Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2919 (13.4.1927)
- Date
- 1927-04-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2M6 Me«, MWoch M-WNMttßttW K. April E Seite *1 Wiener? Roträh von in upiiiiuip^ Coggseiaht t0L7 byB. Löwit'Verlag, Wien — Leipslg . , Diese Wendung hatte Herr BernharÄ nicht, erwartet; aber er tvar klug, fügte sich in das Unabänderliche pnd erwog sogleich und M, wofür Gustav verwendet werden, könnte. — Frau Rest hatte aber noch ein Bedenken. „Eines fürchte ich!" sprach sie zur Mutter. — „Was Resi?" — „Der Bub ist ein Wildfang. Auf ja und nein kommt er in eine Maschin' hinein! Weißt du, .Mutter: die Verantwortung..." Herr Bernhard, der kühle Rechenmeister war indessen zu einem günstigen Resultat der Verwendungsmöglichkeiten Gustavs gelangt. Jetzt war er bereit. „Resi!" unterbrach er seine Frau,. „das mit die Maschinen brauchst du nicht fürchten! Vorläufig hat er überhaupt bei die Maschinen nichts M tun und dann — kann ja der Josef auf ihn aufpassen!" — „Der Josef!" rief Frau Resfi und -in einem Tone, da8 man den Josef bedauern Mußte. „Der Josef! Bis Josef ahn Fuß hebt, is Gusti in Matzleinsdorf." — Nun wurde auch Frau Sali ängWch: „Bernhard! Kanu ihm wirklich nichts geschehen?" „Wer woher, Mutter?"Mcm.laßt ja so emmr Buben garnicht.zul>ic .Maschinen!^ — „Mud- 1er," fragte FÄn Resi, „weiß er schon, ' daß er M uns kommt?" — „Wer woher? Mißt du, was sx getan hat? UM Halber zwei is, er nach Haus gekommen, hat das! Zeugnis Hingelegt Und is plete! — So ein Lcsirsbub! — Ja! Und was will ich noch' sagen," fügte sie Hinzu, /-das hat der Vater ausdrücklich gesagt und ich will es auch: Er nmß wie ein Lehrbub behandelt werden. Nichts darf chm geschenkt werden. Er Muß mit die Burschen schlafen, er Muß mit sie essen,' denn dem Jungen -is sonst nicht beizUkommen! Ihn muh der schwarze Ochs treten, dann wird er anders sein!" — „Verlassen Sie sich auf uns, Mutter," versprach- Herr Bernhard. „Wann wollen Sie ihn herausschicken?" — „Morgens" .Gustavs Schicksal war mm entschieden. Iran Sali ging nach Hause 'und die beiden jungen Eheleute blieben allein Und überdachten — jedes nach, seiner Art — die Veränderung. „Es soll Nur alles z'uM Guten sein!" meinte Frau Resi.— „Aber, Resi! Warum nicht? Schau, beide,iverden wir's leichter haben. In der Früh' wird er mit die Burschen aufstehenl — kann ich länger schlafen. — Mittag wird er dich im Geschäft ablosen — kannst du nach Haus kommen und dich ausruhen. Und aM Weich wird er im Hernalser Geschäft sein und Nachmittag.— „'Das is ja alles recht schön, Bernhard! Wer die Maschinen!" — Alle Hilfen und Vorteile zerflossen ihr vor der Sorge: der Bub könne in ihren Diensten, während er für ihren Mutzen arbeite, ein Krüppel werden. —7—' Sie war sonst keine großzügige Ratiur,. Sie knickte und knMserte.'u»chl'-HettWe--ven ^Kreuzte, aber-der-Mensch galt ihr doch mehr, denn ihr Gemüt tvar rein Und, edel. Und. dann: der nsrre Lehrling war ihr Bruder und-„Blut ist kein, Wasser." - , 8. KÄ-P^-t-el. Der kleine Mann, dev so viele Menschen in Bewegung hielt, blieb bis abends verborgen. Dann tauchte er — rasch und flüchtig wie ein Meteor am Himmel — in der Wohnung, seiner Eltern auf, scho.ß durch seinen Weltenraum, das Speisezimmer Und schwand sogleich aus dem elterlichen Horizont. Im Kabinett vergrub -er sich in die tiefe Schlucht der *) In der gestrigen 7. IortsehunL fielen ein größerer und ein kleinerer Abschnitt, in^ol,;e eines unlreblantcit tecLni.lckten BerLeNens xotSL Mr bringen dabler beute die 7. LortleMlna nochmals und Vollständig. Die Red. Besorgen Sie sieh rechtzeitig för entweder die Illustriert von Jose! Budko Deutsche Uebersetzung durch Dr. Max Grunwald Hebräisch, Pappband . . 