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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-11 · Heft 2827 (11.1.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2827 (11.1.1927)
Date
1927-01-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2827 Wien. Dienstag Wieirre Msegr»ßettrr«s 11. Jänner 1927 Sette 6 tu SMgaag o» Sudapelin Snientmns. Wir tauten wiederholt in der Lage darauf hinzuweiftn, haß unter 1>eil ungaMndischen Juden, Mchtsächlich aber unter den Anden von BttSapest. Symptome bss Vir'al'ds vom Gesichtspunkte des Judentums zutage treten. Die Taufbewegung rttiftmt immer zu und nun liegt vor uns eine amtliche Statistik über die Mischehen in Budapest im Jahre 1926, die unsere Feststellung abermals besMst. Im Jahre 1925 haben 2015 jüdische Männer und 1951 jüdische Bräute die Ehe geschlossen. Die Zahl der eheschließenden jüdischen Männer übersteigt demnach diejeni-e der jüdische,t Bräute um 64. In Wirklichkeit jevvch wurden ittt genannten Jahre in Budapest bloß 1883 solche Ehe geschlossen, in denen beide Teile dem Judentum angehörten, während von den jüdischchristlichen Mischehen ln 968 Fällen der jüdische Bräutigam eine christliche Frau nahm und 298 jüdische Bräute sich mit Christen vermählten. Das bedeutet so viel, daß 630 oder ein Fünftel der jüdischen Eheparteieu im Berichtsjahre für das Judentum verloren gegangen ist. Das ergibt sich auch daraus, daß bei diesen jüdisch-christlichen Mischehen ein ehchakimäßiges Uebereinkommen bezüglich der Konzession der künftigen Kinder fast niemals uneingeschränkt zugunsten der jüdischen Konfession geschlossen wird. Hiezu konnnt noch, das; diese Statistik nur jene Fälle als jüdisch-christlich: Mischehen verzeichnet, in denen beide Parteien zur Zelt der EhMMßimg ihre ursprüngliche Religion bewchaltm hatten, lieberans groß jedoch ist die Zahl auch solcher Mischehen, in denen der jüdische Teil unmittelbar vor der Eheschließung aus dem JudcntttNl aiistritt und die Religion des chrsitttcheü Ehrteils anninunt. Ministerialrat Nana reattiviert. Auv Budapest wird uns berichtet, Das Amtsblatt veröffentlicht die Reaktivierung des Ministerialrates Doktor S i g m u,t d Rvtta und feilte gleichzeitige Ernennung zum wirklichen Direktor des staatlichen Instituts für Meteorologie und Erdmagnetismus. Dr. Rona, der heute 67 Jahre alt isthat das Meteorologische Institut schon früher viele Jahre geleitet und gilt auch im Anslande als einer der aueckauiktesteu Gelehrter, auf feinem Fach? gebiet. Er ist der Verfasser zahlreicher fachwissenschaftlicher Arbeiten, die in verschiedene europäische Sprachen übersetzt wurden, urck Mitarbeiter fast sämtlicher bekannten Fachzeitschriften seines Wissensgebietes. Doktor. Rona stanunt aus der Slowakei und ist Jude. Er hat wiederholt die Zumutung, durch Taufe seine Karriere zu verbessern ober zu beschleunigen, mit Entrüstung znrückgewicsen. Kongreb der jüdischen gugendvereine in gugoslaw.en. Wie uns aus O s i j e k berichtet wird, fand am 2b. und 26. Dezember 1926 itt Viukovei der Kongreß dos Landesverbandes der jüdischen Jugendvereine statt. Der Borsitzende, .Herr Moses Schweiger, betonte das Bestreben des Verbandes, im Sinne der zionistischen Idee die Einheit des Verbandes der