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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5. Vestrrretchische Wochenschrift Seite 93 Gelehrten, dem tiefen Forscher im Schachte der.Weisheit, gab' es nicht einmal die goldene Medaille für Kunst und Wiffenschaft! Wo bleibt da, fragen wir mit Recht, die Gleichberechtigung? Um von den vielen hohen Orden, Titeln und Auszeichnungen, mit denen Mitglieder des hohen Clerus anderer Confessionen so oft belohnt werden, gar nicht zu sprechen, aber wie viele Pfarrer und gewöhnliche Seelsorger oft in ganz kleinen und entlegenen Gemeinden werden, alljährlich mit Auszeichnungen bedacht? — Wie mag es also nur zu erklären sein, daß die Verdienste, die sich Dr. Jellinek in so hohem Maße erworben, so total ignorirt wurden? Hat denn keiner von seinen einflußreich en Glaubensgenossen es der Mühe werth gesunden, diesbezüglich bei den Behörden eine Anregung zu geben? Wo waren sie denn alle die Ritter und Barone, die Banquiers und Finanzmänner, die Großindustriellen und Angesehenen in Israel und in Juda? Sollten sie allesammt nicht so viel Initiative gehabt haben, um aus die Behörden informirend einzuwirken? Wahrlich, es ist dies Alles kaum zu glauben. Und da sprechen noch die Antisemiten von ungebührlichem Einfluß des Judenthums auf Staat und Land! Es ist zum Erbarme». Doch möge es uns ein Trost sein. Der Name des Doctor Jellinek wird, auch ohne Orden, auch ohne Titel, auch ohne jegliche Auszeichnung noch von den späteren Generationen mit Ehrfurcht und Dankbarkeit gepriesen und gebenedeit werden. Samuel Löwenthal. Lemberg. (Ein Denkmal für Jellinek.) Adolf Jellinek ist todt und es gilt, sein Andenken für alle Zeiten zu verewigen. Mit der Trauer um ihn, mit erhebenden Gedenkfeiern ist wenig gethan, es muß ihm ein Denkmal errichtet werden aus seinem Geiste, aus seinen Erinnerungen heraus, dauernder als Erz und Stein. Zu den hervorstechendsten Eigenschaften des verewigten Meisters gehörte eine liebevolle und aufopfernde Unterstützung jedes geistigen Strebens, besonders jeder Leistung auf dem Gebiete der jüdischen Literatur. Eine ganze Generation nachstrebender Gelehrter verdankt ihm Anregung, Aneiferung und Förderung bei ihren literarischen Arbeiten. Mit besonderer Vorliebe wies er jungen Kräften die Richtung an, in der sie sich bewähren konnten, seine Bibliothek und seine Handschriftensammlung waren gewissermaßen öffentliches Gut, sie standen Jedem frei, der ihn um ihre Benützung anging. Nach dieser Richtung hin müßte eine zu errichtende Jellinek-Stiftung thätig sein. Wir zweifeln nicht, daß auf einen Aufruf kompetenter Männer aus allen Ländern der Monarchie eine genügend große Summe zusammenfließen wird, um von den Zinsen derselben ein oder mehrere Stipendien für jüdische Gelehrte zu errichten, ihnen die Herausgabe literarischer Erzeugnisse zu erleichtern. Eine ganze Menge gediegener wissenschaftlicher Arbeiten bleibt im Pulte der Autoren liegen, weil sie selbst die Druckkosten nicht beschaffen, einen willigen Verleger nicht finden können. Für Deutschland ist ja die Leopold Zunz-Stiftung für solch einen Zweck vorhanden und der Rappaport-Preis in Wien dient denselben Zielen. Eine Jellinek-Stiftung für jüdische Gelehrte zur Förderung der Herausgabe wiffenschaftlicher Arbeiten würde sehr populär sein und wäre ganz und gar im Sinne des großen Verblichenen eine dankbare Ehrung seines vielbewährten Strebens. Im Curatorium und dem Lehrkörper der jüdisch-theologischen Lehranstalt wäre das Forum zur Prüfung von Anträgen an die Stiftung gegeben, der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde aber, unter dessen Leitung sich die Mannheimer-Stiftung so gedeihlich entwickelt, würde auch der Jellinek-Stiftung — daran ist nicht zu zweifeln — seine fördernde Fürsorge angedeihen lassen. Für die Rabbiner in allen Gemeinden der Monarchie wird es eine Ehrenpflicht sein, für zahlreiche und bedeutende Beiträge zu sorgen. Möge diese wohlgemeinte Anregung auf fruchtbaren Boden fallen und mögen sich bald jene bewährten Männer finden, die das Werk mit Hingebung in die Hand nehmen. Gott sei Dank, es gibt ihrer ja in der Reichshauptstadt nicht wenige. Rabbiner Caro-Lemberg. Brünn. In Nr. 3 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 19. Jänner 1894 haben wir von unserem Brünner Correspondenten nachstehende Mittheilung publicirt: „Brünn. In dem socialdemokratischen böhmischen Blatt „Textilnik" in Brünn am 8. Jänner l. I. lesen wir: „Der