83 — Lelnenbsncl . . . . . . S3*90 Hebräisch-Deutsch, Pappbd. 8 3*90 Leinenband . . . . . . 8 4*80 oder die mit Holzschnitten von Jacob Steinhardt, geschrieben von F. Baruch Pappband ...... 80 — Luxusband mit Originalholzschnitt, signiert und numeriert . . 830— (statt 8 54-) Buchhandlung R,L8wit, Wien, I, Rotenturmstr. 22 f . . (7. Forchtzmv) Decken Und Allster seises'Bettes Und wähnte nun, geborgen zu sein. Aber Herd Hermann, der seit dem gestörten Mit- , tagesftn den kleinen Sünder vergeblich erwartet hatte, rief wütend: „Ich hol' mirM heraus^ — „Lass' ihn schlafen," begütigte Frau Sali. „Schenk' ihm die Straf', morgen geht er doch so wie so aus'n Haus!" — „Nein!" sagte Hem Hermann, „ich harge den Wämser!" Zitternd hörte Gustav aus einem kleinen Spalt seiner Burg die väterliche Drohung. Er bebte und betete in seiner Herzensangst zum lieben Gott Md versprach ihm, wie nur ein Kind versprechen' kämt: Alles! Alles, wenn nur der liebe Gott so gut sein möchte und den Vater zurückhalten! Das Gebet schien nicht erhört zU werden, denn Herr Hermütm ging zur Türe des Kabinetts und faßte die Klinke. Aber in dem Augenblick fühlte er, als hätte etwas sein Herz berührt und dieses zart und sanft zur Milde gewendet. — Er blieb stehen: „Du hast recht. Sali," sagte er, „soll - er jetzt schlafen." — Und Gustav, als ein gehorsamer Sohn streckte behaglich seine Beine) dachte iroch ein wenige an die Regimentskapelle und den schönen Pony und — schlief ein. :■ An nächsten Morgen, als der Keine Sünder vor den Eltern erschien, begann der Vater mit ernstem Gesicht: | Serichtssml. Ser Mord In der Tabakregie. Der aufsehenerregende Mord in der Tabakregie, dem der Nachtwächter Heinrich Ludwig zum -Opfer gefallen war, soll jetzt seine Sühne finden. Vor einem Schwurgericht unter Vorsitz des OLGR. Dr. K i e l h o f haben sich in einer für drei Tage anberaumten Verhandlung die Täter, zwei „schwere Burschen", der 30jährige Hilfsarbeiter Ferdinand Hunger und fcet 26jährige Hilfsarbeiter Oskar Oetzbrugger, zu verantworten. Die vom Staatsanwalt Dr. B u t s ch e k verfaßte Anklageschrift legt den wiederholt empfindlich vorbestraften Kasseneinbrechern nebst der M o r d t a t z w eiMordver suche und eine Reihe von E i n b r u ch s d i e b st ä h l e n und öfsen tlichen Gewalttätigkeiten zur Last: Die beiden von Dr. Stieglandt und Dr. Härtmuth verteidigten Angeklagten sind in der Nacht zum 7. August vom Liechtensteinpark aus über, den Hof^l^ das Gebäude der Tabakregie eingedrungen, um einen Kasjeneinbruch zu verüben. Daboi wurden sie von dem Nachttvächter Ludwig überrascht und schossen ihn nieder. Die Täter konnten lange Zeit nicht eruiert werben., Gelegentlich eines Einbruches am 0. SepteMöer in ÄmlHause Srebenbtunuengasse 37, wurde Hunger sestgenommen. Um seiner Verhaftung zu entgehen, schoß er den Wachinspektor Meister an und verletzte ihn ziemlich schwer am rechten Oberschenkel. Auch der Hausbesorger Josef B e z i n a, ^der ihnen in den Weg trat, wurde am Arm verletzt. Oetzbrngger konnte erst, einige Zeit später verhaftet werden. Nach langen Verhören ließen sich beide zu dem Geständnis herbei, die Einbrecher von der Tabakregie zu sein. Hunger und Oetzbrugger suchten einander gegenseitig die Schuld an dem Morde zuzuschieben. Hunger behauptete, haß' ihm Oetzbrngger, als er des Nachtwächters gewahr würde) -den Revolver aus der Hand gerissen und auf Ludwig geschaffen habe. Dagegen behauptet Oetzbrugger, daß Hunger der M ö rder war. Dieser Auffassung.schließt.sich auch die Staatsanwaltschaft an, da Hpnger