Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 16 (17.4.1891)
- Date
- 1891-04-17
- Page
- Seite 292 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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«Seue 292 Hesterkeichifche Wochenschrift Nr. 16. diese wahrheitsgemäß zu lauten hätte: „Ehegatte! der Gulsantheil-Besitzerin von Boryslaw"! Hiebei erinnern wir uns eines hübschen Bonmot, welches, als jener „Druckfehler" hier vielfach belacht und glossirt wurde, ein bei der Boryslawer Gutsherrschaft angestellter, hebräisch ziemlich gebildeter Beamte — der oft seine hebräische Feder wider Willen im Dienste des „Machsike Hadaß"-Obmannes Schreiber (lueus a non lueonäo) zu stellen bemüssigt wird — zum Besten gab und wie folgt lautete: „Des letzteren Großvater schrieb das bekannte Werk ->212 BTT!' dessen Vater ein weniger bekanntes Werk benannt -^p 2rO> der kleine Schreiber aber ist im „kleinen Ganzen" nur ein 1212 ni^lDzu Deutsch: „ein S ch r e i b (er) - F e h l e r" wie er leibt und lebt!" Selbst ist der Mann! Was aber ist der Obmann der „Machsike Hadaß" selbst? Er ist der wohlthätige Mann der — reichen Frau; er ist der nichtwählbare kranke Reichsrathscandidat — einer gottlob gesun den Wählerschaft, er ist der sogenannte Wortführer Schreiber, welcher „schreibt wie er spricht", will heißen: der in allen Sprachen in Wort und Schrift — schweigt; was ist unser Rabbi Ignatz Leopold selbst aus eigener Kraft? Sogar seine Eigennamen sind ja nicht sein eigen! Auch diese sind nicht echt und nicht recht! Hat doch sein Großvater Rabbi Moses Sofer in dem seinen Kindern hinterlassenen Testamente seine Nachkommen väterlich gemahnt, die jüdischen Namen beizubebalten und der ftomme orthodoxe „Führer" der galizischen Juden, der kleine Enkel des großen Großvaters, schämt sich seines jüdischen Namens. Wenn dem Haupte der „orthodoxen Glaubensstützen" der Name Ignatz besser gefällt als der Name des Patriarchen Jizchok, so würde er gut thun, auch den zweiten Namen dem ersten anzupassen, ebenfalls mit dem Anfangsbuchstaben L.—oyola nämlich, was dem Charakter dieses Frömmlers und Augenverdrehers weit eher entsprechen würde! Drohobycz, 13. April 1891. Alexander Schorr. Aarrwpot, 8. April 1891. Ihr geschätztes Blatt brachte in Nr. 25 1890 ein Referat über die Gründung des hiesigen „Tarnopoler Bürgervereines",' welche im Mai vorigen .Jahres von statten ging. Die besten Männer unserer Stadt haben sich damals znsammengethan, um dem Niedergänge alles religiösen und sittlichen Lebens zu steuern, der sich breit machenden Frivolität und Verachtung alles Idealen, welche leider Charakterzüge der Halbgebildeten und sogenannten Aufgeklärten bei uns zu Lande sind, mit Energie entgegenzutreten. Das Veranstalten von öffentlichen Vorträgen in einem großen Local für Mitglieder und Nichtmitglieder, erachteten die Leiter des Vereines als das beste Mittel, die heilsame geistige Nahrung denselben zuzuführen. Und so wurden seit dem in der oberwähnten Nummer der „Oefttrreichischen Wochenschrift" mitgetheilten inaugurirenden Vortrag „Ueber Nationalität und Assimilation" in weiterer Folge noch eine Reihe von nützlichen, gemeinverständliche Tagesfragen behandelnden Vorträgen gehalten. So gab der verewigte Präses des Vereines, Herr Dr. Josef Weisstein, eine Abhandlung „Ueber die Ursachen der zunehmenden Verarmung der galizisch-jüdischen Bevölkerung" zum Besten; ebenso las Herr Dr. I. Binder „Ueber die Folgen der ungesetzlichen Ehen in socialer und ökonomischer Hinsicht" und Andere über verschiedene Gegenstände. — Im vergangenen Monat an den Abenden des 11. und 21. März l. I. debutirte wieder Herr David Bach, Vicepräsident des Vereines, mit zwei Vorlesungen „Ueber das Kunstschöne in Leben und Culturdes jüdischen Alterthums", welche Vorlesungen, im großen Prüfungssaal der hiesigen Hauptschule gehalten, ein überaus