Fabrikant als Cvlporteur". Glückliche Arbeiterschaft, welche einen solchen Arbeitgeber . hat, der sich nicht nur um ihre Arbeit sorgt, sondern auch um ihre geistige Nahrung, damit sie geistig gedeiht. Und ein solcher Menschenfreund ist der Fabrikant Blaschke, (Inhaber der Firma F. Schmidt) in Böhmisch-Aicha. Dieser Herr vertheilt mit vollen Händen in seiner Arbeiterschaft ein antisemitisches Blatt, welches „Die Arbeit" heißt, ja, er soll angeblich manchem Arbeiter Kr je fünf Stück Exemplaren auf einmal geben, selbst wenn er nicht deutsch versteht oder kennt. Die Arbeiterschaft, welche diese Wohlthat genießt, erwartet mit Sehnsucht, wann eigentlich dieser Herr Fabrikbesitzer mit dem Austheilen der socialdemokratischen Blätter beginnen wird, nachdem er, wie er selbst behauptet, wünscht, daß sich die Arbeiterschaft ausbildet und erkennt, worin die wirthschaftliche Noth steckt". Die Redaction der in Gablonz a. N. erscheinenden Zeitschrift „Arbeit" hat uns daraufhin eine größere Anzahl von Exemplaren zur Einsicht vorgelegt, und wir constatiren gerne, daß wir in dem Inhalte dieses Blattes keinerlei feindselige Tendenzen gegen irgend eine Confession gefunden haben und wir bedauern, daß unser Brünner Correspondent dem böhmischen Blatte „Textilnik" zuviel Vertrauen geschenkt hat. Allerdings muffen wir uns aber wundern, daß die Redaction der „Arbeit" dem genannten böhmischen Blatte keine Berichtigung zugemittelt hat. In der gleichen Angelegenheit erhielten wir auch nachstehende Zuschrift: Löbliche Redactio n! Auf Grund des 8 19 des Preßgesetzes ersuche ich Sie, in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes, und zwar an derselben Stelle, an welcher in Nr. 3 vom 13. d. M. die meine Person betreffende, „Brünn" überschriebene Notiz erschienen ist, der gegenwärtigen Berichtigung vollinhaltlich Raum zu geben: Es ist ganz unrichtig, daß die seit 15. September 1893 in Gablonz und Reichenberg erscheinende Zeitschrift „Die Arbeit" ein „antisemitisches Blatt" ist. Richtig ist vielmehr, daß diese Zeitschrift, „Die Arbeit", sich von allen confesfionellen Streitfragen ganz und gar ferne hält, und kein anderes Ziel verfolgt, als den maßlosen Verhetzungen der socialistischen Parteiorgane entgegenzutreten und die Arbeiterschaft in ruhiger und besonnener Weise über ihre wahren Interessen aufzuklären. Wenn ich also in den Fabriken der Firma F. Schmitt, sowie dies in fast allen nordböhmischen Fabriken geschieht, einige hundert Exemplare der Zeitschrift „Die Arbeit" gratis an die Arbeiter vertheileu lasse, so kann hiegegen auch die „jüdische Kundschaft" unmöglich etwas einzuwenden haben. Böhm.-Aicha, am 24. Jänner 1894. Hochachtungsvoll Conrad Blasch ke, öffentlicher Gesellschafter der Firma F. Schmitt. Troppau (Eine antisemitische Theater-Unternehmung.) Die schlesische Landeshauptstadt gehört zu den Bollwerken des Antisemitismus in Oesterreich. Schritt für Schritt hat der Anhang Schönerer's in unserer Stadt alle Positionen erobert und die antisemitische Mehrheit des Gemeinderathes hat schließlich eine Willkür- und Gewaltherrschaft etablirt, deren verhängnißvolle Wirkungen sich auf allen Gebieten der städtischen Verwaltung fühlbar machten. Als zu Beginn der heurigen Theatersaison der Pacht des hiesigen Stadttheaters zu vergeben war, erhielten denselben die Herren I ant sch u. F r ey t a g, obgleich ihre kaum mehr als mittelmäßigen Fähigkeiten^ und ihre finanzielle Unzulänglichkeit notorisch waren, nur deshalb, weil sie die Protection der antisemitischen Partei angerufen hatten. Hiebei muß bemerkt werden, daß Herr Frey tag sich jahrelang als Schauspieler an unserer Bühne um die Gunst der jüdischen Kreise eifrig bemüht hatte und von denselben vielfach gefördert worden war. Aber in dem Augenblicke, da es sein Vortheil schien, schlug er sich aus die Seite der Judenfresser. Der Lohn für diese Charakterlosigkeit ist denn auch nicht ausgeblieben. Die Direction I ant sch und Frey tag hat vor wenigen Tagen Concurs angesagt, nachdem die wohlhabende jüdische Bevölkerung das Theater consequent gemieden hatte, die Antisemiten aber lieber in die Kneipe liefen, als durch eifrigen Theaterbesuch ihren Gesinnungsgenossen aus der Patsche zu Helsen. Berlin. (Minister v. Schelling und die Antisemiten.) Der Fall Paasch wird von den antisemitischen Agitatoren noch ftuctificirt. Die in Leipzig erscheinende „Anticorrnption" des Herrn Dr. Wesend o nck vom 11. v. M.,

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