Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1102 (22.2.1922)
- Date
- 1922-02-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m \m Wien, Mittwoch WIENER MORGEMEITlIMr 22. Februar 1922 Seite 3 wurde der Ehrenbeleldigungsproß zu einem H o c hj e r r a t 5 p r o z e ß, der bereits in die Kompetenz des Gerichthofes gehört Polen. Die ostgalizische Frage in der Kommission für Auswärtiges« Warschau, so. Februar. (Tel. der >Wiener Morgesnzeitung«.) Die Sajttl'koRinafesion für auswärtige Angelegenheiten beschäftigte sich mit der . Frage der .Stellungmaihme Polens zu der Konferenz in Genua, Alle Redner besprachen ausführlich die ostgalizische Frage. Der Außenminister S k i r m u n t vertrat den Standpunkt, daß man in der ostgalizischen Frage zuerst die definitive Erledigung derselben durch die Ententemächte erstreben müsse und erst dann an die Regelung der Verhältnisse!>n diesem Lande herantreten könne. Die Vertreter der Nationtuidemdkraten, Graf S k a r b e 'k, S e y d a, D u b a n o w i c z und Pater Lutoslawski, erklärten^ daß in Östgalizien zuerst die Pazifizierung durchgeführt werden müsse, um sodann über die durchzuführenden Reformen sprechen zu können. .Erzbischof Teodorpwicz stellt fest, daß man im gegenwärtigen Augenblick unnötigerweise die O'Stgali'zdische Frage erörtere. Die ukrainische Bevölkerung beruhige sich dank dem energischen Auftreten der Behörden gegen die ukrainischen Agitatoren. Der Vertreter der Witos-Grmptpe, Abgeordneter D o mb sik i, erklärt, daß die gegenwärtige ungünstige Situation der ostgalizischen Frage nur deshalb geschaffen wurde, weil die Regierung es vmachlässigt habe, sofort nach dem Rigaer Vertrag m Ostgalizien eine Autonomie einzuführen. Abgeordneter Lieh e r m a n n' bemerkt, es sei nidlit ausgeschlossen, daß Kanada oder ein anderer Staat'die ostgalizische' Frag auf der Konferenz In Genua berührn werde. Aus diesem Grunde ad es notwendig, daß die Regierung vor dem internationalen Forum, die Rdorintmationen der Ukrainer. wBderlege, um auf diese Weise die Aktionen der Ukrainer zu durchkreuzen. Als einziges Mittel hiezu Sei nur die sofortige Erteilung einer Autonomie zu empfehlen. Die Fortsetzung'der Diskussion über diese Frage wurde bi« zur nächstem Sitzung verschoben. Auf dieser vollen auch diesbezügliche, Resolutionen gefaßt werden. Rundschau. Die deutschen Zionisten über die Ernennung Rathenaus zum Außenminister. Das Zentralo’rgan der deutschen Zionisten, die' Berliner »Jüdische R'uud sc hä u«, schreibt: Die Ernennung Rathenaus bat in der antisemitisch sn Presse, die seit seinem erstem Eintritt in die Regierung eins unaufhörliche, schamlose und von den verwerflichsten Mitteln, sogar - vor dar unverblümten Aufforderung zum Mord nicht zurückschfeckende ‘Hetze gegen ihn betreibt, natürlich einen Sturm herivorgerufen. Unaufhörlich werden seine eigenen Worte aus »Höre Israel« zitiert und ihm* vorgehalten, daß nach seiner eigenen "'Ansicht die »besten Deutschen einen begründeten Widerwillen’ gegen das jüdische Wesen« haben, daß eift Jude sich nicht zu Posten drängen soll, die ihm nicht gemäß sind, daß ein jude, nach Ratheinäü selbst, niemals wirklich »deutsche Belange« vertreten kann. Nun wird seine Ernennung zum Minister des Aeußern von der »Deutschen Zeitung« ais ein »Sieg des internationalen Judentums« bezeichnet Dieselbe imternatioale Macht, die auch Rußland zugrunde gerichtet habe, benütze jetzt Deutschland zu dem einzigen Zweck, den «de kennt, nämlich, zur Förderung des »Weltgeschäftes«. Die unter dem jetzigen Regime so beliebte Ersetzung von Politik durch, Wirtschaft sei ein Ausfluß dieser