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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-31 · Heft 1080 (31.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1080 (31.1.1922)
Date
1922-01-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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- i Seite 2 Wien, Dienstag WIENER MORGENZEITUNO _ 31. Jänner 1922 Nr. 1080 Oesterreich. Der Stand der Beamtenfragen. Die Bundesangestellten erhalten am 1. Februar zunächst den gleichen Betrag ausb^zahlt wie am Jänner, nämlich das Dreifache der Bezüge vom März 1921. Die Regierung hat die Absicht, di? Februar- Bezüge in der gleichen Höhe wie die Jänner-Bezüge, das ist das Siebenfache der früheren Monatsgehälter,' zu bewilligen, was einem monatlichen Personalaufwand von rund 25 Milliarden gleichkommt Zu dieser Summe wären auch die Mehrausgaben zu rechnen, die sich aus dem neuen Pensionsgesetz ergeben. In den nächsten Tagen werden neue Verhandlungen beginnen, die sich-auf den Termin der weiteren Februarzahlungen beziehen. Die Beamtenorganisationen werden bei dieser Gelegenheit mit weiteren Forderungen an die Regierung herantreten, da sie mit Rücksicht auf c'ie neuerliche Erhöhung der Indexziffer sowohl als auch der immer mehr fortschreitenden Teuerung auch eine Erhöhung der Jännerbezüge erwarten und sich in dieser Forderung auf die seinerzeit «pon der Regierung gegebene Zusage betreffend die Zugrundelegung der Indexziffer bei den allmonatlichen Bezügen stützen. Weitere Verhandlungen werden »ich auf die ' Neuregelung der Ueberstundenentlohnung und der Diäten beziehen. Die Regierung hat kürzlich Erlässe, betreffend die Regelung der Ueberstundenentlohnung für die Monate Dezember einschließlich bis Februar, und betreffend die Regelung der Diäten herausgegeben. Der Ministerrat hat beschlossen. in den Monaten Dezember bis einschließlich Februar den fünffachen Betrag der im Juni v. J. vereinbarten Ueberstunden festzusetzen und auch die Diäten ab 1. Dezember bis auf weiteres nach den Vorschlägen des Finanzministers neu zu bemessen. Die belgischen Forderungen nach Ausfolgung österreichischer Kunstschätze abgelehnt. Paris, 30. Jänner. (Havas.) Die Reparationskommission hat heute die Berichte dreier Juristen entgegengenommen, die sich für die Verwerfung der Forderung Belgiens nach Ausfolgung des treiteiiigen Altarbildes von Rubens und des Schatzes des Ordens vom Goldenen Vließ durch Oesterreich aussprechen. Der Grenzverkehr mit Ungarn. Unter der Leibung des Ministerialrates C a n i- <s i 11 s is-t in Budapest eine österreichische Delegation eingetroffen, um mit der ungarischen •Regierung im Sinne des in Wien durch die beiden Regierungschefs fesitgelegten Verkam dlungs-prograrcn» die Frage des Grenz Verkehrs in ihren Einzelheiten zu beraten. Die Beratungen werden teiis mit dem Leiter der Zollsaktion des ungarischen Finaivzimiinistcirk-.ims Staatssekretär König, teils mit dem Oberdirektor des ungarischen Hauptfcollamtei» B o g d a n geführt. Die Verbau d'lungen erstrecken sich angesichts der durch die neuen Grenzen geschaffenen völlig neuen Sachlage auf ziemlich komplizierte Fragen. Es zeigt sich ijedoch auf beiden Seilten großes Entgegen kommen. Die Verhandlungen dürften noch einige Tage m 'Anspruch nehmen. Verlängerung des jugoslawisch-österreichischen Handelsprovisoriums. Belgrad, 30. Jänner. (Tel.-Korr.