Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-02-05 · Heft 1085 (5.2.1922) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1085 (5.2.1922)
Date
1922-02-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980165--10164-2996487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Wien, Sonntag WIENER MÖRGETOEITÜNÖ r Sette Ungarn. Nationalversammlung. Budapest, 4. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der lieutigen Sitzung unterbreitete Josef Szabo einen Antrag, durch den die Regierung angewiesen wird, einen Gesetzentwurf über die Verlängerung' der Lebensdauer der Nationalversammlung für die Zeit der Verhandlung der Wahlreform einzubringen. Sodann wurde die Vorlage über die Gewerbegesetzreform auch in den Einzelheiten angenommen. „Der Mörder". Budapest, 2. Februar. (Bericht der „Wiener Morgenfceitung“.) In den nächsten Tagen wird hier die Verhandlung eines interessanten Preßprozesses stattfinden) den der antisemitische Journalist Desider Szabo gegen den Redakteur des „Egyenlöseg“ Dr. Ludwig 8 z ab o 1 c s i und den Mitarbeiter dieses Blattes Ernst M e z e i angestrengt hat. Im Februar vorigen Jahres erschien im „Egyenlöseg“ ein von Mezei gezeichneter. Artikel, in welchem die politische Wandelbarkeit Szabos scharf kritisiert wurde. Dieselbe Nummer des „Egyeniöseg“ enthielt einen Aufsatz Dr. Szabolcsis, der den Titel „Der Mörder* führte und in welchem ausgeführt wurde: „Wir erblicken in Desider Szabo einen Menschen, der wiederholt Morde angestiftet hat, der öffentlich in Versammlungen zur Ermordung unschuldiger wehrloser Menschen aufreizte und der, wenn das Rechtsgefühl erwachen wird, in den Kerker kommen muß. Desider Szabo hat am 31. August 1919 in Stuhlweißenburg das Publikum zum. Mord angetrieben, indem er in die Massenversammlung hiiieinrief: „Töte den Juden, wo du es kannst!“ Dieser Mensch mit dem „weggeschwemmten Gewissen“ hat in Balassägyarmat in ähnlichem Sinne gesprochen. Er verdient hiefür im Sinne des vorläufig noch in Kraft befindlichen ungarischen Strafgesetzes im günstigsten Falle eine schwere Zuchthausstrafe. Wir kennen und sehen in Desider Szabo einen Menschen, der zur Niedermetzelung unschuldiger und wehrloser Menschen aufreizt*. Der Anklagesenat des Schwurgerichtshofes verwarf die von den Verteidigern vorgebrachten Einwendungen, stellte beide Verfasser unter Anklage und ordnete das Beweisverfahren an. Im Rahmen dieses Beweisverfahrens wird unter vielen anderen auch Bischof Ottokar Prohaska als Zeuge einvernommen werden. Die Ermordung des Klavierfabrikanten v Reismann. Budapest, 4. Februar. Die unter dem Verdachte der Ermordung des Klavierfabrikanten Jakob Reismann vor einigen Monaten verhafteten Brüder Kovacs sind heute auf freien Fuß gesetzt worden, weil gegen, sie keine Beweise vorliegen. _ Rumänien. Die Erschießung jüdischer Flüchtlinge. Bukarest, 3. Februar. (J. C. B.) Zu den bereits gemeldeten Fällen von Erschießung jüdischer Heimloser in Beßarabien werden folgende Einzelheiten bekannt: Vier jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine, Joel K o gan, D wo r s i n, Sc fiachtman n und ein Mädchen namens T amar a, wurden bei der Ueberschreitung der Grenze festgenommen und . nach Kischenew ins Gefängnis transportiert. Anfangs Dezember wurden sie von Detektiven aus dem Gefängnis geholt und über Bender.zum Dnjestr geführt, wo sie einfach erschossen wurden. Tags darauf wurden die Leichen von Schmugglern aufgefunden. Als der Rabbiner von Bender die Nachricht vom Morde erhielt,, suchte.er beim Kommando der Sicherheitsbehörde um die Ert laubnis an, die Erschossenen auf den jüdischen Friedhof bringen zu dürfen. Er wurde jedoch angewiesen, sich in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen, nicht, einzumengen. Die Opfer wurden nachher von Soldaten in ein gemeinsames Grab geworfen. Auf Grund der von der Regierung durchgeführten Untersuchung wurde ein Soldat verhaftet und nach Bukarest gebracht Seine Aussagen sind für die ihm Vorgesetzten Offiziere und Unteroffiziere schwer belastend. Litauen. Solowejtschik — neuerdings litauischer Minister für jüdische Angelegenheiten. Kowno, 4. Februar. (Tel. der „Wiener Morgehr Zeitung.