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Wiener Morgenzeitung · 1922-02-14 · Heft 1094 (14.2.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1094 (14.2.1922)
Date
1922-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1094 Wien, Dienstag WIENER MORGENZEITUNO 14. Februar 1922 Seite 3 aufschlag für 1922 von dem im Lande Tirol selbst erzeugten Getreide ebenso wie von dem eingeführten Getreide einzuheben, mit allen gegen zwei Stimmen an. Die sozialdemokratischen Abgeordneten hatten sich vor der Abstimmung aus dem Saale entfernt Zur Fortführung der am Samstag unter allgemeiner Erregung des Hauses Unterbrochenen Debatte über den Antrag auf Verwendung der Viehablösungs- und der Viehausfuhr t a'x e größtenteils für Zwecke der Landwirt s c h aft wurde die Sitzung für vertraulich erklärt. Es wurde beschlossen, daß die Landesregierung zur Verteilung der Eingänge aus den Viehablösungs- und den Viehausfuhrtaxen auf Grund bestimmter Richtlinien ermächtigt wird, die Eingänge aus den beiden Taxeinhebungen zur Förderung der Landwirtschaft, für die Jugendfürsorge und für Zwecke der Lebensmitfelirerbilligung für die Mindestbertiittelten im ganzen lande zu verwenden. Sodann wurde die Session geschlossen. Öie Konferenz der Nachfolgestaaten in Rom verschoben. Die Wirtschaftskonferenz der Nationalstaaten in Rom, die am 14. d. M hätte beginnen sollen, mußte in letzter Minute über E i n sp r u c h der t s c h*e c ho - slowäkisciien Regierung neuerlich verschoben werden. Die Wirtschaftskonferenz sollte in Fortsetzung der Herbstberatungen in Rom und Portorose verschiedene finanzielle, juristische und allgemeinwirtschaftliche Fragen zwischen den Nationalstaaten regeln, insbesondere die Fragen der Vorkriegsverpflichtungen zwischen den Nationalstaaten, die Frage der Renten, Kriegsanleihen, Pensionen usw. Es ist zunächst bloß eine Verschiebung auf. drei Wochen geplant, doch gilt dieser Termin noch nicht als feststehend. Die Konferenz hätte ursprünglich Ende Oktober stattfinden sollen und wurde von Monat zu Monat hinausgeschoben. Es ist anzunehmen, daß bei der letzten Verschiebung der tschechische Einspruch über Intervention der französischen Regierung erfolgt ist. Polen. Der Wiederaufbau. Warschau, 13, Februar. (Tef.-Komp.) Da der Landtag in seiner letzten Sitzung den Regierungsentwurf, betreffend den Wiederaufbau des Landes, abgelehnt hat, hat der Minister für öffentliche Arbeiten N a r u t o w i c z seine Demission gegeben. Die Demission, dürfte ni cht angenom m eny werden. Es verlautet, daß die Regierung einen neuen Entwurf vorlegen wird, in welchen, den Wünschen der Parteien entsprechend, größere Kredite für den Wiederaufbau eingestellt werden sollen. Vorläufig keine Neuwahlen. Warschau, 12. Februar. (Tel. der »WiettLöi* Morgewzeititjmg«.) Der Vertreter des Miimtstenpräsidmtem, Mimst er S t e s 1 p w i c z, erklärte erner . Delegation der Varfassuingskommhisicxn des Sejm, Haß biis Oktober dieses Jahres die Regierung alle .Gesetze, dlie. m,iit der Konstitution in Verbindung stehen, erledigen werde.