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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-01 · 5 (1.2.1895) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
5 (1.2.1895)
Date
1895-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Drstrrrrichischr WochrnsttzrM Seite 83 Schönheit in so schlackenreiner Weise zu Gehör zu bringen vermag, der hat die Weihe der Künstlerschaft errungen. Die schwierigsten Doppelgriffe, Passagen, die„Accorde über das ganze Geigengesicht", all' das gelang dem kleinen Hubermann in der vollendetsten Weise, ebenso wie die perlenden Staccati- Passagen im Mendelssohn-Concert, das er an diesem Abend vielleicht noch vollendeter und süßer vortrug, als das erste Mal. Alles Technische seines schwierigen Instruments beherrscht er schon heute mit souveräner Sicherheit. Sein Ton ist markig, sein Strich von kühnster Noblesse. Er spielt das Schwierigste und mit dem Schwierigsten... Man merke aber auf den Ungeheuern Ernst, der sich in seinen Mienen klind gibt, wenn er spielt. Sein Geist arbeitet gewaltig. Die technische Allsführung ist seinen Fingern freilich ein Selbstverständliches, aber das Bestreben, den geistigen, den seelischen Inhalt eines Tonstückes vor den Hörern zu entfalten, das bedeutet jener ungeheure, fast feierliche Ernst auf diesem Kinderantlitz. Hubermann ist zu W ar s ch a u in jüdischer Familie geboren. Eines der größten Genies, welche in den letzten fünfzig Jahren das Licht der Welt erblickten! Der grdße Joachim in Berlin ist sein Lehrer. Die Palti ist bei seinem Spiel in Thränen ausgebrochen und hat ihm gerührt die Hände geküßt. Im Leben ist er ein frischer, munterer Junge, der für Mathematik und Geschichte reges Interesse zeigt. Jetzt liest er Macaulay's „Engllsche Geschichte". Einen Interviewer fragte er, ob er ihm nicht ein gutes Buch über Deutschland wisse, denn ln dem, welches er besitze, stehe zu viel von Politik und es sei wohl nur „für alte Min isterkopfe^ geschrieben. Sein Lieblingsschriftsteller ist Jules Verne! Und wenn er nicht gerade übt, so macht es ihm Spaß, mit einem Baukasten oder mit Werner's Keroplastikon zu spielen. Er hat auch ein gutes, weiches Kinderherz; „wenn ich erst groß bin, will ich noch viel, viel für die Armen thun." - ■ Vorläufig braucht er die reichen Ergebnisse seiner Concerte wohl noch ein wenig für sich selbst. Sie sollen, zusammengelegt, ihm die — bald hätten wir gesagt „A u s bildung"— Fort bildung ermöglichen. Seine Ettern wollen ihren Schatz, mit dem sie Gott so überreich gesegnet/ wohl behütet und bewahrt wissen. Bronislaw soll für jetzt nicht lange mehr öffentlich spielen. Fünf, sechs Jährchen der Zurückgezogenheit — wie werden wir erst dann staunen über Bronislaw Hubermann, dessen aufgehendes, leuchtendes Gestirn die musikalische Welt schon heute mit seinem hellen Glanze erfüllt! Hoffentlich wird er niemals vergessen, welchen Stammes er ist und daß alle Ehren, die sich auf seinen Scheitel, aller menschlichen Voraussicht nach, häufen werden, ihren Glanz auch auf das verfolgte, viel geschmähte und verachtete Judenthum zurückwerfen werden, aus dem er hervorgegangen. Und ein Volk hinwiederum, das Genies dieser Art der Welt schenkt, ein solches Volk ist von Gott geliebt, denn der Genius ist der Freudenbringer der Menschheit. F. Vom Jahrmarkt des Lebens. Aus dem Leben Adolf Jellinek's. Es mag ein Decennium bereits vergangen sein, da konnte man an einem Freitag Früh in den Zeitungen ein fettgedrucktes Telegramm aus Madrid lesen, welches beiläufig folgenden Wortlaut hatte: „Den Juden ist es erlaubt, sich in ganz Spanien ansässig zu machen und sie sind seitens der Behörden des vollsten Schutzes und der unparteiischesten Gleichberechtigung versichert." Es läßt sich denken, welchen erfreulichen Eindruck dieses Telegramm auf alle Juden ausübte. Samstag, beim Einheben der Thorarolle, hielt Dr. Adolf Jellinek eine