Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 58 (17.3.1919)
- Date
- 1919-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58 Wien, Montag Niederlage der Bolschewiken in Litauen. Li bau, 16. März. In Nordlitauen und Kurland haben dieB o ls ch ew iken eine empfindliche Niederlage erlitten. Nördlich von Kowno bis Windau an der Ostsee ist die ganze Front in Bewegung geraten. Die wichtige Eisenbahnlinie Koschedari— Radziwilischki-Schaulen befindet sich infolge tatkräftigen Eingreifens von Panzerzügen in unserem Besitz. Unter andauernden Kämpfen, bei denen der Feind auch Kavallerie anreiten ließ und Panzerautomobile ins Gefecht führte, stießen reichsdeutfche Truppen bis Grenzhof und zur Station Behnen an der Bahn Murawjew—Mitau vor. Der Vormarsch wird hier durch Schwierigkeiten des Nachschubes, die dadurch entstanden sind, daß die Bolschewiken diese Strecke bereits in russische Spuren umgewandelt basten, sehr erschwert. Nördlich von der Bahn geht die Landwehr vor. Lettische Truppen haben Frauenburg genommen, während deutsch-baltische Formationen von Goldingen aus über Zabeln in Richtung Tukum Vordringen. Siege der Bolschewik^narmee. London, 16. März. (Tel-Komp.) Nach einem Berichte der „Times" veröffentlicht der bolschewistische G e n e r a 1 st a b ein Communiquä demzufolge die R o t e Armee in den beiden letzten Monaten ein Gebiet von der Größe F r a n k r e i ch s mit 1055 Meilen Eisenbahnlinien erobert habe. ' .r Lösung der italienisch-jugoslawischen Grenzfrage. Laibach, 16. März. (Meldung des Korr.-Bur. Laibach.) „Slovenski Narod" veröffentlicht eine Depesche aüs Genf vom 14. d. M., wonach die Entscheidung in der Grenzsrage zwischen Jugoslawien und Italien bereits gefallen sein soll. Im Sinne dieser Entscheidung sollen Ghrz, Triest und Pola Italien zufallen. Fiume aber sott zum Freihafen erklärt werden. Hinsichtlich Dalmatiens sei in der Hauptsache der jugoslawische Standpunkt durchgedmngen, doch sollen ^einige Inseln und einige Städte Italien zugesprochen worden sein. Zum Entgelt haben sich die Italiener für einem schärferen Kurs Deutschland gegenüber erklärt und werde« die Anschlußbestrebungen Deutschösterreichs nicht mehr unterstützen. Weiter soll Italien eine konziliantere Haltung Jugoslawien gEgenüber zugesichert haben. ' „Beöerni List" veröffentlicht unter dem Heutigen eine Depesche aus Bern, wonach Schweizer diplomatische Preise ans Paris die Meldung erhalten haben sollen, daß der Zehnerrat sich aus folgende Entscheidung des italrenisch.jugoslawischen Konfliktegeeinigt habe: ' 1. Italien überläßt Dalmatien den Jugoslawen, behält sich aber einige strategische Inseln. 2. Fiume wird zu einem Freihafen unter dem Protektorate der Großmächte. r 3. Die Jugoslawen verzichten auf alle Ansprüche asts Gvrz, Triest und Istrien. " 4. Die italienischen und die jugoffawischen Minderheiten erhalten in beiden Staaten Autonomie. Zu diesen beiden Meldungen bemerkt das Laibacher Korrespoudenzbureau: Eine amtliche Bestätigung der Richtigkeit dieser beiden Depeschen liegt'bisher nicht vor, weshalb mit einer Bewertung derselben zuzuwarten ist. In Laibach riefen fle ungeheure Entrüstung und erbitterte Empörung hervor. Man bereitet große Manifestationen aller Städte vor, um die.Regierung zum sofortigen aktiven Vorgehen zu zwingen. Die Negierung vermochte die Massenkundgebungen nur durch die Hervorhebung hintanzuhalten, daß die Meldungen noch keine Bestätigung erfahren haben. In Agram fanden aus dem gleichen Grunde spontane Protestkundgebungen statt. . ' ••: Inland. Aus dem Abgeordnetenhaus. 