-Bur.) Die Skup- Schtina nahm mit 122 gegen 35 Stimmen eine Gesetzvorlage an, die die Regierung ermächtigt, das am 27. Juni 1920 mit Oesterreich abgeschl.ssene Handelsprovisorium bis längstens Juni 1922 zu verlä gern. Der Handelsminister teilte dem Hause mit, daß die Verhandlungen zum Abschlüsse eines Handelsvertrages mit Oesterreich bereits sehr vorgeschritten seien. Tschecho-Slowakei. Verhaftungen in der Slowakei. Kaschau, 30. Jänner. (Tschecho-slow. Preßbur.) lieber Auftrag der Militärprokuratur hat die hiesige Polizeidirektion 14 Pers nen in Kaschau und verschiedenen Städten der östlichen Slowakei unter der Anschuldigung des Verbrechens der Spionage und des Verbrechens gegen die Kriegsmacht des Staates verhaftet Die Vorkommnisse, um die es sich handelt, fallen in die Sommermonate desv Jahres 1920 und stehen mit der Person des ehemaligen Majors Fark as, der im Oktober 1921 eingeliefert wurde, in Verbindung. Anläßlich der Hausdurchsuchung bei einem der Verhafteten in einer Gemeinde nächst Kaschau versuchte ein Teil der Bevölkerung, den Vollzug des behör liehen Auftrages zu vereiteln. Der Widerstand wurde jedoch gebrochen, die beschul ig'en Personen verhaftet und dem hiesigen Divisionsgericht eingeliefert Polen. Der Londoner Gesandte in Warschau. Warschau, 30. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung*.) Der polnische Gesandte in London W r oblew s k i Ist hier eingetroffen, um mit der Regierung verschiedene außenpolitische Fragen, speziell über Ostgalizien, zu besprechen. Juden sollen keine Offiziere werden. Warschau, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung“.) In der gestrigen Sitzung der Militärkommission des Sejm wurde unter anderem Artikel Ul Gegen den Krieg. Beschlüsse des internationalen Metallarbeiterbundes. Sonntag und Montag tagte in Wien das Komitee des internationalen Metallarbeiterbundes, in dem Delegierte von 19 Staaten vertreten waren. Von den gefaßten Beschlüssen haben eine Reihe internationale Bedeutung, So wurde einhellig eine Entschließung angenommen, welche von den alliierten Regierungen verlangt, die längst versprochenen und noch immer nicht eingetroffenen Kredite an Oesterreich endlich zu gewähren. In der Kundgebung wird auch darauf verwiesen, daß für den Fall, als die Kredite nicht raschestens gewährt werden, für ganz Europa eine wirtschaftliche und kulturelle Katastrophe drohe. Eine weitere Kundgebung beschäftigt sich mit der Frage der Munitionserzeugung und schlägt dem am 22. April d. J. in Rom zusammentretenden internationalen Arbeiterkongreß vor, im Falle eines Krieges den Geheralstreik der organisierten Arbeiterschaft zu proklamieren, um den Feindseligkeiten sofort ein Ende zu bereiten. Diese Kundgebung wurde mit allen Stimmen gegen die des jugoslawischen Delegierten zum Beschlüsse erhoben. Weiters wird die organisierte Arbeiterschaft aufgefordert, ständig eine strenge Kontrolle über die Fabrikation von Waffen und'Munition zu Üben und diese Produktion auf das Minimum der zivilen Bedürfnisse zu beschränken. Eine dritte Kundgebung verlangt die Einsetzung einer möglichst repräsentativen internationalen Kommission, die dafür sorgen soll, daß der Beschluß bezüglich der Verhinderung eines Krieges durch die sofortige Proklamierung des Generalstreiks prompt durchgeführt und im gegebenen Augenblick sofort der Generalstreik an einem von ihr festzusetzenden Termine' beginnen könne. Aus dem Pogromstaat Die Morde bei der Gegenrevolution. Budapest, 30. Jänner. Heu-te begann hier die Hauptverhandlung in einem Preßprazeß, betreffend die Ermordung des Gutsbesitzers Albert Freund v. Toßcg in Fonyü'd sowie des Groß.pächters Albert G ran er, die 'beide am 27. August 1919 umgebrach-t worden wären. Seinerzeit