* Es sei daher noch ■unbestimmt, wann# N e w w a >h'1 e m ausgeschrieben .werden köminm. Benesch kommt nach Warschau? Warschau, 12 Februar. (Tel. der »Wiener Morgewzeitung«.) Nach hier eLngelangten zuverlässigen Mitteilungen soll der tschechische Ministerpräsident Dr. Benesch demnächst in Warschau eintreffen, tum den Besuch Skirmumts ziu erwidern. In hiesigen Kreisen wird dieser Reise eiine große politische Bedeutung ziugeschrieben. Die Opposition der Witos-Leute. Warschau, n. Februar. (Tel. der »Wiener Morgenzeitnng«.) In der letzten Sej.misibzuittg wunde über Antrag der Wf tos-Partei der Uebeqgaing zur Tagsordmuing über dlais -vom Mimiisteir für öffemitliehe Arbeiten eingebraohte Projekt bezüglich der Leistung -von Staat!iiphen Zuschüssen.zum Wiederaufbau der durch den Krieg .zerstörten Gebäude be- «cihioifseni. Demzufolge bat Miroisaer Nairw tour! c z sofort demissioniert. Wie in hiesigen Albge ordnetenkirei'sen verteiltet, . sei dlie Ammiahime seinen' Demission unmöglich. Der Mimistianrat wird zu dieser Frage Stelliung nehmen müssen. Im dem Antrag der Widos-Partei sieht man nur die Absicht, ■das gegenwärtige Ministerium ani stürzen. Die Konferenz der jüdischen Kaufleute. Warschau, ti. Februar. (Tel. der »Wiener M-orgeruzeiibung«.) Die in E rze sc tagende Konferenz der jüdischen Kaiufleute, deren Eröffnung wir bereits gemeldet halbem, hiat öddh im Verlaufe ihrer, weiteren V|r(hiatnd'lüih.gen mit' der Frage der Vermögeuiisahgabf, der Kiredfitb^schaiffiuing für die Kaiu'fletute und Gewerbetreibendem in den Randgebieten wie auch mit der Sonn tagsrnufbe beschäftigt uind eine ganze Reihe von' eniitsiprechmden Reroliu'tjionem gefaßt. Jugoslawien. Die kleine Entente. Paris, 13. Februar. Wie der „Matin* meldet, werde eine Konferenz von Vertretern der kleinen Entente gegen den 20. d. M.! n B e 1 g r a d zusammentreten. (Von uns bereits angekündigt Red.) Die Konferenz werde keinen politischen Charakter tragen. Ihr Zweck sei, ein wirtschaftlich-finanzielles Programm der kleinen Entente für die Konferenz in Genua festzulegen. Die Haltung der kleinen Entente bei der Konferenz in Genua bilde augenblicklich den Gegenstand von Pourparlers zwischen Prag, Belgrad und Bukarest. _ . , Konfessionelle Schuten in Jugoslawien. Agram, 13. Februar. (Tel; der „Wiener Morgenzeitung“.) Die Kultusgemeinde von No vis ad (Neusatz) ist von der Regierung aufgefordert worden, die in ihrer Verwaltung stehende jüdische Gemeindeschule dem Staate zu übergeben. Die Regierung yon 8. H. 8, anerkennt keine \ konfessionellen Schulen und läßt Privatscliulen nur dort zu, wo keine Staatsschulen vorhanden sind, wogegen der Staat Nationalschulen bewilligt. Da die Gemeinde von Novisad ihrer Schule einen konfessionellen Charakter gab,- anstatt sie als nationale Minderheitsschule zu organisieren, droht der Schule die Gefahr der Verstaatlichung, falls sie nicht noch als Nationalschule deklariert wird. ' Für ßüssfaitungen Chiffone, Weben, alle Leinenwaren und Taschentücher infolge kleiner Regien am billigsten KANN & FRIED, VI., Linke Wienzehe 40, im Hofe Ungarn. Bethlens Wahlrechtskonzessionen. Budapest, 13. Februar. (Üng. Tel.-Korr.-Bur.) Das Haus setzte die Beratung über die W a h 1r e c h t s r e f 0 r m fort. Ministerpräsident Graf Bethlen weist darauf hin, daß zwischen der, Regierung und der Opposition infolge der Initiative, des Präsidenten des Hauses Verhandlungen eingeleitet wurden, in deren Verlauf die Regierung die Opposition davon überzeugen wollte, daß dje- Regierung alles aufbiete, um die Unparteilichkeit und Reinheit der Wahlen zu sichern. Die Regierung war zu weitgehenden Konzessionen geneigt, um die bezüglichen Wünsche der Opposition zu erfüllen. Sie gab überdies auch in einzelnen prinzipiellen Fragen nach. Die Konzessionen bestehen im folgenden: Nachweis der zehnjährigen Staatsbürgerschaft wird von jenen nicht gefordert, die im alten Ungarn geboren sind. Von den Kriegsgefangenen und Geflüchteten wird das zweijährige Domizil nicht gefordert werden. Von der Vollendung des 24. Lebensjahres wird bei den Besitzern