ebenfalls mit einem Revolver bewaffnet war, dessen Projektile genau in die Wunden paßten. Zunächst wurde das Verhör mit Hunger abgeführt, der sich.nur zum Teile schuldig bekannte. Die Einbruchsdiebstähle beim Ortsschulrat im 9. Bezirk, bei der Sparkasse in P ö ch l a r n, in Neünkirchen und den Wiener Einbruch in der Siebenbrunn gasse gab Hunger zu. Ebenso den Einbruchsversuch in der Tabakregie, jäwch nicht den Mord an dem Nachtwächter. Weilers gab Hunger zu, gegen den Wachmann Meister, jedoch nicht in der Absicht, ihn zu töten, geschossen zu haben. Ueber sein Vorleben befragt, erzählte Hunger, daß er seine Jugend in der Besserungsanstalt in Eggenbüvg verbracht habe. Nach seiner Entlassung begann sofort die Berbrecherlauflxchn. Hunger ist schon mit 12 Jahren schweren Kerkers vorbestraft und lernte in der Strafanstalt Garsten Oetzbrugger kennen. Nach ihrer Entlassung begannen beide wieder ihr gewohntes Einbrechergewerbe. Dabei hatten sie immer scharfgeladene Revolver bei sich und die Verabredung getroffen,, daß, wenn einer schieße, der andere auch schießen müsse, damit man keinem -die Täterschaft nachweifen könne. Der Angeklagte erzählte nun den Hergang des Einbruches, bei dem er verhaftet wurde und erklärte, gegen den Wachmann lediglich einen Schreckschuß abgegeben zu haben. Sodann erzählte er den Hergang der> Mordtat in der Tabakregie. Um halb lg Uhr nachts seien beide-durch den Liechtensteinpark über eine Mauer in das Gebäude der Tabakregie ein.-, gedrungen und in den Trakt der Steueradministtation gelangt. Sie hätten gleich begonnen, die eiserne Kasse anzübohren, doch plötzlich sei jemand gekommen und habe Licht gemacht. ' Oetzbrugger habe dem . Wächter zugerusen: „H ä n d e h o ch!" und beide hätten ihre Revolver vovgehaften. Plötzlich habe ihm Oetzbrngger. seinen Revolver aus der Hand gerissen und den Nachtwächter erschossen. -- B o cf.: Oetzbrugger behauptet aber, daß Sie der Mörder „Gusti! Ich wer dir jetzt sagen, was mit dir geschieht: Die Matter und ich — hm..er räusperte sich; denn das ' änyflüche, hilflose Gesicht seines Jüngsten rührte ihn ein ' wenig. „Me Mutter und ich — hm..." Wer weiß, wann G>Hav Mr Schicksal erfahren, hätte nicht die Mütter die Rede des Vaters ergänzt und vollendet. „Mir Hann beschkpssen," sagte sie. „Der Vater und ich Hain beschlossen — — kurz — du kommst zu Bernhard in die Lehr' imd noch » hmt'!" — „Zu Bernhard in die Lehr'?" — „Ja. Jetzt Vormittag. Deine Sachen sind schon gerichtet." — „Zu Bernhard? Nach Hernals, in die Selcherei?" — „Ja. Nu -*r was hätten mv tun sotten? Lernen hast du nix wollen. Gebeten haben tvir dich oft genug uub zu Haus bleiben ' kannst du auch nicht. Dir bist dir selber drau schuld!" — Gustav stand nach dieserHernalser-Berkündigung ein.' tvenig benommeir und starrte seine Eltern an. Er sprach nichts. Ihm war, wie jedem Menscher,, der gewaltsam in eine neue Bahn geworfen, wich,' Er fürchtet das Unbekannte und hängt (Trift jetzt — da ete es verlassen soll — an dem Alten. — So schnell, so rasch, ohne Ferien! — Lehrbub! — Erschauernd fühlte das Kind zum erstenmal den Ernst des Lebens. — Wer' das Leben hat ein doppeltes Gesicht und Mancher Mensch wendet sich mit einem entschlos- ' senen Ruck von der düsteren Seite des Lebens und sucht Und späht. Und forscht, bis er's gefunidein hat: die helle, - die heitere Sekte-des Lebens. Nicht jeder kann's. Nicht je- - dem gab die ÄLatur diesen Schatz. Gustav war damit gesegnet wmven. (Fortsetzung folgt.) j sind. — Angekl.: Wenn ich wirklich der Täter wäre, würde ich es sagen. — Bors.: Warum sollte er Ihnen. den Revolver aus der Hand reißen, er hatte doch selbst