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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-19 · Heft 1276 (19.8.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1276 (19.8.1922)
Date
1922-08-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Rr. 1276 M.eu, 'Offntöfdg •ÄliWäf.' MoMeKzErms. ttnd wagt auch rncht, auf die Preistabelle mit ganz erttxMchttt/ Preisenhinznweifen. Täte man es, es 'würde' einem baw genug bedeutet, daß . (erstens die Tabelle nur/ für die Wack^ dg ist und das Prchlikmn Nichts aitgdjt/Öaft aber zweitens ja nur jene Leute Fleisch zu kaufen brauchen, denen es „auf! die paar Nötsch" nicht apkoumrt. Sa man sich aber, wie> gesagt, vor dieser Szene fürchtet, zahlt-man eilig, was- Verlangt wird, und, trabt mit dem schlechtesten Gewissen davon.. Um dieses Gewissen zu - beruhigen, , beschließt nwm/: das Birnenkompott von dem Speisezetteil zu streichen- und „billige" - Kartoffel statt dessen zu kaufen. Auch hier ist die Verdoppelung nicht genügend, - a.us dem ' Armeleut-Essen ist ein . Luxusgemüse geworden.' Der Zucker kostet das Vierfache, Märgatine, stolz „Butter" " genannt, das Dreifache des. letzten Preises, und Obst wird um sg teurer, -je weiter dör SomMr vorschreitet. Großmütig zieht die Kräutlerin unter oem Ladentisch ein Ei: hervor und verkauft es .einem- „weil Sie's sind", um 520 Kronen. Sonst ist sie fest entschlossen, mit dem Verlauf einzuhalten, bis mindestens die 1000er Grenze erreicht ist. Und es dauert gar nicht lange, da. hat' man be-' griffen, daß die Preise von Mitte Juli mit vier zu nullt i«. plizieren sind. -Mer lange, - ehe die Hausfrau darin die notwendige Rebung erlaM hat, sind die zwei Elefanten verschwunden, haben sich in ein paar kleine Päckchen,-ein Stückchen Fleisch,, ein bißchen- Gemüse, umgewandelt — gerade genug, um einen Tag lang den Hunger abzutvehren. Mit schwindelndem'Kopfe schleicht man müde Heimwärts. Das Pflaster-schmerzt den Fuß, der Weiche Waldpfade geschritten, die Lust ist dick und stauberfiillt, aus den offenen Fenstern dringt ohrenbetäubender Lärm und mischt sich mit dem Gerassel der Lastwagen, mit dem Tuten der Autohupen, dem Klingeln der Straßenbahn. Kein frohes Gesicht ist zu sehen, mürrisch, sorgenvoll, schlecht verhehlten Haß'und P-eid im Gesicht, schleichen die Fußgänger dahin, und die lässig im Auto Zurückgelehntenblicken starr vor sich hin, als fürchteten sie sich vor einer Gefahr, .die da von den Sorgenvollen h-rvorspringen könnte. Eine mürrisch aussehende ältere Frau sagt zu einem Mädchen: „Der Doktor ist auch wieder da — ich habe vorgestern Kopfschmerzen gehabt. Wir gehen heute hin." Auf einen leisen Einwand: Ach was — er hat lange genug gefaulenzt. Er soll mich nur untersuchen. Dafür wird er gezahlt, er ist ja Kassenarzt. Ich habe mir keine Sommerfrische leisten können.. " Und hämisch lacht sie vor sich hm. „Der Jutz.soll's nur spüren, wie das,Arbeiten im Sommer tut." Zu Hause ist-das Telephon, wie es sich gebührt, „gestört", die Glocke läutet nicht, weis das Element gefüllt werden muß. und das teure Salmiak-' Pulver sich als schöne Illusion erweist, jede Reparatur wird vom respektiven .Handwerker yA der Begründung abgelehnt, daß sie „nicht.dafür stehtt^und mau doch lieber gleich ein neues Stück kaufen sollte, überdies muß man selbstverständlich den Schuster, Schlosser, Tischler, Installateur oder Hafner bei jeder Arbeit dreimal besuchen, muß