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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-02 · 5 (2.2.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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i&cu* 92 Vrsterrrutztfrtzr WortzrnfarrM Nr. 5 Beleidigung eines Lehrers in Ausübung seines Amtes zu verantworten. Der Richter bezeichnete es als ein höchst trauriges Zeichen der Zeit, daß es Eltern gebe, welche anstatt die Lehrer durch häusliche Zucht der Kinder zu unterstützen, die Autorität des Lehrers schädigen. Er sprach über den Angeklagten eine exemplarische Strafe aus, indem er ihn zu f ü n f T a g e n strengen und verschärften Arrests verurtheilte. — Wenn gegen Juden die rüdeste Hetze tolerirt wird, darf es nicht befremden, wenn derartige, das Ansehen von Lehrer und Schule tiefschädigende Ausschreitungen stattfinden. Wien. (Das Geheimniß einer feuerfesten Casse.) Wir erhalten folgende Zuschrift der Cassenniederlage von S. Berger, I. Bezirk, Bräunerstraße Nr. 10: Gelegentlich der Vornahme einer Reparatur an einer alten feuerfesten Caffe fand ich in einem Geheimfache derselben ein ganzes 1860er Los, sieben Fünftel 1860er Lose, ein ungarisches Hypothekenlos, vier Theißlose, fünf Türkenlose, zwei serbische 100 Francslose, 27 Stück Bodencreditlose erster Emission, sowie einige Acten, aus denen ich folgere, daß der Eigenthümer, ein Herr Sch lögel, die Couponbogen, welche nicht bei den Losen sind, anderwärts hinterlegte. Gegen Vorweisung der Talons können die Lose bis zum 10. Februar in meiner Cassenniederlage behoben werden; nach dieser Zeit werde ich die Papiere der gesetzlichen Bestimmung gemäß deponiren. Hochachtungsvoll S. B e r g e r. Wien. (Durch Antisemiten bestohlene Humanitätsvereine.) Wir waren jüngst in der Lage, über die Defraudationen in dem Kranken- und Leichenverein „Axmann" und in dem Leichenverein „Nächstenliebe" durch ven Obmann dieser Vereine, Stefsky, zu berichten. Eine heute in Lindner's Gasthaus in der Zieglergasse abgehaltene außerordentliche Generalversammlung des Vereines „Axmann" hatte sich mit dieser Affaire zu befassen und zu beschließen, ob der um sein ganzes Vermögen bestohlene Verein weiter bestehen oder aufgelöst werden soll. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Obmann-Stellvertreter Schmiedl. In der Versammlung herrschte anfangs eine, wie begreiflich, sehr gereizte Stimmung. die sich jedoch angesichts der großen Erregung der an den Defraudationen unschuldigen Ausschußmitglieder bald-legte. Fast sämmtliche 240 Mitglieder des Vereines hatten sich eingefunden. Der Vorsitzende Schmiedl gab zunächst ein Bild der gegenwärtigen Situation. Durch fünfzig Jahre habe der Verein mit Ehren bestanden. Durch die Unehrlichkeit seines Obmannes Stefsky, der zwanzig Jahre hindurch diese Ehrenstelle einnahm, sei er nun um sein Vermögen von mehr als 4000 fl. bestohlen. Keiner hätte Stefsky eine solche Unehrlichkeit zugetraut. Die letzte Generalversammlung noch hatte Alles in Ordnung gefunden. Thatsächlich hatte aber Stefsky während zehn Jahren durch falsche Büchereintragungen und Fälschungen in den Sparkassenbüchern seine Defrauoationen begangen. . Nicht der Leichtsinn der Functionäre, sondern die Vertrauensseligkeit der Mitglieder trage die Schuld. Keiner der Functionäre sei im Stande gewesen, die