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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-12 · 28 (12.7.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 522 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 28 Vom Jahrmarkt des Lebens. Loew-Deckert. Vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes Währing fand am 9. d. M. abermals eine Verhandlung gegen Pfarrer Deckert wegen Uebertretung des § 23 Pr.-G. statt. Der industriöse Pfarrer hatte anläßlich seiner jüngsten Hetzpredigten in der Weinhauser Kirche neuerdings ein Flugblatt vertheilen lassen, auf welchem neben einer Bitte um milde Beiträge für den noch immer schwer belasteten Kirchenbau auch Anpreisungen der Schriften Dr. Deckert's, darunter eine solche gegen den Abgeordneten Dr. Bloch, enthalten waren. Auf solche W.ise ist der Name des Herausgebers der „Oesterreichischen Wochenschrift" unter den gläubigen Kirchenbesuchern von Weinhaus näher bekannt geworden. Herr Deckert besorgt die Reclame für uns —- das ist ein überaus menschenfreundliches Werk — mir sind wir in Verlegenheit, wie wir ihm dafür danken sollen. Wir machen immer mehr die Erfahrung, daß Herr Deckert eigentlich gar kein Antisemit ist, sondern sich nur für einen solchen ausgibt. Er sorgt ja wirklich für das „Fortkommen" der Juden. Da ist z. B. sein Bertheidiger Dr. Max Anton L o e w ein getaufter Jude, der früher blos Mox L o e w hieß und sich selbst berühmte, ein Nachkomme des großen Rabbi Akiba Eger zu sein. Herr Dr. Max Anton L o e w ist ein herzlich schlechter Jurist und noch schlechterer Verlhcidiger — in Bezug aus seine intellectuellen Fähigkeiten macht er seinem berühmten Vorfahren keine Ehre. Dr. Max Anton L o ew wäre ein beschäftigungsloser Advocat, wenn sich Pfarrer Deckert nicht seiner erbarmte und ab und zu ein kleines Delict beginge, um ihm auf solche Weise eine Vertretung zukommen zu lassen. — Pfarrer Deckert wurde fre i q e sp ro ch en und die Motivirung des Freispruches ist höchst ergötzlich. Der Richter bezeichnete das erwähnte Flugblatt, analog den Profunden Ausführungen des Bertheidigers, als eine — rein örtlichen und gewerblichen Zwecken dienende Ankündigung. welche die Ausnahmsbegünstigung des §23 genießt. Es ist also gerichtlich festgestellt, daß Pfarrer Deckert ein tüchtiger Geschäftsmann, ein wahrer Barn um der Kirche ist! Wir nehmen diese Constatirung mit Befriedigung zur Kenntniß und vertrauen die Jnteresien des Abg. Dr. Bloch und seiner „Oesterr. Wochenschrift" auch fernerhin der bewährten Vertretung des Pfarrers Deckert an. Zur Praxis bei Verleihung der Stipendien jüdischer Strster theill man uns mit, daß das Singerische Schnllehrerstipendium im Betrage von 300 Gulden dem antisemitischen Lehrer Andreas Mayer, welcher von den Antisemiten als Candidat für den Bezirksausschuß im achten Bezirke aufgestellt worden ist, verliehen worden ist.^ während verdiente bedürftige, jüdische Lehrer übergangen wurden. Im Stiftungscuratorium sitzt freilich Dr. Weit! o'f, und da ist es wohl erklärlich, daß der antisemitische Bewerber dem jüdischen vorgczogen wird; eine andere Frage ist es wohl, ob eine derartige Praxis im Sinne des Stifters gelegen ist. „O diese Juden!" Am letztverfloffenen Freitag erregte es in der Schipkagaffe zu Pilsen ungemeines Aufsehen, daß dort die sehr reiche christliche Hausfrau . . . . . .. Besitzerin von 1'/- bräuberechtigtcn Häusern, welche allein jährlich einen reinen Bräunutzcn von circa 6000 st. abwerfen, eine arme, alte, kranke, seit Jahren gelähmte, christliche Frau (Anna R ö h l i n g) wegen eines geringfügigen Miethzinsrückstandcs in d?n Frühstnndsn zwangsweise delogiren und deren armselige Mobilien, sowie die Frau selbst im Bette — im buchstäblichsten Sinne des Wortes — auf's Straßenpstaster setzen ließ. Die hilflose Lage, sowie der Jammer der bedauerns- Frau gingen dem in der Nachbarschaft wohnenden jüdischen Privaten Philipp K o h n e r nahe, welcher im Vereine mit dem gleichfalls der jüdischen Confesston angehörenden Kaufmann Adolf Burg eine Collecte unter den Glaubensgenossen veranstaltete und damit in der kurzen Zeit von zwei Stunden den Betrag von 70 fl. erzielte. Inzwischen hatte das ebenfalls jüdische Fräulein Hahn eine andere Wohnung gesucht und eine solche in der Dondlewetzerstraße aus eigenen Mitteln gemiethet. Dahin wurde die arme Alte nebst ihren Mobilien durch den jüdischen Spediteur S o b o tk a unentgeltlich übersiedelt, so daß nach Bezahlung der schuldigen Mrethe noch ein namhafter Betrag übrig blieb, welcher