Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 705 (12.1.1921)
- Date
- 1921-01-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979784--06355-2992299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
"■ /Seite 4' 'Wien, Mittwoch_Wie»rev MoxgerrzsiLurtif_ 12. Jänner 192! _ /Nr.7vs f Abgeordnete Emniy F re undli ch': In erster Linie müssen wir verlangen, daß wenigstens diejenigen Verordnungen und Gesetze, die noch in Kraft sind, tatsächlich durchgeführt werden. Dazu brauchen wir-keine Vnqueie und keine Diskussion/ sondern nur ernsten Willen. Bis heute wurden von dem KonLingsnt von >110.000 Waggons Getreide bloß 60.000 Waggons abgeliesert; wir haben also noch 50.000 Waggons Getreide von den österreichischen Landwirten zu bekommen. Man wüßte endlich den Mut finden, zu erklären, daß ein Staat, dessen Valuta sich in einem Zustande befindet wie der unsere, auf die Einlösung dieser Schuld nicht verzichten kann. Unsere Ernährung. r . Die Vertreter der Reparationskommission Hatzen .den Minister für Volksernährung und den Minister •für Finanzen zu einer Sitzung geladen, bei welcher Mnährungsfragen zur Erörterung gelangen sollen, die mit der Finanzlage im engsten Zusammenhang sichern 'Das Wiener Korrespondenzbureau in Diensten Horthys? ' Das Österreichische amtliche Depeschenbmeau versäumt es nie, die nichtssagendsten Budapester Meldungen in Wien zu verbreiten und auf diese Weise Horthy-Ungarn in der Wiener Presse die billigste Propaganda zu besorgen. Gestern veröffentlichte es wieder eine lange bestellte Erklärung des Wiener ungarischen -Gesandten Dr. Gr atz, die offenkundig daraus hinausgeht, in der westungarischen Frage die österreichische 'Oefsentlichkeii zu bluffen. « ” Bar einemKvMproMitz in der polnischen SenaLsfrage? . Warschau, 11. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenßertung".) In Parlamentskreisen verlautet, daß der Sejmpräsident Verhandlungen mit den Parteien angc^ knüpft hat, um auf Grund des Vorschlages des Abgw Ordneten Maslanka, nach welchem der Senat durch allgemeine, direkte und geheime Proportionalwohlen ^gebildet werden soll, em Kompromiß der Parteien zu erreichen. Ein,. sozialdemokratischer Abgeordneter erklärte, die Linksparteien seien grundsätzlich gegen einen jgfenüi und würden für die Schaffung eines solchen auch nicht stimmen. Aber unter gewissen Bedingungen, die durch das Projekt Maslankas als Grundlage der Verhandlungen geschaffen werden könnten, würden sie sich bestimmen lassen, ihre O p P osit i o n in dieser Frage tzu mildern. Mitteilmigeil aus dem Publikum. RIUANYEN, jporleh, Bold, Silber, Platin u. Uhren kauft and rerk an f t 776 ETTER Rotentnrmsfr. 23, Mariabilfetstr. 98 Amsterdam Wien Antwerpen Erster grösste* Käufer für «m BrilSanten, Perlen Juwelen etc. Rabinowitsch, Juwelier {. Bezirk Maximitianstrasse 5, heisst jetzt Mahlerstr. II. Bezirk, Stephaniestrasse 3, nur 3 im eigenen Hause Freitag ab 4 Uhr and Samstag geschlossen. Hören Sie auch oasere Preise. Telephon So41 nnd 45143 55rat**r rrösstor S&nfer für 4975 mx»£51 schön» Pcrlachnfi.e, Edelstelnhändler und Juwelier CSl Erste Gasse v. Graben beim _ ‘Kohlmarkt n Pr «tag von 4, Uhr bis Montag Drittes Haas nach dem Allfrüh geschlossen. Tel. 30787 gemeinen Krankenhause.!., Hsbshuf flerg. Alserstr.lO OB11 anne Vll.,8chottenf8lög,24 GRÖSSTE ÄDSWÄHL IH L'JIÜS- UND STIL- MÖBELN MÄSSIGE PREISE 440 Kultusu. Justiztalare ”J 3C2 Spezialisten Rudolf Goldstein, Schneidermeister, Wien, II., Taborstresse 54. Gegrtlndet 1856. Telephon 45629. 