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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-17 · 16 (17.4.1891) · p. Seite 293

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 293 (sequence 15)
Language
German
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Str. 16 Gesterreichische Wochenschrift Se»lc 293 Lilienthal gehört, die (nach dem bloßen Namen geurtheilt!) einem Volksstamm eigen seien, der in allen nationalen fragen in der Opposition (?) stehe nnd mit den man nicht (?) Hand in Hand gehen könne, wenn man auf das Natioualbewußtsein der Deutschen einwirken wolle. Es scheine auch hier der Satz gelten zu sollen, „ein Jude (!) müsse überall dabei sein". Die Belebung des vaterländischen Bewußtseins werde nur möglich sein, wenn man sich nicht scheue, offen gegen den jüdischen Geist aufzutreten, wie er sich namentlich in der Presse zeige". In diesem Mischmasch von Worten ohne Gedanken hat der Herr gar nicht gemerkt, daß mit denselben und mit dem nur antisemitischen Satz von Juden, der überall „dabei" sein müsse, nur er allein sich schuldig gemacht hat; denn außer ihm hat sonst Niemand an den „ominösen" Namen Anstoß genommen. Zum Glück (!) wurde aus der Versammlung heraus festgestellt, daß Herr „Lilienthal" ein dem Redner ebenbürtiger „von" und nicht „Jude" sei, so daß die „Gefahr" für die Größe des Deutschthums unter den Wilden Afrikas durch Wegfall des einen Juden erheblich verringert erscheint. Außerdem freilich belehrte Dr. Peters den Heißsporn, daß „dem Bunde jeder willkommen sein müsse, der den Zwecken desselben dienen wolle" — was wohl allein richtig ist. Wenn nun dergleichen in einer solchen Vereinigung Vorkommen kann, so kann man auch etwas Derberes erwarten, wo der Dr. Böckel in eigener Person spricht, und dies war an demselben Abend in einem Local des sogenannten „Voigtlandes", in der Jnvalidenstraße nämlich, wo er wenigstens sprechen wollte, aber nicht dazu gelassen wurde von den in diesen Massenquartieren massenhaft wohnenden Socialdemokraten. Gegen diese wollte er losziehen, aber „der Jude, der während der Revolution unter die Matratze kriecht, seine (Böckels) Verjagung aus dem hessischen Dorf Windecken, welche „Juden" im „Hintergründe" inscenirt haben sollen, die jüdischen „Parasiten" im Getreidehandel" und andere Judenhetzereien mußten mit „dabei" sein. Die Versammlung mußte, um der Auflösung „zu entgehen", „geschlossen" werden, wobei das übliche „kieine Handgemenge" den infernalen Lärm während des ganzen Zweigesprächs würdig abschloß. Worms, 6. April. Der hiesige Gewerbeverein feierte das fünfzigjährige Jubiläum, bei welcher Gelegenheit der Brauer-Akademiedirector Dr. Schneider einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Gewerbevereines verfaßte. Dieser Bericht hebt hervor, daß der jüdische Stadtverordnete Michaelis sich um das Aufblühen des Vereines große Verdienste erworben. Ebenso war der Vorschuß- und Creditverein von dem jüdischen Stadtverordneten und Abgeordneten zur zweiten hessischen Kammer, Herr Markus E d i n g e r, gegründet worden. Der Bericht zeichnet die gemeinnützige Wirksamkeit der genannten Menschenfreunde mit großem Wohlwollen. Bei Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Gewerbeschulhause machte der Vorsitzende die allseitig überraschende Mittheilung, daß unser Glaubensgenosse Herr Stadtverordneter L o h n st e i n der Gewerbeschule zur Erinnerung an die heuüge Jubelfeier ein großartiges Geschenk gewidmet habe, nämlich zur Begründung eines Museums 110 Stück imitirter Majolika- und Glasvasen, Urnen. Becher und Humpen, lauter Nachbildungen von anerkannt guten künstlerischen Mustern in bedeutenden Museen. Wtm, 20. April. Herr Ober-Justizprocurator Heß, der Nestor der hiesigen Anwälte, Vorstand des Anwallvereins, Ehrenvorstand der Freimaurerloge, Gründer des hiesigen israelitischen Lesevereins, feiert am Samstag im Kreise seiner Familie seinen 70. Geburtstag. Die