Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 23 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- Seite 419 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterreichische Wochenschrift Nr. 23 reite 419 der großen Versammlung, Simon der Gerechte, an den der Kampf der Sadducäer und Pharisäer anzuknüpfen sei, Herodes als Mittelpunkt für die Römerkämpfe. Als Anknüpfungspunkt für die talmudische Zeit sei nicht R. Jochanan ben Sakkai, sondern R. Akiba zu neuneu. Einzelne Vertreter des jerusalemischen und babylonischen Talmuds seien zu erwähnen, und aus der späteren Zeit R. Gerson und R. Jakob Tamm. Immer seien solche Persönlichkeiten auszuwählen, die selbst ihrer Zeit ein Gepräge gaben, und an die eine Epoche leicht anzuknüpfen sei. Eine Antwort auf die dritte Frage sei kaum möglich, weil die Individualität des Schülers und die Subjectivität des Lehrers zu sehr in Betracht kommen. Dagegen wolle er nicht verfehlen, auf ein Buch aufmerksam zu machen, das einen guten Anfang bilde, nämlich das Quellenbuch von Spanier. Es sei allerdings zu wünschen, daß in diesem Buche einzelnes, z. B. Maimonidcs, ausführlicher behandelt und anderes ganz Fehlendes ausgenommen worden wäre. Aber es fei auch zu wünschen, daß in demselben Geiste fortgefahren werde, dann werde ein Buch entstehen, das wirklich zur weiteren Fortbildung geeignet fei. Dr. Blumenthal-Ratibor will, ohne auf die principiellen Fragen einzugehen, nur Einzelnes beisteuern. Der Religionsunterricht fei in der That ein Stiefkind, aber man dürfe sich nicht entmuthigen lassen, dafür zu sorgen, .daß er doch in den Schulen obligatorisch werde. Auch die Frage sei der Erörterung werth, wie der Zwiespalt zwischen Schule und Haus gemildert werden könne, ob man unbekümmert hüben und drüben seinen Weg gehen, oder doch goldene Brücken schlagen solle. — Die höheren religiösen Ideen seien in den Unterstufen noch nicht zu berühren. Der Referent habe nicht das Mittel angegeben, wie der Unterricht interessant zu machen sei. Das Mittel, das in der jüngsten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" in einem Aufsatze angegeben sei, nämlich die Anknüpfung an die deutsche Geschichte, sei ein durchaus verfehltes. Viel besser lasse sich an die Dichter und literarischen Strömungen anknüpfen. Ueberall weise man darauf hin, wie diese Gegenstände extra niuros besprochen werden. Das Wort Börne's gelte: Man dürfe das Judenthum nicht von der allgemeinen Weltgeschichte trennen. Cs solle nicht eine Insel sein, die man besonders besuchen müsse. Diese moderne Würze mache den Unterricht interessant, es sei gleichsam alter Wein in neuen Schläuchen. Die biblische Geschichte sei nicht mit Mendelsohn abzuschließen. Gerade in unserer Zeit sollen Beispiele wie das Montefiore's weiter einwirken. Für den nachbiblischen Geschichtsunterricht sei besonders das Lehrbuch von Levin zu empfehlen, für den Gebrauch des Lehrers auch das von D. LöwY. Ein gutes Religionsbuch im Anschluß an die zehn Gebote sei das von Schwarz. In den sich anschließenden Debatten, an denen die Herren Adam-Schroda, Dr. Badt-Breslau, Dr. Brann-Pleß, Dr. Cohn-Kattowitz, Dr. Chodowski-Oels, Dr. Freudenthal-Breslau, Dr. Friedmann- Lublinitz, Dr. Knoller Breslau, Dr. Rosenthal-Breslau, Dr. Samuelsohn-Breslau, Tintner-Bunzlau, mehrfach theilnahmen, wurde besonders die Art der Behandlung des speciellen Religionsunterrichts erörtert. Als besonders störend wurde wiederholt der Mangel geeigneter Lehrbücher bezeichnet. Dr. Knoller berichtete, daß der selige Dr. Joel über das Herxheimer'sche Buch, das er selbst bekanntlich überarbeitet hatte, geäußert habe: es sei ein Schuh, der neues Oberleder und neues Unterleder brauche. Als die besten unter den vorhandenen Lehrbüchern wurden die Religiouslehren von Stein und Hochmuth empfohlen. Zum Selbststudium und für die Lehrer empfiehlt Tintner- Bunzlau besonders die jüdische Erziehungslehre von Abraham Lederer, sowie ein christliches Lehrbuch für Religionslehre von Hartmann. Dr. Knoller und Dr. Freudenthal-Breslau treten besonders