Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1094 (14.2.1922)
- Date
- 1922-02-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4' Wien, Dienstag -V" . - Sehen Gemeinden miit der Führung derselben 'betiraut iiNt. Die Maitrikelbücher werden laut Erlaß des Judithen Ministeriums in litauischer, »hebräischer und iudüsdhe.r Sprache geführt. Am 14. d. M. beginnt hier die Tagung d'er Zweiten jüdisctai Gemein dekomfer en z. Vom jüdischen Nationalrat sind bereits Vorbereitungen zum Empfang der Delegierten getroffen worden und werden auch Vertreter ausländischer jüdischer Körperschaften erwartet. Rundschau. Massenverhaftütigen in Wilna. Wilna, 10. Februar. (Tel. der »Wiener Mdrgem- «eitung«.) Im Zu'sammeribang mit den leiteten -Ma'ssenverh'aiftuingen von litaiudschein und weißrutssisdhen Politikern soll d'er gegenwärtige bevollmächtigte Vertreter der polnischen. Regierung in fWilna, Oberst T it. p a 1 s 3c i, aibbenifen und an dessen Stelle ein neuer Vertreter ernannt werden. Die Ukrainer und die ostgalizisehe Frage. Lemberg, 10. Februar. (Tel. der »Wiener Morgenzeituing«.) Vor einigen Tagen fand hier eine Konferenz ven ukrainischen Politikern statt, an der /Vertreter aller ukrainischen Parteien teilnahmein. Die Konferenz faßte einstimmig den Beschluß, nach :wie vor für die Selbständigkeit Ostgaliziens einzutreten und die in Wien weilende Regierung Petruszewip als eimtzige legitime Vertretung der ostgaliziscben ukrainischen VevÖlkertang airzuerkenfnen. Tagesbericht Die Bibel auf dem Index. . Df. Schlögls Rechtfertigungsschrift. Wenige Tage vor dem Tode des Papstes Benedikt XV. wurde, wie wir seinerzeit berichteten, die deutsche uebersetzumg des Neuen Testaments ’ von Dr. N. Schlögl von der Zensufbehörde auf den Tndex der von der Kirche verbotenen Bücher gesetzt. Der Gelehrte, der selbst dem Geistlkfiienstand angehör-t, hat die Sache begreiflicherweise nicht auf sich beruhen lassen. In einer Unterredung, die der Wiener Korrespondent des »Pesti Hirlap« mit Dr. Schlögl hatte, äußerte sich dieser über decr Stand der Angelegenheit, wie folgt: Das Ab'eben Seiner Heiligkeit des Patpstcs Benedikt XV. hat Gi'ue Zweifel den Tag meiner Rehabilitierung hinausgeschoben. Vierzig lange Jahre hindurch arbeitete ich an diesem Werke, dessen Beendigung ich als das Hauptziel meines Lebens betrachtete. Ich war noch ein junger Seminarist, als ich auf Grund meiner hebräischen und arabischen Sprachforschungen über das Alte Testament die UÜberzeugung gewann, daß die lateinische Uehersetzung des heiligen Hieronymus — die Vulgata — den gelehnten Bibelleser nicht mehr ziu befriedigen •vermag. Ich beschloß, diesem Mangel aibauhelfen. Ich habe midb stets an dais Dogma der Kirche •gehalten, verlor jedoch niemals die Worte Christi aus den Augen: »Das Wort tötet, die Seele belebt/« Idh rührte deshalb umso ruhiger an dem 1200 Jahre alten Text der Vulgata, als die größten Päpste bis zum siebenten Jahrhundert woibil die Vulgata als die beste unter den (vorhandenen lateinischen Uefeersetzungen, jedoch nicht als die endgültige erklärten, an der -nicht gerüttelt werden dürfe. Die Ursachen, wieder seine ganz unrvergleicihliclie Geigenkunst verführte. In den letzten Monaten haben wir das Beethoven-Konzert von verschiedenen Meister- Geigern in verschiedenen Auf fas ungern gehört und wissen darum um so mehr Prof. Flesdhi zu schätzen, der seinen .edlen Geigengesamg mit so einfacher Selbstverständlichkeit anstimm-t, daß man. an alle ■Schwierigkeiten der Materie vergißt. Flesch .führte auch Dohnänyis Violinkonzert auf; das liebenswürdige Werk verliert sich midht in grüblerische Tiefen, vermeidet vielmehr alles Problematische und hält sich an bewährte