drei Gesellschaften sandten Deputationen, zum Theil mit kunstvoll ausgearbeiteten Adressen, um dem Jubilar die herzlichen Glückwünsche zu überbringen. Die Adresse der hiesigen Anwälte lautet: „Die Unterzeichneten Rechtsanwälte Ulms entbieten anmit ihrem hochgeschätzten Collegen, Herrn Ober-Justizprocurator Heß hier unter Anerkennung seiner langjährigen, hervorragenden und würdigen Vertretung der Rechtsuchenden, sowie des großen Interesses, das derselbe für Hebung des Anwaltstandes allerorts bethätigt hat, die innigsten Glück wünsche zu seinem 70. Geburtstag, mit dem weiteren Wunsche, daß ihm noch ein langer, ftoher Lebensabend beschieden sein möge." Herr Procurator Heß hat sich auch ein reges Interesse für seine Glaubensgenossen und ihre politische Stellung bcwahrt; er ist der Sohn des verstorbenen Antiquars Isaak Heß in Ellwangen, des Verfassers der „Stunden der Andacht für Israeliten", eines Mannes, dem bei den württembergischen Israeliten ein dankbares Andenken erhalten bleibt. Derselbe war Mitbegründer des Vereins für Versorgung israelitischer Waisen und hat durch verschiedene Petitionen für die ganze sociale Stellung der württembergischen Israeliten, besonders aber für die Einführung jüdischer Schulen sehr Ersprießliches gewirkt. Aaris. Baron Gustav de Rothschild, welcher soeben von seiner Reise aus Algier nach Paris zurückgekehrt ist, präsidirte letzten Sonntag einer Sitzung des Consistoire, bei welcher auch die Candidaten für das Grand-Rabbinat von Paris, nämlich MM. Alfted Levy, Grand-Rabbin von Lyon, Jsac L 6 v y, Grand - Rabbin von Bordeaux, und Dreyfus, Grand - Rabbin von Brüssel, anwesend waren. Dienstag versammelte sich das Wahlcomite der Oousistoire, um die Liste der einzelnen Candidaten zusammenzuftellen behufs Vorlage an das Consistoire centrale, welches die definitive Wahl vornimmt. Waris. Der Groß-Rabbinee von Brüssel, Dreyfus, ist von dem Pariser Consistorium einstimmig dem Centralconsistorium als Groß-Rabbiner von Paris vorgeschlagen worden, was einer endgiltigen Wahl gleichkommt. Nach der Bestätigung des Präsidenten C a r n o t erfolgt die sofortige Ernennung. Der Vater des Herrn Dreyfus ist Rabbiner zu Zaberu im Elsaß, wo er schon vor der Annexion ftmgirte, so daß Pariser Blätter die Frage erörtern, ob der Sobn eines deutschen Unterthan Pariser Groß-Rabbiuer sein könne. Vermischtes. Wien. (Von den Lemberger Talmipolen der „Ä g u d a s A k u m".) Man schreibt uns aus Lemberg: In den hiesigen jüdischen Kreisen herrscht eine ungeheure Aufregung und Agitation gegen die „Agudas Akum." Der Appell der „Oesterr. Wochenschrift" an das Gewissen der volkstreuen jüdischen Kreise in Lemberg blieb nicht ohne Wirkung und die Heißsporne unter den Talmipolen drohen, den Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch — zu fordern. Vederemo! Dazu kommt, daß am 9. April der „Kurjcr Lwowski“ einen Leitartikel „Nasze zydi“ („Unsere Juden") publicirte, welcher gegen die galizische Judeuschaft Gift und Galle speit. Dieser Artikel entstammt einer jüdischen Feder und der Miteigenthümer dieses Blattes ist Herr Lilien, einer der Vorsteher der „Agudas Akum". Sapienti sat. Wien. (Antisemitischer Christenhaß) Das „Vaterland" vom 14. April d. I. meldet: „Drumonts „Testament eines Antisemiten" enthält u. A. ganz besonders grobe Injurien gegen den Cardinal Erzbischof Place v. Rennes Anläßlich dieser Verunglimpfung haben dem Cardinal der apostolische Nuntius in Paris, sowie die Cardinäle von Reims, Sens, Lyon und Paris ihr tiefgefühltes Beileid ausgedrückt." Wie oft aber hat das „Vaterland" diesen selben Herrn D r u m o n t als Kronzeugen gegen die Juden citirt und seine Glaubenswürdigkeit verbürgt? Im Jntereffe des Judenhasses wird das ganze Christenthum preisgegeben. Wien. Wie wir von autenttscher Seite erfahren, entbehrt die in unserer letzten Nummer gebrachte Mittheilung.

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