3n dieser Woche hält die Nationalversammlung steine Sitzung ab. Ihre Mitglieder sind zum größten Teil bereits Samstag abends, zum anderen Teil im Lause des Sonntags in ihre Wahlbezirke gereist. : Die Regierung benützt die Pause, um die Vorlagen vorzubereiten, mit denen sie vor die Nationalversammlung, die ihre Sitzungen kaum vor Mitte der nächsten Woche wieder ausnimmttreten wird. Inzwischen werden die Landesversammlungen, soweit sie nicht ihre Landes- und Geuicmdewahlordnungen bereits erledigt haben, mit deren Fertigstellung beginnen, um die Wahlen in ihre Landtage und Gemeinden vorzuberelten. Die n. ö. Landesv'ersammlung tritt am Mittwoch zusammen Die Tagesordnung umfaßt kleine Gegenstände. Die verschiedenen Vorschläge zur Verwaltungsrcform stehen in Vorbereitung und die diesbezüglichen Verhandlungen zwischen den Parteien sind im Zuge. Wem wird sich Vorarlberg anschlietzen? Bregenz, 16. März. (Test der „Wr. Morgenztg?) Vor wenigen Tagen langte eine Zuschrift des Landesgewerbeausschusses für den Anschluß Vorarlbergs an die Schweiz beim Vorarlberger Landesrate ein, in welcher mstgeteilt wurde, daß 40.334 stimmberechtigte Vorarlberger und Vörarlbergerinnen sich für den Anschluß andre Schweiz ausgesprochen bähen. Der Werbeauslchuß vertritt die Meinung, daß Wiener Morgenzeitung eine etwa nötige Volksabstimmung bald stattfindek solle, damit die schweizerische Bundesregierung Gelegenheit bekomme, zur Frage Stellung zu nehmen. In der Sitzung ches Landesrates wurde über Antrag des Landeshauptmannes Dr. E n d e r folgender Antrag einstimmig angenommen: Der Vorarlberger Landesrat lehnt es ab. das Ergebnis der vom Werbeausschuß für den Anschluß Vorarlbergs an die Schweiz veranstalteten Unterschriftensammlung der Bundesregierung in Bern zu übermitteln, weil er nur von amtlich durchgeführten Abstimmungen offiziell Gebrauch machen kann. Der Landesrat unterbreitet die Anschlußfrage der provisorischen Landesversammlung und beantragt, die provisorische Landesversammlung wolle beschließen: 1. Die Erklärung vom 3. November 1918, in welcher sich das Land Vorarlberg im Rahmen von Deutschösterreich selbständig erklärte, trägt provisorischen Charakter wie die Landesversammlung selbst. 2. Der neu zu wählende "Landtag entscheidet über den definitiven Anschluß des Landes an ein größeres Staatswesen. Fällt der Landtag die Entscheidung für den Anschluß an ein anderes Staatswefen als an Deutschösterreich oder ist die provisorische Landesversammlung schon zur Entscheidung genöttgt, so muß der Beschluß der Volksabstimmung unterbreitet werden. 