Anschauungsweise, die bei' allem nur ein Geschäft machen will. Deutsche Ehre dürfe solchen Händen niemals anvertraut werden. Wohlwollende Ausländer, So sägt die »Deutsche Zeitung«, werden, eher mit echten Deutschen verhandeln, als »mit listigen Juden in Deutschland, die jeden Partner geschäftlich übers Ohr hauen«. Daben wird Immer wieder eine Aeußerung Ratiionaus zitiert, die in einem Zeitungsartikel vor zehn Jahren ganz ohne Beziehung auf das Judentum gemacht wurde: Daß dreihundert Männer 4as Geschick Europas lenken, (Gemeint sind die Leiter der großen Wirtschaftökonizenne.) ’ Diese dreihundert werden von dem Antisemiten als eine jüdische Geheimorganisation gedeutet! E? ist schwer, gegen derartige Auslassungen, die wir geflissentlich bisher stets ignoriert haben, zu polemisieren . Ab w ehr ist nicht unsere Sache. Der »Deutschen Zeitung« sollte es zu danken gehen, daß ein Mann von internationalen Beziehungen, von. eiriem streng disziplinierten Willen zur Sachlichkeit und allumfassender europäischer Bildung doch offenbar den wirklich verantwortlichen Faktoren bes$er geeignet scheint, die für Deutschland so bitter notwendigen Beziehungen »um Ausland wiederherzustellen, als diejenigen Elemente, die täglich .Gift und Schwefel gegen den »Feindbund« herabwünschen und sich in Aufrufen zu Haß und Rache gar nicht genug tun können. Was von einem Mann wie Ratheaiu iin ehrlichem patriotischen Bemühen unternommen wird, ist lediglich von dem Streben nach Rettung des Deutschen Reiches erfüllt. Er seiht, der zwar seine jüdische Abstammung stets bekannt hat und seinem jüdischen Blut starke Gruudkräfte seines Wesens dankt, ist nicht nur politisch stets eindeutig pnd ausschließlich ails Deutscher aufgetreten, sondern eiklärt auch in seinen Schriften, nach »Volk, Heimäit, Sprache und Glauben« ein Deutscher ku sein. Den Interessen der jüdischen Gesamtheit hat er niemals gedient. Dies wird von uns nicht festgestellt .zur Widerlegung der antisemitischen Beschuldigungen, sondern als Hinweis auf die jüdische Tragik, die darin hegt, daß die begabtesten Söhne des jüdischen Stammes Eröffnung der jüdischen Gemeindetagung in Litauen. (Von ttaserem Spezialkorrespoodenteii.) das jetzige Jabme der jüdischen Diaspbrä erblicke» Xow oo, 15. Februar. GesJttem äibehldisi woimdle im Mtiliitairkialsfeno dule zweite jüdische Gemeimdetagumig itti feiteri'iidhier Weiße, eröffnet. Zur Tagung ist eine staittüidhe Anzahl von auslänriliisidhieo Gäsften eingofcroffen-. In dien- Logen Wären Gäste dec jikfecfiien GesellllsohiaBt «und Verbreiter *d*or litamisdhen Regierung, . so der Minüsterprasidteft't G ä J w s n o w s k 1, dier Stadtpiräsiitdleinit W i I ic i s di ©i, d>yr gle weizene lltiaiuiBcbe Gesaimdtbe Joninas, e-ihie größere Arazafhli bedientenidisr 1'iüäimiNÄhsr Pötitilceir -Un>d Abgödirdln>etefr> zu sehen. Üim c) Uhr beltireton -dlie Vizetpräsiildenbein des Niaitioniaiiiaibeis Dir. R a c h m i 1 e W i c Ä, Fink e*lsteift' luind der (jiüdi&öhte Miitniistter Dr. Sol o* wejtscbik die Tinibünie, von den Vepsämmeiten stürmii-icöi begrüßt. Dr. Rachmilewicz eröffnst'die Sitzung mit einer längeren Rede, in der er die jüdische Ge* 'meimdetagung als dais Parlament der litauischen Judenheit aiufs herzllidhistie ibegirüßt und dem Bedauern Ausdruck verleiht, daß es der litaiuiiisiöhon Juidlenfbeit noch uiödhlt vergönnt sei, gemeiimsam mit Öhren Brüdern von Wilna über die vitallcitdm Friaigen dos jüdischen Gtetfi-einidieleibens zil bentiten. Er entbiete jiedocb den jüdischen Brüdern in dem okkupierten Teille von Libanon den herzlichsten Ginuü und innnigisifcan Daitik füt^ilhbein mubigen Kampf für die