781 CH REIß Maschinen — Ms tenM Billigste Preise Leopold Sfteinhart Wien, i., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/VIII alt aad noo en erros und - n detail 811 MAYER II., Taborstrasse 39 Der neue polnische ErrrLhrrmgsminister. i- Warschau, '11. Jänner. Als künftige Ernährungsmnnistsr wird der Industrielle Boleslaw Gro-- D; i e c k i genannt. - Anfstände in der Ukraine. Paris, '11. Jänner. (Havas.) „Ruß-Union" meiden aus Hslsingsors neue Erfolge der aufständischen Bauern westlich und nordwestlich von Kiew. Zähl- «reiche Bauern hätten sich mit den Aufständischen vereinigt, die im Besitz von .Artillerie und Maschinengewehren seien. Ihre Zahl werde auf 26.000 geschätzt,. Fremdenkontrolle in Frankreich. Paris, 11. Jänner. Wie „Jntransigeant" berichtet, werden im Ministerium des Innern Vorbereitungen getroffen, Um eine schärfere Kontrolle der Fremden durchzuführen. Mi- «ifter Sterg wolle die im Jahre 1917 eingesetzte Aontroil- Ärmmission, die seit dem Waffenstillstand nicht mehr zusarnmen- Mtreten ist, reorganisieren nnd für die nächste Zeit eine Tagung der Kommission anberaumen. Das Blatt fügt hinzu, daß die Zahl jener Fremden, die sich ohne Bewilligung im 'Seine-Departement aushalten, vielleicht höher sei als die der ordnungsmäßig angemeldeten Fremden, die sich auf fast 300.000 brause. (Die Ursache der Maßregel dürfte das Erscheinen >er Fron Zetkin in Tours sein.) FranzSstsche Kammer. Paris, 11. Jänner. (Havas.) Das Parlament hat Kerrie seine Arbeiten wieder ausgenommen. In der Kammer hielt Alterspräsident S r e gfried eine Ansprache, worin er auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinwies. Die Finanzlage, sagt er, gibt allerdings zu Besorgnissen. Anlaß und die Wechselkurse sind noch immer ungünstig, aber die bereits gemachten großen Bemühungen auf dein Gebiete der Steuergesetzgebung sichern das Gleichgewicht des ordentlichen Budgets. Im Senat..gab Alterspräsident Denis der Hoffnung Ausdruck, dadurch, daß Deutschland den Vertrag von Versailles durchzuführen verpflichtet werde, würde die Steuerlast der französischen Steuerträger erleichtert werden. Zu diesem Zweck, sagte er, dürfen wir, obwohl entschlossene Anhänger des Friedens, kein allzu kleines . Heer besitzen. Gegenüber seinem Feinde hat Frankreich das Bewußtsein seiner Pflichten. Es wird nicht isoliert bleiben; schon sind seine englischen und amerikanischen Freunde gegenüber den gefahren, die die Zivilisation der Welt bedrohen, nicht gleichgültig. Redner schloß mit.rührenden Worten Würden Völkerbund, dessen Erfolg durch alle unerläßlichen aftaftw net BAwrn ift % Das Ende der Herrschaft d'Aunuuzios. AbH>az«r, 10. Jänner. (Sttfani.) Die von den Legionären geräumte Insel Veglia ist von regulären italienischen Truppen besetzt worden. Heute wird die Besetzung der Insel. Arbe erfolgen. S(Öte .e§ heißt, steht die Abreise d'Annunzios nach Italien bevor. AgMM, 10. Jänner. (Südslaw. Preßbur.) Dis Belgrader Zsntralregierüng und die Agramer Landesregierung haben, alle Vorbereitungen zur Uebernahme der bisher von Italien besetzt gewesenen Gebiete getroffen. Administrativ werde die Insel Arbe Dalmatien, die Insel Vegkia nnd Castua Kroatien zugeteilt. Wofür Amerikas Hilfskredite verivendet werden. Berlin, '11. Jänner. (Privat.) Nach einem Washingtoner Telegramm der Deutschen Allgemeinen Zeitung" machte Senator Reed die aufsehenerregende Mitteilung, daß von den 150 Millionen Dollar, die zur Linderung der Not in Europa bewilligt worden waren, 40 Millionen für den Unterhalt des polnischen Heeres verwendet worden sind. Unruhen in Hindostan. Allahabad, 10. Jänner. (Reuter) In H i n 8 o sr a n sind ernste Unruhen ausgebrochen. An ihren Schauplatz wurden Truppen entsendet. Die Lokalbehörden sind bemüht, den plündernden Pobe! zur Ordnung zurückzuführen. - Wüste Vorgänge im mecklenburgischen Landtag. Berlin, 11. Jänner. Wie die Blätter aus Schwerin melden, kam es im mecklenburgischen Landtag anläßlich eines Dringlichkeitscmtrages, den Arbeitslosen soforteine Beihilfe auszuzahlen, zu wüsten Auftritten. Polizei mußte einschreiten und die Tribünen mit Gewalt räumen. Teleki will mit den Sozialdemokraten verhandeln. Budapest» 11. Jänner. (Uns. Tel.-Korr.-Bur.) Ministerpräsident Graf Teleki erklärte mi Klub der RejüerunsSPartei über die Aufnahme der Verhandlungen mit den Sozialdemokraten, er stehe jedem gerne zurBerlugung, der mit ihm über diese Frage verhandeln wolle, vorausgesetzt, daß der Betreffende rin politisches Gewicht besitzt. Die Atbeiiersragen enthalten jedoch zahl, eiche Punkte, die nicht zum Gegenstand politischer ElLuerungen gemacht werden dürfen;, diese ^müßten mit, Ausschaltung jeder Politik erörtert werden. Die Hewerkschastsstage, erklärte der Minister" sei stmr pslmsche Frage, denn die Oenonkschgsi« seien wirtschastliche Jntereffenvertretungen. Deshalb müßte über dies! Frage nicht nur mit den Sozialdemokraten, sondern auch mit bd christlichen nnd den nationalen Arbeitern verhandelt werden. ' Die ungarische Antwort wegen Wests nngarn. Budapest, 11. Jänner. Wie das „8 Uhr-Abendblatt* von kompetenter Stelle erfährt, ist die Antwortnote,der ungarischen Regierung auf die Note des Botschafterrates,-betreffend Westungarn, bereits in Paris einge» troffen und wird heute oder morgen vom 'Gesandten Prasznawszky dem Ministerpräsidenten Leygues übet»' reiE werden. Horthy begnadigt RLnber. Budapest, 11. Jänner, (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der. Reichsverweser hat den vor einigen Wochen vom Bü» dapesier Standgericht wegen Raubes zuni Tode Lurch den Strang verurteilten Attila Rumboldt begna* digt. Die. Todesstrafe wurde in fünfzehnjähriges Zucht», Haus umgewandelt. _____ Tagesbericht. Für Vie Universitätsbibliothek in Jerusalem. Zur Kulturarbeit im Lande der Väter mtfrttfet hieß von jeher jeden bewußten Juden an ein« Gewissens«- Pflicht mahnen. Seit San Remo steht überdies Mit^ wirken an dem Aufbau Palästinas im Programm aller jüdischen Parteien. Das Volk entbehrt aber, alles leichter als das Buch, das geistige Bwt. Voraussetzung urch Grundlage großzügiger Siedlung in. dem altnKueq Judenland ist deshalb die Schaffung einer der Bedeutung dieses Werkes und der Ehre-des Judentums entsprechen» : ben, Bibliothek in Jerusalem. Um Beiträge zu diesem- Unternehmen wendet sich jetzt an dis Oeffentlichkeit. ein Berliner Komitee, bestehend aus den Herren: Professor Dr. Otto Marburg, Geheimrat Professor