3. Die Lattdesversammlung wählt einen fünfgliedrigen Ausschuß, der durch Fühlungnahme mit den Regierungen in Wien, Bern und München die Bedingungen zu erfahren trachtet, unter welchen sich das Land Vorarlberg anschließen könnte. Inzwischen hat der Bund der Industriellen Vorarlbergs einen Beschluß gefaßt, in dem es unter anderem heißt: Von wirtschaftlichen und politischen Gründen bewogen, erklären wir, daß wir bei aller Sympathie für die benachbarte Schweiz den Anschluß Vorarlbergs an die Schweiz nicht flutheißen können und betrachten weitersebend als manche, die nur aus einem momentanen Fluchtgefühl heraus Stimmung machen, diesen Anschluß als eine verhängnisvolle und nicht überlegte Bestrebung. Tagesbericht. Entgleisung in Krihendorf. Ein Toter, drei Verlebte. Die Staatsbahndirektion Wien teilt mit: Der gestern, Sonntag den 16. März, von Wien-Franz Josefs-Bahnhof um 8 Uhr 50 Min. vormittags abgegangene Gütereilzug mit Personenbeförderung Nr. 8669 ist bei der Einfahrt in die Station Kritzendorf infolge Achsenbruches des Postwagens mit diesem und drei weiteren Wagen entgleist, wobei ein Wagen zertrümmert wurde. Ein Eisenbahnbediensteter wurdehierbei getötet und drei Reisende leicht verletzt. Ein Hilfszug ist sofort von Wien-Franz.Josefs-Bahnhof abgegangen. Eine Verkehrsstörung trat nicht ein. Die Erhebungen über die Ursache des Unfalls sind im Zuge. Abreise der kaiserlichen Familie? In dm politischen Kreisen war gestern das Gerücht verbreitet, daß die Familie des Kaisers Karl in nächster Zeit von Schloß Persenbeug nach dem Schloß Wartholz bei Bregenz übersiedeln werde, wo sich schon die Schwiegermutter des Kaisers, die Herzogin von Parma, befindet. In der vorigen Woche seien bereits zw ei Kind er des Kaisers in Begleitung des englischen Obersten, der aus Befehl des englischen Königs dem Kaiser als Ehrenkavalier zugeteilt wurde, sowie einer Gräfin und einer Schwester vom Roten Kreuz nach Wartholz gebracht worden. Die Märzfeier ln Wien. Am Grab der Märzgefallenen auf dem Zentralfriedhof veranstalteten gestern vormittags die Formationen der Volkswehr eine Gedenkfeier. Vor dem mit Blumen und Kränzen geschmückten Obelisk hielt der sozialdemokratische Abgeordnete Widholz die Gedenkrede» in der er Parallelen zog zwischen der Reoolutton von 1848 und jener von 1918. Hauptmann Frey IVolkswehr) erinnerte an die Toten Oesterreichs, die im Weltkriege im Dienste der Habsburger und des Kapitalismus gefallen seien. Dann defilierten die Züge vor dem Grab, das sie mit roten Nelken bedeckten. Die Musikkapellen, spielten die Marsellaise. Der „Note Igel« behördlich gesperrt. Die ehemals bürgerlich geführte Gastwirtschaft „Zum roten Igel". 1. Maysedexgasse Nr. 3, wurde erst im Vorjahre von der Gastwirtin AnnaStockinger übernommen, welche das Gasthaus unter dem Namen „M o z a r t ne st a u r a n t" als Lurusbetrieb weitem führt. Mit diesem Unternehmen hatte sich das Kriegswucheramt bereits wiederholt zu befassen gehabt, da die Inhaberin desselben die Ernährungsvorschriften nicht einhielt und überdies Preise ansetzte, tvclche jedermann als übermäßig bezeichnen mußte. Bei einer Revision wurden 300 Kilogramm Mehl. 20 Kilogramm Rindfleisch. 120 Kilogramm Schweinefleisch. 15 Kilogramm Rauchfleisch. 1h Kilogramm Kalbfleisch und zirka 80 Kilogramm Speckfilz vorgefunden und beschlagnahmt. Ueber die Vorräte wurde entsprechend verfügt. Der Soldatemat des Volkswehrn. Md, 1919 ^s>/@ette3 . 1 .! V V bataillons Wien war gleichfalls auf das Treibenin dieser Gastwirtschaft aufmerksam, geworden, und . in einem Schreiben die Polizeidirelt'on verständigt. Nrry--.