Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1054 (5.1.1922)
- Date
- 1922-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Etflzelisummer K 40 Wien: Zum Abhofen in d6s ' Expedition, II.,Taborstr; 1—3i * oder .in einer Verschleißstelle- ' (Trafik1) monatlich K 1000. Mit Post Versand ftirWien und Oesterreich'monatlich K l000. - Tsc h ec h o-.S lovvakel: Mon;, Karinen'20. Ungar n-.-Monatl., ~ Krönen 120. Jugoslawien :• Monat!., Dinar 18.,! Pol»en:,.' Monatl. Mark 600. D euts.ch- . land:. Monatlich' Mark 25. , Frankreich::MonatI.Fircs:6. ‘ lenrv Titi»«€ho-sipwBkel «Sich. EC 1 Italien: Monatlich Lire ,6. Rumänien: Monatl. Lei 40. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Francs 3. Redaktion u. 'Administration- Wien II., TajborstraSse 1—3: , Telephone: 44-0-38, 43-3-19, ab 6 Uhr abends 17-9-33. T elegrammadi;esse: „Morgenzeitung“, Wien. - Öesterreichisches Postsparkassenkonto150.693, Nr. 1054 ' Wien, Donnerstag, 5. Jänner 1922 4. Jahrgang ■ Die Giftmischer.' /': . { Det. Kommentar, . den der Bundeskanzler: dem, in . Prag o geschlossenen Abkommen ' vorgestern gegeben hat; flehtet sich . gegen die „seit einer Woche mit steigender Schärfe auftretenden nationalistischen Unter- Strömungen.Djese .Umtriebe^'k.anv man immer; verzeichnen;:;so-oft die außenpolitische La^ö: Oesterreichs, eine' Tendenz;, zum Besseren.izeigfc; Sie treten1;jetzt in ejnem- > ^eitpyiikt, hervor, wo, di?; OeffenÜichkdt .'.ge- .schlossen hinter "dem; Kanzler;;SteJien müßte, .dD in Prag die politische Isolierung Oesterreichs gesprengt hat . und ’; dem;Nationalrat) ' ein v.okdment ipit^ringt, . das außer , einer . Fülle wertvoller wirtscliaftspblitischer ' Emingenschaften aüdh noch die Qefaietsgarahtie der kleinen ‘ /Ehjtente. enthält;':..' bas'! Territorium. Oesterreichs, zu dessen Schutz bisher vnür. eine-kleine Militärmacht bereitstaud, wird von.-uün/ab! weit kräftiger/gesichert Wir haben! in der Buigenl^idaffäre. alle - Nachteile der Vereinsamung aushosten müssen und es - ist jedermann "bekannt, daß die! magyarischen Aspirationen auf die Zone A, wieMn in Ungarn .das an Oesterreich. gefallene Gebiet /pennt, durchaus• ' noch nicht vorbei / - mud. , Nach dieser f&ite ' hin ist Oesterreich vor! Ueberrascftjurigen geschützt und man V sollte,' ‘ da es ^' sich um eine ■ in: der .Mehrheit deutsche Bevölkerung - tändelt, .meinen, 'daß^gerade. dite/j Partei der unentwegten Deutschen die Stellung des Kähzlers bei :der parlamentarischen Behandlung des Vertrags.; stärken müßte. : - "•••■; L-.:';; Aber diese Partei hat sjchf/yop den fti .Wieh lebenden‘ Flüchtlingen in; eine . 'Kämpfposition) drängen! lassen/ Wieder wie bei der\seinerzeifigeh Änschlüßpröpaganda sind landfremde Elemente an / der Arbeit,' ein? Versöhnung. Oesterreichs .zu verhindern1 lind den Giftstoff' der 'Hetze. imm^r von neuem' wirksam zu machen;; Die Leute, die f^O.esterreich-Ungäfn in. den^Mög 'Mtefzt uhd HdWWMleitzh zwischen den Nationen"- hMtzMleben- Parteisekretäre» - .die., an, .poHäspher^^kaiiin mit den. Kommunisten - Schritt haften kdÄen,;'8lnd wieder im Vordergrund und erzeugen eihetLZuständj der vyn - der Staatskrise nicht mehr weit entfernt -ist.' ^hnen gegenüber, der Garde; des Innenministers Wäber, muß der im öffentlichen Dienst grau gewordene Schöbe^ sein natlohalesgflnd österreichisches Gefühl verteidigen. Es ist zu lächerlich! .; : *-/- . Kein Zufall ist