Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 16 (17.4.1891)
- Date
- 1891-04-17
- Page
- Seite 291 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Hesterreichifche Mochmschrift Seite 281 Wrünn. (Mährisch-jüdischer Landesm a s s a f o n d.) Am Montag den 6. d. M., fand unter dem Vorsitze des Herrn Julius Ritter v. Gomperz die Delegirtenversammlung für das Jahr 1891 statt, wobei 48 Gemeinden vertreten waren. Dem Rechen schaftsberichte für das abgelaufene Jahr, der zunächst verlesen wurde, entnehmen wir, daß der Gebahrungs-Ueberschuß inclusive eines blos nominellen Gewinnes bei einer Convertirung fl. 6648 39 beträgt, wovon nach dem Anträge des Curatoriums fl. 1500 zum Fondscapitale hinzugeschlagen und der Rest auf neue Rechnung pro 1891 vorgetragen wird. Die Einnahmen an Hypothekarzinsen gehen in Folge des sinkenden Zinsfußes von Jahr zu Jahr zurück, während die Ansprüche der Gemeinden und ihrer Functionäre sich jährlich steigern. Es erhielten im letzten Jahre 54 Gemeinden Schulsubventionen per fl. 13.320, 47 Gemeinden Subventionen zur Erhaltung ihrer Cultuseinrichtungen per fl. 12.700, an Personalunterstützungen wurden fl. 12.200 verausgabt, für Stipendien fl 600, für Bildungs- und Humanitülsanstalten fl. 3015. Zum Berichte nahmen das Wort: Herr Dr. H u p k a, der eine Aenderung der Modalitäten bei Darlehens-Bewilligungen an Gemeinden durch Gestattung der Rückzahlung in Annuitäten statt in Raten mit Zinsfußermäßigung in Anregung brachte; Herr Al. L ö b l, der die seitens des Curatoriums erfolgte Bewilligung eines unverzinslichen Darlehens an einen Cultnsverein zum Zwecke der Friedhofsanlage als statutenwidrig bezeichnete, wogegen die Versammlung mit alleiniger Ausnahme des Redners diese Bewilligung fiir vollkommen correct erklärte, da auch Cultusvereinen, ebenso wie den Gemeinden nach dem Geiste des Statutes ein derartiger Anspruch auf Begünstigungen aus Fondsmitteln zustehe. Es wurde hierauf der Rechenschaftsbericht, sowie der von Herrn Leopold L ö w Beer vorgetragene Revisionsbericht einstimmig genehmigt und dem Curatorium das Absolutorium ertheilt. Der Voranschlag für das Jahr 1891, welcher die Einnahmen einschließlich des Saldovortrages auf fl. 50.689 89, die Ausgaben auf fl. 49.763 beziffert, wurde in den einzelnen Posten, wie den Gesammtsummen einstimmig angenommen. Es. folgt sodann die Neuwahl des Curatoriums für die achte Wahlperiode 1891 bis 1893. Aus den sechs Gruppen wurden zu Curatoren gewählt die Herren: Adolf Lieblich (Jglau), Jacob Großmann (Pullitz). Salomo» A s chk e n e s (Kostl, neu), Joseph O r n st e i n (Wessely), Dr. Al. Hilf (Mähr. Ostrau), Eman. Oppenheimer (Raußnitz); aus dem Plenum die Herren: Sigmund Blau (Nikolsburg), Julius Ritter v. Gomperz (Brünn), kais. Rath D. M a n d l (Lamnitz), Noe S t r o ß (Mähr. Wcißkirchen) und Ignaz W o h l m u t h (Boskowitz); zu Ersatzmännern wurden wiedergewählt die Herren: Dr. L. H u p k a, Dr. Josef Müller, L. Löw Beer und S. Rosenfeld; zu Revisoren die Herren: Max K o h n, L. Löw Beer und Jonas Schnür mann. Die Gewählten nahmen die Mandate an. Auf Anregung des Herrn H a u s e r wird die bereits im Vorjahre besprochene Angelegenheit der Abfassung eines einheitlichen Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen dem Curatorium, respective Landes-Rabbinate abermals ans Herz gelegt und schließlich der Vorsitzende ersucht, die Genehmigung des Musterstatutes und der Abgrenzung der Gemeindegebiete bei der Regierung urgiren zu wollen. Nachdem die Versammlung dem Curatorium, insbesondere dem Vorsitzenden, sowie dem ausscheidenden Herrn Curator Tandler für ihre hingebende Mühewaltung den Dank votirt hatte, wurde dieselbe mit einigen Dankesworten an die Delegirten