parlamentieren, zureden, diplomatische Kunststücke anwenden und mutz sich von jeder Gattin der ehrsamen Meffter erzählen lassen, daß sie wirklich zu arbeiten haben, im Gegensatz zur „gnädigen Frau", die ja natürlich' immer Zeit hat und ihren Tag damit verbringt, Romane zu lesen und sich zu Putzen. Und bei jedem {eifert Protest gegen eine Geldforderung sagt der Herr Meister höhnisch: Darauf wird's doch nicht ankommen — wenn man sich eine Sommerreise leisten kann. Es ist ganz gleichgültig, ob man die Erholung so notwendig gehabt hat wie Essen Und Trinken, ganz gleichgültig, ob man im Luxushotel oder im sehr, sehr, bescheidenen Erholungsheim für geistige Arbeiter gehaust hat, dem Neid, der Mißgunst, der Dummheit ist alles gleichgültig. Sie sieht eine Möglichkeit, einen Stich zu versetzen, und sie sticht. Nein, Wien ist nicht schöner geworden in den letzten drei Wochen.. . ' K. M. . Wie Alaska an Amerika kam. / Dias Berdleirst Louis GöldsteittQ Aus Nftiw-Nork wrvd uns berichtet: Den amerikanischen .SeMtt beschäftigt gegenwärtig ein,interessanter An-' trag >Hes. WM-rMWnätS' von Middleton, in Welchem der Wunsch ausgesprochen wich, das Andenken des Louis Goldstern in einer seinen Verdiensten 'entsprechenden und dem demokratischen Geiste der amerikanischen Republik würdigen Weise zu verewigen. Zur Begründung dieses Antrages wird davaitf hingewiesen, daß Louis Goldstern zu jenen Personen ^gehöre, die am meisten für die Bereicherung der Vereinigten. Staaten getan habe. Louis Goldstern hat für Amerika den Staät Alaska erworben, und ihm ist es zu danken, daß dieses überaus reiche Gebiet im Jahre 1807 iu den Besitz' der Union gelangt ist. Dieser Antrag des Middletoner' Universitätssenats hat in Washington nicht geringe Verlegenheit bereitet, denn ein großer Dell der Senatoren hat sich nicht leicht dazu auffchwingeri können, dem Juden Louis GMsteiü einest sMrtz :m Pantheon Amerikas zuAubrlligen. Da nun hftunal der Antrag von so geachteter Seitedorlag, mußte er in BehaMung gezogen lverden und 'die Historiker stmrden mobilisiert, nm die ©$* schichte ^dieser interessanten LanderwevbUng und die Rolle Louis Goldsteins hierbei tlarzusdHen. Uebechies wurde der einzige noch, lobende. Zeuge jemr Eveignisie, der heute . hundertjährige' Exsenator CorneliusCool aus Kalifornien, nach Washington /gebetenum vor der in dieser Angelegenheit eingesetztest. SenatSkommffston ein- Gutachten abzugeben. Cornelius Cool ist einer der angesehensten Politiker der älteitz amerikanischen Schule. In den Sechzigerjahren gehörte er zu den vertrautesterr.-Ratgebern des Senats-. ^ekretärö Syward und zu den intimsten. Freunden A b ria h a m L y n c o l n s. Er befand sich auch au. jenem Tage, au welchem Lyncoln dem Attentat Boots zum Opfer' siel, als Gast des Märtyrers im Weißen Hause. Eornelins Cool lebt seit Jahrzehnten in Kalifornien und verließ jetzt feit vielen Iahten zum ersten, Male wieder, fein Gut, . unt bet Einladung nach Washington Folge zu leisten und auf diese Weise' einen' Akt der Gerechtigkeit gegen den; mdffchen Wohltäter Amerikas Louis Goldsteins herbeiführen zu helfen. l ' ' ' , ‘ / , , Ein Korrespondent der NewH'örker „Tünes" hatte eine Unterrodring mit dem greisen Exsenatör'Wo die-Geschichte der Erwerbung des Staates Alaska durchhie Vereinigten Staaten, Herr Cool sagte ihm: „Es ist eine unleugbare Tatsache, daß wir Alaska Louis Gol d st e i n zu dankest habest. Er war der