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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-11 · 23 (11.6.1891) · p. Seite 418

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
23 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
Seite 418 (sequence 8)
Language
German
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Seite 418 Hesterreichische Mochenfchrift Nr. 23 Dr. Brann-Pleß, Dr. Chodowski-Oels, Dr. Cohn-Kattotvitz, Elbogen- Schildberg, Dr. Freudenthal-Breslau, Dr. Friedmann-Lublinitz, Götz- Oberglogau, Dr. Goldschmidt-Königshütte, Gradenwitz-Breslau, Großmann-Schweidnitz, Hamel-Winzig, Herbst-Liffa, Dr. Knoller-Breslau, Dr. Kopfstein-Beuthen, Krolik-Cosel, Ksinski-Kempen, Lvwenthal-Gr.- Wartenbcrg, Muschel-Löwen. Naftaniel-Langendorf, Dr. L. Neustadt- Breslau, Dr. Rösenthal-Breslau, Dr. Rosenthal-Ratibor, Dr. Samuelsohn-Breslau, Schampanier-Frankenstein, Singermann-Kosten, Steiner- Gr.-Strehlitz, Tintner-Bunzlau, Translateur-Lublinitz, Dr. Walter- Breslau, Wolf-Gr.-Strehlitz. Außerdem waren 20 Gäste, darunter der Delegirte des D. I. G. B. Herr Th. Oschinskh, anwesend. Der Borsitzende begrüßt die erschienenen Mitglieder und Gäste mit warmen Worten. Dr. Badt-Breslau benützt die Gelegenheit, das neu erschienene Buch Kristeller's „Belegstellen zu den Grundsätzen der jüdischen Sittenlehre" zum Gebrauche zu empfehlen. Das Buch sei nicht nur für die Schule, sondern auch für die Eltern bestimmt, und auch seiner Billigkeit halber zur Verbreitung sehr geeignet. Auch wer das Princip nicht billige, das der D. I. G. B. bei der Ausstellung der 15 Sätze befolgt habe, könne das Buch verwerthen und empfehlen. Darauf nahm Herr Dr. Chodowski-Oels das Wort zu seinem angekündigten Referate über die Behandlung des geschichtlichen Unterrichts in der Religionsschule im Anschluß an folgende Fragen: 1. In welcher Weise ist der Religionsunterricht zu behandeln, daß wir die der jüdischen Religion zugrunde liegenden Ideen den Kindern klar und eindringlich machen? 2. Welche Personen sind im Geschichtsunterricht vorzugsweise zu behandeln, so daß an ihnen der treibende Geist der jüdischen Geschichte erkannt werden? 3. Welche Schriften sind am geeignetsten zur Auswahl durch den Lehrer und zur Lectüre, um das Streben zur weiteren Fortbildung in den Schülern anzuregen? Wenn es für jeden Lehrer wichtig sei, daß er sich über die Art der Behandlung des Unterrichts klar werde, so müsse das gewiß beim Religionsunterricht der Fall sein, der nicht nur den Verstand, sondern auch den Charakter bilden, und die Ahnung einer sittlichen Weltordnung in den Kindern erwachen lasten solle. Gerade hier aber entständen die meisten Schwierigkeiten, der Religionsunterricht werde in den Gemeinden und Schulen zum Aschenbrödel herabgcdrückt, er werde als facultativer Unterricht behandelt und nur wenig Zeit auf ihn verwendet, die meisten Schwierigkeiten aberbiete das Haus, das sich um den Religionsunterricht am wenigsten bekümmere. Die Wechselwirkung zwischen Schule und' Haus mäste wieder hergestellt werden. Dazu müffe auch der Lehrer durch seine eigene Tüchtigkeit beitragen. Uebergehend auf die Beantwortung der ersten Frage entwickelte der Redner zunächst die Hauptideen, die der israelitischen Religion zu Grunde liegen und bezeichnet als solche: den Glauben an Gott, seine Allmacht und Allgüte, an eine über alles Irdische erhabene Vorsehung in Natur, Geschichte uud Einzelleben; ferner als speciell jüdische Ideen: Einheit Gottes, Unsterblichkeit und Messiasidee. — Das alles sei in den Unterstufen nur zu berühren, in den Oberstufen ausführlich zu besprechen. Besonders sei noch zu betonen, die Heiligkeit der göttlichen Ge- und Verbote, die Bedeutung des Cultus und endlich die hohe Bedeutung des Gebetes Die Antwort auf die erste Frage sei: der Lehrer könne das Ziel, die der jüdischen Religion zugrunde liegenden Ideen den Kindern klar und eindringlich zu machen, erreichen: 1. Durch eine gute Disciplin, 2. durch völlige Beherrschung des Lehrstoffes, 3. durch eine gute Methode und 4. durch das eigene Vorbild und die Begeisterung für den Gegenstand. Als erprobtes disciplinarisches Mittel empfiehlt der Redner regelmäßiges Beten beim Beginn des Unterrichts. Was die Beherrschung des Stoffes betreffe, so müffe nicht nur diese, sondern auch das Wiffen des Lehrers überhaupt lückenlos sein. Eine tüchtige methodische Behandlung des Unterrichts sei eine Kunst