es, daß diese Gruppe auch den extremen Antisemitismus neben dem Haß gegendie österreichische Republik in ihr Programm gestellt hat. In. dieser Hetze gegen die Juden findensich alle zusammen, die einen'Sündenbock _ für ‘ihre vielen Verbrechen brauchen. Die Parole gegen die Juden steht in. einem; innigen, ja v sogar , ursächlichen Zusammen- . hang , mit der Wertung, die, Oesterreich im- Ausland findet; Der Antisemitismus ist der ' direkte Ägetit? aller gegen Oesterreichs Kredit und- Existenz; gerichteten Feindschaft und wir habenes wiecjerhölt erlebt, daß die Bemühungen Oesterreichs um-’; Vertrauen und Hilfe durch eine gemeinsame Aktion; aller Antisemiten mid .sonstigen Totengräber des Staates durchkreuzt wurden. Der Antisemitismus ist eines der Vielen. Symptome der politischen und sozialen.Rückständigkeit . und er. wirkt in bezug auf Oesteiieichs Ansehen genau so wie der von Hörthy bezahlte Hochverrat der österreichischen Legionäre. Die Sabotage d'es- Staates wird immer von . den ' gleichen betrieben, deren Lebenselement : der Kampf. ■ gegen die friedliche Entwicklung und gegen den Eintritt Oesterreichs, in ein sein Gedeihen verbürgendes mitteleuropäisches System bildet Alles, was die Sanierung^ fördert,; bekämpfen sie; alles, was Oesterreich schädigt ist ihr guter Freund. Das hetzt -gegen Juden, gegen sozialen Fortschritt. gegen Frieden, gegen England; gegen Amerika,; für Hörthy und für alle, die Oesterreich ins Grab legen wollen. .' *.. Man muß es aber auch . anmerken, daß die gegen das Kabinett Schober Sturm . laufenden großdeutschen Untergruppen in der „Neuen Freien Presse“/; - stets ihren warmen ‘ Schlupfwinkel finden. Das sogenannte Judenblätt deckt allen Antisemiten'-den Rücken,; -wenn sie nur „Gott strafe England!0 und „Nieder mit; den Tschechen“ schreien. Es kann den Frieden mit den Tschechen nicht'Verträgen. Es" hat sie in der Monarchie stets mit Haß verfolgt': uni -es weiß jauch heute für; den Vertrag . vqn ( Lana, äer;" eine. Lebensfrage. Oesterreichs bejaht, keine besseren Gründe zu finden als die Sorge mm die-Großdeutschen,! die 4inan denke —ihre1 Position verlieren könnten. Das Unglück für Oesterreich wäre namenlös, wenn , der Waber verloren ginge,. der « Minister jener Partei, der die „Neue Freie, Presse“ dankt, daß Oesterreich t frei ist von Reaktion.. Es ist schade, daß Waber;nicht in die Lage kommen kann, die Zugehörigkeit seines Lobredners nach „Rasse und Sprache“ zii prüfen.' Angebliche Abdankung Karls. — Der Thron für Kronprinz Otto. Berlin, 4. Jänner. Wie das ^-Uhr-Abendblatt* meldet, soll Exkaiserin Zita mit ihrer Reise zu ihrem erkrankten Kinde gewisse P1 ä n e verbi n d e n. Sie beabsichtige, mit dem Kronprinzen Otto nach Budapest zu re i s e n und in der Nationalversammlung zu erscheinen. * Sie wird dort einen /Brief des’ Exkaisers verlesen; in dem er seine A b d a n k u n g u us spricht und die Naponalversammiung. bittet, seinen Sohn Ott o als rechtmäßigen Nachfolger aui den u n g a r 1 s eben Thron zu setzen. «au*'!; Die Beratungen der Mächte. Turin, 4. Jänner. (Td.-Komp,) Di?. „Siampa“ schreibt zur Haltung Frankreichs auf der, Washingtoner Abrüstungskonferenz, Frankreich scheint das ' vollständige Mißlingen des Marineabkommens anzüstreben,; um eine englisch-amerikanische Verständigung zu, . hintertreiben. Die politischen und militärischen Kreiäe!!Frankreichs wünschen, nächst dem stärksten Heere, in;;Europa eine ansehnliche Flotte,, um England Achtung1einzuflößen lind Italien zu; überflügeln. .!