“) Nach längerer Beratung mit den Parteien' wurde die Liste des neuen Kabinetts festgestellt. Dieses’, wird ausschließlich Fachminister zählen. Zum Minister- ‘ Präsidenten wird Galwanowski ernannt werden. Der. bisherige Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Solowejtschik," wurde zur Uebernahme dieses Portefeuils eingeladen. Die jüdische Parlamentsfraktion und der jüdische Nationalrat haben beschießen, Dr. Solowejtschik die Uebernahme des jüdischen Ministeriums zu gestatten, «vorauf Dr. Solowejtschik der Einladung entsprochen halt. Kowno, 2. Februar. (Privat) Beim Kulturdepartement des jüdischen Nationalrats wurde eine historisch-ethnographische Abteilung," die sich mit der Sammlung von historischen, ethnographischen und kunsthistori8ehen Materialien, die auf das litauische Judentum Bezug haben, beschäftigen soll, begründet. Der Staatspräsident und die Juden, Kowno, 2. I-ebruar. (Telegramm der „Wiener Morgen- Vor einigen Tagen beuchten die Vertreter'des jüdischen Abgeordnetenklubs Dr. Rosenbautn, Dr. Rachmilewitzund der Minister für jüdische Angelegenheiten Dr. Solowejtschik den Präsidenten der Republik Stulg i n s k i. Die Vertreter des Klubs erklärten dem Präsidenten, daß der letzthin gefaßte Beschluß der Konstitutionskomniission, wonach nur jene Minderheiten, die nicht weniger als 10% der Gesamtbevölkerung ausmachen, auf eine nationale Autonomie mit einen nationalen Ministerium an der Spitze Anrecht haben, auf keinen Fall den nationalen und gesellschaftlichen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung entspreche. Ebenso gaben sie ihrer Meinung Ausdruck, daß in die Kompetenzen der nationalen Autonomie die soziale Fürsorge gehören müsse, da diese eine der wichtigsten Grundlagen der nationalen Autonomie bilde. Die jüdischen Interessen .fordern unbedingt die Schaffung eines ständigen jüdischen Ministeriums, welches Versprechen ja die litauische Gesellschaft und Regierung mehrmals in schriftlichen Deklarationen abgegeben hat. Der Präsident erklärte hierauf, daß er sich nach Möglichkeit bestreben werde, die vollständige Erfüllung der jüdischen Forderungen durchzusetzen, da er die große historische Rolle, die das litauische Judentum beim Aufbau der litauischen Staatlichkeit gespielt habe, völlig würdige. Der Chef der französischen Zivilverwaltung von Syrien über die Grenzfrage. Paris, z. Februar. (Jüd. Korr.-B-ur.) Der jüdische Orientalist Dr. Schiffer tafte eine Unterrediuuig mit dem Chef -des Zmlka'bmeütis in Syrien, Pierre Ly a utey, über einige Pailästitaa betreffende Fragen. Mr. LyaiuUygab seiner Bewunderung über die vom den Chalttzim gebauten schönen Straßen in Palästina und über die jüdischen Arbeiter im allgemeinen Ausdruck, die zu allen Jahreszeiten -den Boden bearbeiten, der so innig mÄ der Geschichte der Welt verknüpft itzt. Mr. Lyautey versicherte, daß die Grenzf-rage sich auf dem 'besten Wege zu einer endgültigen Regekong durch die .gemischte Kommiisiw^n befinde. Diese bandelt nach den Instnuiktio-nen ihrer Regierungen, indem, sie einersesits die Lehren der Geschachte 'beherzigt und andererseits den gegenwärtigen Bedürfnissen der Bevölkerung Palästinas und Syriens Rechnung trägt. ...4 Bau eines Arbeiterheims. Jaffa, i. Februar. (Tel. der ^Wiener Mcrgenzeittung.c) Die hiesigen jüdischen Aibesiterorgamsationen treten gegenwärtig an den Bau eines eigenen Arbeite r h e i m -s, in dem alle Arbeiteiri'nstit'ufciioinen und Vereine unter gebracht worden sollen, heran. Die jüdischen Anbeiterorganisadto-nen wandten sich an den Jüdischen Natiomalfomd-s und an die Stadtverwaltung ivön Tel-Awiw.. mit dem Ersuchen, ihnen Grund und Boden für diesen Bau zuzuweisen. „Kuntreß" klagt die Regierung. Jerusalem, z. . Fefaru&r. (Jüd. Korr.