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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-12 · Heft 2918 (12.4.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2918 (12.4.1927)
Date
1927-04-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2918 Men, Dienstag Wiener Mvrgenzettnns rs. WprU E v sar JEvoBi JBfL&P^jPJNI macKt Fttie Sckukc besser l Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichfer. (7. Fortsetzung.) Rede des Vaters ergänzt imd vollendet. „Mir Harn beschlossen/' sagte sie. „Der Vater und ich Ham beschlossen — — kurz — du kommst zu Bernhard in die Lehr' und noch heut'!" — „Zu Bernhard in die Lehr'?" — „Ja. Jetzt Vormittag. Deine Sachen sind schon gerichtet." — „Zu Bernhard? Nach Hernals, in die Selcherei?" — „Ja. Nu — was hätten mr tun solle::? Lernen hast du nix wollen. Gebeten haben wir dich oft genug und zu Haus bleiben kannst du auch nicht. Du bist dir selber dran schuld!" — Gustav stand nach dieser Hernalser-Verkundigung ein ] wenig benommen und starrte seine Eltern an. Er sprach I nichts. Ihm war, wie jedem Menschen, der gewaltsam rn eine treue Bahn geworseir wird. Er fürchtet das Unbekannte lmd hängt erist jetzt — da c»r es verlassen soll — an dem Alten. — So schnell, so rasch, ohne Ferien! — Lehrbub! — Erschauernd fühlte das Kind zum erstenmal den Erirst des Lebens. — Aber das Leben hat ein doppeltes Gesicht und mancher Mensch wendet sich mit einem entschlossenen Ruck vorl der düsteren Seite des Lebens und'sucht und' späht und forscht, bis cr's gefunden hat: Die helle, die Heitere Sekte des Lebens. Nicht jeder kann's. Nicht jeschmale Portionen und so vorgeteilt, wie zu Hause!" — Es ist bekannt, daß in vieleu Bürgerhäusern der Wunsch trach vornehmer Wohnung und kostbarer Kleidung mit den vorhandenen geringen Mitteln in Konflikt gerät. Was tun? Frau Sali war nicht Verlegern Sie tat, wie viele andere Frauen: Sie sparte beim Essen; und wenn Gustav renronstrierte: „Mutter! Warum krieg ich nur ein Paar Würstel zürn Nachtmahl?" sagte sie: „Weil ich für ein zweites Paar kein Geld Hab'!" worauf der kleine Gustav schlagfertig erwiderte: „Mutter! Kauf' mir lieber einen billigen Anzug und gib mir dafür ein zweites Paar Würstel!". Da antwortete die Mutter: „Das verstehst du nicht, mein Kind. Denn in. den Magen können einem die Leut' nicht hineinschäüen; aber nach außen muß man sich z.igen!" Das verstand er wirklich nicht, und darum dünkte ihm jetzt die neue Lehre mit den ungezählten. Würsten wie ein Paradies. Langsam, klärend — wie der Mond aus den Wolken, — zog ein mildes Licht über sein Gesicht, denn in Gedcmken fraß er sich bereits durch das Schlaraffenland der Lamplschen fetten Debrecziner und saftigen Rindskämme. Das Wasser floß ihm im Munde, und fest wie eine Auster, preßte er die Lippen übereinander, um es zu behalten. Dieses verschlossene Schalenpaar deuteten die Eltern für tiefen Schmerz und teilnahmsvoll fragte der Vater: „Nn Glksti! Was tut dir weh! Warum red'st nix?" (Fortsetzung folgt.) Bühne und Kunst. Rienzi. Erstaufführung in der VoWop-er. Rienzi ist 'heute für uns nicht nur. das Jugendwerv Wagners, in