verlautete, d-ß die beiden Genfinutcn Komm un i s t e n waren,, und in diesem Siinue wurde auch im »Budripesti Hirlaip« und im »Üj Nemzedek« berichtet. Beide Blätter hatten die Ermordung Freunds und Gram ers a-is einem Akt der Vo l'k s j u s t i z <kiinzuste’’lem versnobt. Non wurde von den Familien Freund und Gramer gegen beide Blätter eim Preßprozeß angestrengt. In diesem Zusammenhang werden gräßliche Einzel h e it e n über die Ermordung der beiden Opfer bekannt Sie wurden, auf einem Baum äufgehängt trotz eines telegraphischen Befehls des Üamailigen OberkomMandanten H o r t h y, der die sofortige Freilassung der beiden am geordnet hatte. Der Strick, der Freund um den Hals gelegt ward, riß zweimal. Nichtsdestoweniger wurde sein Körper das dritte Mal 'hcchgezogen. Frau Freund traf wef tagend auf dem Schauplatz der Justifizierung ein und wies die Verordnung des Oberk-ommandanten vor, wonach die Freilassung ihres Mannes an geordnet worden war. Sie wurde jiedoch ohne sie antzuhören, beiseite geschoben. ... Wie »Hetföi Kap Io« meldet, hat der Anwalt der Familie den Prozeßakten ein nach der Ermordung aufgenommenes amtliches. Protokoll beigeschlossen, aus dem hervorgeht, daß der Grundbesitzer Freund, sein Güterdirektor Albert G r a n e r und ein Privatbeamter namens Eduard Hamburger, von der Mange g e l y n c'hit wurden, obzwar der damalige iRegierungskommisisär S vastic die Erklärung abgegeben hatte, daß die Genannten durchauskeine Kommunisten seien, und ob,zwar H o r t h y dem Befehl erteilt hatte, jede Entscheidung zu verschieben, bis die Angelegenheit gründlich untersucht sei. Auf Grund dieses Protokolls erhob auch die Staatsanwaitscf-iaift im Mai 1920 gegen fünf Personen die Amkilnge wegen Mordes. Doch kam es wegen der inzwischen erlassenen Amnestieverordnung zu keiner Verhandlung. . des Statuts Uber Rechte und Pflichten von Offizieren beraten. Nach dem Regierungsentwurf soll jeder polnische Bürger Offizier werden können, ln der ersten Lesung jedoch wurde der Entwurf dahin geändert, daß an Stelle des Wortes „Bürger“ „Pole“ gesetzt wurde. Auf die Frage des jüdischen Abgeordneten M e n d e 1 s 0 h n, ob das Wort „Pole“ im nationalen oder staatsbürgerlichen Sinne aufzufassen sei, antwortete der Vorsitzende ausweichend, daß dieser Begriff auch auf solche Polen wie Professor Dr. Askenase Bezug habe. Der Abänderungsantrag des Abgeordneten Mendelsohn wurde a b g e 1 e h n t und wird dem Plenum als M1 n 0 r i t ä t s v 0 t u m vorgelegt werden. Der neue Wojwode in Lemberg. Lemberg, 30. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Zum Nachfolger des zurückgetretenen Wojwoden Krabowsky wurde der bisherige Generalkonsul in Memel, Stanislaus Srokowski, ernannt. Rumänien. Wahlvorbereitung in der Bukowina, Czernowitz, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Zum Stadtpräfekten von Czernowitz fst Nicu F 1 0 n d 0 r ernannt worden. Zu Generaldirektoren wurden ernannt: Dr, Procopovici für Unterricht, Doktor. D. M a r m e 1 i n e für Handel und Gewerbe, Dr. V. S e s a n für Kultus. — Die Parteien entfalten bereits eine lebhafte Tätigkeit und bereiten die Wahlbewegung vor. Die Parlamentswahlen in der Bukowina werden nach der speziellen Ordnung für die Bukowina abgehalten werden* Die Landgemeinden haben das einfache, die Stadt Czernuwitz das Proportionalwahlrecht. Wahlberechtigt ist jeder rumänische Staatsbürger mit Heimat&recht in der Bukowina. Die Judenverfolgungen in Izsag. Budapest, 28. Jänner. Wie eine Korres'poindms meldet, bat die Polizei in Angelegenheit der seinerzeit