erste, der die Aufmerksamkeit Amerikas aus Alaska richtete, indem er Berichte über den Unerhörten, noch gar nicht ausgebeuteten Reichtum dieses Edelfellnmrktes erstattete. Aber auch der Gedanke der Erwerbung und des Ankaufes dieses Gebietes stammt von ihm. Louis Gold stein beschäftigte sich mit Fellhandel und.reiste anfangs der sechziger Jahre wiederholt von Kalifornien nach Alaska. Dort , fand er echte russische .W i rtschäf t vor. Der russische Staat - überließ den ganzen Fellhandel einer Privaffirma, die jedoch diese Konzessioit in der denkbar schlechtesten Weise verwertete. Als Goldstein wieder-einmal aus Alaska nach Kalifornien zurückkehrte, begann er eine großs Agitation, überhäuft« die Regierungsstellen mit-Eingaben, veranstaltete Massenmeetings und propagierte mit unerhörter Leidenschaftlichkeit die Idee, daß Alaska von Rußland irgendwie erworben werden müsse.-Seine Idee war durchaus nicht auf"den Krieg gerichtet,, sondern schlug eine friedliche Erwerbung in - Form einer Ablösung» vor. Ueber seine Anregung gründeten kalifornische Kauflcufe zur Ausnützung des Fellreichtums von Alaska eine Aktiengesellschaft und erzwangen' schließlich auch das Interesse der Regierung für diese Angelegenheit. Auf Verlangen der kalifornischen Interessenten stellte sich damals Cornelius C o o l an die Spitze der Bewegung, und auf sein Betreiben wurde der amerikanische Botschafter in Petersburg, Cl e y, beauftragt, mit der russischen Regierung die entsprechenden Verhandlungen einzuleiten. Louis Goldstern wollte jedoch mehr als eine Konzession. Ihm schwebte die Erwerbung Alaskas durch Amerika vot, weshalb er sich mit dem Staatssekretär Sy ward in Verbindung sechs und ihn schließlich davon überzeugte, daß Amerika seine Interessen am besten wahren würde,' wenn es Alaska ankaufe. Die kalifornische AntevesseMengernemschaft habe bereits in dieser Richtung Schritte unternommen, doch hcche bic . russische jhcmpyiQ. Dollar gesordert.Da dje Jmeresf^rhrn nicht über' diese - Summe verfügen, soirwgeder'Stüat diesen Preis bezahlen. Shward machte sich diesen Vorschlag zu eigen, der Kongreß bewilligte die erforderlichen Kredite, die hieraus , eingeleiteten diplomatischen Verhandlungen führten' schließlich zu dem Ergebnis, daß Amerika um den Preis von siebeneinhalb Millionen Dollar in den Besitz des Staates Alaska gelangt ist." Alaska ist eines der reichsten Gebiete der Welt, und diesen großen Schatz hat — so schloß Cormlius Cool die Unterredung — ein einfacher Jude für Amerika erworben. Ein eirffacher und „äußerst Puritaner" Jrcke. Von allen denen, die an der Durchführung dieses historischen Prozeßes teilnähmm, haben nur zwei Menschen keinerlei Nutzen für sich gezogen: Cornelius Cool und Louis Goldstein. Me übrigen — betmtte der greffe Exsemtor haben Konzessionen erhalten und sich bereichert. Dieselbe Erklärung Hatz Cornelius Cool auch vor der Senatskommission in Washington abgegeben und hinzugssügt, daß der Antrag d;r Middletoner Universität von ihm ausgegangen ist, Ueber die Art der Abtragung der DankeSschat-ld gegenüber Louis Goldstern liegen mehrere Anträge vor. Nach, dem einen soll ihm auf Staatskosten ein Denkmal errichtet, nach einem anderen Vorschlag sollen seine Verdienste durch ein Staatsgesetz festgelegt und verewigt werden. Witzige KSpse. Die Juden haben Mtz und lieben den Witz. Selbst in den Diskussionen des Talmuds wird oft ein Witz nicht verschmäht. , Die