für ihr zahlreiches Erscheinen vom Vorsitzenden geschlossen. Drohoöycz. („Rabbi" Ignatz Leopold!) Die flüchtige Federzeichnung, mit welcher wir in Nr. 14 der „Oesterr. Wochenschrift" den gerngroßen zweinamigen „diplomirten Rabbiner" Ignatz Leopold, den ausländischen Obmann des österreichischen Vereines „Machsike Hadaß" und sogenannten Wortführer der orthodoxen Juden Galiziens, treu zu conterfeien versuchten, will blos als „angefangene Arbeit" betrachtet werden, die hie und da noch vieler interessanter Ergänzungen bedarf Das „unruhige" Original, welches uns zur Aufnahme nicht schön ruhig sitzen will, weil es von Natur leider nicht ruhig sich verhallen kann, ist schuld daran, daß wir auch heute nicht mehr in der Lage sind als wieder nur einige flüchtig erhaschte „originelle Striche" nach dem Gedächtnisse zu reproduciren. Wie begonnen, soll auch weiter nur die trockene Wiedergabe stadtbekannter Facta zur Charakterifirung unseres „unbekannten Rabbi" dienen. Durch das, was er gethan, gibt er sich doch am deutlichsten zu erkennen und ist hier längst schon gezeichnet: facta loqunda! Wir haben in gedachter Nr. 14 der „Oesterr. Wochenschrift" Einiges von dem „Wohlthätigkeitssinn" und dem „Mitgefühl" des frommen Krösus für die Ortsarmen unserer Gemeinde, in deren Mitte er seit 20 Jahren lebt, geschildert, dabei wegen dessen seltsamer in splendider Weise (?) siir die Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft bekundete Sympathiebezeugung nach einem plausiblen Erklärungsgrund da und dort gesucht! Nun ist der einzig-wahre höchst merkwürdige Grund in einem durch das „steinerne" Herz dieses reichen Frömmlers und Augenverdrehers verschuldeten Unglücksfall, gefunden, welchem leider ein braves Menschenleben zum Opfer fiel! Der Fall ist folgender: Ein Schwager des reichen Herrn Schreiber, ein gewesener achtbarer Kaufmann, welcher durch die Ungunst schlimmer Zeiten sein Vermögen verloren hatte und dann von hier nach Wien übersiedelte, hatte dort anfangs einige hiesige Geschäftshäuser zu vertreten, wodurch er sich und seine unversorgten Kinder anständig ernährte. Als aber mit der Zeit diese wenigen Vertretungen aufgelassen wurden, blieb der arbeitsame, aber mittellose Mann völlig existenzlos und gerieth mit seinen Kindern in den schrecklichen Kampf mit Entbehrungen des Allernothdürftigsten, des trockenen Brotes. Und da er auch den kleinen Miethzins nicht mehr zahlen konnte, a ppellirte der Verzweifelte in dieser aller Nöthen schwersten Noth, an die „Barmherzigkeit" seines Schwagers Schreiber, er möge ihn mit einem Betrage von nur 50 fl. zur Bezahlung des rückständigen Miethzinses unterstützen, da er sonst im verzweifelten Kampfe um's Dasein bald unterliegen müßte. Die wiederhol t e n B i t t s ch r e i b e n waren erfolglos; der ersehnte Unterstützungs-Beitrag vom reichen Schwager blieb aus. Der hungerige Unglückliche hatte auch kein Dach mehr. Das große, weite und breite Wiener Asyl so vieler verzweifelter Obdachloser, die schöne blaue Donau, hat auch ihn mit offenen Armen ausgenommen! Das weitere Rettungswerk, will sagen die Auffindung der Leiche seines Schwagers überließ der noble Herr Schreiber der— freiwilligen Rettungsgesellschast, der er daher das „Reinertrügniß (?)" der auf seinen Namen herausgegebenen Broschüre „Replik", aus purer Dankbarkeit gewidmet hat! ad vocem „Replik", zu welcher Streitschrift — wie in unserer eingangs gedachten Correspondenz erwähnt — Schreiber für seinen Theil blos Name und Titelblatt beigetragen hat, auf welchem unser Ignatz Leopold Schreiber neben der Präsidentenwürde der „Machsike Hadaß" mit dem Titel „Gutsbesitzer von Boryslaw" paradirt, möchten wir diese letztere Titulatur thatsächlich dahin richtig stellen, daß