aillgemeihiedi jüdische^ Interessen. Niaidh der BröffunghT-ede betritt uitilber stürrniischen Beifall lshuttudgelbuingen dter ' Ministerpräsident GalWanowski die Tribüriie und begrüßt im Auftrag der Regierung die jüdische Gernekudetagung. Er venstöhe, mit ihm auch die Regierung, den Wert der jüdischen Gömeinidehagusng em©uisclh|ätzeni., E-s sei klar, daß gerade die gegenwärtige Gemeimdetegniing eine. Fülle von wicbtiigen Aufgaben*, die dem Aufbau der nationalen Autonomie gewidmet stiinid, zu erfüllen hiaibe. Seiner Meinung nach müisise dleGemeindetagung diie Grundlagen des. jüdischen nabi-onaflon Lebens nl Litauen befeinigen:, uim die Möglichkeit einer gedeihlichen Eartwickluinig der jüdischen , Kultur skhomnst dien. Er hoffe, dlaß die Idee des jüdischen Vdikets «tarlk genug ©ei . und' nie unbergöhen werde. Nach dfem Miiiniisforpräsiidlanten , ergreift da-, Wort dter weißpuisisisdhe Miuiisbeir Cwikewicz und begrüßt die G emeind'etiagtang im Naimten dien weißnussi'S'chcn Regionuimg, dlie immer für dli-e jüdiscfhuiaticmaöen Foidenumgen ' Verständnis 'beisiibze. Der jüdische Abgeordnete der lettisdhen Konstituante Dn Hellmann begrüßt die Tagung im Namen des lettischen Judentums, welches in Litauen Der Präsident der Stadt Kowno, W i 1 e i s i-s, stellt in seiner Begrüßungsrede fest, daß die litauisch« J.udenheit an dem Aufbaue der jüdischen Staatlichkeit großen Anteil habe, was zur Stärkung der litauisch« jüdischen Freundschaft 'beitgetragen halbe. Auis dem Auislanid . iist eiine ganze Reihe von Begrüßungstelegrammen eingelangt. Besondere Bögeistenumg rufen die Begrüßu-ngstelegnamme des PiTaSidenteu dter zionistischen W el'boirganisatiön* W eitzmaon, Näihum Soikd 1 o w, Dr. Cha.j es uind die der jüdischen1 Nationalräte in Estland, Ostgalizsien, Oestertseich, wie auch die der jüdischen Organisationen in England', Deutschland undl Amerika hervor. Hierauf ergreift das Wort der Minister für jüdische Angelegenheiten Solowejtschik. Er beginnt seine Rede hebräisch und setzt sk. dainfflr jüidikidh fort. Er dankt vor-allem dter lliitaiuiiisicihien Re* gieruhg unid iiirten Vertretern für ihre Begrüßungeny die der wahre Ausdruck freundschaiftlichGr Ges in-,, nung des lifeäuiseben Volkes für seine jüdischen Mitbürger. sind. Die litauische judenheit halbe gegenwärtig der jüdischen Geschichte ein neues Blatt geschenkt, welches beweisen soll, daß das Judentum auch in der Diaspora,im Sinne seiner na* t i o n a 1 e h Ideale lebe und an dem Ausbau det) eigenen Kultur arbeite. Dank den Bemühungen det] jüdischen Gesellschaft und dem Verständnis def| litauischen Regierung ist es dem-litauischen Juiden-j tüm gelungen, die Grün dl ägen der nationalen Autonomie sicherzustellenL Aufgabe des Kongresses ist es, für den weiteren) Ausbau dieser Autonomie Sorge zu trägen. Heilte nachmittags wurde die zweite Sitzung! eröffnet. Zu Beginn derselben gibt Df. Rosenb a ü nt eine persönliche Erklärung ab, daß er auf sein Mandat verzidife, jedoch als ^eweseUtes Mitglied! des Nationalrats an der Tagung mit beratender! Stimme teilnahmen werde. Die Fraktionen haben! im Laufe des heutigen Vormittags Beratungen übet! ihre Stellungnahme zu den verschiedenen Fragen der Konferenz äbgabälten. Die demokratische Frakn tiön hat bereits eine größere Deklaration au-sge* arbeitet, 'in -dier aiie die Gnuimdlprinizipfiien ihm* StelU lungnahme zur ji ü d i s c li e n Nationalau tö - n o m i e und zu den Fragen des W iederauf* baue© der litauischen Judtenheit wie auch zur! Flüchtlingsfrage festlegt. Ihre Deklaration wurde bereits dem Präsidium überreicht. Die De* klarationen der übrigen Fraktionen