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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-14 · 32 (14.8.1891) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
32 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Oestrrrrichifchr Wochenschrift. <Leite 583 zwei „Gabriel Solmar" und „Der ehrliche Name" jüdische Verhältnisse, die er mit voller Objectivität schildert, Licht und Schatten gleich vertheilend. Im Jahre 1856 verheiratete sich Lorm und genoß nun die Freuden des Familienlebens, das ihm ein größere) Bedürsniß als jedem andern Menschen war, weil sein gebrechlicher Kör-per einer Pflege und Stütze nicht entrathen konnte. Im Jahre 1673 übersiedelte Lorm nach Dresden. Sein Geist zog ihn nach Deutschland,' aber das zur Weltstadt gewordene Berlin sagte ihm weniger zu, als das von landschaftlichen Reizen umgebene Elbflorenz. Seitdem hat Lorm noch nicht zu schaffen aufgehört. Seine Arbeitskr'aft ermüdete so wenig, wie seine Phantaüe — er muß ja arbeiten, um sein Haus zu erhalten. „Mein Loos ist so hart, daß ich alle Philosophie praktisch verbrauche", schreibt er, und sein höchster Wunsch: „Arbeiten zu können und ctivas sorgenfrei zu leben", ist noch leider nicht in Erfüllung gegangen. So feierte der erste jetztlebende deutsche Dichter seinen siebzigsten Geburtstag in Sorgen um das Morgen. Wieder ein Beweis gegen die Lüge, daß die Juden ihre Größen poussiren. Wir haben nichts mehr für sie als die Bewunderung, daß sich bei unseren socialen Verhältnissen noch solche Größen entwickeln können und daß die Welt trotz allem Antisemitismus diese Größen doch anerkennt und sie feiert. Lorm ist eine durchaus eigenartige Erscheinung, nicht blos weil er, der Jude, ein deutscher Nationaldichter geworden: eigenartig ist sein persönliches Leben, eigenartig ist seine Poesie, in der das Metaphysische mit dem sinnlich Wahrnehmbaren wunderbar sich mischt. Lorm läßt sich nicht zu anderen Lichtern g.uppire», er muß für sich betrachtet werden, er macht den Antisemitismus zu Schanden, der dem Juden jede Originalität abspricht. Und wie sein Leben vollen Anspruch auf unsere Theilnahme hat, so müssen wir ihn selbst nicht nur hochachten als Charakter, wir müssen ihn auch liebgewinnen, den gebrechlichen Greis mit dem jugendfrischen Geist, der noch unermüdlich arbeitet, um den Unterhalt für sein Haus zu gewinnen — echt jüdisch, der bei aller Fruchtbarkeit seiner Mühe nichts erworben hat imb den antisemitischen Anwurf Lügen straft, daß der Jude Kunst und Wissenschaft nur um Vermögen zu erwerben betreibt. Lorm ist Jude geblieben, das erfüllt uns mit dem höchsten Stolze und mit vollem Herzen müssen wir den: Jubilar einen heiteren und glücklichen Lebensabend wünschen. Oorrebponämren. Wien. (Leopold Dukes.) .Zur Ergänzung unsere, in der letzten Nummer publicirten Nekrologes über den jüngst verstorbenen Leopold Dukes bringen wir nachstehende biographische Daten, welche getviß die Freunde und Verehrer des Verstorbenen interessiren werden. Loeb Ben Zevi oder Leopold Dukes wurde in Preßburg am 25. Jänner 1810 geboren. Sein Vater, Hermann Dukes, war ein Mann, welcher bedeutendes talnmdisches Wissen mit allgemeiner Bildung verband. Unter den Auspizien des berühmten Rabbiners Moses Sofer wurde der junge Dukes in die talmudischen Wissenschaften eingesührt und schon in jungen Jahren bereicherte er die jüdische Litteratur mit zwei Werken. Das erste Werk war eine Uebersetzung von Raschi'o