welchem der junge Aar kühn seine Schwingen regt, rmbekümmert darum, daß sich Halevh und Spontini,: Meherbeer, Auber und andere französische und italienische Komponisten an feine Fittiche hängen und damit seinen Flug ins Freie und musikalisches Neuland hemmen: Rienzi ist für uns heute auch eine große Ausstattungsoper, die nur dann recht zur Geltung kommen kann, wenn sich's die Szenerie leisten kann. Die arnre Volksoper, in welcher die kleinste Neuanschaffung zu einen: schier unlösbaren Problem wird und die enge Bühne keinen Raum für Massenaufzüge gewährt, kann sich's natürlich nicht leisten. Sie mußte das prunkvolle Ballett streichen und der verölaßtte Glanz schäbiger Kulissen auf der Bühne vertrug sich schlecht mit dem rauschenden Festgeprä'nge der Akusik. In: „Rienzi" herrscht im ersten Teil der Chor vor: Hier ist die Vvlksoper besser gerüstet, seitdem Kapellmeister Lutze ihn leitet. Der Chor verstand sich auf Massemvirkung, zu der auch die Regie des Herrn Rainer Simons das ihrige beitrug. Im übrigen darf die Kritjt aus den stadtbekannten Gründen mit der Bolksoper nicht zu streng ins Gericht gehen. Stellen wix fest, daß Herr Leuer als Rienzi in einer Maske a la Mussolini — Rienzj ist ja ein Duce des Äustrocento — packende Momients hatte. Seine rmttmtter staMirten Töne litten freilich durch das Wufige Distonkeren. Seine Schwester Irene sang Rose Fichtinger, den Adriano Annh Konetzni mit schöner, dunkler Stimme und warmem Ausdruck. Alles andere — einschließlich der dürftigen Aufzüge des Nobili, Gesandten, Friedensboten ufiv. — blieb im Volksopernniveau stecken. In einer Sonderrolle extemporierte Rienzis eigenwilliges Schlachtroß. Verhältnismäßig ausgezeichnet hielt sich das Orchester unter Leitung von Kapellmeister Dr. Ludwig Kaiser, welcher gleich den übrigen Mittzvirkenden stürmischen Beifall einheiinste. Mb. Copyright 1927 by R. Löwit Verlag, Wien — Leipzig Diese Wendung hatte Herr Bernhard nicht erwartet; aber er war klug, fügte sich in das Unabänderliche!nnd erwog sogleich und still, woftir Gustav verwendet werden könnte. — Frau Res: hatte aber noch ein Bedenken. „Eines fürchte ich!" sprach sie zur Mutter. — „Was Resi?" — „Der Bub ist ein Wildfaug. Auf ja und nein kommt er in eine Mäschin' hinein! Weißt du, Mutter: die Verantwortung..." Herr Bernhard, der kühle Rechenmeister war indessen zu einen: günstigen Resultat der Verwendungsmöglichkeiten Gustavs gelangt. Jetzt war er bereit. „Resi!" unterbrach er seine Frau, „das mit die Maschinen brauchst du nicht fürchten! Bernhard! Aber die Maschinen!" — Alle Hilseu und Vorteile zerflossen ihr vor der Sorge: der Bub föttitc in ihren Diensten, während er für ihren Nutzen arbeite, ein Krüppel tverden.- <&k war sonst keine großzügige Natur. Sic knickte und knauserte und heiligte den Kreuzer, aber der Mensch galt ihr doch nrehr, denn ihr Gemüt war rein und edel. Und dann: der neue Lehrling >var ihr Brndcr und „Blut ist kern Wasser." 