• mehr hat das Kriegswucheramt der Polizeidirektion die^ Sperrung dieses Gewerbebetriebes bisz u m- 31. März 1919 verfügt. ' Ein ermordeter Nachtwächter. Auf dem Gelände der. Meierei Tr.völi istl, am Sonntag früh der Nachtwächter Wen-cl Ko h o ut,eb- schossen worden. Man vermutet, daß er von ertapp- - ten Dieben getötet worden , ist.. Bei ihrer Äussin^ düng lag die Leiche mit dem Kopse die Erde) An der Mitte der Stirn zeigte sich eine "Schußwunde. Die Kugel hatte den Kopf durchbohrt- und. war am Hinterkopf aus dem Körper oe^e^en. Pe-. ben dem Toten lagen sein Hut und sein eigener W» ‘ volver, aus dessen Lauf ein Schuß abgegeben wM den war. Entschädigungen für Kriegsgefangene anderen Angehörige. Im Parlament fand gestern eine Besprechung von Vertretern des Reichsverbandes der ehemaligen Kriegsgefangenen und Angehörigen von Kriegsgefangenen mit dem Abg. T o m s ch l k tmb dem Obmann der Kriegsgefangenen-Fürsorgekommifsion Pros. S ch o ep s er statt. Die Abordnung unterbreitete die in der setzten Versammlung der ehemaligen Kriegsgefangenen gefaßten Beschlüsse sowie die von den Angehörigen der noch in Kriegsgefangenschaft befindlichen Soldaten geforderten Wünsche. Demnach soll das Reise g e l d der aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden deutschösterreichischen Soldaten aus 200 Kronen e r h ö h t und die einmalige Absertigungss u mm e mit 1000 Kronen festgesetzt werden. Für durch Kriegsgefangenschaft erlittene Schäden sollen 600 Kronen ausbezahlt und die etwaigen noch rückständigen Feldgebühren rückerstattet werden. Außerdem soll den notleidenden Angehörigen von Kriegsgefangenen eine ausreichende Unterstützung gewährt werden. Abgeordneter Tomschik und Professor S ch o e p f e r sagten zu, diese Forderungen bei den kompetenten Stellen zu unterstützen. Sie werden die Angelegenheit auf das nachdrücklichste betreiben und den Vertretern der Organisation über das Ergebnis ihrer Verhandlungen ehestens einen Bescheid zukömmen lassen. Die Einführung der Sommerzeit. Die Gegenargumente der Bauern. Die Sparmaßnahmen bei der Beleuchtung haben den Plan gereift, die Sommerzeit schon mit 1. April emzuführen. Hierüber werden im Staatsamt des Innern schon seit geraumer Zeit Verhandlungen gepflogen, die sich jedoch, infolge des Widerstandes der Landwirte einigermaßen schwierig gestalteten. Diese erklären, daß man die Natur nicht um eine Stunde vorstellen könne. Man könne auch nicht den Gockel, der bekanntlich am Lande den Chronometer bildet, nach dem der Bauer sein Tagewerk beginnt, zwingen, dag er schon um eine Stunde früher kräht. Beim Heumachen könne man gleichfalls nicht das Gras um eine Stunde früher abmahen, da man warten muffe, bis die Sonne die Feuchte des Taues getrocknet habe. Dasselbe gUt beim Wenden des gemähten Grases. Und schließlich und endlich sind die Bauern überhaupt Gegner der Einführung der Sommerzeit. Befreiung dus?Gli Schatz'Abonnement von Wanzen Schwaben Rassen Flöhen Läusen Ratten: Mäusen Systematische Bauer - Desinfektion von Stallungen und aller Tiere, die; mit Ungeziefer behaftet sind. Verlangen Sie Kostenlose ^asHunft. Telephon Nr. 8?300 PEROLIN Abt um' Nr. 16 Telegramme ,;PerrHnhof“ S« Wien, Xlll.. Feldmiihlqasse