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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-14 · Heft 1320 (14.10.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1320 (14.10.1922)
Date
1922-10-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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jl£ 1Ü20 ' »iw, Sttwitaa Rle jüdische« Kavdidate« -er p»ln\»; scheu sozialdemokratischen Partei. / WarschiM, 1L. Oktober. W Die polnische ßsziapstische'.'.Pacher,'P. P. S.,stellt'/ äußer/ ihren.'drei jüdischen bisherigen Deputierten D. P e r l, D. Diamant und Dr. Liber mann noch folgende zwei neue jüdische Kandidaten auf ihre Liste: Advokat StänislavPausner aus Warschau und Advokat Raphael Bub er, ein Enkel des bekannten jüdischen Gelehrten Salomon Buber, aus Lemberg. Die Wiener Konferenzen der Völkerbunddelegierten. Genf, 13. Oktober. Die Delegierten des Finanzkomitees des Völkerbundes Jansen (Belgien), A v e n o l (Frank, reich), Ferraris (Italien) und Dr. Pospischil (Tschecho-Slowakei) werden am 19. Oktober in Wien zusammenkommen,' um die Ausarbeitung des Finanzreform- Planes zu besprechen, der die Grundlage der Hilfsaktion des Völkerbundes bildet. Balachomitsch als Kandidat. Warschau, 12. Oktober. (I. C. B.) Aus Bavanowitschi ^oird gemeldet, daß dort der bekannte weißrussische Bandenfühver Bulak Balachowitsch, der in den Pogromen in Weißrußland eine so große Rolle gespielt hat, in einer öffentlichen Wahlversammlung als Redner aufgetreten ist und die Weißrussen ausgefordert hat, aus dem Minderheitenblock, den er als „deutsch-jüdischen Block" bezeichnet, auszutreten. Aus Wolhynien kommt die Meldung, daß der Ataman Osbilko eine scharfe Kampagne unter den Ukrainern gegen den Minderheitenblock führt, Rücktritt der Finaazmiaisterr bevarftrhend? Warschau, 12. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In maßgebenden finanziellen und Regierungs- Kreisen ist das Gerücht verbreitet, daß Premier Nowak mit der Finanzpolitik des jetzigen Finanzministers I a st r z e m b s k i unzufrieden sei, da diese Finanzpolitik geeignet wäre, die Existenz des Kabinetts zu bedrohen. Aus diesem Grunde gedenke er, das Finanzportefeuille einen: anderen Minister zu übergeben. Wie verlautet, soll bereits der Prernier Verhandlungen mit bekannten Finanz- Persönlichkeiten eingeleitet haben. Zugleich mit dem Finanzminister Jästrzemb ski soll auch der Depavte- Nentsdirektor des Finanzministeriums Fa jaus dewflionieren. EkirmüUt — Gesandter irr London. Aus Warschau wird den „Polnischen Stimmen" telegraphiert: Wie in gut informierten politischen Kreisen verlautet, wird der bisherige polnische Gesandte in London Madislav W r o b l e w s k i' zum Gesandten in Washington ernannt werden. Zu seinem Nachfolger auf dem Londoner Gesandtenposten ist der ehemalige Minister des Aeußern Konstantin S k i r m u n t auserschen. wer Streit mit Litauerr. Warschau, 12. Oktober. (Tschecho-slow. PveßbuveaU.) Wie die Blätter berichten, hat die Delegation des Völkerbundes, die in Wilna und Kowno zum Studium der Frage der. Aufhebung der neutralen Zone zwischen Polen und Litauen geweilt hatte, ihre Arbeiten beendet und reist nach Gens zurück. Die' neutrale Zone soll demnächst aufgehoben und die endgültige polnisch-litauische Grenze abgasteckt werden/ '/ Verfolgung hebräischer Volksschule«. ‘ Warschau, 12. Oktober. (Tel. der „Wr. MorOnzeiümg".) Mit Beginn des Schuljahres halben einzelne Schulkuratorien «me systematische Kampagne gegen die Eröffnung der