8. Kapitel. Der kleine Manu, der so viele Menscher: in Bewegung hielt, blieb bis abends verborgen. Dann tauchte er — rasch und flüchtig wie ein Adeteor aur Himmel — in dev Wohnung seiner Ettern auf, schoß durch seinen Weltenraum, das Speisezimmer und schwand sogleich aus dem elterlichen Horizont. Im Kabinett vergrab er sich in die tiefe Schlucht der Decken und Pölster seines Bettes und wähnte nun, geborgen Ku sein. Mer Herr Hermann, der seit dem gestörten Mit-. tagessen den kleinen Sünder vergeblich erwartet hatte, rief wütend: „Ich hol' mir'n heraus!" — „Lass' ihn schlafen," begütigte Frau Sali. „Schenk' ihm die Straf', morgen geht er doch so wie so aus'n Haus!" — „Nein!" sagte Herr Hermann, „ich harge den Mamser!" Zitternd Hütte Gustav aus einen: kleiner: Spalt feiner Burg die väterliche Drohung. Er bebte und betete in seiner Herzensangst zum lieber: Gott und versprach ihm, wie nur ein Kind versprechen kann: Alles! Alles, rvem: nur der liebe Gott so gut sein möchte und den Vater Kurückhalten! DaS Gebet schier: nicht erhört zu Werder:, dem: Herr Hermann ging zur Türe des Kabinetts und faßte die Klinke. Aber in dem Augenblick fühlte er, als hätte etwas feilt Herz berührt und dieses zart und sanft znr Milde gewendet. —, Er blieb stehe::: „Du hast recht, Sali," sagte er, „soll er jetzt schlafen." — Und Gustav, als ein gehorsamer Sohn streckte behaglich seine Beine, dachte noch ein wenig an die Rcgimentskapelle und den schönen Pony und — schlief ein. An nächsten Morgen, als der kleine Sünder vor den Eltern erschien, begann der Vater mit ernstem Glicht: „Gusti! Ich wer dir jetzt sagen, was mit dir geschieht: Die Mutter ur:d ich — hm..." er räusperte sich; denn das ängstliche, hilflose Gesicht seines Jüngsten rührte ihr: ein wenig. „Die Mutter urid ich — hm..." Wer weiß; tvann Gustav sein Schicksal erfahren, hätte nicht die Mutter die Besorgen Sie sieh rechtzeitig für Pessach Hagadah entweder die Illustriert von Josef Budko Deutsche Uebersetzung durch Dr. Max Grunwald Hebräisch, Pappband Leinenband . . . . 8 3- . 8 3-90 Hebräisch-Deutsch, Pappbd. 8 3 90 Leinenband.. 8 4*80 oder die Hagadah mit Holzschnitten von Jacob Steinhardt, geschrieben von F. Baruch Pappband ...... 8 0 — Luxusband mit Originalholzschnitt, signiert und numeriert . . 8 30 — (statt S 54*-) Buchhandlung R, Löwit, Wien,!. Rotenturmstr. 22 iiihi An» de» Theatern. Burgtheater. Morgen, M8 Uhr, „2>a-dp Wimdet» meres Küche r". Akademietheater. Morgen, Uhr, „SHe sm a m a". Operntheater. Morgen, 7 Uhr, zu besonderen Preisen „Fidel: o" mit den Damen Lehmann, Schumann und den Herren Piccaver, Mayr,, Jerger, Markhoff, Maikl, Wernigh. Dirigent: Herr Schalk. Volksover. Morgen „Orpheus in der Unterw e l t" mit Gustl Werner a. G. Neue Wiener Bühne. Heute, rreueinstudrert, „Causa Ka:ser" mit Ludwig Stärk. Theater in der Josefstadt. Donnerstag, den 14. ds., neueinstudiert, „Die Gefangene" von Edouard B o u r d e t mit Helene T h i m i g und Lil D a g o v e r. Modernes Theater. Morgen, Mittwoch, einmalige Wiederholung von Frank Wedekinds Tragödie „Schloß Wetterstein". — Samstag „Fauteuil Nr. 47". Ein Autounsall des Tenors Kiepura. Aus Kattowitz wird gemeldet: Der bekannte Heldentenor Kiepura, der sich auf einer Reise nach Warschau befand, erlitt einer: Autounfall, bei dem Kiepura rmd sein Mitfahrer erhebliche Kopfverletzungen davontrugen. Das Grab des Dichters Frug ohne Grabstein. Eir: Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen jiddischen Dichters Frug teilte dem I. T. A.