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Wiener Morgenzeitung · 1922-01-05 · Heft 1054 (5.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1054 (5.1.1922)
Date
1922-01-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Donnerstag WIENER MORGÖNZEITUNff Oesterreich. Jugoslawien. Keine Genugtuung für Italien Der englische Gesandte beim Bundespräsidenten. - Der neuernannte Gesandte Aretas Akers- Douglas ist gestern in Begleitung seines gesamten diplomatischen Personals beim Bundespräsidenten Dr. H a i n i s c h erschienen, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Der Gesandte wurde feierlich eingeholt. Eine Ehrenkompagnie leistete unter den Klängen des Generalmarsches die Ehrenbezeigung. Bei der Geberreichung des Beglaubigungsschreibens, die nach Aus* tausch freundschaftlicher Ansprachen stattfand, inter-: vernierten Bundeskanzler Schober und der Vorstand der Präsidenlschaftskanzlei Sektionscheft Doktor Löwenthat Christlichsoziale Reichsparteikonferenz. Linz, 4. Jänner. Die dms-tlichisoziale Reichs- ■Parteikonferenz, die unter dem Vorsitz des Parteiob-maun« Dr. Seipel tagte, befaßte sich in eingehenden Beratungen mit prinzipiellen imd organisatorischen Fragen, über die Bundesrat Dr. Drexel berichtete. 'Nachmittags erschien Bun-d osfinariizm in i s l §r: Dr. Gürtler im Berat ungslokal und sprach über, schwebende finanzielle Fragen, Geber den Bericht Dr. Drexels wurde eine vierstündige Debatte angeführt. Prälat Dr. Seipel berichtete über1 a u ß e np ol i t is oh e. Fragen. - Wi$ sich Ungarn die Annäherüng vörstellt. Oesterreich soll zahlen. " Das Budapester christlich-nationale Blatt »Nem- *$ti Ujsag« sclureitrt zu den bevorstehenden Verhandlungen zwischen Ungarn und. Oesterreich: Die ungarische politische und wirtschaftliche öffentliche Meinung wird es.gerne sehen, wenn mit Oesterreich m jeder Beziehung ein gutes Nachbarverhältnis ein? tritt. Wir glauben jedoch, daß den Beratungen über einen Wirtschaftsvertrag die Ordnung des noch nicht erledigten Teiles der westungarischeu Frage vorausgehen muß, das ist die Feststellung der Entschädigung«- und Ablösungssumme, welche Oesterreich für die in Westiingarn in seinen Besitz gelangten staatlichen Güter Ungarn schuldet. Es ist'zu hoffen, daß tn irgendeiner Form eine Vereinbarung zustandekommt. Eine der Hauptaufgaben der einzuleitenden Verhandlungen wird sein, die für beide Teile vorteilhafteste Modalität dieser Regelung zu finden. Diese Pressestimme zeigt, wie aufrichtig die Versicherungen von der Annäherung sind. Ungarn bat auch schon eine Rechnung überreicht. Danach soll Oesterreich insgesamt ,37 Milliarden zahlen, .wobei auch das nicht übergebene Oedenburg. mitgerechnet wird. Von den Gegenforderungen Oesterreichs für das ausgeplünderte Burgenland ist bisher keine Rede gewesen. Die Annäherungsverhaiiö- Lungen sollen am'12. Jänner in Wien beginnen. Tschecho-Slowakei. Benesch über den Vertrag von Lanay Paris, 4. Jänner. (Havas.) In einer Unterredung mit dem Prager Korrespondenten des „Gaulois“ Kob- Ministerpräsident Benesch hervor, er habe eine zweifache Richtlinie befolgt, nämlich diö vollständige Durchführung der Friedensver;räge und die Beiseitesetzung der jahrhundertelangen Animosität e n, um den-Wiederaufbau Mitteleuropas zu verwirklichen.; Auf dieses Bestreben sei die Bildung der kleinen Entente und die Annäherung a n Ö e s t erreich zurückzuführen. Der Ministerpräsident betonte schließlich, daß das Handelsübereinkommen zwischen Oesterreich und der Tschecho-Slowakei nichts enthalte, was Italien Anlaß zu Besorgnissen geben könnte. . 