von Tapferkeitsmedaillen und des Karl-Truppenkreuzes abgesehen. Zum Nachweis der Absolvierung von vier. Elementarschulklasseri genügt die Ausfüllung eines diesbezüglichen Blanketts* Das F r a u e n w a h 1 r e c h t ist in der Hauptsache an die Vollendung des 30. Lebensjahres und an die Absolvierung der sechsten Elementarklasse geknüpft; Die Frage der geheimen Abstimmung bleibt auch weiterhin offen. Zur Gültigkeit der Kandidatur sind 10 Prozent der Wähler des betreffenden Wahlbezirkes notwendig, höchstens aber 1000 Wähler. Die Zahl der in der Haupt- und Residenzstadt Budapest zu wählenden Abgeordneten wird von 22 auf 25 erhöht; ganz Budapest bildet einen einzigen Wahlbezirk* in dem unter Beobachtung des Proportionalvertretungssystems gewählt wird. Weitere Konzessionen könne die Regierung nicht leisten. Litauen. Litauen nach Genua geladen- 4 Kowno, 10. Februar. (Tel. der »Wiener McttH gewzeitung«.) Die litauische Regierung hat eine Einladung auir Teilnahme am der Konteren# m G e m u a erhalten. jüdische Autonomie in Litauen. Kowno, 10. Februar. (Teil, der »Wiener Mott!* •geinzeifung«.) Lieber Antrag des Ministeriums füll jüdische Angelegenheiten hat die Regierung be« schlossen, die Rabbiner in die Kategorie der! S La a t sbeamten eiozureifhten und ihnen die Gehälter atiits Staatsgeld e'rw zu bezahlen. Das jüdische Ministerium halt an adle jüdischem! Gemeinden ein Zirkular über die. Führung dsrj jüdischen M a t r i ik e l b ü c h e r erlassen, da( bekanntlich die Regierung auf Gmund der vom jüdi-; seihen Miimsteriiura ausgeaibeitetew Projekte, die jüdS- ENGLISCHE STOFFE £ Regenmäntel, Herren- und Damenwästhe, Wolljacken und per, ferner alle Sorten von Chiffon, Web- und Lelnenn, alles erstklassig und billigst im Warenhaus [Schiff mann Taborstraße 48 ' Telephon 47-1-79 Sin gros 1074 En detail Konzerte. (Mary D tc!k ein•&o n - Aitner, die musikalisch unbeirrbare Geigerin, und der im Dienste der Moderne stets hilfsbereite Pianist Eduard Steuerm a imu brachten eine Violimsomate von B6la B a r t ö k zur Uraufführung. Zwei Seelen wohnen im der Brust dieses ungarischem Komponisten: Als Herausgeber klassischer Meisterwerke und als gründlicher Fbrscher und Sammler ungarischer Volksmusik pflegt er die Musikkultur der Vergangenheit, als Komponist kämpft er auf dem extremem linkem Flügel der Moderne. Harmonie und Tonalität will er nieder ringen und ohne altes Baumaterial, aiuis starker Gestaltungskraft umd schöpferischer Charakteristik eine neue Ton weit aufrichten. .Umfängst ihörtefc' wir von ihm «kleine Klavierstücke, darunter .»Um pqu gris«, worin ein weinfroher Zeeher recht drastisch in dissonanten Schritten utmhertorkelt. Aehnlidhe Stimmung könnte durch den letzten 3btz der neuen Sonate gehen. Ein Tantz hebt immer wieder a$n und gerät dann ins Abrutschen gleich dem Bädern, der beim Tanz in der Dorffcchemke nicht mjehr fest auf den Beinen steht. Auch däs Adagio des zweiten Satzes ist mit Sekunden Und Septimen, m§t Quarten und anderen Dissonanzen übersättigt; ich empfand eine eindringliche Klage und dachte dabtei an die grellen Dissonanzen des frühen Mittelalters und der Primitiven, die zwirn Reichem der Trauer angestimmt wurden/ Merkwürdig die tonaile Unstimmigkeit zwischen Geige tmd Klavier, d.fls tonal Amorphe innerhalb der Melodiebildüng. Mitunter scheint es, als ob analog der modernen AkJkordkombinatiohem hier in der einstimmigen Melodie jeweils zwei oder mehrere Tonarten Zusammenwirken würden, als ob kleine Atonailiität hernschte. sondern eine kombinierte Tonalität latent wäre; Durch