-Korrespondenten mit, daß das Grab des Dichters in Moskau noch immer ohne Grabstein sei. Auch das Grab des volkstümlichsten jüdischen Dichters Mendele Mocher Sforin: hätte, wie er mitteilt, noch keinen Grabstein. Antikes Theater in Syrakus. Am 20. April beginnen die diesjährigen klassischen Aufführungen in dem herrlich ge- S' enen, aus der Felsenmasse des Temenites herausgeaittener: griechischen Theater. In zwei aufeinanderfolgen- : Tagen werden vier Dramen zur Darstellung gelangen. Au: ersten die „Medea" und der „Zyklop" des Euripides und an: zweiten „Die Wolken" des Aristophanes und „Die Satyrn auf der Jagd", ein satirisches Drama des Sophokles. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Zionistische Jugendorganisation Prater. Heute, 8 Uhr abends, sehr wichtige Waadsitzung. Erscheinen Pflicht. — Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler. Donnerstag, 8 Uhr, im Klubzimmer des Restaurants Kuhfuß, Wien, 1. Bez., Naglergasse 1 (Graben), gemütliche Zusammenkunft. Von Cingeladenen eingeführte Gäste sind willkommen. Verband der jüd. Kriegsbeschädigten, Invaliden, Witwe« und Waisen, 2. Bez., Obere Donaustraße 65/4. Die Mazzothderterlung an bedürftige Mitglieder findet heute und morgen zwischen 4 bis 7 Uhr nachm, im Verbandslokal statt. Mitgliedskarte mitbringen. ÜHi Jüdische WahlenrenammBung Mittwoch, 13. April, 8 Uhr abends, Hotel Guth, IL, Hollandstraße Nr. 14 Redner: Bezirksrat Plaschkes Ing. Robert Stricker Die Versammlung beginnt um 8 Uhr abm»ds VERBAND JÜDISCHER KAUFLEUTE, INDUSTRIELLER U. GEWERBETREIBENDER IN WIEN, 11., REMBRANDTSTR.16 TEL, 45-8-34 K£INK,/9ifldUfVGr an alle jüd. Kaufleute, Industrielle, Gewerbetreibende, Handelsvertreter und Kommissionäre in Wien, zu der am Mittwoch, den 13. April, 8 Uhr abends im Zentralkeller, Wien, IL, Taborstr. 8 a, stattfitidend^- ■nMn££SM2aiS£MS£E£ESmSnna Tagesordnung: 1. Der Verzweiflungskampf. der Kaufleute, Industriellen, Gewerbetreibenden und Handelsvertreter. — II. Wiederbelebung der Volkswirtschaft. — 111. Stellungnahme der jüdischen Kaufleute, Industriellen, Gewerbetreibenden u. Handelsvertreter zu den bevorstehenden Wahlen. Referenten: A. M. Ehrlich, Präsident des Gremiums österr. Handelsvertreter, Reisender, Kaufleute und Kommissionäre; Oberbaurat Ing. Rob. Stricker; GR. Dr. Leopold Plaschkes. I Jüdische Kaufleute, Industrielle, Gewerbetreibende und Handelsvertreter 1 Erscheinet in Massen, um unsere Not und den Ruin des Kaufmannstandes kundzutun und unseren Mandataren unsere Forderungen darzulegen. MIHI irv t"i i‘i yi t*‘,i i—i immt Große jüdische Frauenvertammlimg Heute Dienstag, den 12. April 1927, 8 Uhr abends, im Cafe Palace, VI., Mariahilferstraße 99. Redner: Frau Erna Pattak, Dr. Otto Abeies, Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde, Es geht um die Zukunft eurer Kinder! Jüdische Frauen, erscheinet in Massen! i 77 87

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