1 Reformen in Karpathorußland und in der Slowakei. Preßburg, 4. Jenner. (Tscheck o-slowakisches iPYeßbureau.) Ministerpräsident Dr. Benesch. erklärte in einer Sitzung der staats wissenschaftlichen Gesellschaft, die Tschecho-Slowakei habe ein großes Interesse an der Gestaltung der politischen Verhält? Niiisse m Karpathorußland. Man werde binnen, kurzem an die Lösung der wichtigsten Fragenschreiten und m? den Vorbereitungen 7-u den G emeindewahlen sowie den Wahlen für das; Zentralparlament und den Landtag be-;; ginen können. Die Lösung aller wichtigen Prägen.. werde dadurch erleichtert werden, daß die A u 3,- na'hins Verfügungen, so zum Beispiel die'. Diktatur und das St and recht und unter gewissen Ga-, crantien auch die Zensur, schon in den nächsten Tagen werden aufgehoben werden. Im Laufe dieses Monats würden Vertreter der Parteien naeßu 'Prag kommen und er hege die Hoffnung, daß die Lösung aller politischen Fragen zur Zufriedenheit der Ru thenen und ddr Republik gelingen werde.: Bezüglich der Slowakei erklärte der Minister?- Präsident, man müsse heute einige speziell slowakische Leiden b--Zeitigen» die sich in gleicher Weisein Prag und in Mähren fühlbar machen. Das seien, aber Fragen, die verhältnismäßig leicht zu lösen seien. Dies gelte vor allem bezüglich der Be-; amtenfrage. Was die Sprachenfrage betreffe, so sei die slowakische der tschechischen Sprache gleichgestellt und müsse es bleiben. Rom, 4.. Jänner. (Funkspruch.) Nach französischen" Nachrichten habe es die Belgrader Regierung a bg e 1 e h n t, die von Italien verlangte Genugtuung zü leisten. Wränget beehrt Belgrad. Belgrad, 4. Jänner.. (Tel.-Komp.) Der. russische General Wr "an ge I Ist aus Konstantinopel nach Belgrad übersiedelt," wo er sich endgültig niederzulassen gedenkt Polen. Jüdische Schriftstellerunä Journalistenkonferenz. Warschau, 4. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzei'ung“.) Die vierte Sitzung begann mit einem Referat des Abgeordneten Schipper über die Rechte der jüdischen Sprache in Polen, welche sehr lebhafte Debatten und Demonstrationen der Jiddischisten gegen die Hebräisten hervorrief. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen des bekannten Vorkämpfers für den Jiddischismus Stupnicki, der den jiddischistischen Schulen den Mangel der Jüdischkeit' vorwarf. Außer der Jiddischen Sprache «ei der Geist der in diesen Schulen vorherrsche, ganz u n j ü d i s c h. Sodann referierte H. L e i b e 1 über die neue jiddische Orthographie. Ir» der Sitzung wurden eine orthographische Kommission und ein Zentralrät für Berufsangelegenheiten gewählt. In den letztgenannten ‘Zentralrat. wurden Dr. N 0.m b e rg, Dr. Schipper. Jakubo witsch, R e i s e n, K a p 1 a n 0 w i t s c h und Sehe f n e r gewählt. Anschließend an die, Konferenz fand auch eine Literatur? , und Presseausstellung statt die eine starke Wirkung ausübte. In der Schlußsitzung wurden folgende politische Resolutionen angenommen. Die Konferenz: 1. Protestiert gegen die von den Behörden benütze beleidigende Bezeichnung der jüdischen Sprache als J a r g 0 ri, wie auch gegen die; Unterdrückung des jüdischen Schulwesens. 