klassische Vorbilder, und so spinnt der Komponist in sympathischer Leichtigkeit und gewohnter Leichtfertigkeit schöne, dankbare Kantilemen. Die neue Quartettvereinigung M a c h e k, die sich' aus den Herren Machek, Mayr, Grünberg und Spitz zusammensetzt, wird aus lauter guten Imstru4mentalisten gebildet, die mit dem Frohsinh der Jugend spielen und auf guten Zusammenklang bedacht -sind. — Eine recht sympathische Sängerin ist Frieda Schulbaum. Sie hat nicht nur einen angenehmen Vortrag, sondern kann auch technisch »ehr gut singen, was bei dem Tiefstand unserer Gesangskultur besonders erwähnt werden muß. Auch Herr Louis S a v a r t weiß trotz dürftigen Maerials '»Die schone Müllerin« mit echt lyrischem“ Ausdruck überzeugend vorzutragen. Unfreiwillige Heiterkeit erweckte Signore Pietro Nardelli mit italienischen Liedern und Arien. Ein so (primitiver Narturgesaing mag in der italienischen Provinz willkommen sein, keineswegs im Wiener Konzertsaale. — Erwähnen wir schließ li<th das musikalische Geigemspiel des Herrn Erruanud Scharfberg und den (hochentwickelten Klaiviersinn des kleinen Fräuleins Lotte F a s a l, die in Mendelssohns G-Moll-Kouzeri. ei. iv r.eno -Probe Shrer starken Bejaht mg ahh'^c., IV. fr.rw*!: Fco her. WIENER MÖRGENZEITUNO Mitteilungen aus dem Publikum. üi nornu geb, Hammer Bl Vermählte Berlin, im Februar 1922 9-127 r-TALES-FABRIK I Knisbacbsr & Windschauer, Wies. I.," 6 I t5?aiNc bj”si? r D,n'i7BJriwf "UTK 'Vwvi ’ S964 ^—3 Export nach allen Staatenl1 weshalb es in der Vulgata von Mißverständnissen wimmelt, sind mannigfacher Ast. Der Hauptgrund, dem übrigens auefn dass Verbo-t meines Bucfmes -zuzuschreiben sein dürfte, ist die Scheu der Menschen vor jeder Neuerung in Glaubenssachetn, auch daun, wenn die Neuerung richtig und besser ist als der ailte Zustand. Diese Menschen vergessen immer, daß auch der Heiland ein. Neuerer watr. St. Hieronymus wagte nicht, die Fehler der ersten lateinischen Bibelüberesitzung, der Itala, die das Ganze mißbrauchbar machten, ricbtigzuistell-eui und übenn-ahm den größten Teil in seine neue Ucfbersetzuing. Seine Situation war jedoch die entgegengesetzte der meinigen. Hinter Hieronymus stand der Papst mit seiner ganzen Autorität, während sämtliche Gelehrten und hellköpfigen Kirchenfürsten seiner Zeit gegen ihn auftraiten. Meine UeberSetzung hingegen wurde vom V ati kän auf dein Index gesetzt, während die gesamte aufgeklärte deutsche Geistlichkeit, die Katholiken sowohl' wie die Protestanten, auf meiner Seite sind. Meine .. deutsche Uebersetotang ist die erste, die auf Grund der wissenschaftlichen philologischen Analyse der ältesten Texte geschrieben wurde. Ich wage es ruhig zu behaupten, daß sie bedeu>ten de-r ist als die Uebensetzung L u th er s, darujbef zu geringe'Kennttaiis der hebräischen und griechischen Sprache verfügte, um die endgültige deutsche Bibel schaffen zu. können. Die auf Luther folgenden Uebersetzumgen stehen alle mehr oder weniger unter seinem Einfluß. Ich selbst . konnte seinem -Einfluß nur dadurch entgehen, daß' ich ers meine-fertiggestellte Uebersctzung mit der protestatmtischen 'Bibel verglich, In -meiner. Ueflyersetzumggibt es Sätze- und Verse, au deren Formu-; lierung tch^mMWeMlglsi^erketd.