die Frau auf einige Zeit vor der äußersten Noth beschützt. O diese Juden!" Der „Fall" Hammerstein. Berlin, 9. Juli. Die „Kreuzzeitung" schreibt: In Ergänzung der jüngsten Veröffentlichung des Freiherrn von Hammer st ein erklärt das C o m i t e d e r „K r e u z z e i t u n g", daß Freiherr v. H am m er st e in am 4. d. von seiner Stellung und Thätigkeit in der Redaction, beziehungsweise Verwaltung der „Kreuzzeitung" suspendirt wurde. Ferner hat Freiherr v. Hammerstein erklärt, bis ans Weiteres seinen Austritt aus der deutsch-conservativen Fraction des Reichstages und der conservativen Fraction des Abgeordnetenhauses anzumelden, damit er bei der Führung seines Processes gegen die „Kleine Presse" in Frankfurt am Main und das „Kleine Journal" in Berlin in keiner Richtung gebunden sei. Freiherr von Hammerstein ist ein Schwager des Wiener Professors Maassen, der vertrauteste Freund und Rathgeber der Wiener „Christlich-Socialen",derin der„Preußischen Kreuzzeitung" die gemeinsten Schimpfartikelgegen dasJudenthum und das jüdische Religions-Schriftthum publicirte. Kein Jude in Deutschland und Oesterreich wurde von seinem Geifer verschont. Diesem Manne sind nun öffentlich die ehrenrührigsten Dinge nachgesagt worden. Zögernd und nur unter einem Druck von Außen entschließt er sich zu einer gerichtlichen Widerlegung; er stellt in Zeitungsveröffentlichungen Einzelheiten in Abrede, und er läßt gerade damit andere Einzelheiten als zu recht behauptet erscheinen. Er ist Hausbesitzer und sein Haus kam einmal in Subhostation, die Subhastation wurde mit Mühe und Noth einmal rückgängig gemacht, und drohend richtet sie sich zum zweiten Male ans; das heißt, Herr von Hammersiein mit einem gesicherten großen Einkommen steht aus Ursachen, die sich einmal ergeben werden, in der Nähe des finanziellen Bankerotts, nachdem ihm der moralische vorgeworsen worden ist. Diese Angaben sind keine Erfindungen seiner Gegner, denn seine nächsten Freunde fällen über den genannten Herrn dadurch ihr Urtheil, daß sie immer zahlreicher und schließlich fluchtartig sich aus der Verbindung mit ihm losmachten; sie fühlten sich unter dem Drucke der Verhältnisse am Ende begreiflicherweise veranlaßt, aus der Redaction und aus der Verwaltung der „Kreuzzeitung" zu Bierteldutzenden auszutreten. Aber Herr v. Hammerstein blieb Jahr auf Jahr, Monat auf Monak Chefredacteur dieses Blattes, das seit Langem die couservative Partei leitet und politisch maßgebend vertritt und erst seit diesem Freitag Morgen verschwand sein Name als Leiter aus dem Blatte. Dieser Freiherr von Hammerstein, der über den Verbleib des P:nsionsfonds und über Papierlieferungsgeschäfte öffentlich Rechenschaft abzulegen nicht vermeiden kann, ist in der That der typische Vertreter jener antisemitisch-conservativen Richtung, die unter Assistenz des Herrn Stöcker und damals unter Hochrufen auf Ahlwardt in dem Tivolisaal gesiegt hat. Das endgiltige Urtheil über Herrn von Hammerstein wird, wir zweifeln absolut nicht daran, in verhältnismäßig kurzer Zeit sich völlig deutlich ergeben; die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalteu und dieses Urtheil wird klärend wirken zur erneuten Beurtheilung der Frage, aus welchem Holz die heutigen „Stützen von Thron und Altar" eigentlich geschnitzt sind. Die Parteileitung wird ihm aber auch nahelegen, auf seine Mandate zum Reichstag und Landtag zu verzichten. Unter den Zeugen im bevorstehenden Frankfurter Proceß werden mehrere conservative Abgeordnete sein, die es begreiflicherweise unangenehm empfinden, daß die „Kleine Presse" und Sonnemann sie vorgeladen haben. Vielleicht ist auch die vielgenannte Flora Gaß unter den Zeugen, die ihm dessen Briefe vor einiger Zeit in Basel gegen eine ungemein niedrige Summe — man sagt 100 Mark — zurückgab. Ein Dieb als Antisemitenhäuptling. Das Abendblatt der „Deutschen Zeitung" vom 9. Juli 1895 berichtet aus einer antisemitischen Wählcrversammlung des „Deutschen Bezirksvereines Wieden", welche am 8. Juli im Saale „zur blauen Weintraube" abgehalten wurde, folgende Episode: „Obmann Lug ert und Herr Arno sch t setzen die Ausfälle gegen Vergant mit Rücksicht auf die Mühldorfer Affaire fort. Der frühere Redner Stein ergreift nochmals das Wort, um gegen die Christlich- Socialen zu Felde zu ziehen, worüber diese einen lauten Protest erheben. Ein Christlich-Socialer schreit in die Versammlung hinein : „I ch kann doch nichts dafür, daß er gestohlen hat!" Dr. Förster springt auf

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