2. Fordert alle jüdischen Abgeordneten und kompetenten Fa' toren der jüdischen Gesellschaft auf, energische Schritte zur Sicherung der Rechte der hebräischen und,jüdischen Sprache, die von den Behörden verfolgt werden, einzuleiten, 3. Protestiert gegen die Verschleppungstaktik der Regierung, bezüglich der Abschaffung der österreichischen Hofdekrete von den Jahren 1814 und 1846 und Artikel VII des Wielopöldski?Gesetzes vom Jahre 1862, die die j u r i st» s c h e U n g ü I.t i g k e i t von h e b r ä i s c h e n und j ü d i s che n D o k umenten a u s s p r e c h e n. ■» Das Ende der Zentralbewirtschaftung. Warschau, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Im Sinne des im Dezember vom polnischen Landtag beschlossenen Gesetzes wurde das Approvisionierungsministerium aufgelöst Ungarn. Ein ungarisch-amerikanischer Zwischenfall. , Beleidigung Amerikas. Budapest,"4. Jänner.- (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Ministerialrat A 1 d a s s v, Chef der Auswatiuerersektion :wn ungarischen Ministerium des Tonern; hat in einem ungarisch en Wochenblatt einen Aufsatz veröffentlicht, worin er sich über das nach Amerika au?gewanderte; Unrartym ziemlich abfällig äußerte. Wie die Mörgen'blätter berichten, hat der Budapest er amerikanische Geschäftsträger Grant S m i t h hierüber seiner Regierung nach Washington berichtet, worauf die Washingtoner Regierung den Geschäftsträger beauftragte, wegen Beleidigung amerikanischer Staatsbürger bei der ungarischen Regierung vorstellig zu werden. Wie verlautet, soll. Grant Smith die diesbezügliche Note ' heute überreichen. (Aldassy ist vor «kurzem aus , Amerika zurückgekehrt, wohin er von der'magyari- E-sehen Propaganda entsendet worden war. Die ungarischen Juden Amerikas ließen ihn jedoch abfallen; und zeigten keine Geneigtheit, die florthy-Morle zu vergessen*. Aldassy ha.t nun seinen Unmut über I sein Mißgeschick zu taktlos ausgedriiekt. — Red.) Nationalversammlung. Budapest, 4. Jänner. (Ung, Tel.-Korr.-Bur.) Dais Ha-us setzte die Indemitätsdebatte fort. Abgeordneter Johann B.e n e d e k (Nationaldem-oikrat) spricht, sich gegen jeden Kl 1 a s s e n h a ß und kotif e s s i o jn e 1,1’e n. H a der a<us. Er sei weder Legitimist noch Karl Ist, jedoch gegen jede Einmengung fremder Mächte in die ungarische Königsfrage. Die Legitimistenführer enthaftet. Budapest, 4. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die königliche Ta.fel hat heute auf Grund einer Entscheidung des A;n kl agesenäts die im Zusammenhang 1 mit dem Königs put sch verhafteten Abgeordneten Stephan Rakovszky, Grqf Anton S i g r a y und Dr. Gu-stav G r a t z sowie den Oberstleutnant Schnitzler gegen Kaution auf freien Fuß 1 gestellt. 5. Jänner 1922 . _Nr, 1054 Rumänien. Staatliche Subventionierung der jüdischen Volkshochschule» Bukarest, z. Jänner. (J; C; B.) Hier wurde dis erste Volkshochschule des jüdischen Reichs Vereins Untergrößen Fcierlichke len und in Anwesenheit des Ministers für öffentliche Arbeiten, Kenia, / eröffnet. Der Minister erklärte ln seiner Begrüßungsansprache,'- daß die Regierung diesem jüdischen Institut eine. Subvention vomö.öoo Lei zu gewähren beschlossen habe. lS'- Palästina. Herbert Samuel in der Nationalbibliothek. Jerusalem, 3. Jänner. (J.C.B.) Der High Commissionef besuchte vor einigen Tagen die jüdische Nationalbibliothek und wurde -dort von den Herren Ussischkin, Kahan, Veilin und Dr. Bergmann empfangen. Sir’ Samuel bekundete großes Interesse für die Kataloge sowie für einzelne Bücherkollektionen, insbesondere für; die der Genisah aus Kairo entstammenden Fragmente aus dem XL und Xll. Jahrhundert und versprach, der Bibliothek eine Anzahl wertvoller Bücher als Geschenk zukommen zu lassen. Durchführung des Rutenberg-Projekts* Jerusalem, 