-Bur.) Da-s Departement für Il-ntersuctong -vcm Verbrechen und Vergehen (Criniimal Investignation Departement) dar palästinensischen Regie-rußig hatte vor zwei Monaten5' das Erscheinen des BSoittes der Aobdiuth Hamvoda, 2 K -u n t r e ß . verboten, - weil im der Kummer vom 14. November Nachrichten enitlhdlten avarem, welche nach- Ansicht der Regisrumg' geeignet waren, inmersn Haß im Lande zu erregen.. D-ic Regie-mtng -berief sich hdebei auf § 2z ds; ottomanisdhein Preßgesebzes. N-tuh sc-nreibt dieser Paragraph vordaß die Schl-i-eßiumig eines Blattes nur zugleich mit der Eän-l-situng eines gerichtlichen Verfahrens gegen die Zeitung erfolgen ikawn. Da die Regierung kein gerichtliches Verfahren gegen den 2>Kamfereß< ein geleitet hat,- kü-agt;'mwi.mehr die Redaktion der Zeitung die -Regierung und verlangt Entschädigung. Die Parteileitung der A-Chd-uth Haawoda hat versucht, während der Esnistetkang. des >Kuntireß<, eine Zeitung sHamichtawr .'harattsztvgcbon; die Regieneng hat daraufhin die Dr-uckeret versiegelt, obwohl die Parteileitung seit Jahren im Besitz einer Bnmtbuis zur Heirentsgabe .des >Hamiichtawc ist. Inzwischen ist das Wiedererschei.net1 des »Kuntreßc gestattet worden. Ein jüdisches Arbeiterbataillon. Unter den verschiedenen Kooperativen Palästinas ist die größte der Gdud Haawoda (Arbeiterarniec), welche derzeit- 600 -Mann zählt, die an verschiedenen Punkten. Palästinas ach eiten. Der größte Teil' der Arbeiter befindet;sich itn Adin Oharud (Nnmis) auf den neugokauften Gründen des Nationalfond«; dort befinden sich die 20 r,tra>!e-n Institutionen diossr AnbcifsrorgLnisätionon, .-eine gemeinsame Schustere^ Srimridsrei, ein zentrales. Lebensrhittelma/ga&iu. .Eine große mechanische Tisch'ler'eh wird dort dem-haeihst oroffineU 30 Mitglieder arbeitdrUin Migcfal an der'Volloadiuug dar Strsßan-atibeit6ni. H-ioo Mitglieder arbeiten i-n T i b e r i a s an einer neuen-Straße für da-s jüdische Viertel; diese haben eine eigene Fischerei am KimereÖh-Sce45 Mitglieder a-rheiitan in ICf ar Gila di an einem großen Stafi'libau, den sie von der I c a übe-rrtoagen bekommen haben. Auch in Jerusalem -fst-selt a-mgen Wochen ein Teil des Gdu/d Ikonizentriert, gegen 20 Mann arbeiten in der alten Stadt an dem Synagogen bau Ponath Joseph, gegen 100 Mann befinden sich am Rande Jertrc&leRvs in Giwat" Schau!, wo sie in einem großen Stelmbrni'CJh Steine für den-Frühjahrsbau vonbereiten. (J. C. B.) Ein neues jüdisches Viertel in Jerusalem. Die Lage in Wilna. Jerusalem, 3. Februar. (Jüd. Kor/r.-Bur.) Auf den dem Nationalfoncl-s gehörigen dem Patriarchat aibgricauf. ten Gründen/ soll demnächst mit dem Bau eines neuen ' Viertel.; für Klcinhätcser -begonmeu wanden. Zu diesem Zwecks hat sich eine Gr^pipe gebildet, die mehrten« aus Bearatc-n besteht. Die Kosten des Baues für ein Hann von zwei Zimmern werden — abgesehen vom Grundstück — auf 400 Pfund berechnet. Die Teiln-eh-mer der Gruppe haben sich verpflichtet, 150 Pfund einzuzahlen, für den Rest hofft man von der Hypo-' t h eh e n b an k Anleihen zu bekommen, Die Bauxit«** ist derartig groß, daß sich weit mehr Leute -nngemehlet haben, als gcÖLut werden kör«vc;i\. ' j 5. Februar 1922 m»mr ....... ■, Kr. 1085 Die englischen Arbeiter gegen Frank* reich. London) 4. Februar. (Wolff.) Der gemeinsame Ausschuß der Arbeiterpartei und des Gewerkschaftskongresses hat eine Entschließung angenommen, die sich gegen den geplanten englischfranzösischen Garantiepakt mit der Begründung wendet, daß dieser