-- E§r ist ^begreiflichy ' daß dais Verbot auf mich :wte der Blitz auis. heiterem Himmel wirkte. Seit dem XVII. J ah r h u n der t ist dieses deP ersLe Fall, daß eine Bibelübersetzung auf den Index der -p ä p s t lieh v e rboteneu B ueher gerät. Die fetzte auf den Iudex gesetzte Bibel v/air da>s, Werk des Zisiter- : ziensermönchs-' 'Leonardus Esse, das deshalb; vom VerboiUxreilt vvürde, weil es im großen eine sklavische Kopie der Luther-Bibel war. Vorläufig' hatte das Verbot bloß die praktische - Bedeutung, daß/, das. Publikum, das bis dahin vom Erscheinen meines Buches keime Notiz genommen hatte, daraufhin meinen Verleger förmlich bestürmte und die erste Auflage ist fast gain vergriffen. Ich habe jedoch die feste Ueberzeutgung, daß meine Bibel ebenso aus dem Index verschwind den wird wie sie hineingekommen ist. Ich habe bereits ein umfangreiches Gesuch in lateinischer Sprache nach Rom abgesandt, dais alle gegen das Buch erhobenen.Einwände ausführlich behandelt und mit wissenschaftlich unanfechtbaren.' Mitteln nachweist, daß. -bloß die U n v e -r.s i e r t h e i t d e r va-tik an isch en Z en su rbehör d e in der ' deutschen Sprache es verschuldet hat, daß meine, Bibel auf den Index gekommen ist.« Als der Korrespondent im Laufe des Gesprächs ’ fragte, wen Dir. S c hl ög 1 für den größten "leben--! dem OrienitaHsten halte, antwortete der Gelehrte: »Leider ist jener Ma-nn ohmegleidben, der wie eilte fernhin leuchtende Dackel aus der Mitte der oriemtforschenden Gelehrten unserer Generation hervor- .ragte, vor'wenigen Wochen von uns gegangen; er hieß Ignaz G o l d z i h e r. Wir waren innig ibe-; freundet ..« - ■ ■__ Ein Schuß daneben. ( . D!a® dhri'sii Iloh-ain ti.s ernirft isohe »Neue Montaigfsblatt«, welches im Verlage des antisemitischen -Hauiptongains, dier »Reicihsipost«, eirtscbeimt,' bringt einen. Artikel über diie Arbeiterorganisationen Nordiamenikas. Es wird däfiii der kon^ervatiive Charalkitar der Arbeitersidräf-t'der Vcreiniigten- Staaten henvorgehobeh, 'welche j-ad'em Radlkiallsrhaiis abhold ist und,den schärfsten Kampf gegen alle bolsdrewikis-chen Versuche führt. Tränenden Auges könstatiemt .das Blatt, daß in Europa, besonders aber iin Oestemreich, die Dinge umgekehrt hegen. Wie komme es, diaß drüben die Arbeiter ©o zahm und vernünftig und hei ums so wild, dumm und zerstörumgslustiig sind? Das fromme Blatt gibst die Antwort. Weil drüben »bodenständige« Führer die Aiibe.iter kling und gewissenhaft beraten, während ■bei tanis in Eu/rcpa vclkfremde, jüdische Elemente die Lehung an sich gerissen haben und die M-assen ( eit den bol;'dtewilclsc-hen Abgrund .rupfen. Es : A'if-vr,-; -.1 bc^rAcrK (bß (*:c T4. Februar 152g_ Nr. 1094 nor damer ikanl schein Arbciterführeir F1 e i ®c^ vom F1 e i>scbc des Volkes sind, sehr im Gegen« ■satz zu Oesterreich, wo sich diie. Führerschaft fast, ausschließlich aus o s t e u r o ,p ä i s c h e n (sprichtjüdischen) Elementen »usaimm-enisettzit . . ,« Es tut uns leid,» dais christlich-deutsche Organs wdch'ets f ür diais Mantagisf rühstü-ck der Wkinor JandeiK fresset zu sorgen, hat, der angenehmen Ilteioin voi» der »christlichen, . bodenstänidligcn« Führung den amerikaini!sehen Arbeiter berauben ziu müssen; Deal Präsident aller amerikanischen Gewerkschaften, und schärfste Bekämpf er jeder radikalem Richtung, der von allen Liuksstehiendein wütend bekämpfte allmächtige Führer der amerikantechen Arbedtietrotrgiain'L sation -heißt S a tn u’ e 1 G o m »p e r s u n td i s t e i if eingewanderter Judie. Die teure Straßenbahn. Einführung des Zonentarifs? — Zwei Teilstreckeif 60 Kronen, darüber hinaus 100 Kronen. In der Debatte über die letzte Erhöhung dei Straßenbahntarife hatte die Minorität vergeblich für die Einführung des Zonentarifs sich eingesetzt Nun scheint in den maßgebenden Kreisen der Majorität ein Umschwung zugunsten des Zonentarifs sich geltend zu machen, Die Direktion der städtischen Straßenbahnen ist damit beschäftigt, ein diesbezügliches Projekt auszuarbeiten, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß es gebilligt wird. Vizebürgermeister Emmerling hatte, wie erinnerlich, in der Gemeinderatssitzung, in