für Einführung deutscher Bibellectüre an der Hand der Auerbach'schen Schulbibel ein und wünschen, daß im Anschluß daran Religionsunterricht ertheilt, d. h. die religiösen Hauptfragen besprochen werden sollen. Die Zunz-Bibel wurde allgemein als untauglich für den Schulunterricht bezeichnet. Im Schlußwort hebt der Correferent Dr. Rosenthal-Breslau hervor, daß in den Unterstufen nicht systematischer Unterricht zu betreiben, sondern das Hauptgewicht auf die Kenntniß der Bibel;u legen sei. Er empfiehlt hiefür als besonders geeignet die Badt'fche Kinderbibel. Auf der höheren Stufe wünscht er jedoch systematischen Unterricht im Anschluß an ein geeignetes Religionsbuch. Um 1 l Uhr wird die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Die zweite Versammlung, die Montag um 11 Uhr eröffnet wurde, war hauptsächlich der Besprechung der Vereinsangelegenheiten gewidmet. Der Vorsitzende theilt u. A. mit, daß die Zahl der Mitglieder gegenwärtig 102 beträgt. Verstorben sind während des Jahres 3 Mitglieder, unter ihnen Rabbiner Dr. Joel-Breslau. Ter Vorsitzende gedenkt mit warmen Worten der Verdienste, die sich der selige Dr. Joel auch um den Lehrerverein erworben hatte. Er bittet die Versammlung, die stehend die Worte des Vorsitzenden anbörte, das segensreiche Beispiel und Andenken des Verstorbenen stets vor Augen und in Ehren zu halten. Der Schriftführer Tr. Freudenthal-Breslau verliest alsdann die Antwort des Herrn Tr. Kristeller auf die vom Vereine im Vorjahre abgeschickte Glückwunschdepesche, gibt Bericht über den Erfolg der in der letzten Generalversammlung gefaßten Resolution, und bringt die von den verschiedensten Seiten eingegangenen Zustimmungsschreiben zu derselben zur Kenntniß der Versammlung. Auf Antrag der Casfenrevisions-Commission wurde dem Schrift- und Caffenführer Dr. Freudenthal-Breslau für das abgelaufene Verwaltungsjahr Techarge ertheilt. Auf Antrag des Dr. Brann-Pleß wird der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren Dr. Samuelsohn, Tr. Badt und Dr. Freudenthal in Breslau, Blumenfeld-Schweidnitz. Dr. Cohn-Kattowitz, Herbst-Biffa, Dr. Mattersdorf-Gleiwitz durch Acclamation wiedergewählt. Dr. Cohn-Kattowitz bittet die Versammelten, in ihren Heimatgemeinden die Ziele des in Breslau bestehenden Stellen-Rachweis- Vereines jüdischer Kaufleute zu unterstützen. Der Vorstand dieses Vereins hatte eine Anzahl seiner Statuten und Berichte den Theilnehmern der Versammlung überreicht. Lebhafte Debatten entstanden bei der Discutirung der neuen Statuten. Das Referat der Statuten-Eommission hatte Tr. Cohn- Kattowitz übernommen. Rach längerer eingehender Berathung wurde der Wortlaut der neuen Statuten firirt. Dieselben werden allen Mitgliedern gedruckt zugehen. Ter Statuten-Commifsion, bestehend aus den .Herren Dr. Baß, Freund-Tarnowitz, jetzt in Trier, Dr. Braun-Pleß, Dr. Cohn-Kattowitz wird von Leiten der Versammlung der wärmste Dank für ihre Mühewaltung ausgesprochen. Infolge der vorgerückten Zeit konnte das auf der Tagesordnung stehende Referat des Herrn Dr. Brann-Pleß, betr. das Uebersetzen aus dem Hebräischen und die neuesten Hilfsmittel hierzu, nicht mehr ganz erledigt werden. Dr. Brann-Pleß verlas seine Thesen und erklärte, dieselben für die nächste Versammlung drucken lassen zu wollen, um eine eingehende Besprechung derselben zu ermöglichen. Nach Festsetzung der Tagesordnung für die Versammlung des nächsten Jahres wird die diesjährige Generalversammlung vom Vorsitzenden um 2 Uhr geschlossen. Die Verlagsbuchhandlung Wilhelm Jakobsohn & Co. in Breslau hatte eine Anzahl der neuesten Erscheinungen arrß>em Gebiete der Pädagogik, ebenso Herr Dr. Berliner in Berlin eine Anzahl seiner Schriften der Versammlung in freundlichster Weise zur Verfügung gestellt. Or. Max Freudenthal, Schriftführer. -iibliKskiomu drr israrl. EultusAkmrmdk in Wirn. Kundmachung. Es wird den P. T. Mitgliedern der Cultusgemeinde zur Kenntniß gebracht, daß der keekmmgssdsvlUuss für das Verwaltungsjahr 1890 durch 14 Tage zur Einsicht im Secretariate aufliegt. Wien, am 8. Juni 1891.