu betrachten, nein — Sie finden ihn in einem der civilisirtesten Staaten, ja sogar in unserer Nähe; auch ist er beiweitem nicht so genügsam wie der Hottentotte — denn, während Jener sich zufrieden stellt, n'mal in der Zeit irgend einen ver—irrten Reisenden zum Kessel zu bringen, will unser Wilder täglich 12 Menschen (pardon Juden) verspeisen. Ja — 12 Juden möchte er täglich fressen (seine eigenen Worte); ein solcher Magen sollte doch von rechtswegen den medicinischcn Autoritäten der Welt zum Studium vorgelegt werden; was muß das für eine Delatation sein, man sollte ja annehmen, der Unmensch müßte jahraus jahrein an den Carlsbader Thermen liegen und sich curiren — doch nein — dazu hat er nicht Zeit, denn er ist — Gymnasialprofessor, und als solcher muß er 10 Monate im Jahre die Jugend — bilden. Ich wünschte nur, daß der Cultusminister eines so hoch civilisirten Staates es seinem College», dem Eisenbahnminister, gleichthun möchte, .und so wie Dieser zuweilen den Betrieb, die Vorkehrungen zur Sicherheit der Person, bei den Communicationsanstalten, prüft, auch er die Stationen zum Betriebe des Wissens, die Vorkehrungen zur Sicherheit der geistigen G ü t e r inspiciren würde. Der möchte Augen machen, wenn er sehen würde, welch unverlässigen Leuten diese so wichtige Station zuweilen anvertraut, welchen Händen in manchem Falle der künftige Nähr¬ und Wehrstand übergeben ist. Friedek, 28. März. (E h r u n g.) Der Gesammtausschuß der israelitischen Cultusgemeinde Friedek-Mistek versammelte sich am Freitag zu einer seltenen und erhebenden Feier. Es galt, das aufopferungs- und verdienstvolle, vierzigjährige Wirken des hochverdienten Cultusvorstehers Herrn Hermann L ö w zu feiern und auch seiner Tugenden und seines humanen Wirkens zu gedenken. Die Grenzen, die der Feier gezogen waren, ließen die dankbaren Herzensregungen der Anwesenden zur vollen Geltung kommen und die Sympathie, Verehrung und Werthschätzung, deren sich der Gefeierte in allen Kreisen und bei Jedermann erfreut, zeigten sich bei diesem Anlasse in reinstem Lichte. In dem geschmackvoll decorirten Schulzimmer, in dem das Bildniß des Jubilars enthüllt werden sollte, waren der Rabbiner Herr Dr. Ad. L e i m d ö r f e r aus Teschen, der neugewählte Gesammt-Cultusausschuß, der Lehrkörper, die Cultusbeamten und die Schuljugend versamnielt, während die der früheren Cultusgemeinde-Bertretung angehörigen Mitglieder sich zu Wagen in die Wohnung des Jubilars nach Colloredow begaben, um ihm eine Adresse mit etwa 120 Unterschriften zu überreichen, und wo der Cultusvorstand-Stellvertreter Herr L. P a n e t h in einer kurzen Ansprache die Verdienste des Gefeierten hervorhob und ihn mit seinen Familienmitgliedern in das Schulgebäude abholte. Dort stimmten zuerst die Schulkinder einen Chor an, Herr Leop. Paneth rühmte dann in einer Wiedergabe der überreichten Adresse das Wirken des Gefeierten. Jeder Schritt auf dem vierzigjährigen Wege zeige von dem edlen, hochsinnigen Streben des Jubilars, bei der Schaffung aller Cultusgemeinde- Jnstitutionen habe er mit Wort und That eingegriffen;'daß'die Cultusgemeinde heute blühe, verdanke man seiner Einsicht und seinem Wohlwollen. Er ist der Schöpfer des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, der so viel Gutes geschaffen und so viele Thränen getrocknet habe, wie er auch der eifrigste Förderer und Mitbegründer aller religiösen und humanen Anstalten der Cultusgemeinde ist. Sodann sprach Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer von Herzen kommende und zum Herzen gehende Worte und sagte am Schluffe seiner Rede: „Der Genius erfordert von der Menschheit Opfer; doch, wenn einmal diese Menschheit sich zur Vollkommenkeit emporschwingen wird, daß diese Opfer nicht nothwendig sein werden, so wird doch Eines davon nicht entbehrt werden: es ist das Opfer des Dankes, und das bringen wir Ihnen aus vollem Herzen dar". Hierauf übermittelte Herr Dr. Leimdörfer die Glückwünsche der Teschner israelitischen Cultusgemeinde. Nun wurde das gelungene Bildniß des Jubilars enthüllt und ihm der Platz neben dem Bildnisse des unvergeßlichen, langjährigen Leiters des seinerzeit hier bestandenen Cultusvereiues Herrn Dr. Ziffer angewiesen. Mit bewegten Worten dankte der Jubilar, er gedachte mit Innigkeit aller Jener, die an dem Aufblühen der Cultusgemeinde werkthätig Theil genommen und die Wege zu ihrer Entwicklung ebnen geholfen haben, die aber der unerbittliche Tod mitten in ihrer Schaffensfreudigkeit abberufen hat. „Wir hatten Ideale, an deren Verwirklichung wir unentwegt gearbeitet hatten, und das Alter hat uns dieselben nicht geraubt, die Erfahrung hat sie blos geläutert." Mit anerkennenden Worten für die Thätigkeit und Aufopferung der Lehrer und der Beamten und nach Beglückwünschung des Jubilars durch den Oberlehrer B. Kraus schloß die schöne Feier. Warasdirr, im März. Am 21. d. M. feierte unser allbeliebter Oberrabbiner Herr Dr. Jg. Ern st das 25jährige Jubiläum seines erfolgreichen Wirkens als Priester und Religionslehrer in unserer Gemeinde. Das seltene schöne Fest begann mit einem feierlichen Gottesdienste in dem prachtvoll geschmückten Gotteshause, welchem die Spitzen aller Behörden corporativ beiwohnten, insbesonders der Obergespan des Warasdiner Comitates, von Rubido-Zichy, der Vicegespan von Bellasevic, Comitatssecretär von Zigrovic, Bürgermeister Breitenfeld, Stadthauptmann Femen, Bezirksvorstand von B a l o g h u. A. Der vom Obercantor Herrn S. Wilkovits geleitete