welcher der Straßenbahntarif auf K 60 festgesetzt worden ist, schon damals , durchblicken lassen, daß es bei dieser Erhöhung nicht bleiben werde. Auf diesen Umstand — neuerliche Erhöhung — ist es wohl zurückzuführen, wenn die Majorität der Einführung des Zonentarifs jetzt nicht abgeneigt ist, um im allgemeinen eine Erhöhung zu retten. Nach dem neuen, bevorstehenden Straßenbahntarif» der natürlich erst im*Ausschuß und dann im Gemeinderat beraten werden wird, sollen zwei Teilstrecken K 60, darüber hinaus K 100 kosten. Ein Kubikmeter Gas 160 Kronen. Der Gaspreis wird bekanntlich alle vier Wocheft abgelesen. Die Direktion der städischen Gaswerke hat : nun für die zweite Ableseperiode dieses Jahres, das ist-für den Monat- Februar, mit Rücksicht, auf die außerordentliche Steigerung der Kohlenpreise einen Gaspreis von K 160 für den Kubikmeter vorgeschlagen. . Die Angelegenheit kommt schon in den nächsten Tagen im Unternehmungsausschuß des. Gemeinderats und im Stadtseriat zur * Beratung. Da . für diese Ableseperiode : anfangs ein Preis von K 120 vorgesehen war, so. würde nun eine Steigerung von 33% eintreten. Verschärfung der Wassernot. Das schon mit Anfang Jänner in den Quellengebletefl der beiden Wiener Hochquellenleitungen herrschende überaus strenge Frostwetter hat die Ergiebigkeit der Quellen auf zusammen täglich 240.000 m* herabgedrückt, die im weiterem Sinken ist Demgegenüber beträgt der tägliche Wasserverbrauch aber immer noch rund 270.000 m*. Es muß daher den Vorräten der Wasserbehälter in Wien täglich eine Menge von ungefähr 30.000 m8 Wasser entnommen werden, das heißt, die Behälter drohen ln kürzester Zeit leerzulaufen. Der am Samstag ergangene Aufruf in den Zeitnygen, mit dem Wasser möglichst zu sparen, hat den beabsichtigten Erfolg nicht gezeitigt. Die Bevölkerung wird daher, neuerdings ein dringlichst aufgefordert, beim Wasserverbrauch mit äußerster Sparsamkeit vorzugehen, um anfällige strenge Maßnahmen, wie Absperren der Stockwerksleitungen und dergleichen, überflüssig zu^machen. Starkes Anwachsen der Grippe. In der vergangenen Woche wurden von den prakfi* sehen Aerzten über 8370 Grippeerkrankungen gegen 1180 in der vorvorigen Woche angezeigt. Es entfielen von der Gesamtzahl der Todesfälle 40 auf Grippeerkrankungen gegen 25 in der vorvorigen Woche und auf Lungen- und Rippenfellentzündungen 132 gegen 105 in der vorvorigen Woche. _ Die Lirenoten im Fußsocken. Die Hasardpartie der Fälscher. Am Samstag ließ der Kaufmann PietjtD M a z e 11 \ den Kaufmann Umberto M a d o 11 i aus Görz verhaften, weil Madotti nach Angabe des Anzeigers beim Kartenspiel im Cafe Willishofer falsche Banknoten zu 100 Lire verausgabt haben soll. Bei einer Durchsuchung Madottis wurden 28 Noten zu 100 Liregefunden, von denen' sich 17 als falsch erwiesen. Bemerkenswert ist, daß alle 17 Noten in Serie und Nummer zwefTypen aufweiseu: 8 Stück mit der Nummer 1448, Serie <j%218 und 9 Stück mit der Nummer 1842, Serie G 218. Die beiden Italiener wurden, da der Sachverhalt nicht, geklärt war# dem ßicherheitsbureau überstellt und trotz gründlichster , Einvernahme und vielfacher Erhebungen konnte nicht einwandfrei festgesteilt werden, auf wem schließlich die Verausgabung der Noten zurückzuführen »ei. Madotti gab an, er habe am 10. d. M. mit Mazettl und zwei anderen Italienern namens Guiseppe Ru berto und Odorlco di Lunardo im Cafe Willishofer „Einundzwanzig* gespielt, dabei Glück gehabt und mehrere 100-Lire-Noten gewonnen. Er fügte hinzu, daß MazeUf ihm die echten Noten gegen falsche ategetauscht habe. Auf Grund dieser Beschuldigung wurd« aueh Mazetti verhafte* und dieser behauptete wieder, daß die Falsifikate nur von Madottf i Iterr-'ihm» 51