&! . .! ♦ zwei Stunden lang die europais-che Wiirtsdhafttslage«, Amtlich w-ird mitgeteilt, daß »keinerlei Beschluß bezpglicih der amerikanischen Politik in der Frage der - Teilnahme an einer europäischen Konferenz -gefaßt Worden sei. Bishem sei von seiten der europäischen Mächte än Präsident Plarding kein offizieller odetl ha.böfjizieller Vorschlag betreffs einer Beteiligung; gelangt.; . ' ' ';;" "'MÄproM!L^erhancllun§en'''rv LerM. Eonddn,;;:4/!>Mnner. (Wolff.) Veh - »Times« wird aM Paris/bWÄitet, es herrsche/ExLbezüglich der IConfe'renZ'kyon!!'Uanne.s au-sgesprÄMenes ''U-nhe- . hage'ni» 'Wemähd; scheine; zu wissen/-'was ^eigentlich in'.(Ca-rihesgesclie-hen-;söll./*T'a--:eiherri^|^%tWel'. ,der »Times« heißt' es,;die Aussichten;seien b-Eo h'-1 8/eh r h?o f f h-u h g s;v o TL Ein PrograhM/sei; n i c h t : festgesetzt und; der?.Gedanke des/AuMaues'-^ganz' : Europä^;NnÄ6hljeßhch Rußlands diuMj-^eP-^ -.interhäÄonAeL-- Konsoktlum^LMeine? hoch/.'MD§?M?weit. - gedieh en zu - seiri^däSA er' 'd*er ~‘-l£"r‘ i“ fl/k cl e r 'G e-~ •T,c h ä f t s w e 11 standhalten -könh/W>erste Rat könne, während der kurzen Da;üer?'deir'-,Tagung. . nicht die Grundlagen für eine n eueA©rä(vschaffen, er ■ könne; ndr die dringenden. •. P r o,b/l e in e des Au g en bT! c ks yerhandeln und :nützliche V örs c h 1 ä g e in. der* ..Repaiatiio.nsfrage kniaichen, denen die Alliierten zustim-men könnten. . . . 1 Berlin, 4. Jänner.: Heute vormittags fand;eine!;d^>inettss.itzung statt,' m der. hanptsächlich;; ««die K e .p a raT i o n sfr a g e u'N'd die . F i n a n z.-i PjkO'b l? m e beraten wurden-.- Reichis-kahzlor- , D.r. Wi r.t h empfing die Parteiführer, um mit' ihntzni; . ebenfalls diese Fragen zu besprechen. ,Die /Be-. mMungen der Regierung: sind darauf gerichtet-, e-in?K?o m pro miß unter ' den Parteiführern-, /.dos ^eptirums, der Demokraten und . der Sozialdemor;; pa|egi Jbezüglich?des Stouerproblem« -rU.vrriÄeh-tz»« * 'A;«Mj»er »Täglichen Rundschau« zufolge halteh -(^ie bürge fliehen Parteien eine Verständigung-mit. d,en Sozialdermokraten für möglich, vorausgesetzt,-daß die Frage der Erfassung der. Sachwerte aiusge- -schaltet würde. Die SoziaIdemcilcrat-en müßten ihre Haltung zur Umsatz- und zur Zuckersteuer ändern, W3s Zugeständnisse der bürgerlichen Parteienin der Frage, ob Grundstücke nach i-hem Nutzen oder; nach ihrem Gemeinwert belastet werden ©ollen,;h<rbeifübren könnte. Die »Freiheit«' erklärt, daß das von den Bürgerli-dien 'gedachte Kompromiß für, die U. S. P. D. undiskutabel sei. - mmmmmr London, 4. Jäyner.. Das •.' R.eutersehe Bureau meldet aus Washington: Präsident H a r - ding unddas amerikanische Kabinett erörterten Ein jüdisches Geschäftszentrum in Jerusalem. Uebergang von Gründen des griechischen Patriarchats in jüdischen Besitz. — Ein großzügiger Bauplan. Am 17. Dezember 1921 wurde ihi g ri ec.h isehen Patriarchen zu Jerusalem ein Dokument von großer Bedeutung unterzeichnet. Durch dieses Dokument: wurde der. Be'sitzjstaind der griechisch-oii thedo-xen Kirche in Palästina uim ein Erheblicf/.ies yenringort und der jüdische , Besitzstand im gleichen Maße vergrößert.1.' Es handelt sich um die Raitiiizierung des zwischen dem. griechischen Patriarchen Damianos und 'dem Direktor der Palestime Land Developpment Gp. Dr. Thon