hebräischen BoWsschu^n begannen. Insbesondere werden die hebräischen Schulen vom Schulkuratorium für P o- } e s ie n und Wolhynien verfolgt. Die Kuratorien haben allein in Wolhynien bisher von den bestehenden 41 hebräischen Volksschulen nur «ine bewilligt. Die untersagten Schulen konnten begreiflicherweise den Schulunterricht.'nicht aüsirehmen und die Bchövdest haben bereits mit' der R e q u i r i e.r u n g der Schullotalitäten begonnen. In P r u s z a n y hat die' Schulvertvaltmrg das Schullokal der hebräischen Schäle, in dem sich auch eine Abteilung der im vorigen Jahrelegalisierten hebräischen KuAurgesellschast „Tavbuth" befindet, requiriert. ÄehMche Requisitionen wurde:» auch in anderen Städten durchgeführt und die Lo- ■fiiltiateit zumeist den polnischen Schulen übergeben. Obzwar die meisten Schrillen bereits seit dein Jahre 1916 den Schulbetrieb aus:echterhalten, tverden sie von den Schulmspektorateu mit der Begründung gesperrt, daß in den Schellen n u r d ie polnische Unterrichtssprache zugelassen werden könne. Die Leitung der Tavbuth hat bereits Schritte eingeleiiet, um diese Maßlulihmen, die die Existenz des hebräischen Schulwcrkes. ernstlich bedrohen, abzustellen. . Konferenz christlicher tza»»««rkerorganisntionen. Warschau, 12. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Scu gestern tagt hier eine Korfferenz der christlichen Hairdwerkerovgamsaticmen, die eimn ausgesprochen antisemitischen Charakter trägt. Mg. Grabski hat in seine".: Referat darauf hiWvwiesen, daß es notig , sei, die Aufmei'lsamteit der Regierungskveise auf die Entwicklung des .paudwevterstaudes u:td >der Klemindustrie zu lenken, un: >da§^ polnische wirtschaftliche Loben zu nationalisieren. Der bekannte Antisemit Ilski und Abg. R u d n i c k r, ein Führer der Rozwoj-Ovganisation, forderten die Konstrenz auf, im Sinne der Rozwoj-Prinzipien gegen die Berijsiduug des Wirtschaftslebens in Polen aufzutreten. Kredite «« die Großindustrie. Warschau, 12. Oktober. (Tschecho-slow. Pveßsbureau.) Wie die Blätter nrelden, hat das Handelsministerium beschlossen. in der nächsten Zeit für die Großindustrie zum Zwecke der Belebung der Produktion und Hiutanhaltmrg der Arbeitslosigkeit große Kredite zu gewähren. R««3«ien. Oer ungarische Attentatsplan. Bttkarefl, 11. Oktober. (Tel. der „Wr. Dtovgenzsitung".) Ueber die Untersuchung gegen die Personen, welche beschuldigt find, ein Attentat auf die rumänische Koni gsfamilie geplant zu haben, liegen jetzt von ru-müinischer Srite folgende Angaben vor: Der königliche Kommissär Hauptmann H o t i p e a n u, der die Untersuchung führt, veröffentlichte einen . Bericht, wonach die sieben verhafteten Ungarn schon beim ersten Verhör das Geständnis des Inhaltes gemacht haben sollen, sie seien nach Rumänien gekommen, unr auf Weisung des Obersten Pronah und des Oberleutnants H e j j a s ' nach dem Plane des Sander Turoczydas Attentat, auszufähven. Die Namen der Attentäter wurden bisher geheimgshäliten, sind aber durch Hauptmann Hotipeanu nunmehr bekauntgegeben -worden. Eö sind dies Jstvan Turoczy, Generalsekretär der uiegarischen Eisenbahnen, Lajos P a l a g y i, Ignaz BagaS, Bela Lenghel, Karlo Beleniezky, Kerfe c k h und B e r i e s e h, der den Spitznamen „Graf Ficquelmont de- Belmout" führt. Ueber die Affäre hat die Regierung folgende Mitteilung veröffentlicht: „Die ungarische Presse will seit einiger Zeit die Wett gjwuben rnachen, der. kürzlich entdeckte Pwn eines Attentats gegen die rumänische Königsfamilie wäre eine Erfindung des Ministerinnrs für öffentliche Sicherheit. Für den Augenblick beschränken wir uns auf die Mitteilung, daß das in Rede stehende Attentat ein Werk des zur Genüge bekannten Vereins der „Erwachenden Magyaren" ist und die angesammetten Beweise ein Helles Licht aus das ausstrählen, was sich gegenwärtig in Ungarn absvielt. Budapest wich nichts verlieren, wenn es das Ende der Untersuchung astwartet." Lttauea. Die W«hlbewegrmg. Kowno, 12. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung"). Die Wcehlbewogung zur Taryba (Parlament) hät bereits begonnen. Bis nun wurden 19 Listen eingereicht, darunter drei jüdische (Zionssten, Demokraten und Orthodoxe). Von den anderen Minoritäten haben nur die Polen zwei und die Rassen eine Liste eingereicht. Die Deutschen gedenken am Wahlkampf nicht teilzunehmenn. Im letzten Moment ist es gelungen, eine Wahlkoalition sämtlicher jüdischer Parteien zustande zu bringen. Auf Grund dieses Blocks wurden die bereits eingereichten Listen zurückgezogen und von sämtlichen jüdischen Parteien eine einheitliche Kandidatenliste ausgestellt. Bor kurzem wurden hier die Ergebnisse der letzten Volkszählung veröffentlicht. Demnach befinden sich in Litauen 2,293.108 Einwohner. Hiervon entfallen auf die Lttauer 1,638.789, aus die Juden 228.474 Seelen. Wiedrrarrsban jüdischer Landwirte. Kowno, 12. Oktober. (Teil, der „Wr. MoMnzeitung".) Der Jüdische Nationalrat ist an den Wiederaufbau der. jüdischen Landwirte hevaugetreten. Das Wiederaufbaudrpartement hat bereits sämtliche jüdische Landwirte, die Anleihen auf Einkauf von Maschinen und Inventar benötigen, mrfgefordert, sich an. die jüdische Bolksbank zu loenden, wo sie für 30 Monate -befristete Anleihen erhalten. Noch &ef«e E«tscheidu«g Met das Mr«rstetwm. Kowno, 10. Oktober. In her letzten Sitzung der litauischen Lonstituierenden Nationalversammlung sind die jüngst von der Tagesordnung abgefetzten Fragen wegen des jMschen Mmislermms und des Mischen Lohrevsominars wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden. Da jedvch 'die Referenten nicht erschienen waren, wurden beide '.Gegenstände wieder von der Tagesordnung abgesetzt umd werden somit erst vor dem kommenden regulären litauischest Sejm — also erst m ettva drei Monaten — zur VevhaMnng gelangen. / In i'tt gleichen Sitzung wurde das Gesetzesprojekt über die Geholter der Geistlichen verhandelt. Die Berbesserüngsantväge des Mischen Deputierten Rosenbamn mit BMg auf die Festsetzung der MMnevgchäfte-r wurde a n genommen. - infolge vorgeschrittener Saison zu 11 ef re dozierten Preisen 11. Oktober 1912 «ritt | .. " - --. -. -.-. 4 ' 1t«g*«tt. tzorthy« Henkersyfte«. Budapest, 13. Oktober. Das oberste Honvedgericht hat die Nichtigkeitsbeschwerde des wogen Spionage zuglnrsten der Tschecho-Slowakei zum Tode verurteilten Handlungsgehilfen Ladislaus Bognar abgewiesen. Da auch, fern, Gnadengesuch abgelehni worden ist, wird das Todesurteils morgen früh dollstreckt werden. — Es ist klar, daß Bognar Lockspitzeln in die Hände fiel, die ihn dann der Horchyschen Schandjustiz auSUeserten. - . Rundschau. Zioniste« nttft Fasziste«. Rom, 10. Oktober. (I. C. B.) Die zionistische Föderation Italiens hat als Antwort auf die mttiziomstische .faszistische Erklämug ihrerseits eine Erklärung veröffentlicht, . in welcher gesagt wird, der Zionismus stelle die italienischen Juden mit Bezug auf ihre Staatsbürgerschaft vor gar kein Dilemma, da die doppelte Staatsbürgerschaft nicht zu-, gelassen wird und ebenso wie die italienischen Enrigranten in Amerika amerikanische Bürger werden, auch der Uebertritt eines italienischen Juden in die palästinensische Staatszugchörigkeit nicht beanständet werden darf. Audeversetts ist es falsch, die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina als englische Angelegenheit zu betrachten, da die jüdische Heimstätte vom Völkerbund, dessen Mitglied ja auch Italien ist, einstimmig beschlossen wurde. Regierungswechsel i» ZtMeu. Mailand, 13. Oktober. (Tel.