zahlreiches Damennnd Herrenpublicum heranzogen, und von dem glänzendsten Erfolge begleitet waren. Der Vortragende hat es sich zur Aufgabe gemacht, unsere Damen und Herren (und überhaupt die Jugend), von denen Viele in fast vollständiger Unkenntniß über unsere historischen Reichthümer sind, mit dieser vergangenen Welt bekannt zu machen, und zwar das Kunstleben und die verschiedenen Richtungen, in die sich der jüdische Schönheitssinn und die nationale Phantasie zerlegte, an concreten culturhistorischen Erscheinungen nachzuweisen und darzustellen. Obwohl das Thema die Darlegung schwergerüsteter Probleme und Grundgesetze aus der Schönheitsphilosophie erforderte, verstand es der Redner, die gesammte Zuhörerschaft in der lebhaftesten Weise zu fesseln. Nachstehend geben wir das Jnhaltsverzeichniß der am 21. März stattgefundenen zweiten Vorlesung des Herrn David Bach „Ueber das Kunstschöne in Leben und Cultur des jüdischen Alterthums". I. 1. a) Kurzgefaßte Rückschau auf die „Theorie vom Schönen". Aus Vorlesung I. d) Die gewonnenen Resultate. Ergänzung. 2. Schein und Täuschung in der Kunst.. 3. Beispiele. — Episode aus einer Pariser Theegefellschast. II. 4. Das Wesen der Bildhauerkunst. 5. Elemente der Plastik im jüdischen Alterthum. 6 Gymnastische Jugendübungen als lebendige Sculptur. 7. Zierplastik und Mikrotechnik. III. 8. Die Malerei als höchste Stufe der bildenden Künste. 9. Graphische und coloristische Elemente im jüdischen Alterthum. 10. Textil- Ornamentik. Aesthetische und sittliche Bedeutung der Kleidung. 11. Specielles über die damalige Damentoilette. IV. 12. Ueber das Pretiosen-Tragen. 13. Ueber die Schminke. 14. Wie es im Boudoir der reichen Zionstochter aussah. 15. Schluß. Ausblick auf Musik und Poesie. Wenn wir es gottlob dahin gebracht haben, daß wir einen großen Saal von edlen Frauen und Männern gefüllt sahen, die zu einem rein geistigen Genüsse zusammenkamen und noch dazu ein kleines Geldopfer nicht scheuten — denn der Besuch war gegen bezahlte Eintrittskarten, der Ertrag dem hiesigen jüdischen Vereine zur Unterstützung armer Studenten gewidmet — so hat der junge Tarnopoler Bürgerverein volle Hoffnung und Lebenskraft weiterhin segensreich zu wirken. U. W. Cn. Aerlirr. 12. April. Es ist ein sehr häßlicher und widerlicher Charakterzug der jetzigen Zeit, sowie derjenigen, die es nicht scheuen, ihn zur Schau zu stellen, daß überall, ob am Platze oder nicht, der „Jude" in Discussion gebracht wird, um ein bischen Hetze zu treiben und zugleich damit seinen eigenen Neupatriotismus zu affichiren. Wenn dies in „rein" antisemitischen Kreisen so gehalten wird, kann es weiter nicht Wunder nehmen; es ist eben das Gewerbe der sauberen Bruderschaft. Auch in politischen Versammlungen anderer Parteien ist es oft nicht zu umgehen, vom Antisemitismus Notiz zu nehmen, weil dieser sich als politische „Partei" geberdet. Aber wenn darüber Discussionen provocirt werden in Zusammenkünften, die weitab vom Antisemitismus und innerer Politik liegen, so stellt sich dies nicht blos als Geistes-Armuthszeugniß für die betreffenden Scandalsucher, sondern auch als eine sehr bedauerliche Verirrung des ganzen „Jahrhunderts der Civilisation , welches sich einen so unschönen Ausklang für die letzten Jahre seines Daseins gewählt hat. Am Donnerstag voriger Woche fand im Saale des hiesigen Architektenhauses die constitnirende Versammlung des von Dr. Peters angeregten „Allgemeinen deutschen Verbandes", nämlich zu Colonialzwecken statt. Es wurde natürlich viel von Colonisation, von der anzustrebenden Größe Deuffchlands nach Außen und ähnlichen Sachen gesprochen. Da erhob sich die noch unbekannte Größe v. W erd eck (Werdach) und brachte die Stellung des „Verbandes" zur — „Judenfrage" auf's Tapet. „Er habe," sagte er, „unter den verlesenen Namen der Beigetretenen drei (schrecklich!) Arons, einen Morgen st ern und ein