Dr. LeypoÄj Landau, Professor Dr, Albert Einstein, Professor-Doktor Heinrich Loews, Dr. -Walter Pmner, Professor,8ffdk Schur, Professor Dr. Moritz Sobernheim, Privatdozen^ Dr. Eugen Taubler und Bibliotheksdirektor.Professor Dr. Gotthold Weil. . Gewünscht wird; '1. Die Einrichtung Lrtticheq Sämmelstellen mü besonderer > Berüsichtigung der iokälerß Zusammenhänge; 2. die Sttstung von : Sonderbiblion theken durch Einzelpersonen; 3. - die Ueberlässung Freiexemplaren jeder ^Neuerscheinung durch Verfasser^ Buchhändler oder MMet. Hievon abgesehen Lst.naiLrlrH auch-,sonst -j^e- MchMpcnde willkommen >f-. .: Von dem Berliner Komitee hiezu ermächtigt,. wendM sich das Unterzeichnete Wiener Lokalkomitee an alle jüdi»: - schen Kreise sowie außerhalb stehenden Palästrna-Frsimde . mit der Bitte, das wichtige und edle Werk nach Kräften . Lurch Äücherüberweisungtu und Geldspen« den zu unterstützen. J Alle Sendungen werden erbeten an Doktohs Grunwald, 2. Bez., FerdinandssLraße 23. Dozent Dr. Max Eisler, Rabbiner Dr. Max ' Grunwald, Univ.-Prof. Dr. Max Nc.n'-- bürget, Dr. Artur Schnitzler, Antiquar Dr. Ignaz Schwarz, Regienmgsrat Rudolf ' Taussig. Leopold Landan. - dr» letü^mlen Arzt m>b Forscher Leopold Landau, der vor einigen Tagen in Berlin gv» - sivrben ist, schreibt S. Bradt in der „Jüdischen Runbschau"^ Kraftvoll trat er in der Oeffentlichkeit aus, wenn es galt^j' - Tausende und Tausende unserer wanden^erj Brüder ür. chres Not und ihrem Elend zu stützen — und kräftig trat «flein für die Schafstmg von -jüdischen Erziehungsstätten für! die Ssinder dieser Ahasvers. Hart war er, wenn es'galt/ für einen gefaßten Entschluß zu kämpfen, besonders - harh»- wenn er gegen Judengegner angirg oder gegen Juden, diq nach feiner Ansicht eine falsche Vorstellung vom JudentunE / hatten-. Wie er die wirklichen oder vermeintlichen Fehles seiner' Gegner unnachsichtig beurteilte und verurteilte, foi / war er bereit, sich eines Besseren belehren zu lassen -und seine eigenen Ahler einzugestehen, wenih man sie ihm frei* mütig ins Gesicht sagte. Rührend war die Szene, als « - aus Veranlassung beS Schreibers dieser Zeilen seinen alten Streit begrub, den «. 'Lotzen, wegen- -ihreir-- verschiedenartt^en Stellung zur Mliance Jsraelite hatten.- Wie-, zwei Patriarchen traten die beiden Keüerköpfe einander ent»-, gegen und reichten einander die Hand, um gemeinsam z« beraten über die Gründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Landau erkannte, daß Wissen dis hauptsächlichste Macht der Juden ist. Me er mithalf, daß man die Sknaben lehrte, so wollte er freudig mithelfen an Hermann Cohens Idee, ein neues Zentturn für jüdische Gelehrsamkeit, zu schaffen. Das Samenkorn, welches der jüdische Philosoph, unserer -Zeit in feine Seele pflanzte, fand dort einer^..adäquaten Boden und schoß kräftig in die Halme. Unbeirrt durch! abfällige Kritik half er mit, den Bau aufzuführen, setzte sich «in nach echt jüdischer Art mit ganzein Herzen, mit ganze« Seele und mit ganzem Vermögen für eine echt jüdische Idee. Wir, die wir Schulter an Schulter kämpften Mt ihm in bttsen letzten Jahren, haben alle Schwierigkeiten uvp ‘ | Härten seiner Wesensart.kirnen,gelerntmjmchMl tief b^itftr empfunden aber im'Schmerz und in der Freude .de?c ' Zemei^meA. MbieÄ sirrnrle: sich, glanzvoll die große MiM.