witzigen Köpfe waren unter den Juden immer sehr belicht, und es darf gesagte werden, daß selbst die größten Geistesheroen des Judentums viel an Popularität gewonnen haben, wenn man sich von ihnen auch ein witziges Wort, ein fernes Apercu erzählen konnte. Rabbi Jonathan Eybeschütz, 'dessen scharffinnige Werke noch heute die Bewunderung' und Verehrung der Talmudgelehvten erregen, soll bereits als kleiner siebenjähriger Knabe durch seine witzigen Antworten die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben. Eines Tages schickt ihn sein Lehrer um Bier. Der Knabe nimmt den Krrrg und Littet um Geld. Der Lehrer/ sagt mit scheinbarem Ernst: „Ist < es eine Kunst, Bier für.Geld zu bringen? Eine Kunst ist, Bier.ohne Geld zu bringen." Jonathan geht ruhig fort, lormnt mch.einiger Zeit zurück undserviert seinem Lehrer den 'Knlg. „Wo ist das Bier?" fragt der Lehrer, unwirsch. ZMaüf der Knabe: Ist es eine Kunst, aus einem Kruge Pier zu trinken, in welchem Bier ist? die Kunst ist, Bier 19. Allgust 1923 Seite 5 er'gewöhnlich in der anderen Hand sein Frühstücks eff -, Stück Butterbrot. Einmal will das A^alheur, daß ein kecke. . Hund ihm in den Weg läuft und ihm das Butterbrot mi genäschigen Zähnen aus der Handreißt: Jonathan wirf dem Hund die Rechentafel an den Kopf und schreit shm.zor nig zu: „Wenn du das Butterbrot hast, dmm geh' du i' den Che-der!" Als der später so berühmt gewordene Rabbi Ezech-ie Landau auf dem Oberra-bbinatssitz nach Prag berufe'' wurde, hatte er anfartgs mit manchem Talmndgelehrter kleine Kämpfe anszufechten, denn in Prag lebten damals außerordentlich bederrtende Talnrudisten, hie nicht gleich in vollem Maße die Autorität des Rabbis anerkannten, der aus einem kleinen Ort auf den großen Rabbinatssitz gekommen war. Als der Obervabbiner das erstemal den Vorsitz im Rabbinatskolleginnr ffihrte und, an die damals in Mode gekommene Sessel nicht gewohnt, etwas unbequem auf semem Sitz herumrückte, rief ihm Salomon Koref (der Vater des großen. Arztes und nachmaligen Professors Doktor Koref, des Leibarztes des Fürsten Hardenberg und der hohen preußischen Aristokvaitie) etwas malitiös .M^„Rabbi, es scheint, der Stuhl ist Euch zu hoch!" Ezechiel 'Landau, der von' sehr großer Statur war, erwiderte sofort, nrit freundlich-ironischem Lächeln auf die Anwesenden herabschauend: „Ihr-irrt euch, der Tisch ist mir zu niedrig." In Prqg liebte damals ein sehr origineller Kauz, deu man, als er schon längst dqs wenigf wissenschaftliche Metier eines Krrtschers betrieb, 'noch immer „Leserl"Bochur" nannte (vielleicht darum, weil er noch immer in seinen freien Stunden fleißig, den Talmud studierte); er war durch seine drastischen Aussprüche sehr bekannt. Einmal brach ein Brand im Prager Getto aus, dem mehrere Häuser zum Opfer fielen. In seiner nächsten'Predigt tröstete der Rabbiner die Gemeinde und ermahnte sie, sich demütig in deu Willen Gottes zu fügen, was er Art ist.wohlgetan, denn er ist immer gerecht. Halblaut ruft „Leserl Bochur", mißbilligend den Kops schüttelnd: „Gebt ihm noch recht, zündet er morgen ganz Prag an!" Einerder hervorragendsten jüdischen Prediger,, der, auf der Höhe seines Ruhmes stehend, vor etwa sieben Dezennien yach einer großen Gemeinde in Deuffchland be-. rufenwrrrde, sagte eingangs zu seiner Antrittsrede, er fühle sich in einer peinlichen Verlegenheit. Er höre, daß ihm.der. Ruf eines Redners und und Gelehrten vorangegangen sei