Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 5 (1.2.1895)
- Date
- 1895-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 Vesterretchtsrtzr Wochenschrift Nr. 5 wird, ist ins Waffer gefallen. Der Junge schreibt mir. er wäre von der Prüfung zurückgetreten, weil er sich nicht genug fest fühlte. Ich vermuthe, der Grund liegt wo anders. Wie ich nämlich erfuhr., ist F-ranrl, der immer Vorzugsstudent war, einer deutschnatumalen Verbindung beigetreten und vergeudet in derselben nicht nur die kostbare Zeit, sondern auch mein sauer erworbenes Geld. Die Briefe des Jungen wimmeln von lauter dummen Phrasen, als da find: „Nationale Kleinarbeit", „Schutz des Volksthums", „Zerschmetterung des füdiichen Großcapitales", „Beseitigung des Neuhebräismus" u. dal. mehr. Ich schrieb dem dummen Jungen, baß ich die letzten 150 ff., die ich ihm schicke, mir von meinem Freunde Isaak W. ausgeborgt habe, und das, dieser das Darleben mir unverzinslich gewährte, Und was glauben Sie, hochgeehrter Herr Professor, was mir Frauzl zurückschrieb? Ich solle, schreibt er. dem Juden das Geld nicht zurückzahlen, denn das Geld der Juden gehöre ohnedies den Ariern! Was sagen Sie. hochgeebiter Professor.;u dieser Moral? Ich bitte Sie instandigst, Franzl den Standpunkt klar zu macken, er hält auf Sie große Stücks und ich hoffe, daß es Ihnen gelingen wird, den irregeleiteten Burschen zurecht zu bringen. Der H. Natz. dem sein Vater kein Geld geschickt, ist — Rockdieb geworden und wurde zu sechs Monaten verurtheilt. Das sind die Segnungen der nationalen Erziehung, der bei uns in Oesterreich ein paar gewissenlose, politische Mauldrescher das Wort reden. Der Teufel hole diese Jugendverfübrer. Ich bin ein echt deutscher Landwirtb. verstehe es aber einfür allemal nicht, wie man heutrutage, um deutsch zu sein, nur saufen und schlemmen und über die Juden schimpfen muß. Wir deutschen Landwirthe, dies sollten die Jugendverfübrer sich merken, werden über kurz oder lang mit ihnen abrechnen und eine nationale Kleinarbeit besorgen, bei welcher der Haslinger keine Nebenrolle spielen dürfte. Indem ich hoffe rc. Vergani und die italienischen Weine. K. H. W o l f widmet in der „Ostdeutschen Rundschau" seinem ehemaligen Herrn folgendes „Eingelendet": In der Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereines in Krem? am 6. d. M. erschien auch der Landtagsabgeordnete Ernst Berg an i und that mit seiner Weinhauerfrenndlichkeit sehr dick. Die Versammlung legte in entschiedenster Weise Verwahrung dagegen ein. daß nunmehr, nachdem die heimische Weknhauerschast schon durch die italienischen Weine arg geschädigt worden ist, auch noch die französischen Weine eine Einfukrzoll-Ermäkigung erfahren sollen. In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 15. d. M. ergriff zu diesem Gegenstände Abgeordneter V e r g a n i zuerst das Wort und erhob laute Klage über die tiefen Wunden, welche die Concurrenz der italienischen Weine unseren Hauern geschlagen hat. Das wäre nun Alles recht schön und gut. Was sagen aber unsere Weinhauer, was sagen insbesondere die weinbautreibenden Wähler des Landgemeinden-Dahlbezirkes Krems dazu, daß derselbe Ernst Vergani in seinem „Deutschen Volksblatt" wiederholt gezahlte Ankündigungen und Anpreisungen der italienischen Weine verlautbarte? Italienischer Sicilianer-Weißwein per Liter 36 kr. wird im „Deutschen Volksblatt" als „besonders hervorzuheben" angekündigt, n. A. in der Morgenausgabe vom 16. Juni, 23. Juli, 27. August, 3. September, 18. October, 3. und 24. December 1893, dann in der Morgenausgabe vom 1., 6. und 28. Jänner 1894, 4. Februar und 4. März l 894. „Vorzüglicher italienischer Rothwein 1 Liter nur 25 Kreuzer!!!" ist angepriesen in einer gezahlten Ankündigung in der Morgenausgabe vom 3. September 1893. In einer gezahlten Ankündigung in der Sonntagsausgabe vom 18. März 1894, S. 13, des „Deutschen Volksblatt" cmpsiehlt Vergani die „allerbesten si cili anischen" Weine. Es heiße in dieser gezahlten Anpreisung, daß von „dem köstlichen Naturproducte aus dem Aetnagebiete" zu billigem Zollsätze eine größere Partie importirt worden ist, und wird dieser billig importirte Wein als ein „herrlicher, goldfarbiger Traubensaft" gepriesen. Zur Bekräftigung dessen bringt das antisemitische (!) „Deutsche Volksblatt" am Ende seiner Anpreisung ein „Gutachten", unterfertigt von Dr. Fuchs und Dr. Schiff?