Fälschungen zu erkennen. — Das Mitglied Schaffhauser mißt dem Casseverwahrer — Dr. Fritsch — die Schuld bei und meint, derselbe sei statutarisch ersatzpflichtig. — Wolf meint, die beiden anderen Functionäre, die mit Stefsky die Schlüssel zur Caffe hatten, seien nicht von jeder Schuld loszusprechen. Dr. Fritsch verwahrt sich dagegen, daß er irgendwelches Verschulden trage; er habe lediglich die verschlossene Caffe zu verwahren gehabt. Nach längerer, erregter Debatte wurde einstimmig beschlossen, den Verein nicht aufzulösen und von jedem Regreßanspruche an Functionäre abzustehen. Eine zur Stärkung des Bereinsvermögens vorgenommene Sammlung freiwilliger Spenden, mit welcher die Herren Schmiedl und Dr. Fritsch mit 25 fl. begannen, ergab gegen 200 fl. Auch wurden, um den Verpflichtungeu, die an den Verein gestellt werden, Nachkommen zu können, beschlossen, die Mitgliedsbeiträge von 5 fl. 20 kr. auf 6 fl. 20 kr. zu erhöhen. — In einer Morgen stattfindenden Versammlung wird sich der Verein „Nächstenliebe", der durch die Defraudationen Stefsky's einen Schade» von 3000 fl. erleidet, auflösen. Wien. (Eine stürmische H a u s h e r-r e n v e r s a m mlun g.) Der Verein der Hausbesitzer in Währing hielt gestern Abends im Saale „Zum alten Auge Gottes" feine Generalversammlung ab, die in Folge des Umstandes, daß das bisherige Ausschußmitglied, der bekannte antisemitische Agitator Ingenieur Fraßl, in den Ausschuß nicht wiedergewählt wurde, einen stürmischen Verlauf nahm. Nach Erstattung des Jahresberichtes durch den Obmann, Herrn Arco, wurde der vom Vorstande vorgelegte Wahlvorschlag per Acclamation mit großer Majorität acceptirt und in die Vereinsleitung gewählt die Herren: Franz Andre, Wenzel Arco. Johann Brenta, Josef Fischer, Franz Freudenberger, Johann Hübschmann, Josef Jahn, Johann Kahlig, Johann Kratschmer, Karl Lieblich, Ignaz Mayer, Carl Rauscher, Franz Schreiber, Dr. Robert Swoboda und Anton Veit. Nun verlangte Ingenieur Fraßl das Wort zu einer Interpellation, in welcher er die Wahl als eine aufgezwungene erklärte Und der Vereinsleitung Cliauewirthschast vorwarf. Obmann Arco erwiderte hierauf, daß Herr Fraßl den Verein nur dazu benützen wollte, um mit dessen Hilfe in den Gemeindcrath zu gelangen. Er habe als Ausschußmitglied in den Hausb-sitzerverein, der nur den wirthschaftlichen Interessen der Hausherren dienen solle, Unfrieden hineingetragen und denselben als Werkzeug seines politischen Strebens benützen wollen. Herr Arco beschuldigte nun den Ingenieur Fraßl, daß er als Gememderathscandidat im Vorjahre auf seine Wahlplacate auch die Unterschrift des Hausherrenvereines ohne Wissen und Willen des Obmannes habe drucken lassen. (Entrüstungsrufe.) Unter dem allgemeinen Unwillen der Versammlung suchte Herr Fraßl sich ru vertheidigen, wobei es zu anhaltenden Lärmscenen kam. Der Obmann- Stellvertreter Schreiber rief Fraßl zu: „Sie wollen nur Unordnung in den, Verein bringen!" Diese Worte wurden mit lautem Beifalle ausgenommen und stürmische Zurufe ertönten: „Hinaus mit Ihnen! Sie haben hier nichts mehr zu suchen!" Infolge des anhaltenden Tumultes schloß der Vorsitzende die Versammlung, deren Tagesoronung ohnehin erledigt war. Wien. (Eine Held ent hat.) Der Geschäftsleiter Ludwig Kammel hatte sich gestern vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Wieden