Jugendvereine zu erhalten. Eitlen großen Raum der Erörterungen nahm die Besprechung des Austrittes des sephardischen Studentenklubs in Zagreb „Espe-- ranza" und die Frage der Mitarbeit der Achduth Hazoftm im Verbände ein. Den Tätigkeitsbericht erstattete der Verbandssekretär Joses Rosenberg, während Herr Dr. Zwt RothmÜller über die Aufgaben und Arbeitsmethoden des Verbandes referierte. Die hierauf angenommenen Resolutionen regeln hie Mitarbeit der Achduth Hazosim Hit Verbände und stellt den zionistischen Standpunkt der Jugendorganisation fest, wobei ausdrücklich betont wird, vast die Erhaltung der Einheitlichkeit des Verbandes angestrebt werden müsse. Bü der zum Schlüsse durchgeführtm Wahl wurden gelvählt: zum Präsidenten des Landesverbandes Ing. Otto Rechnrtzer, zu Vizepräsidenten die Herreir Moses Schweiger (Zagreb) und Zivko Salvm> (Belgrad). im «ndenkeu an Mevaffe den Israel. Eine Ausstellung alter hebräischer Drucke m Amsterdam. In diesen Tagen sind es 300 Jahre geworden, seitdem in Amsterdam das erste hebräische Buch von der Druckerei des bekannten jüdischen Gelehrten, Politikers und Rabbiners der sephardischen Gemeinde, Menasse Ben Israel, hergestellt worden ist. Aus diesem Anlaß wurde eine Ausstellung alter hebräischer Drucke arrangiert. Prof. Palache von der Amsterdamer Universität, der Sohn des verstorbene»r Chacham von Amsterdam, eröffnete die Ausstellung mit einer feierlichen Ansprache, worauf der Bibliothekar des Rabbinerseminars, Herr I. S. da Silva Rosen, über Menasse Ben Israel sprach. Er sagte, er wolle heute nicht vom Gelehrten sprechen, auch nicht von dem Politiker, der sich bei Cromwell dafür verwendete, daß man die vertriebenen Juden wieder nach England einlasse. Er wolle, mit von dem Drucker Menasse Ben Israel sprechen, der von 1626 bis 1656 hie erste hebräische Druckerei in Amsterdam leitete und sich ein unvergängliches Verdienst um das jüdische Schrifttum erwarb. In der Ausstellung find 66 zum Teil sehr seltene hebräische Drucke von Menasse Ben Israel zu sehen. g»r Lage der gadea in Rußland. Dw Konferenz der jüdischen Sektion der kommunistischM Partei Rußlands (Jewstkzia) wurde in Moskau beendet. Die Berichterstatter der Zentralbureaus der einzelnen Läm der stellten festdaß die Lage in der Provinz einen Optt-- mismus des Hauptreserentcn Tschemeriski nicht rechsiertlge. Der Delegierte von Dorpat (Pskow) wies darauf hin, daß die lokalen Behörden oft den Bildungsvestrebungen der jüdischen Sektionen, wie der Eröffnung von Lesestuben nsw., Widerstand entgegensetzen. In bat entlegenen Orten sind di: Verhältnisse sogar röcht unangenehm. Der Redner teilte mit, daß die Zahl der religiösen Jeschiwoth von zu Tag wächst. Die Jugend der kleinen Städte besuchte div Jeschiwoth, wo sie materiell unterstützt wird. Unter der kleine städiischett Jttgerrd ist d t c Arbeitslvsi'gkeit groß. Das treue Gesotz, lvelches das Wahlrecht der Haudtverkeö und Heimarbeiter, die sich fremder Arbeitskraft bedienen, ein^ schränkt, wird die Arbeitslosigkeit vergrößern, da die Handtverker keine Lehrlinge mtsnehmen, tttn. eben nicht das Wahlrecht zu verlieren. In seinem Referat über die Lage in Weißrußland teilte / ec Sekretär der Jewsekzia in Weißrußland, B e i l i n, ausführliche