3. Jänner. (J. C. B.) Wie wir erfahren, werden im ganzen Lande große Anstalten zur Schaffung einer Gesellschaft mit einem Kapital von zwei Millionen Pfund Sterling getroffen, deren Hauptzweck die Durchführung des Rutenbergschen Elektrifizierungsprojekts ist. Nach Meldung der arabischen Presse aus Jaffa habe auch, die Regierung mit den nötigen Vo bereltungen bereits begonnen. Die Einwohner des .Dorfes S c h e i c h. wurden von den Behörden aufgefordert, von der Bestellung ihres Ackers, der sich auf der Karte des Rutenberg-Plänes befindet, Abstand zu nehmen. Anlage von Tabakplantagen. London, 2. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen* zeitung“.) Die Kolonisationssektion der zionistischen Exekutive bringt jetzt der Entwicklung der Tabakkultur. in Palästina erhöhtes Interesse entgegen. Direktor Etting e r von dieser Sektion bemüht sich, eine Anzahl erfahrener Tabakzüchter aus Beßarabien nach Palästina zu. bringen. Auch, bisher wurden verschiedenartige Versuche auf diesem Gebiet durchgeführt, die erfolgreichsten sind die von Herrn A r in 0 w s k j gemachten Experimente, der der zionistischen Exekutive bereits eine Anzahl Tabakspezialitäten zur Verfügung stellte, die er in seiner Versuchsstation bei Jaffa hervorgebracht hat Andere Versuche wurden in N u r i s gemacht Das ganze U m-K a b ä-G e b i e t bei Mahlul im Tale Jesreel wird allgemein als für die Tabakkultur besonders geeignet gehalten. Es ist auch in . Aussicht genommen, dieses Gebiet,. sobald eine entsprechende , Anzahl erfahrener Tabakzüchter im Lande zur Verfügung stehen werden, zum Atttteipunkte der Tabäkkultur in Palästina umzugestalten. . Rundschau. Die jüdische Autonomie in Litauen. Kowno, 3. Jähincr. (J. C. B.) Die litauische-Regierung hat den jüdischen Minister Dr. Solow e j t s c h i k als Mitglied ihrer Völkerbunddelegation nach Genf ernannt. Dr. Solowejtoclvk mußte jedoch; infolge der bevorstehendem! Verhandlung des AutonomIegeset2es für die nationalen Minderheiten durch den litauischen Sej*m, diese Mission zuTÜcklcgen, da seine An Wesenheit in Kowno zur Verteidigung der verfassnngstnäßigen Anertke.an'ung ■ der jüdischen Autonöim.ie gegen die Opposition der Kle-Hkalen und Großgrundbesitzer dringend notwendig erscheint. Kowno, 4. Jänner. (Tel der „Wiener Morgen* zeitung“.) Laut Beschluß des Ministerrates müssen alle öffentlichen Kundmachungen, und, Meldungen der zivilen und militärischen Behörden auch in polnischer, jüdischer, und weißrussischer Sprache erfolgen, falls die Minoritäten n i c h t . w e n i, g e r als 20°/o 6 e r Bevölkerung des. betreffenden Administrations- Kreises ausmachen. Die Völkerbundkommission in Kowno* Warschau, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Die Kontrollkommission des Völkerbundrates hat zum Zeichen des Protests gegen die Slellungnahme der Kownoer Regierung in der Frage der Wilnaer Ländtägswahlen beschlossen» Kowno zu verlassen. (Eine amtliche Bestätigung dieser Meldung liegt nicht vor.Die Red,) Ruhe in Aegypten# * London, 5. Jänner. (Funkspruch.) Aus Aegypten wird gemeldet, daß die Lage sich zusehends b e s 8 e r t Die militärischen Vorsichtsmaßregeln bleiben noch weiter in Wirksamkeit « Englische Parlamentswahlen im Februar* London, 4. Jänner. (TeL-Komp.) Wie die „Times* i mltteilen, werden die Wahlen zum Parlament im Februar stattfinden. Das Wahlprogramm Lloyd Georges werde die Wiederherstellung, des Handels u..d der Wirtschaft Europas bilden;

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