einen? — Ang e k l.: Weil seine Waffe versagt , hat. Der Angeklagte erzählt dann rwch, daß beide nach der Tat ’ nochmals in das Gebäude der Tabakregie gegangen seien, um die vergessenen Einbruchswerkzeuge zu holen. Dabei konstatierten sie, daß Ludwig wirklich tot war. Der zweite Angeklagte Oetzbrugger bekannte sich. (Ebenfalls aller Einbrüche schuldig, des Mordes . jedoch, nicht. Ebenso bestritt der Angeklagte den Mordversuch an dem Wachebeamten und an -dem Hausbesorger. Den' . Mord in der Tabakregie schob er. ganz dem Hunger zu. — Vors, (zu Hunger): Was'sagen Sie dazu? — Ängekl..: , Mx, als was i scho gesagt Hab. Oetzbrugger schreit: Dü lügst! Hunger mit Tränen in den Augen: Was es für Leute gibt, anglernt hat er mi! (Zu Oetzbrugger): Schau, mach kan Schwindel, es nützt nix mehr! Oetzbrngger: Die Unwahrheit, die Unwahrheit. — Hunger: I n d i e E rd sollst sink eit. Nach >de>m Verhör mit Oetzbrugger ' wurde die Verhandlung abgebrochen. Um 6 Uhr abends' fand im Hause der Tabakregie in der Porzelkangasse ein Lokalaugenschein statt. Die beiden Angeklagten wurden vorgeführt und demonstrierten die Tat. Dabei beschuldigte -der eine den anderen wieder des Mordes. Heute findet in dem' Hause,. in dem der Wachebeamte verletzt wurde, ein." LÄkalaugenschein statt. Die Verhandlung wird sodann .im. großen Schurgerichtssaal fortgesetzt werden. Das Preistreibereigesetz lebt noch. Der Bahnbea-mte. in Pension Friedrich Kren hatte gegen den Installateur Karl L. die Anzeige evstattet, daß.dieser für die Einrichtung einer elektrischen Leitung in seiner Wohnung einen übermäßigen . Preis, gefordert habe. Laut Gutachten der Preisprüsungsstelle .war der geforderte Preis von 190 Schilling tatsächlich u m 2 5 S ch-i lling zu hoch. Gegen L, würde die Ank-lage wegen Preistreiberei erhoben. Der Beschuldigte berief sich darauf,'-daß er zwei Monteure im Mkord beschäftigt ha-be und daß außerdem am Sonntag gearbeitet wurde. Der Anzeiger gab, als Zeuge vernommen, an, er halbe mit L. einen Preis von 140 Schilling vereinbart, während dieser von ihm 190 Schilling verlangte und bei seiner Weigerung mit dem Advokaten drohte. L. wies darauf hin, daß er niedrigere Preise als die im Fachblatte der konzessionierten Elektrotechniker angesetzten verlangt habe. Oberlandesgerichtsrat Dr. N e h-o d a verurteilte den Beschuldigten zu einer Woche strengen Arrest und 200 Schi-lling Geldstrafe, im Nichteinbringungsfalle zu weiteren fünf Tagen Arrest, mit der Begründung, daß das Gutachten der Preispvüsungsstelle maßgebend sei, nicht aber die Ansätze eines Fachblattes. Reklame*AngebotI MBB Keine Lotterie! Keine Teilung! 100 Sclfflllmf ln liar zahle ich jedem ohne Ausnahme, welcher den „Lustigen Gesellschafter“ (mtl. 1 Heft a 40 g) durch Voreinsendung von S 5.— auf 1 Jahr abonniert und folgende Aufgabe richtig lost. Die leeren Felder sind so auszufüllen, daß so viele gerade und schräge Reihen wie möglich die Summe 15 ergeben. Die 5 muß in der Mitte stehen bleiben; darüber kommt . die Zahl 9. Wahl und Anordnung der übrigen Werte sind beliebig, da es nur auf die Anzahl der erreichten Summen ankommt. Es ist daher nur eine Losung pro Einsender erforderlich und zulässig. Sie ist zusammen mit einer Fünfschillingnote ohne weitere Mitteilungen, aber mit genauester (!) Abssmjcrangabe einzareichen. Die lOO SohIlling erhält jeder Löser ohne Ausnahme (also keine Teilung, Verlosung oder sonstige Verpflichtung) aber mir, «wenn der Aboanementsietrag von 8 5,— in bar befliegt. Alles andere zwecklos. F. Oder ich, Verlag, Hanhen 19, WiesmstraBi, r 01020102315353485353234848535323232348234848232353534848232323482353484848