Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 15 (15.4.1898)
- Date
- 1898-04-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 298 Vr Vloch » WochrnfchrM Nr. 15 Wien. Fräulein Clara' T h o m, Tochter des Großgrund- und Dampfmühlenbesitzers Leo Thom aus Lemberg, hat sich mit Herrn Georg Bielschowsky aus Berlin verlobt. — Fräulein Melanie B a r u ch, Tochter des Herrn M. L. Baruch, Berwaltungsrathes der „Steyrermühl", hat sich mit Herrn Sigmund K ö r n e i, Director des Vereines Reisender Kaufleute, verlobt. Wien. (David Popper). Se. Majestät hat dem Professor an der Landes-Musikakademie und Cellokünstler David Popper in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Musikunterrichtes und der Musikkunst das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Wir brauchen nicht zu sagen, wer David Popper ist; der ausgezeichnete Künstler ist in allen Kreisen, die Sinn für Musik haben, bestens bekannt. Wir drücken nur unsere Freude über seine Decorirung aus, die allenthalben mit Befriedigung und Genugthuung ausgenommen werden wird. Budapest. (70. Geburtstag.) Der auch in Wiener Kreisen von seinen Arbeiten für den Verein für Landeskunde von Niederösterreich bekannte nunmehrige pensionirte Kartograph des kön. ung. statistischen Landesbureaus und 1848—49er Honväd-Artillerie-Officier Jgn. H a t s e k feierte am 7. April l. I. in voller Geistes- und Körperfrische seinen 70. Geburtstag. Derselbe ist in Waag-Neustadtl geboren. Protznitz. (Für die hiesige Dr. Brecher Siechenhaus-Stiftung) hat die hochherzige Frau Baronin Hirsch den namhaften Betrag von 2000 Gulden gespendet. Hiedurch ist es endlich möglich geworden, das Project des Neubaues des Stiftungshauses, welches für die Beherbergung der Siechen sich ganz und gar unzulänglich erwiesen, in Ausführung zu bringen. Lomnitz. (Trauung.) Mittwoch den 20. April l. I. findet im israelitischen Tempel zu Csacza die Trauung von Fräulein Clara Wolffsohn, Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Simon Wolffsohn, mit Herrn Rabbiner Dr. D. F r i e dmann aus Sillein statt. Klattau, 11. April 1898. Herr L. Kohner, Juwelier in Wien, der unserem Tempel schon manches ansehnliche Geschenk gemacht, übersandte der Cultusgemeinde einen silbernen Pokal mit passender Inschrift. Der Becher soll bei Hochzeiten verwendet werden. — Gestern fand die Generalversammlung des hiesigen humanen Franz Josef I. Jubiläum Fraueuvereines statt. Gewählt wurden die Damen: Fleischer Rosa, Hahn Sofie, Singer Julie, Süßland Anna, Steiner Katti, Steiner Bertha, Treichlinger Antonie. Kremfier, 7. April. (Todesfall.) Am 3. April d. I. verschied hier nach ganz kurzem Unwohlsein der bekannte Hotelier und Realitätenbesitzer Herr Franz Hajek im 52. Lebensjahre. Derselbe erfteute sich ob seines biederen Charakters in unserer Stadt der größten Beliebtheit, wovon auch die ungemein starke Betheiligung an dessen Leichenbegängnisse Zeugniß gab. Der Verstorbene war Besitzer der großen silbernen Tapferkeitsmedaille, die ihm für seine am Schlachtfelde von Custozza als Cadett- Feuerwerker bewiesene Tapferkeit verliehen wurde. Erst vor einigen Wochen feierte er das Fest der silbernen Hochzeit. Der Verblichene war ein Schwager des bekannten Herrn Obersten Ritter von Eiß und des Olmützer Finanzrathes Herrn Dr. Fried. Saaz, 4. April. (Antisemitische Beleidigungen.) Wegen verschiedener gegen sie gerichteter Beschimpfungen in dem hiesigen antisemitischen Hetzblatte hatten der Realitäten-Besitzer Leopold Gellert, der Hopfenhändler Ho ly und der Schneidermeister Duschet Ehrenbeleidigungs-Klagen gegen den Redacteur Edmund P u m m e r und den Druckereckwsitzer Fritz Kränzle als Drucker eingebracht, worüber heute vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes Brüx die früher schon einmal anuullirte Hauptverhandlung stattfand. P u m m e r wurde wegen Ehrenbeleidigung nach § 466 schuldig erkannt und zu zehn Tagen Arrests, verschärft durch Fasten, und vierzig Gulden Kostenersatz verurtheilt. Drucker Kränzle wurde freigesprochen; der Privatkläger meldete die Berufimg an. Berlin, 1. April. (Zunz-Stiftung § 3 a—d des Statuts.) Für das Jahr 1898 sind etwa 1100 Mark verfügbar. Meldungen oder Anträge (mit den dazu gehörigen Unterlagen) sind bis zum 15. Juli 1898 an den Unterzeichneten Vorsitzenden einzureichen. Die Zunz-Stiftung, ausschließlich der Wissenschaft des Judenthums