statistische Daten über die Position der Juden in Weißrußland mit, und kanl daun auch aüf den Zionismus zu sprechet. Bor einigen JahreN noch, sagte er, waren die Zionisten itt den Städten gut organisiert und sie bildeten eine Macht. Heute sind die Poüle Ziott die Einzigen,, uni die sich alle kleinbürgerlichen und ko nt er revolutionären Elemente gruppieren. Auch der .Klerikalismus" breite sich in Weißrußland ans. Durch Wohltätigkeitscmstaltett wird die jiidische Masse an die religiösen Einrichtungen gefesselt. Um diesen Einfluß aüznschwcickM, anpfahl Berlin die. Gründung von Komitees für gegenseitige Hilfe. Ne hrbrüische UnIversttSt. «ur Rewtzork meldet I. T. Das Komitee für den United Palestine Appeal uttd das Komitee für die hebräische Universität gaben zu Ehren des hier zur Unterstützung der.zionistischen,-Aktion weilenden Gelehrten Prof. Dr. Selig Brodetzky von der Jerusalemer hebräischen Universität einen Empfang im Hotel Waldorf-Astoria. Richter Julian W. Mack führte aüS, Professor Brodetzky, der an der hebräischen Universität über höhere Mathematik und Dynamik liest, habe den Beweis erbracht, daß die hebräische Sprache eine gute Mittlerin auch für die schwierigen technischem Fächler sei. . Dr. Weizman n schilderte die Verdienste Prof. Brodchkys unt die Ausgestaltung der hebräischen Universität und hob dabei den Charakter dev Universitätals eines Forschungsinstituts hervor. Es ist besser, sagte er, wir schaffen eine wenn auch in bescheidenon Grenzen gehaltene, aber originale jüdische Institution, als daß wir das Bestreben zeigten, eine dürftige Kopie der Harvard-Universität oder ähnlicher Anstalten zu schaffen. Prof. Brodetzky bezog sich auf die Feststellungen Doktor Pritchetts vom Carrtegie-Friedsnsittstitut hinsichtlich der Tauglichkeit der hebräischen Sprache im wissenschaftlichen Unterricht und öezMriete Pritchetts Meinung als vollkommen falsch. Er schloß: „So wie der alte Tempel zu Jerusalem als ein Haus des Gebets für alle Nationen gedacht wurde, so wird die hebräische Universität — weit entfernt davon, eine national-chauvinistische Jnstitution zu sein — eine. Akademie darstellen, die den Juden und den Völkern der ganzen Welt die Menschheitsidce symbolisieren wird. ALTERTUMund HEUZEIT JOSEPHUS FLAV1US U. SVEN HEPIN BEACHTEN SIE unser heutiges Inserat betreffend unsere Prämlenaktion! Neue Bnei Brith-Logen in DvutWand. Die neueste Loge des Ordens Bnei Brith in Deutschland ist in Landau in der Pfalz unter dent Namen „Elias Grünebanm-Loge" eröffnet worden. Elias Grünebaum halte über fünf Jahrzehnte in Landau das Amt ecnes Rabbiners inne. Er publizierte: „Die Sittenlehre des Judentums anderen Bekenntnissen gegenüber". — In Berlin ist die Gründung einer „Julius Fenchel- Loge" des Ordens Bnei Brith in Vorbereitung. Julius Fenchel war im Orden Bnei Brith in Deutschland der erste Grosrpräfldent. Der grosse x jüdische Erzähler ch des Ghetto fühlt ans f mH mächtigen Schflderangett jüdischen Lebens u. Leidens^ glirtuna leidvollen Bt/detn der jüdischen Öeschtchte in das ostentopätsche Ghetto, in das riesige Judenvtertet von New-York und in die vielen Stationen der jüdischen wC Wanderung nt seinen ergreifenden Romanen; H A L Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kartillen Ein Glaubemmartyrlum Mottke, der Dieb Onkel Notar 0 M Prets pro Band broschiert. . . .. . .55.