sollen noch.im Laufe des heutigen Sitzung betkannitgegeben werden,: ihr Betätigungsfeld außerhalb des Judentums suchen. Noch eine Generation zurück war freilich für einen gebildeten Westjuden kein anderer Weg, wofern er nicht auf Betätigung überhaupt verzichten wollte. Heute jedoch würde das jüdlische Volk dringend Männer von konstruktiver Begabung brauchen. Sie aber stehen ihm fern und ernten für ihre von ehrlicher Gesinnung eingege'bene Tätigkeit außerhalb des Judentums Schimpf und Verdächtigung, und das Judentum muß stets gewärtig sein, etwaige Mißerfolge zu Lasten des ganzen Judentums gebucht zu sehen. Wir Zionisten können in solchen Erscheinungen nur Bestätigung unserer Grund&nscihauungen über Gaiuth finden. Eine jüdische Kandidatin für die Londoner Grafschaftswahlen. London, 19. Februar. (Tel. der „Wiener „Morgenzeitung“.) Am 2. März finden die Wahlen in den London County Council statt Unter den Wahlwerbern befindet sich auch das Fräulein Ida Samuel, das In Finsbury auf progressivem Programm kandidiert. Ihre beiden Gegenkandidaten gehören zwei verschiedenen Arbeiterparteien an. Miß Ida Samuel hat schon bisher : als kooptiertes Mitglied in verschiedenen Kommissionen des Grafschaftsrates sich als Kommunalpolitikerin bewährt und nimmt auch an dem jüdischen sozialpolitischen Leben regen Anteil Die Eingänge des Keren Hajessod in Amerika. . New York, 19. Februar. (J. C. B.) Der Monat > Jänner stellt einen Rekord amEingängen für den Keren Hajessod in den Vereinigten Staaten dar, da in diesem Monate 302.000 D o 11 a r in bar. eingeflossen sind. Dieser Betrag stellt das Doppelte des Monats Dezember und das Achtfache des Monats Oktober 1921 dar. Auch an schriftlichen Verpflichtungen bedeutet der Monat Jänner einen Rekord von 90 Prozent gegenüber den früheren Monaten, da in diesem Monat die sogenannten «pledges« (Verpflichtungen) mehr als 700.000 Dollar aiusmachen. Die führenden Mitarbeiter des Keren Hajessic*# in Amerika einschließlich Samuel Unter meyersi ■und Peter Schweitzers haben in Annahme eines Antrags Wladimir Jabotinskys. be-t schlossen, einen auf 1000 Mitglieder beschränkten speziellen Ketren-Hajessod-Klub zu! begründen, von denen jedermann mindestens 1000 Dollar für den Keren Hajessod. beitragen muß. Samuel Untermeyer erhofft sieb großen Erfolg von dieser Idee, da seiner Meinung nach die jüdischen Kaufleute New Yorks sicherlich einem solchen Klub beitreten werden, falls er VE Sokolow gefördert werden wird. Die amerikanischen Einwanderungsbeschränkungen. Verlängerung bis Juli 1923. Washington, 21. Februar. (Tel-Komp.) Das Repräsentantenhaus hat mit 82 gegen 36 Stimmen bebeschlossen, die Einwanderungsbeschränkungen bis; 30. Juli 1923 zu verlängern. Der Beschluß ist dem Senat unterbreitet worden. Deutschlands Entwaffnung. London, 21. Februar. (Havas.) Wie die „Times* melden, hat sich die britische Regierung für, das weitere Verbleiben der interalliierten Kontrollkommission für die Entwaffnung in Deutschland ausgesprochen. Eine preußische Junkeraffäre* Berlin, 21. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Der Schloßbesitzerv. Kähne in Gli ng0 w hat vor einiger Zeit einen jungen Burschen, den er beim Holzdiebstahl betreten haben will, niedergeschossen« Da er bis heute von der Staatsanwal’schaft nicht weiter belästigt wurde, ist die Einwohnerschaft iu große Erregung geraten. Die Regierung hat sich des*, halb schweren Herzens entschlossen, gegen den Mann, ein Verfahren anzuordnen. Er wird — wegen, unbefugten Waffentragens verfolgt werden. Damenwäsche Englische Stoffe für Herrenu. 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