und müffe durch vielfache Erfahrungen und Beobachtungen erlernt werden. Die allgemeinen Regeln der Pädagogik kämen hierbei in Betracht. Schon der Talmud enthalte eine Reihe derartiger pädagogischer Winke. — Auf eine ordentliche Stoffvertheilung sei zu achten. Der Unterricht müsse endlich kurz und interessant sein; letzteres sei zu erreichen durch Vorführung concreter Thatsachen, sowie durch klaren fließenden Vortrag. Ablesen und Vorlesen sei ganz zu vermeiden. Ein systematischer Unterricht eigne sich höchstens für die Oberclassen, in den Unterstufen solle er an den biblischen und nachbiblischen Unterricht angeknüpft werden. Der Lehrer selbst müsse begeistert und von der Wahrheit dessen, was er vortrage, durchdrungen sein. In Theorie und Praxis müffe er den Kindern ein Vorbild sein. Nur na# nMK seien wirkliche Sendboten Gottes. an die Jugend. Das alte Wort sei wahr: Lang ist der Weg durch Vorschriften, kurz und wirksam durch Beispiele. Als Antwort auf die zweite Frage gelte vor Allem der Satz: Ein großes Beispiel weckt Nacheiferung. Repräsentative Charakterbilder sollen dargeboten werden, wie überhaupt die biographische Methode auf den biblischen und nachbiblischen Unterricht anzuwenden sei. Nach den Worten Goethe's wie andererseits des Freiherrn von Stein müsse die Geschichte Begeisterung erwecken, wie den Charakter stählen. Das sei in unserer antisemitischen Zeit besonders nothwendig, und die Darstellung unserer Heldenkämpfe müsse den platonischen Satz wahr machen: Muth macht Muth. — Zur biographischen Behandlung empfiehlt er Noah, Abraham, Josef, Moses. Josua, Samuel, David, Elia, Josaphat, Hiskia, Josia, Esra und Nehemia, ferner die Makkabäer, Johann Hyrkan, Hillel und Schamai, Jochanan ben Sakkai, Saadja, Maimonides, Raschi, Josef Karo, Manasse ben Israel, Juda Halevi, Moses Mendelsohn. Was die dritte Frage anbelangt, so gebe es eine so große Anzahl von Schriften, daß er nur die geeignetsten erwähnen wolle. Er empfehle: Badt, Sondheimer 1 und 2; Levin, Nachbiblische Geschichte; Auerbach, Auszug aus der Bibel; Friedländer, Geschichtsbilder; Jakobsohn, Rimonim; Grätz, Volksthümliche Geschichte; Lehmann, Aus Vergangenheit und Gegenwart; Karpeles, Literaturgeschichte; Chisuk Emuna übersetzt von Deutsch; Philippsohn, Rath des Heils; Sachs, Stimmen; Schleiden, die Romantik des Martyriums; derselbe, die Bedeutung der Juden; Cassel, Geschichte der jüdischen Literatur. - Der Redner schloß sein Referat mit dem Wunsche, „daß es Allen ganz und voll gelingen möge, die Jugend für den Glauben an den einzigen Gott zu entflammen und für die hohe Mission Israels zu begeistern. Das walte Gott." Der Correferent Dr. Rosenthal-Breslau dankt dem Referenten für seine Ausführungen, glaubt jedoch, daß die Forderungen an den Lehrer, die der Referent als Antwort auf seine erste Frage gestellt habe, nicht allein für den Religionsunterricht, sondern für jeden Unterricht nothwendig seien. Er selbst glaube aber, daß die erste Frage zunächst so zu verstehen sei, ob man systematischen Unterricht geben solle oder nicht. Unzweifelhaft könne Klarheit nur durch Systematik erreicht werden. Freilich leide der systematische Unterricht an einer gewiffen Kälte, sei nicht eindringlich genug und weise zu wenig auf das Praktische hin. Es müsse also beides verbunden werden. Man dürfe nicht systenilos zu Werke gehen, weshalb Religionsunterricht in Form gelegentlicher Anknüpfung an die Geschichte zu verwerfen sei. Aber man dürfe nicht nur Ideen geben, sondern man müsse auch an das Praktische anknüpfen. Dazu seien die eigentlichen rvatö besonders geeignet. (Man vergleiche z. B. den dritten Theil des Moreh-nebuchim.) Bei dieser Methode könne man an Verschiedenes anknüpfen, z. B. an die zehn Gebote. Auch sei es praktisch, den Kindern ein Buch in die Hand m geben, obwohl unsere Religionsbücher wenig befriedigen, da sie zu subjectiv seien. Der Gegensatz des Lehrers zum Buche werde dazu beitragen, den Gegenstand noch klarer zu machen. Immer aber müffe auf das praktische Leben hingewiesen, und die einzelnen Gebote genauer erörtert werden. Die Antwort des Referenten auf die zweite Frage sei einerseits zu weit, da die biblische Geschichte nicht hineingehöre, anderseits zu eng, da in der nachbiblischen Geschichte einzelne Persönlichkeiten fehlen, um die sich die Zeitgeschichte gruppirt. Beispielsweise die Männer

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