diese ' Häufung verschiedenton-aler Melodieelemente gerät iw dem völlig auf Kraft angelegtem Bau eine gewisse Unscharfe des Tombildes, gleichwie wenn irrtümlich zwei verschiedene Lichtbilder auf eine -Platte ^projiziert würden. Ab und zu gibt es auch einen. Akkord der traditionellen Musik, ja auch mal einem, Dreiiklawg, der im seiner, diesem amten Umgebung wie ein. störender Mißklang empfumdem wird. Solche Konsonanz ate Dissonanz zeigt, daß auch die Klänge im ihrer Wirkung vom musikalischen »Milieu« ab-. hängig sind gleich den Fahbem, die je nach Ort und Zeit verschiedenartig kontrastieren .ünd sich abstufen. Man denke nur an unser frohes .Weiß, das in China mit seiner buntem Gewandung als Farbe der Trauer getragen wird, ■ —- Bärt6ks Sonate vermag übrigens durchaus keine Gedamiken an Trauer und Auflösung aufkommen au lassen, .sie ist vielmehr die kraftvolle Aeijßeriaig eines kraftvollem Musikers. der durch alle gewagten Experimente dem lebendigen Organismus der Musik neue Nahrung. zuführen möchte. Eimen anderen Ausschnitt aus der Gegenwanbsmusilc brachte ein französischer Abend unter Mitwirkung der iw Wien längst bekannten hochkultivierten französischen Sängerin Marys Freund, des Komponisten Darios M i 1 h ä u d und des G ot t e s m a n n - Quartetts. In der Erinnerung an' Ciaude Debüssy, / dem. Begründer der jungfranzöisi&chen Schule, er öffnete der Abend mit dessen Streichquartett und vier »vergessenen Ariern«, die in ihrer vornehmen Schönheit im Gedächtnis haften bleiben. Dann gab es Klavier- und Gesangsstücke von Erik Satie, Darins Milhaud und Francis Poulenc, die kaum ein deutliches Bild derzeitgenössischen französischen Tonkunst zu geben vermochten. Durchwegs angenehme Musik, die das Him nicht überanstrengt, die alle modernem Schärfen! mit französischer.Eleganz mildert und so auch das Ohr nicht verletzt. Hübsche Detailadbeit im den Tierskizzen von Pouilenc, der noch nicht die volle Gestaltungskraft besitzt, flottere Charakteristik im depi kleinen Gesangsszenen von Milhaud, der auch fei seinem' Quartett eine'persönliche Note 'bekundet.. 1 MiLuwtor hat man in dem Gesängen nur de» Geschmack von Zuckerwenk, dann spürt man wieder! einen Hauch des französischem Kabaretts mit seinen. Chamsons und feinen Parfüms und so bieten auch die Klavierstücke allerlei pikamte Näschereien. Dabei denkt man an das achtzehnte Jahrhundert, am die Zeit Daquins und Couperius zmrüak, welche ahn-. . liehe flüchtige Skizzen mit weit einfacherem Tom«- material spielend in voller Meisteschoft ihiinwarf, und man empfindet dem Gegensatz’zwischen .der Kultur vom damals und der Zivilisation vom .heute, r—i Ais »zivilisierten« Niederschlageiner erstarrten framzQsi&chem »Kultur« würde Oswald Spengler fe seinem »Untergang des Abemdlandes« derlei moderne Musik bezeichnen. , Das E-DurrSbreichquamtett op. 45. von Vincent d’Iindy, das im R os e-Qaurteüt im praditvoliler. Wiedergabe, seine Wiener Erstaufführung erlebte, ist trotz des repräsentativen Namens semea Schöpfers keime rechte, französische Gegenwart»* kuwst Mehr. DT o d y, der bereits im das Patriarchen-, alter, eiwgetreten ist, gehört ja eigentlich einer verflossenen . Musikergeneratiom am, zeigt aber gerade im seinem E-Dur-Quartett, daß echter Einfalfl umabhängig ist von der Mode des Augenblicks. Lieberlegen ist sein technisches Können uind der ergreifende Ausdruck des »lento« zeitigt auch heute noch tiefere Wirkung. Eimen geniiußreichen Abend verdanken wir Pircrf. Kami Fl e sch. der ums nach lansresr Zeit

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