Commentar zum Pentateuch und das zweite eine elegante Uebersetzung von Maimonide's „Führer der Irrenden" und dessen Einleitung in den Commentar zur Mischna. Ermuntert durch die Erfolge dieser Werke faßte Dukes den Plan, eine Geschichte der jüdischen Literatur zu schreiben und entschloß sich zu diesem Zwecke, die besten Jahre seines Lebens zu Nachforschungen nach bisher gänzlich unbekannten Manuskripten zuverwenden, welche in den großen Bibliotheken Europas unbeachtet lagen. Er wurde, wie sein langjährigen Freund und Landsmann von ihm sagt, ein wahrer Wanderjudc. Während eines ganzen Menschenalters wanderte er von Stadt zu Stadt, mit Entdeckung, Eopiren und Katalogisiren alter jüdischer Manuscripte beschäftigt. In München, Hamburg, Leyden, Paris lind London war er durch Jahre eine bekannte Figur in den öffentlichen Bibliotheken. Seine vornehmste Idee einer „Geschichte der jüdischen Literatur" blieb bis an sein Lebensende nur ein unerfüllter Wunsch. Aber die Früchte seiner unausgesetzten Arbeit bilden an sich eine bedeutende und werthvolle Literatur. Im Jahre 1837 schrieb er sein bekanntes Werk „Ehrensäulen und Denksteine zu einem künftigen Pantheon hebräischer Dichter und Dichtungen." Diesem folgte zwei Jahre später „Moses ben Ezra aus Granada“, von welchem Werke Z u n z in den lobendsten Ausdrücken spricht, und 1842 publicirte er einen seiner werti vollsten Beiträge zur Geschichte jüdischer Poesie „Zur Kenntniß der neuhebräischen religiösen Poesie." Außer mit Poesie beschäftigte er sich auch gelegentlich mit Philologie, Exegese und Grammatik. In diese Kategorie fallen seine Essays „Rabbinische Blumenlese" (1841), „Zur rabbinischen Spruchkunde" (1851). „Beiträge zur Geschichte der ältesten Allslegung urld Spracherklärung des alten Testamentes" (1844). Es wäre eine schwere Ausgabe, alle seine Werke aufzuzühlen, da dieselben in vielen Fachschriften zerstreut sind. Gemeinschaftlich mit Philipowsky, Edelmann und Breßlau arbeitete er an mehreren Werken, deren bedeutendste „Ginse Oxford“ und „DerechTobim“ sind. In London beschränkte sich seine Thätigkeit nicht blos auf die Manuscripte d r Bibliotheken, sondern er betheiligte sich auch an vielen Tagesfragen, welche jüdische Blätterbeschäftigten, und machte auch den Versuch, ein jüdisch archäologische Gesellschaft in London zu gründen. Nach seiner Rückkehr nach Oesterreich setzte er seine literarische Thätigkeit bis 1869 fort unb veröffentlichte unter Anderem: „Schire Schlomo" (1858) und eine Studie über Jbn Gaöriol's ethische Werke (1869). Seine kleineren Beiträge, welche die verschiedensten Gebiete berühren, kann man auch nicht annähernd verzeichnen, da dieselben, wie bereits erwähnt, in verschiedenen Zeitschriften zerstreut sind. Dieselben sind zweifellos von großem Werthe lUld würdell verdienen, gesammelt unb gemeinschaftlich publici.t zu werden. Vielleicht findet sich im Nachlasse des Verstolbenen mancher interessante Beitrag, welcher eine vollkommene Bereicherung einer derartigen Sammlung bilden würde. Die letzten Nummern von Jewihs Clironicle unb Jewihs World widmen dem hingegangen Leopold Dukes sehr ehrende und herzliche Nachrufe. Wien. (Arische Zolldefraudation.) Die Wiener imd Czernowitzer Jolldesraudationen haben dem „Deutschen Volksblatt" willkommenen Anlaß geboten, über die Juden loszuziehen. Beide Fälle wurden weidlich ausgenützt und fiuctificirt

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