Ansprache, in welcher er vor offener Bundeslade in seiner wunderbaren Redeweise die Geschichte der spanischen Juden erzählte und die neueste Eclösungsbotschaft meldete, die so herzerquickend wirkte auf Alle, die die Freiheit wirklich als das höchste Gut der Menschheit schätzen. Er seqnete das gekrönte Haupt des Monarchen, König Alfonso Xll. und das ganze Herrscherhaus, besonders die Königin Christme. die eine österreichische Prinzessin ist. Diese Rede erweckte einen Sturm von Begeisterung unter allen Anwesenden. Dies gab dem Tempelinspector Herrn Jaques Schnitzler Anlaß, nach beendetem Gottesdienste aufs Telegraphenamt zu gehen und dort folgendes Telegramm abzusenden: „An Se. Majestät den König Alfonso Xll. von Spanien. Ew. Majestät. Heute hat der Prediger der Wiener israelitischen Cütnsgemeinde, Herr Dr. Adolf Jellinek, im Stadttempel bei geöffneter Bundeslade den Segen des Himmels auf das gekrönte Haupt Ew. Majestät herabgefleht, als den tiefgefühlten Dank für die hohe Gnade, die Ew. Majestät unseren Glaubensgenossen durch die Gestattung der freien Rückkehr in chre Lande und der vollsten Gleichberechtigung mit den anderen Confessionen gewährt haben. Gleichzeitig segnete der Prediger höchst deren Frau Gemahlin, als geborene österreichische Erzherzogin und betete für das Gedeihen und Blühen des Reiches." Es war Montag darauf, als vor dem Thore des Gemeindehauses eine Galacaroffe vorfuhr und derselben entstieg der spanische Botschafter in vollster Parade. Er kam zu Dr. Jellinek, um im Aufträge seines Souveräns den Dank auszusprechen für die Predigt und für die Segenswünsche, die Dr. Jellinek im Tempel gesprochen hatte. Beinahe eine halbe Stunde unterhielt sich der Gesandte mit dem Seelsorger und es freute ihn diese Conversation umsomehr, da er mit Dr. Jellinek spanisch reden konnte. Es ist selbstverständlich, daß Dr. Jellinek ob dieses hohen Besuches recht erfreut war und er dankte herzlich dem Herrn Schnitzler. Wien, 21. Jänner 1895. Rudolf KrauS. Nikolaus ll. und die Juden. Petersburg. 27. Jänner. „Nowosti" melden in einem Telegramme aus Odessa: Der Kaiser bestätigte die Vorlage des Finanzministers, nach welcher das percentuale Verhältniß der hebräischen Schüler der Odeffaer Commerzschute zu den nichthebräischen Schülern dieser Lehranstalt^ welche von der Kaufmannschaft unterhalten wird, dem Verhältnisse der hebräischen Kaufleute zu den nicht hebräischen gleich sein soll. Eine arische Bezirksgröste. Carl Seewa l d jun., Handschuhmacher, Bezirksausschuß (!), Armenrath (!), Redacreur der Handschuhmacherzeitung (!), Ausschußmitglied der Genossenschaft der Handschuhmacher (!) rc. rc.. hatte sich gestern wegen schuldbarer Krida (Deficit 16.000 fl.) vor einem Erkenntnißsenat zu verantworten, wurde schuldig befunden und zu sechs Wochen strengen Arrests verurtheilt. Ein Mufterpfarrer. Am 18. Jänner verhandelte die Mannheimer Strafkammer gegen den 59 Jahre alten katholischen Pfarrer B onqer von Wiesenbach bei He delberg, welcher beschuldigt war, im Beichtstuhl eine größere Anzahl Sittlichkeitsvergehen verübt zu haben, und zwar an Schulmädchen. Das Gericht erkannte unter Ausschluß mildernder Umstände auf drei I ah re Zuchthaus. Ein antisemitischer Gymnasiast. Ein angesehener Gymnasialprofeffor stellt dem „Fr. Bl." nachstehendes Schreiben, das dieser Tage von dem Vater eines seiner ehemaligen Schüler an ihn gerichtet wurde, zur Verfügung. Der beherzigenswerthe Brief, der in vielen Kreisen lebhaftes Echo erwecken dürfte, lautet mit Hinweglassung von Nebensächlichem folgendermaßen: Hochgeehrter Herr Professor! Wie schon so oft, so komme ich auch diesmal mit einer Bitte. Sie wipen, daß mein Franzl, der acht Jahre unter Ihrer Aufsicht studirte, an der Wiener Universität ist. Zwei Jai,re sind um, und meine Hoffnung, daß er die erste Staatsprüfung im Herbste machen

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