in den Gebieten z w i sch ein der Doma u und derThei ß verübtem Gewalttaten eine Reih« von Veirf-./afitfiungeiri vorgeuOmmeo. So wurden vier Einwohner vxm Orgovany, darunter der ehemalige Gendarmeriewachtmcister . Johainm Z bom a, unter dem Verdachte verhaftet,,au den Mordtaten beteiligt gewesen zu sein, denen am 19. November 1919 drei Kaufleute aus 1 z s a k zum Opfer fielen.. Femen wurde dar ehemalig? Hörer der Theologie und! spätere Student d?r Medizin Franiz Balogh umten dem Verdachte verhaftet, der Leiter der Umtriebe gewesen zu sein, infolge deren im Frühjdktr 1920 sämtliche j ü d i s c 'h e n Einwohner vom 11s a k gezwungen waren, zu flüchiten. Es besteht auch der Verdacht, daß er an den Lm Mai 1920 in den Gemeinden U j:- S z e n t - M i k 1 o s und S 0 11 begangenen Mordtaten beteiligt wa>r. Schließlich wurde der Ingenieur Ferdinand P a t a y im Gewahrsam genommen, da er an der Ermordung des Direktors der Kecskemeter Zündhölzchenfc^ikT Isidor Neubauer beteiligt gewesen sein solL Auch drei Einwohner von Orgovany namens Stephani Juhacz, Imre und Ambros T-oth sollen in Haft genommen worden sein. Wie die beidenin Wien erscheinendem ungansehen Blätter »Jövö« und »Becsi Magyar Ujsiäig« berichten, sind diese .sechs Verhaftungen infolge Einschreitens der Buda-p e s t er Eh t ent em i s sio n e n erfolgt, die aus Anlaß der jüngst erfolgten Hinrichtung des Ludwig Eng! und der. durch den amerikanischem Gesandten verhinderten Hinrichtung des lmre/ K 1 e i n die Forderung an die ungarische Regierung richteten, die Orgovianyer Massenmörder unverzüglich zu verhaften und sie wegen dieser 'beispiellosen Schandtaten zur Vergeltung -zu ziehen. Der Hauptschuldige an diesem Massaker i>st der Freund des Horthy, Iwan H e j j a s, der sich auf freiem Fuß befindet. Er ist gegen eine Verhaftung durch ein Schriftstück Honthys gedeckt, in welchem er zu -seinem Pogrom ermächtigt wird. mb——winw 1 iiinnn.miiiwiiir'in"iii'iti , i in —mm—e—M» der das 21. LebensjahrXbeziehungsweise für den Senat — das 40.) überschritten hat. Die Anzahl der Mandate beträgt 17 für die Kammer, für den Senat 9. Die Stadt Czernowiti stellt 3 Deputierte und einen Senator. In Czernowitz dürften ungefähr 12.000 Personen wahlberechtigt sein, wovon die J u d e n mit 5000 Stimmen an der Spitze marschieren, denen die Rumänen mit 300ty die Deutschen mit 2500, die Ukrainer mit 1000 Stimmen, folgen. Bei den vorigen Wahlen gereinigten die Sozialisten 6720, die bürgerliche Liste 3270 und die unabhängige Liste ungefähr 1000 Stimmen auf sich. Die Wilnaer Frage. Die Haltung des Völkerbundes« Wilna, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung“.) Wie „Unser F r a j n d“ meldet, hat Professor A s ke n a s e in seinem Berichte, den er in der polnischen Außenkommission erstattete, festgestellt; daß der Völkerbund und die Ententemächte dem Wilnaer Sejm ablehnend gegenüberstehen und gegen die diesbezügliche polnische Politik auftreten. Das Sonntagsruhegesetz. Wilna, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung“.) Wie „Unzer Freind“ meldet, soll demnächst von der Regierungskommission eine neue Verordnung über, die Sonntagsruhe uqter Berücksichtigung der jüdischen Forderungen erlassen werden, Eine französische Stimme. Paris, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung“.) im „Journal des Debats“ veröffentlicht ein Mitglied der gewesenen französischen Mission in Wilna einen offenen Brief an die Polen, in dem er Polen auffordert, sich von seinen Forderungen

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