und daß er diesem die ehrenvolle Ausnahme verdanke. Er selbst verhehle sich aber nicht, daß ferne Rednergabe nicht bedeutend und sein Wissen nur gering sei. Einem jungen, .erst flügge'gewordenen Rabbiner/der unter den Zuhörern sich befand, geffel diese Einleitztng so gut, daß er .den Redner bat, er möge gestatten, daß er bei gegebener. Gelegenheit sich diese Wendung' -7— ohne Lluclleitangabe —- mreigne. „Gerne," Meinte lächelnd' der ältere Ämtsbruder, „aber ich mache Sie aufnterksam, es kann ihnen passieren, daß man es ihnen glaubt." . Einer der bekanntesten „Mogidrm", Hirsch Woi- -disla w, hielt in einer Gemeinde, die ihn zu^ einer Predigt, eipgeladen hatte, eine scharfe Mahnrede, Wohl in dem Bewußtsein, daß die.Inden, wenn sie auch nicht gleich Buße laten, doch immer gerne Bußpr-edigten anhörten. Witzig führte er aus: „Die.Mischna sagt: Auf drei Dingen ruht die Welt: Auf Thora, Gottesdienst und Wohltun. Alle drei Dinge sind leider Gottes bei euch fast verschwunden. Woraus steht nun die Gemeinde? Darüber habe ich lange nachgedacht. Aber erst -durch meine Köchin habe ich die Antwort gefunden. -Neulich kaufte sie ein „Reindl", das auf drei Füßen stand. Ungeschickt, wie sie ist, bricht sie einen Fuß ah -und legt ein Stück Hotz unter, aber da sie anch sehr. ungeduldig ist, bricht bei der Gelegenheit der zweite Fuß - Uh. In ihrem Zorn wirst sie das „Reindl^ hin, und richtig fft her dritte Fuß weg. Nunmehr stcht das „Reindl" fest, grad weil es keinen einzigen Fuß mehr hat; aber ein wirkliches „Reindl" ist es . nicht mehr. So steht eure Gemeinde ohne Thora, ohne Gottesdienst, ohm Wohltmr ganz fest da, aber eine wirkliche „Kehilap" ist sie nicht mehr." Der durch viele lustige und treffende Aussprüche populär gewordene Steinammgerer Rabbiner L. K ö n i g s b e r g e r — er starb in hohem Mer tm Jahre 1865 — war in seinen jungen Jahren, bevor er sich dem Rabbirrersta-nde zuwandte, Kaufmann gewesen, und hatte sich wohl aus dieser Zeit die Neigung zu Reisen bewahrt. Die Gemeinde, die Hven sehr populären Seelenhirten gerne immer in ihrer Mitte gesehen hätte, machte zarte Andeutungen, daß sie von diesen Reisen nicht sehr erbaut sei. Der Rabbi, der bei seiner großen Frömmigkeit sehr tolerant war, meinte jedoch lächelnd: „Laßt ihr mi-b fahren, laß ich euch gehen!" Man berichtete hem sehr gutherzigen Rabbiner KönigS-berger von dem Resultate zweier Sammlungen, die er für zwei Bedürftige veranlaßt hatte: für einen armen Mffchen Gelehrten und für einen Blinden. Es ergab sich, haß ein Reicher für den Blindm einen ansehnlichen Betrag, für den Gelehrten aber eine verhältnismäßig geringe Dumme gespendet hatte. „Ich begreife das — sagte der- Rabbiner —, N. denkt, Gott behüte, er könnte auch blind jwerden; daßer ein armer Gelehrter werden könnte, besorgt er nicht!" , In Zala-Egerszeg, der Zrachbargemeinde von Steinamanger, lebte zur . selben Zelt ein ebenfalls durch seine Bonmots populär gewordener alter Dajan, den. alle Welt Nur . unter dyn Namen Reb Gumperich kannte. Er ließ sich einmal aus eimm schwarM Tuch, das er selbst gezu tttnken aus einem Krüge, m welchem kemes ist." Denn der kleine.. Jomthan amt seiner Rechentafel unter dem Arm früh! morgens in den- Cheder ging, trug kauft Hatte, einen lattgen Rock machen,, den ihm der Schnei^ der. pünktlich zur versprochenen Zeit mit der Rechnung A. lief unter äen

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