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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-31 · Heft 1080 (31.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1080 (31.1.1922)
Date
1922-01-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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31. Jänner 1923 Seite 3 rNr. 1080 Wien, Dienstag WIENER ItiÖRGlNZEtTÜNÖ auf Wilna loszusagen. Die Franzosen, die Polen oftmals ihre Sympathie bewiesen haben, hätten auch das Recht, Polen auf die Unrichtigkeit seiner Ansprüche auf Wilna aufmerksam zu machen. Warschau habe kein Recht auf Wilna, welches es weder aus strategischen noch ökonomischen Ursachen benötige. Ein Litauen ohne Wilna sei ebensowenig denkbar wie Italien ohne Rom oder Griechenland ohne Athen. — Die gegenwärtige Wilna-Politik, die mit stillschweigender Zustimmung der Ententemächte gemacht werde, müsse Litauen in die Arme von Berlin treiben* Aus diesem Grunde allein sollte Polen Wilna den Litauern zurückgeben, denn nur diese Lösung wäre für beide Staaten glückbringend. Litauens Vorschläge. Kowno, 29. Jänner» (Tel. d. „Wiener Morgen - Zeitung/) Die litauische Regierung hat die Mitteilung des Völkerbundes, wonach er die weitere Vermittlung im polnisch-litauischen Streite niederlegt, dahin beantwortet, daß Litauen bestrebt sei, mit Polen auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der Unabhängigkeit und Souveränität direkte diplomatische Beziehungen anzuknüpfen. Sodann schlägt Litauen vor, daß nach Auflösung der interallierten Kommission für Wilna ein Kotnmissär zur Verwaltung des neutralen Gebiets zwischen Litauen und Polen eingesetzt werde. Der Kampf um die jüdische Autonomie in Litauen. Kowno, 30. Jänner. (Tel. der „Wiener MorgenzeitUng.“) Die zur Modifizierung des Gesetzvorschlages über die nationalen Ministerien eingesetzte Ausgleichskommission unter Vorsitz des Ministers für jüdische Angelegenheiten Dr. Sodowejtsch i k hat dessen Vorschlag, wonach jede Minderheit, die hunderttausend Seelen zählt, auf ein nationales Ministerium Anrecht hat, ängenomm e n, Wie verlautet, wird auch die Konstitutionskonimission diesem Vorschläge zustimmen. Die Vertreter der Sozialdemokratie, die bis nun gegen die Errichtung von nationalen Ministerien aufgetreten sind, haben sich bereit erklärt, die Vorschläge des Dr. S o 1 o w e j t s c h i k zu unterstützen. Rundschau. Der Schueestürm verhindert die Arbeiten des Washingtoner Parlaments. London, 30. Jänner. (Reuter.) Nach Meldungen aus New York mußten die Arbeiten des Washingtoner Parlaments und dfer Abrüstungskonferenz infolge / des Schneesturmes unterbrochen werden. ' Tschitscherin über Lloyd Georges Politik. Moskau, ", 30. Jänner. (Fmifkispmoh.) Am Ly. d. M. 'berichtete Tech it-scii ec in iri: der Außerordentlichen Siitziumtg des äl'touasisidh'eft Vollaugisauis'sclruisses über -dlie Uimisitände der Einbeirufong einer allgemeinen.- eoiiropäiisciben Konferenz nach G en u a. Bezüglich der Rolle, die L'löyd' G e o r g e hiebei spiele, führte er aus, daß die englische Außenpolitik, stets Voraius-sioht «und Bereitwilligkeit gezeigt habe, Wege zur Zivsiammenaa-ibeit mit neuen Kräften zu suchen, von der Ansicht ausgehend, daß dies .das beite, Mittel sei, die englischen, Interessen vor der Eimvirkiuing dieser Kräfte z»u bewahren. Der * Volkskommissar erinnerte daran, daß der englische Preiii-ieir schien vor drei Jahtren die Einberufung einer europäischen. Konferenz angeregt und nach der GUTE {TORE findet man infolge kleiner , Regien am billigsten bei 483 KANN & FRIED, VI., Unke Wienzelle 40, im Hofe Niederliage Deni'kins in einer historischen Rede die Notwendigkeit, einer Veto 1 n b a r u n g m i t RußTan d aiti'S'gesiptfdöhe'fl habe, welche zor Prüfung aller