gewidmet, fördert lediglich streng wissenschaftliche Arbeiten. Curatorium der Zunz-Stiftung: Dr. S. Nemann, Vorsitzender. Dr. Abraham. London. Am 16. April feiert Arthur, der Sohn des Herrn Philipp Gremspan, seine Barmizwah. Die religiöse Ceremonie findet in der Tinsburgpark-Synagoge um halb 10 Uhr statt. Die Wanirung der Prager Iudenstadt. Von E. H. Spielmann. Nasch das letzte Lied gesungen, Eh' das Leben ganz entwich, Eh' in grauen Dämmerungen Winter alles kalt verschlungen Blumen, Thränen, Herbst und — mich. Mit gemischten Gefühlen sieht der Prager Jude, speciell die ältere Generation, einen Theil nach dem andern, der Prager Judenstadt, heute Josefstadt genannt, unter den Krafthieben der Arbeiter dahinschwinden und mit ihnen die Zeugen einer Vergangenheit, die es wohl lohnt, längere Zeit in wehmüthiger Erinnerung zu verweilen Gleichsam als ob jenes todte Gestein es empfände, daß es trotz, seines Jahrhunderte langen Bestandes nunmehr der Vergessenheit übergeben werden soll, sträubt es sich förmlich den unbarmherzigen Spaten gegenüber, und die Arbeiten müssen unter besonderer Vorsicht und Anwendung aller technischen Mittel vorgenommen werden; ja, als ob eine unsichtbare Macht dieses Zerstörungswerk hindern wollte, entstehen der städtischen Assanirungscommission Schwierigkeiten, die zwar das Vorgehen aufhalten — keineswegs aber einstellen können. Materielle, bauliche — ja selbst moralische Hindernisse erwachsen bei Applanirnng der Gründe den betreffenden Commissionen, demzufolge es nicht zu verwundern ist, daß das Fortschreiten dieses Werkes, welches, nebenbei gesagt, den hygienischen Anforderungen vollkommen entsprechen soll, in's Unendliche verzogen wird. Hier ist es, wo sich der Besitzer einer kleinen Wohnung im oritten Stock irgendeines baufälligen Hauses — um keinen Preis von den vier Wänden trennen will, wo seine Vorfahren gelebt und gestorben — und tapfer hält er dem Ansturm der anderen Theilbesitzer Stand, ja sogar dem höchst möglichen Anbieten der Stadtgemeinde — so daß man zu zwangsweisem Vorgehen genöthigt ist. Dort ist es wieder, wo die Demolirung eines Gebäudes ungeahnt einen ganzen Complex mitreißen würde, da die Häuser derart zusammengewachsen sind, daß durch die Wegnahme selbst des kleinsten Theiles das Ganze zusammenfällt — wie ein Kartenhaus. Hier ist es wieder, wo das historisch denkwürdige Moment ausschlaggebend ist, wo Spate und Schaufel zurückgezogen werden müssen, und viele andere Hindernisse, die viel zu weitläufig sind, um recapitulirt zu werden. Was könnten nicht alles jene Gebäude, jene geheimen Gänge, Kammern u. s. w. erzählen, jedes Haus, ja jeder Stein, kann man mit Recht sagen, hat seine Historie, seine Vergangenheit. Wieviel Kummer, Leid, Roth, Pein, wieviel Jammer, Elend, Raub und Plünderung haben jene Gassen, jene Steine gesehen, wie wenig der freudigen Ereignisse — im Verhältnisse zu den vielen, vielen Trauertagen« Es liegt nicht in meiner Absicht, eine specielle Geschichte der Prager Judenstadt zu schreiben, dies bleibt berufenen Historikern überlassen, allein Einiges sei mir gestattet zu erwähnen. Die Entstehung der Prager Judenstadt ist in ein tiefes Dunkel gehüllt, umsomehr, als viele wichtige Auszeichnungen bei den wiederholten Bränden vernichtet wurden oder in Verlust geriethen. Die Sage erzählt, daß bereits bei der Zerstörung des zweiten Tempels Juden in Prag ansäffig waren. *) Ich weise hier auch auf jene Sammlung, Sippurin, welche speciell die Geschichte der Juden in Prag und Böhmen überhaupt recht interessant und unterhaltend, sowie belehrend behandelt. Bestimmte Daten sind theilweise seit Herzog Wenzel 931 und Boleslav 973 vorhanden. Die schmerzvollste Leidensgeschichte der Israeliten Prags beginnt jedoch seit den Kreuzzügen, und von diesem Zeiträume an ist es eine ununterbrochene.Kette tiefer Bekümmernisse und Leiden, unzählige, unschuldige Opfer verschlangen die Züge der Kreuzfahrer, der Flagellanten, der Hussitten, der Reformation, des dreißigjährigen Krieges, des siebenjährigen Krieges u. s. w., ob es jetzt ein äußerer oder innerer Anlaß zu irgend einem geschichtlichen Ereignisse, zu einer bedeutenden Bewegung in Böhmen, in Oesterreichs überhaupt in Deutschland war, stets schlugen die Wellen derselben mächtig uud verderbenbringend in das Prager Ghetto und verursachten hier viel ungeheueres Leid. *) Rosnas, Schlosser, Zunz.