-Wenn nun der „Geld für Alles"- und „Alles für Geld"-Verg an i vielleicht wieder (wie damals im Schwurgerrchtssaal bei seinem jüdischen Pauschalgelderproceß) sagen sollte: Was im „Volksblatt" angekündigt ist, dafür trifft das Blatt keine Verantwortung -so will ich ihm Vorhallen, was in der Nummer 1643 des „Deutschen Volksblatt" vom 30. Juli 1893 auf Seite 3 steht. Das „Deutsche Volksblatt" des Ehren-He r g a n i wirft da in einem Schmähartikel einem Badener Blatte wörtlich Folgendes vor: „Auf einer Seite jammert das Blatt über den Niedergang des heimischen Weinbaues, auf der anderen macht es Reclame für eine italienische Weinstube. . ." Diesen Vorwurf erhebt das V e r g a n i-Blatt am 30. Juli 1893 gegen ein anderes Blatt, und doch hat Vergani im „Deutschen Volksblatt", wie wir oben bewiesen haben, schon am 16. Juni und 23. Juli und hernach noch oft und oft ganz dasselbe gethan. Jch'wende daher bie Worte des „Deutschen Volksblatt" auf seinen scrupellosen Herausgeber an, indem ich ihm sage: Auf der einen Seite — vor seinen Wählern und im Landtag — jammert Vergani über den Niedergang des heimischen Weinbaues und über die Schädlichkeit der italienischen Weininvasion — auf der anderen Seite macht er in seinem „Deutschen Volksblatt" (natürlich gegen Bezahlung) Reclame für die italienischen Weine!" — Das „Deutsche Volksblatt" quittirt diese Liebesgabe. Es rechtfertigt die Inserate, in denen italienische Weine empfohlen wurden, damit, daß einer der Inserenten der antisemitische Gemeinderath G r ü n b e ck war, denuncirt Herrn Anton Baumann, daß er ausschließlich ungarische Weine ausschänke, und wirft der „Ostdeutschen Rundschau" Heuchelei und Geschäftsneid vor. Eine alte Bibel. Zu Toulouse, im Archiv des Departements Haute Oarorme ist eine wichtige Entdeckung gemacht worden: ein Blatt einer Bibel aus dem IX. Jahrhundert in westgothischer Schrift. Man hält die Schrift für eine bis jetzt unbekannte lateinische Uebersetzung, höchstwahrscheinlich die erste, die in Europa nach der Vulgata angesertigt wurde und die mit Wahrscheinlichkeit dem Hieronymus zugeschrieben werden kann. Ahlwardt^s „Ideal". In seinem „Bundschuh" (S. 120) schreibt Ahl w ar dt über Thomas Münzer, den berühmten und berüchtigten Bauernführer vom Jahre 1525: „Thomas Münzer, der Unvergleichliche und der edelsten Deutschen einer, der die eigentliche sociale und politisch-freiheitliche Bewegung in Europa angefacht und den großen Sah ausgesprochen bat, daß die Bibel unter die Kritik des Verstandes gestellt werden müsse." Die Sachsen, die Ahlwardt's Auftreten stets begünstigt haben, mögen sich folgenden Ausspruch Thomas Münzer's merken, den Luther die Furie von Allstedt" nannte und der Ahlwardt's Ideal ist: „Geborne Fürsten thun nimmermehr kein gut. darum kieset selbst einen Fürsten und verleugnet die Fürsten von Sachsen, eure Erbherru. Erwählet euch selbst einen Herrn. Die geborenen Fürsten thun nicht mehr, denn daß sie euch schinden und schaben, doch seid ihr so blind und haltet sie für Fürsten. Saget ihnen ab, und wenn ihr ihnen schreibet, so sollt ihr ihnen nicht schreiben: von Gottes Gnaden Herzogen zu Sachsen, sondern: aus Gottes Ungnaden Herzogen zu Sachsen und nicht unsere Herren." Die lutherischen Geistlichen, die Ahlwardt zugestimmt haben, mögen an folgende Worte Münzer's denken, des Vorbildes Ahlwardt's: „Die Pfaffen freien reiche alte Weiber um Geldes halber, denn sie haben Sorge, sie müssen zuletzt nach Brod gehen." Die Junker, die Ahlwardt's Bestrebungen moralisch und pecuniär unterstützt haben, apostrophirt das Ideal A h l w a r d t 's wie folgt: „Sieh zu, die Grundsuppe des Wuchers, der Dieberei und Räuberei sind unsere F ü r st e n und Herren, nehmen alle Creaturen zum Eigenthum; die Fische im Wasser, die Vögel in der Luft. Darüber lassen sie denn Gottes Gebot ausgehen unter die Armen und sprechen: Gott hat geboten, Du sollst nicht stehlen, es dient aber ihnen nicht." . . . „Nun sie aber nicht allein wider den Glauben, sondern auch wider ihr natürliches Recht handeln, so muß man sie erwürgen wie die Hunde." Daran knüpft sich dann wieder ein Zug, der durchaus modern genannt werden muß, nämlich ein communistischer Zug. Auf der Folter sagte Münzer: „Die Empörung habe er darum gemacht, daß die Christenheit sollte alle gleich werden, und daß die Fürsten und Herren, die dem Evangelio nicht wollen beistehen, sollen vertrieben und todtgeschlagen werden. Der Ansiedler Geheimbund hatte zum Ziel: omnia sunt communia. „Und sollte einem Jeden nach seiner Nochdurft ausgetheilt werden nach Gelegenheit; welcher Fürst oder Graf das nicht thun wollen, denen sollte man die Köpfe abschlagen oder henken." Ahlwardt's Ideal, Thomas Münzer, will den Herren Grafen und Fürsten die Köpfe abschlagen . . . und Ahlwardt reist herum, um Gesinnungsgenossen zu werben!