Ansprüche und zur Emistalliting /militärischer Interventionen hätte führen sollen. Die; wirtschaftliche Bedeutung Rußlands, fuhr Redner fort, seine militärische Macht uiwd sein politischen* Einfluß lim Osteft sind die Hauptfälktör Öft - für »elfte. &telliuhig in der Weltpolitilk. Der Entisduß des Obersten Rates, eine allgemeine Konferenz eihzuibertufen, ist ei« großer Sieg L1 -o y d; G e ö? g t §, der S'owjetrußland aiuf friedlichem Wöge, beseitigen möchte. Wir werden eine wirtschaftliche , Zuisiämnienaibeit nicht iurÜÖkweiiHii, wir wollen sie, dbet wir Werden dagegen 'kämpfen, daß diese wirtsciiaftiidhe Zusammenarbeit zu einer wiif tsohiäft'lichön Beherrschung Rußlands aiusa-rte. Frankreich war der Inspirator aller bewaffneten Üeiberfälle auf Sowjetrußland. Seine Politik ist im Gegensatz zuir englischen gestanden und' hat die Wiedörheristellung der Monarchie te Riußliand aiftgestrebt. Die Abdankung des griechischen Königs. London, 29. Jänner. (Telegramm der »Wiener Morgeuzeitung«.) Der Athener Korrespondent des »Diäiily Expreß«, meldet, daß der neue englische Gesandte L in d 1 e y (bis vor kurzem Gesandter m Wien) beim^Körnig Kon stantin vMgesprbvhen und ihn •naimenis der* englischen Reglbiiüirtg 'aufgefördert hat, auf dien Thröh zniguafstöft dös Prihzen Geprg zu venziohtein. Lindley hat .dein König in entschiedener Weise, dargelegt, daß seifte Person das .HäUipithindeftiiS der Enitwicfelumig iitermdief Bo* Ziehuftgen ZwisOheft den Maöhteifl und Gir.ieöhenilähd bilde, Das Blatt meldet audn, daß der König sich zur Abdankung bereit eVklärt habe. Falls er jedoch seine Meinung wechseln sollte, würde. Griechenland jeder Kredit entzögen wenden. Der geflüchtete Feind Könistäntihls, der ehemalige Ministerpräsident V e 11 i z e 10 s, läßt bereits im Lande Aufrufe verbreiten, in denen er sich bereit erklärt, wieder in den Dienst Griechenlands trete«. Die Türkei und Genua. London, 30. Jänner. (Tel. Komp.) Die türkische Regierung hat sich an die Entente mit der Bitte gewe det, an der Konferenz von Genua teilnehmen zu dürfen. Bela Kun, Ehrenmitglied des Moskauer Sowjets. Moskau, 30. Jänner. (Funkspruch.) Bela Kun und der deutsche Kommunist B r a n d 1 e r sind zu Ehrenmitgliedern des Moskauer Sowjets gewählt worden. Kriegszustand in Südirland. London, 30. Jänner. (Funkspruch.) Die Führer der irischen Armee haben in Südirland sehr schärfe Maßnahmen ergriffen, um dem Unwesen der bewaffneten Räuberbanden, die dort die Bevölkerung terrorisieren, ein Ende zu bereiten. In der Grafschaft T i pp e r a r y ist der Kriegszustand erklärt worden. Die diesbezügliche Proklamalion ist in Viel schärferer Sprache gehalten, als es je eine von englischen Be« hörden während des Kampfes mit den Iren erlassene gewesen ist. Ein entflohener Kriegsverbrecher. Berlin, 30. Jänner. (Wolff.) Oberleutnant Ludwig D i 11 m a r, der1 wegen Kriegsverbrechens vom Reichs* gericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und dem Landesgerichtsgefängnis in Limburg eiiigeliefert worden War, ist gestern nachts entflöhen. Hiezu erfährt das Wölfische Bureau, daß Söfört nach Entdeckung der Flucht vön der für die Strafvollstreckung zuständigen preußischen Justizverwaltung die umfassendsten Maßnahmen zur Aufklärung des Sachverhaltes und zur Festnahme des Enifl henen getroffen worden sind. Auf die Ergreifung Dittmars wurde feine Belohnung von 50,000 Mark ausgesetzt. Die Grenzstellen sind be* nachrichtigt. Ein Awtonomiestatut für Ostgalizien. ' Warschau, 30. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung“.) In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß die Regierung an die Ausarbeitung eines Autöilömiestatuts für Ostgalizien herantrete. Da sie aber auf die Unterstützung des Sejm wenig rechnen kann, gedenkt sie dieses Statut nach der Wahlausschreibuug zum heuen Sejm im Verordnungswege zu erlassen. Warschau, 29. Jänner. (Tel der „Wiener Morgenzeitung“). Wie bereits gemeldet, hat die Parteileitung der polnischen Sozialdemokratie beschlossen, iiti Sejm eine Vorlage über eine territoriale Autonomie füZ Ostgälizien einzubringen. Demzufolge droht jetzt eine Spaltung in dftr Partei, da die ostgalizische Sektion sich diesem Beschlüsse nicht fügen will. Tagesbericht. Die. Wiener Wohnbausteuer. ■ Gestenn begann im Finamzauis schuß diie Be-* rafniiög über die Wohnbausteuer. Der Referent Dr. Daaftebcrg legte diair, daß man darüber, eines Swines sei, daß Neubauten uiid leben«wichtige! Repärabuiren an den bestehenden Häusern notwendig] sind. Die Vorlage der Bundesregierung über dem i«aters'chaiitz bedeute den 'ersten Schritt auf dem Wege, der die Mietzinse im Interesse -der' Haus*< besitzer an den gesunkenen Geldwert * amgleiicheä und der das Bauen dem privaten Kapital wieder! rentabel machen so-U. Das Landesgesertiz über die Wohnbausteuer bedeutet den ersten Schritt auf dem Wege, die un er 1 äß 1 i c h e Erih ö«bumg de« M i e t z iin s e durdh eine Steuer ztu bewirken, deren Ertrag für Neubauten und für die Erhaltung der vorhandenen Hauser verwendet werden kann . " r Im der Debatte, an der sich die Gemeimderätö Dr. Pollak, Kun sc hak, Dr. Kienböck, Blum, Zimmerl, Dr. Schwarz-Hiller, und Hengl beteiligten, wurden wiederholt Ver-< tagurag&amträge gestellt. .Die Vertagung wurde .jedoch von der Mehrheit aibgdehnt. Dr. Kien-, bock (dhiristllichsozial) wies darauf hin, daß die Vorlage eine Sozialisierung des Hausbesitszes her* beiführen will. Gemeinderat Dr. .PoHak (jüdichmatiönal) wü-nschte ein Zusammen arbeiten. detfi beiden große« Parteien bei der Lösung der Woön nungsfrage. Der Referent hob in seinem Schlußwort hei> vor, daß die Gemeinde sich selbstverständlich bemühen wird, eine Anleihe Tür. den WcT.-iniungsbaiui zu erwirkein, daß man sich aber darauf allein nicht verlassen könne. Daß die Hauszinssteuer einer WOLUMEN UNO JUMPER Sr »Wären, alles erstklassig und billigst Im Warenhaus Schiffmann ILJaborM tf8-TEleplDn47179 En gros 1074 En detail MM - Musik. Opsrnthsatsr. — Konzerts. Nach vielmonatiger Abwesenheit ist Richard Strauß nach Wien zurückgekehrf und am Dirigenten-' pult des Operntheaters wieder erschienen. Er leitete seine „Salome“ und der stürmische Willkommgruß des Publikums mag ihm gezeigt haben, wie schmerzlich man ihn vermißt hat und welche künstlerischen Hoffnungen man an sein Wirken im Operntheater knüpft, Schon die „Salome“-Aufführung bedeutete schönste Erfüllung: Wie herrlich weiß Meister Strauß die Szenen zu gliedern, die wunderbaren Farben dieser Musik in hellstem Glanze leuchten zu lassen und über alles Perverse der Musik hinweg die große melodische Linie in wohltuender Einfachheit nachzuzeichnen. Nicht nur in dem* unvergleichliche« Opernorchester fand er wertvolle Hilfe, sondern auch In der Darstellerin der Titelrolle, Frau Barbara Kemp von der Berliner Staatsoper, deren Salome,, von der der Jeritza vollkommen verschieden,, nicht minder bedeutend ist. Nicht die heißauströmende Stimme, nicht die blühende, hemmungslose Sinnlichkeit, sondern wohldurchdachte Stilisierung und Bändigung alles Triebhaften durch scharfen Intellekt kennzeichnen ihre nervöse Kunst. Ihre ganze Perversität kommt im Tänze zum Ausdruck, in den bald lässigen, bald angespannten Bewegungen der Arme und Beine, in dem Spiel des müden Mundes, der brechenden Augen, des aufgepeitschten Körpers. Im Tanze strömt die Musik aus ihr und alles, was dem Schleiertanz vorausgeht, ist nur ein mächtiges Präludium zu dieser Szene. Diesen Tanz haben wir noch niemals so logisch gegliedert und dabei gleichwohl so sinnlich