wegen allzu exeessiver Bethätigung seines Antisemitismus zu verantworten. Dem Bildhauer Jacob Buch wald passirte eines Tages das Malheur, dem Herrn Kammel auf dem Naschmarkt zu begegnen und im Vorübergehen unversehens einen Begleiter des Herrn Kammel zu streifen. Herr Kammel hatte dies kaum bemerkt, als er sich wuthentbrannt umwandle und schrie: „So ein S..jud, der geht ohnedies nur hier herum, um den Leuten die Tascheln zu ziehen." Bei diesen Worten versetzte er auch mit seinem Stocke dem ahnungslosen Bildhauer einen Hieb über den Köpf, so daß Buchwald zusammenstürzte. Die zahlreichen Passanten, als sie das Wort „Taschelzieher"hörten und in dem am Boden Liegenden thatsächlich einen Taschendieb vermutheten, wollten auf den Mißhandelten losschlagen, doch ein Wachmann, der die ganze Scene beobachtöt hatte, . verhinderte cs und führte Kammel aufs Polizeicommissariat. Gestern stand er, der körperlichen Verletzung und Ehrenbeleidigung angeklagt, vor dem Richter Dr. Czech. Herr Buchwald erklärte, er habe dem Angeklagten gar keine Veranlassung zu einer so rohen Handlungsweise gegeben. Herr Kammel habe ihn eben für einen Juden geb.alten und sich gedacht, einem Juden gegenüber könne er sich Alles erlauben. Der Richter rügte in den schärfsten Ausdrücken das gewaltthätige Vorgehen des Angeklagten und verurtheilte ihn zu einer verschärften Arreststrafe von acht Tagen und zur Bezahlung von 21 fl. an Berdienstentgang und Schmerzensgeld an den Privatkläger. Wien. (Die Orden und Titel des Dr. Jellinek.) Auf dem Rückwege vom Leichenbegängnisse Cr. Ehrwürden des dahingeschiedenen Dr. Jellinek habe ich von vielen Gemeinvemitgliedern die schmerzliche Anfrage vernommen, warum Docror Jellinek ohne jede Anerkennung seitens des Staates und der Behörden, ohne Orden und Titel, überhaupt ohne jegliche Auszeichnung bis an sein Lebensende geblieben ist, während doch alljährlich Tausende und Abertausende mit Auszeichnungen bedacht werden, von denen gewiß so Manche nicht entfernt solche Verdienste um das Gemeinwohl sich erworben haben, wie unser dahingeschiedener Seelenhirt. Und in der That, diese schmerzliche Anfrage constatirt ein trauriges Factum, das geeignet ist, peinliche Betrachtungen anzustellen, und wirft ein grelles Schlag-' licht auf manche Seite unserer staatlichen Zustände. Wie! Ein Priester von der Qualität des Dr. Jellinek, der nahezu ein halbes Jahrhundert, hievon 36 Jahre in der größten Cultusgemeinde der Monarchie, functionirte, auf Tausende und Abertausende in Moral und Sitte erhebend und belehrend eingewirkt hat, der mit Begeisterung den Patriotismus seiner Zuhörer stets zu erregen und zu erhöhen verstand, der mit hinreißender Beredtsamkeit seine Andächtigen zu allem Guten und Schönen, zur Mildthätigkeit und Barmherzigkeit anzueifern verstand, er, der große Gelehrte und Denker, der Sprachforscher, der große Homiletiker Kat exochen, dessen Ruf über Europa hinausdcang weit über den Ocean hinüber, er, eine Zierde des ganzen Vaterlandes, sollte nicht würdig und werth erachtet worden sein, eine staatliche Auszeichnung oder Anerkennung zu erhalten? Doch es ist leider eine Thatsache. Er ^ank unbelohnt in die Gruft, seine Verdienste wurden vom Staate gnsorirt und fanden keine Anerkennung. Für ihn, den profunden

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