- Ganzleinen ...... SS.— Buchhandlung und Verlag Re LÖWIT, WIEN, l Rotenturmstraße 22 Fleischmar#kt 1 ASCH Gerichtssml. Manliches von ver Srazer Genoffenschaltsvant. Glue MilliarSenschavenetsatzklage gegen den ehemmigetr Minister Kraft. Die im Konkurse befindliche G e n o s s e n s ch a f t s - bank A.--G. in Graz brachte beim Zivillandesgericht.gegen ihren ehemaligen Präsenten, den Minister a. D. Emil Kraft, eine Klage auf 1.400,000.000 Kronen ein. Dieses Schädsnersatzbegehren wird damit begründet, daß dem Generaldirektor mehrerer industrieller Unternehmungen Josef Sparowitz von der Genossenschaftsbank, bei der er nur ein Guthabert von 14,000 Schilling besaß, ungedeckte Beträge, die dieses Guthaben um ein Vielfaches überstiegen, ausbezahlt worden seien. Insgesamt habe § p irowitz 139.765 Schilling erhalten, zn deren Ersatz der Beklagte verpflichtet fei, »veil er als Präsident der Genossenschaftsbank die Auszahlung des Darlehens an Sparowitz befürwortet habe. Die klagende Bank behielt sich die Ausdehnung der Klage auch auf. die übrigen Bankfunktionäre vor. Der Veklagtenvertreter erwiderte, Minister a. D. Kraft, der die Stelle eines Verwaltungsrates und des Präsidenten der Genossenschaftsbank nur als Ehrenämter führe und aus seinem eißenett Vermögen Hunderte von Millionen zur Stützung der Bank geopfert habe, durste Hans Sparowitz als kreditwürdig halten, da er zur Zeit der Aufnahme der Gelder Generaldirektor und Einzelprokurist der Kohlengroßhandlung Hans Bauer in Wien und der Firma S. u. M. K r o h n itt Wietr und Graz, Aüssichisrat der Westösterreichischen Kohlenhandels-Gesellschaft usw. war, bei welchen Firmen der Wutte-Konzern beteiligt war. Später sei Sparowitz aus Verlangen des Herrn Dr. Wutte seiner Stellen in allen diesen Firmen enthoben worden und stehe jetzt im Ausgleichsverfahren. Der Beklagte bestritt, jemals den Auftrag ge-. geben zu haben, Sparowitz ungedeckte Darlehen zn gewähren. Die Kreditansuchen seien durch eine Verwaltungsratssitzung bewilligt worden. Zur Durchführung des Bcweisversahrens wurde die Verhandlung vertagt. Keine Unterschrift für Juden. In der Gemeinde D ev avanha herrscht zwischen dem Gemeindenotar Bela Cfall ad y und dem Richter Ladislaus Szilagyi seit Jahren erbitterte Gegnerschaft. Die Zeugnisse und Verträge, die vont Notar ausgesetzt wurden, sollten auch vom Gemeinderkchter unterfertigt werden, doch verweigerte dieser in vielen Fällen die Unterschrift. Der Gemeindenotar tvollte auch bemerkt haben, daß die Weigerung des Gemeinderichters sich lediglich aus solche Urkunden bezogen habe, die Juden bestellt hatten. Deshalb beschwerte sich der Notar int Mai 1924 zu wiederholten Malen vor ntehreren Personen in dem Sitme, daß der Richter f ü r I u d e n nichts unterfchreiben wolle. Wegen dieser Aeußerung wurde gegen Csanadh das Strafverfahren wegen Verleumdung eines b e h v r d l i ch e n Organs erhobetr. Der Szolnoker Gerichtshof verurteilte den Angeklagten — mit Bewährungsfrist — zu einer Geldstrafe Volk 1,200.090 Kronen. Dre f. Tafel bestätigte das Urteil.

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