hinreißend erlebt. —* Das Licht, das Frau Kemp spendet, verdankt sie nicht dem übermäßigen Glanze ihrer Stimme, vielmehr der klujzen Behandlung und der erlesenen Kultur ihres nicht gar großen, fast schlackenfreien Organs. Mit ihren kunstvollen Kopftönen, ihrem hingehauchten Piano versteht sie zu schmeicheln und zu werben, wie mit ihrem biegsamen Körper, den sie katzenartig zu verkrampfen weiß, im rechten Moment wird das spielende Kind zum Weibsteufel, das Samtpfötchen wandelt sich zur Kralle des Raubtiers und die kleine weiche Stimme wächst in der Schlußszene zum brünstig schreienden, mächtig tönenden Organ an. — Jedenfalls eine durchwegs. interessante Salome, die sich mit dem trefflich disponierten, schauspielerisch wie immer glänzenden Herodes des Herrn Schmedes und mit der ergreifenden Prophetengestelt des Herrn J e r g e r in den ungestümen Beifall teilte. Am nächsten Abend ließ Michael Bohnen in einer wTosca“-Äufführung die reiche Klaviatur seiner Künste spielen. Sein Scarpia, der die lüsterne Gier eines Bluthundes mit der Geriebenheit eines Metternichschen Polizeispitzels vereinigt, bleibt, bei allen Mätzchen, eine glänzende Virtuosenleistung; nur schade, daß bei dieser Virtuosität der Opernsänger, der vor allem zu singen hat, zu kurz kommt. Wie an ers Herr O e s t v i g, der seinen Cavaradossi mit edelstem Gesang ausstattef. Die Tosca des Fräulein Mafalda Salvatini enttäuschte durch ihre biedere Mittelmäßigkeit. Ihre Stimme ist ansehnlich, hat großen Umfang und ergiebige Höhe, entbehrt jedoch des jugendlichen Glanzes und der feineren Point!erung und ihr routiniertes .Spiel ist allzu konventionell für die berühmte Sängerin Floria Tosca. Auch im „Maskenball* war uns Fräulein Salvatini versprochen, sie sagte jedoch ab und für sie trat Frau P i r c h h 0 f f In die Bresche, die zum hoffnungsvollen Nachwuchs des Operntheaters gehört, .aber der Partie der Amelia noch nicht recht gewachsen ist. Auch Herr Krenn mit seinem spröden Iosgeherischen Bariton ist kein Ren£ für das Operntheater, schon gar nich für eine Vorstellung „zu besonderen Preisen“. Frau Schöne ist ein recht anmutiger koloratursicherer Page, Frau Kittel eine prachtvolle Ulrika und Herr Pi.ccaver mit seinem die Frauenherzen bezwingenden schmachtenden Tenor wohl der beste „Richard“ in deutschen Landen. » Eugen D’Alb ert ist nun bald ein Sechziger stürmt aber noch immer mit dem Ungestüm der Jugend- und mit der unverbrauchten Kraft des Mannes pher die Tasten hinweg. Was tut es, wenn bei diesem, Klaviergewitter rein piänistisch manches ungenau gerät- und das Pedal ungebührliche Orgien feiert; an Größen des Ausdrucks tut es ihm keiner gleich. An dem Spiele D’Alberts merkt man aber so recht, daß auch die Klaviertechnik dem Gesetze der Wandlung unterworfenist. Der unerreichte Beethoven-Spieler, der in der* Schule Franz Liszts groß geworden ist und in dessen H-Moll-Sonate in wahrer Zyklopenarbeit riesige Quadern übereinander türmt und in seiner großartigen Kontrastierung die schier endlose Länge dieser Sonate zu kurz erscheinen läßt, verliert den Ton der Ueberzeugung, wenn er in der Kleinkunst Debussys die bunt schillernden Färben der Moderne mischen soll. Immerhin bleibt es ein leuchtendes Beispiel für die jüngere Pianistingeneration, daß der Klaviertitane einer vergangenen Epoche nicht rastet, sondern sich bereitwillig in den Dienst der Gegenwartsmusik stellt. Neben dem Altmeister streben die Allerjüngsten empor: Die kleine Ren£ Gärtner verdient wegen ihrer erstaunlichen .nusikalischen Frühreife und pianistischen Gewandtheit Erwähnung. Frau Dora J 0 s c f 0w i c z hat eine leichtflüssige perlende Technik, die sich in kleinen eleganten Piecen aufs beste bewährt

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