-Komp.) Der italienische- Minister des Aeußeru Schauger erklärte in einer- Unterveidung mit dem Vertreter der Brüsseler Zeitung „Soir", daß eine Umgestaltung des Kabinetts Facta sowie eine Rückkehr Giolittis>an die Spitze der Regierung nicht ausgeschlosstn sei. Die Vornahme von. Neuwahlen im Winter sei nicht möglich. D^e Politik der Faszisten sei konservativer gelvorden und der Verfassungstvme Teil der Partei werde in nächster Zukunft auch aus ihren Führern Staatsmanns machen. England und MesopotaWieu. London, 12. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) England hat mit dem König Faisul von Mesopotamien einen Bündnis v.e r t r a g abgeschlossen. Dieser Vertrag gibt Großbritannien auf 20 Jahre die Ueberwachung der Finanzen und der aus wartig e n P o l i t i! des I rakst a a t e s. England verpflichtet sich, die Regierung des Jrcckstaates in jeder Weise zu unterstützen. Ausländer dürfen nicht Beamte werden, wenn sie nicht britische Staatsangehörige. sind.' Der Vertrag legt den Grundsatz der offenen Tür fest. Alle Ausländer ohne Unterschied der Nationalität genießen gleiches Recht und gleiche Bedingungen für den Handel. Das britischeMandat über Irak hört an dem Tage auf an dem dieser Staat in den Völkerbund ausgenommen wird Wahle« in Lettland Riga, 11. Oktober. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".. In den am 7. und 8. d. stattgefmtdenen Palamentswahlen wurden nn Wahlbezirk Riga drei Juden gewählt. Von den übrigen Minoritäten haben die Deutschen drei Mandate erlangt Die Wahlergebnisse aus den übrigen Wahlbezirken sind noch nicht bekannt. Die Räumung Thrazien-. London, 13. Oktober. (Reuter.) Nach Meldungen aus Kovstantruopel haben die Oberkommissärs upd^die Generäle der Alliierten heute über die Räunrung ThrazienZKbevaten. Je drei englische und französische BataMotte sowie ein italienisches Bataillon sollen nach Thrazien abgehen, um der Rückzug der Griechen zu überwachen. , «i» j»g»sl«r»rsch-itaNe«rsch«» Utfte* riukomme«. Belgrad, 13. Oktober. „Politika" berichtet, daß gestern zwischen Jugoslawien und Italien ein definitives Ueber- ' oinkommen in allen Fragen bezüglich A u s f ü h r u n g des Vertrages von Rapallo erzielt wurde. Das Ueberemkommen Witt» sofort nach der Rückkehr des italienischen Ministers des Aeußern nach Rom unterzeichnet werden, __ Tagesbericht. Unveränderter Brvtpreia. Me wir aus den Kreisen der Bäckergenossenschaft er. fahren, bleiben nach den Ergebnissen der Pveisevstellung füi die kommende Woche die Brot- und Gebäckspreise unverändert Ausheh«ng -er LebessMittelzüschSsie. Beschluß des Finanz- und BndgetausschusfeS. In der gestrigen Sitzung des Finanz- und Budgetausschusses beantragten die Sozialdemokraten, das Gesetz über den Abbau der Lebe ns mittelzufchüsse, b. h. also den bisherigen Zustande bis zum 30^ Nopsmber zu v e rlängern. Es kam zu einer scharfen TWeinastdersetzmrg II., TaborstraBe 48 Telephon 47-1-70 Ei» gros £n detail

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