geschlossenen Vertrages,-wonach ein: wichtiger Teil des in und. um Jerusalem gelegenen; Bodeus das Patiriarchatb an die; genannte Gesellischäift und den Jüdisclhten. Na»tio tn, a 1 f o n d s' übergeht Die griedliisch-orthodoxe Kirchev -War bisher und ist trotz dieses großem Boden vef kauf es wohl noch immer der reichste Grundbesitzer^ in Pajästina. Die 60.000/ griechisch-orthodoxen GhiHsten meistenis Araber — die im Palatina, lohen, und die Schiaren ihrer Glomlbehisgenioisis«»'..4 in» anderen Ländern habe Jahr hunderte daran gearbedt-ct,. ihrer Kircfcje eine alle anderen kirchlichen, Mächte überfragend? . Position, im Heiligen. Laipde *zu schaffen.-! •Ein. Mittel (h'iezu ,wär eine ständige .Vergkößenung des Besitzes an Grund und Boden /der .geheiligten Erde, dem auf der'änderen Leite'eine großzügige, .vor der Ausgabe großer- Summen?>hiohit zuirück- schreckende Wohlfahrts- und Kult'uf^ribfeit gegenüberstand. Der Reipräsenitant ..'diejsfcs ganzen Wirkens/war der’ Jerusalemer' Patriarch; ki "dar türkischen Zeit, der nur dem Patriarchen von Kionstantiimoipel untergeordnet war. " Die ribsig-en Einnahmen des Patriarchats versiegten plötizliah im Weltkrieg. Der! Versuch/ bei den /o«rthödöxen• .Gläubigen, aller. Welt;!<n>a'ch; dem. Kriege Mittel aufzutrelb-en, schlug fehl, die Lebenshaltung der Geistlichkeit wurde immer dürf“/ tiger. Da wandte sich der Patriarch D a m i a n o s cL*n die zionistische -Pilestine Land Developpment Ca., .und bot ihr den Kauf von Grundstücken in Jerur s^lem an.. *■ Gegen don großzügigen Pabriärchan begann nun im eigeuein Lager eine . Kampagne * die •&ch>yere Zerwürfnisse im Schoße der Gemeinde zur Folge hatte. Endlich kam der Vertrag am 12. Juli 1921 zustande, mußte aber einst von der Landesregierung die Bestätigung erhalten. Diese [setzte /eine Kommission eitn, welche über die Erleichterung; der! finanziellen Situation des Patriarchats benaten; und auch über dein Bcderaverkauf entscheiden scdlte. : Nach . . monattclangen Verhandlungen, während!Welcher immer neue. Schwierigkeiten auftaubhiten.^ wurde endlich am 19. Dezember 1921 der Vertrag vom High Gommissioner bestätigt. Somit iist oun ein Jerusalemer Gebiet im.Wert« Von' etwa einer Viertelmillion Pfund aus dem Be- /sitze der Kirche in den der jüdischen. Gemeinschaft übörgegangen. Dieses Gebiet ' enthält Teile von hohem Wert im Zentrum Jerusalems,;gegenüber dem Mamillahteich, nahe dem Jaffa-Tor, ’ aruf^ dem; Wege zum Balhinlhof und an deif jaffa- , stfaße. Gemäß dem Gedanken, der die Anhänger;dfef <üeujüdischen Bewegung nach Erez Israel ge-; führt hat, soll dieser Boden alsbald dem- .Ziele’ jüdischer Arbeit .zugeführt .werden.r Auf ilhm soll . ein - jüdisches*. V 2 rkeh r sum d Geschäfts-’ .izrejnrt rum erstehen. Die Kaufleute, deren: Be-*' triebe! heute keine Aüsdahnungsmöglichkeite^i haben, ©allein 'hier gute, modenne Magaizine errichten, können., ohne feraefhiin dbn willkürlichen Preis- - steigeruhgen arabischer Hauswirte, auisgeseität zu sein. . ' Und' die» welche nach den letzten , blutigen' Ereignissen ' sich! scheuen, weiter verstreut unter;!. daii: Arabern der alten Stadt zu leben, ©ollen sich hier ' zu einer stärken und kraftvollen jüdischen' KoloniezusammensJilicßein. So wird der bisher brachliegende Böden Jerusalems im jüdischen Besitze bald in weitgehendem Maße benützt eeiini und , als ein Symbol jüdischen Fleißes daistehea* -