dazu führen könnte; das britische Volk in einen Krieg zu stürzen. Die Entschließung fordert, daß der Betrag der von Deutschland zu zahlenden Reparationsschulden so bemessen werde, daß man seine Bezahlung von Deutschland erwarten könne. Endlich wird die Zurüdeziehung der Besatzungsheere und die Schaffung eines wirklichen Völkerbundes, dem Deutschland und Rußland angehören, verlangt. Die Mellon-Bill. Paris, 4. Februar. Der Exchange Telegraph Company wird aus Washington gemeldet, daß das Gesetz über die Rückzahlung der ausländischen Schulden endgültig von den beiden Häusern des Parlaments angenommen und vom Präsidenten H a rd i n g unterzeichnet wurde. Eine andere Mitteilung besagt, daß der Vorschlag vom Repräsentantenhause mit den Aenderungen des Senats angenommen wurde und vorsieht, daß die Zinsen nicht geringer als 4V2°/o sein dürfen und daß die Obligationen eine Laufzeit von 25 Jahren haben. Präsident H a r d i n g wird demnächst einen Ausschuß ernennen, der die Verhandlungen mit den Schuldnerstaaten eröffnen soll ' k Der spanische Feldzug in Marokko.\ . Madrid, 4. Februar. (Havas.) Der Ministerrat kam im Laufe seiner gestrigen Sitzung zu der Ansicht; daß der marokkanische Feldzug im großen und ganzen beendet sei. Die diesbezüglichen Entschließungen des Ministerrats werden dem General Berengef unterbreitet werden, der zu diesem Zwecke Sonntag nach Malaga kommen und eine Besprechung mit Maura und drei anderen Ministern haben wird. (Der „beendete“ Feldzug hat tausenden Spaniern das Leben gekostet. Die Generale wären noch lange für einen fröhlichen Krieg gewesen, wenn die Volkstimmung nicht einen sehr bedrohlichen Charakter angenommen hätte. Die Redaktion). Reise Kenia! Beys nach Europa. London, 4. Februar. (Tel.-Komp.) Die »Times* erfahren aus Konstantinopel, daß Kemal B e y, Außenminister der Regierung von Angora, sich von einer Kommission begleitet nach Konstantinopel und von da nach den wichtigsten europäischen Hauptstädten* begeben werde, um mit den Großmächten direkte- Verhandlungen anzuknüpfen. Das Konklave. Rom, 4. Februar. Um 8/412 Uhr vormittags und um 5 Uhr abends verkündete schwarzer Rauch, der von der Sixtinischen Kapelle aufstieg, daß die heutigen zwei Wahlgänge im Ko nklave ergebnislos verlaufen sind. Amtsantritt Dr. Rathenaus. Berlin, 4. Februar. (Wolff.) Der Minister des Aeußern Dr. Rathenau ist heute vormittags vom Reichskanzler in sein Amt eingeführt worden. Die internationale Arbeitsgemeinschaft. Paris, 4. Februar. Auf der Tagesordnung der heute nachmittags beginnenden internationalen sozialistischen Konferenz stehen folgende Punkte: 1. Reparationen und wirtschaftlicher Wiederaufbau Europas; 2. Wiederaufbau der zerstörten Gebiete der verschiedenen Länder; 3. Abrüstung zu Lande und zur See. Deutsch-polnische Verhandlungen. Bern, 4. Februar. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Wieder* beginn der deutsch-polnischen Verhandlungen ist auf den 10. d. M. verschoben worden. Die Kabinettsbildung in Italien. Rom, 4. Februar. Der König hat die Befragung von Politikern fortgesetzt. Rücktritt der chilenischen Regierung«, Santiago de Chile, 4. Februar. (Havas.) Das Ministerium ist zurückgetreten. Ein Kongreß des Fernen Ostens in Moskau. Moskau, 4. Februar. „ (Funkspruch.) Hier tagt gegenwärtig ein Kongreß der revolutionären Jugend des Fernen Ostens. Eine litauisch-lettische Union? Warschau, 4. Februar. (Tel. d. »Wiener Morgen* zeitung“.) In hiesigen politischen Kreisen ist die Nachricht verbreitet, daß zwischen Litauen und Lettland Verhandlungen zwecks Abschlusses ein6r Union zwischen den beiden Staaten mit Riga als Hauptstadt eingeleitet wurden. Das Zustandekommen einer solchen Union würde für Polen eipe dinlomatfcriie Niederlage bedeuten!*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.