Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 58 (17.3.1919)
- Date
- 1919-03-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite L SCien, Montag Wiener Morgenzeitnng 17. März 1919 Nr. 58 Der Zionistenkongretz für7. August festgesetzt. Ueber die Nationalisierung des Bodens soll der Kongreß entscheiden. Stockholm, 16. ll/ärz. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Jüdische Pretzburean meldet, aus London: Agr. Wilkausky erklärte in seinem Kolonisationsreferate 600 Millionen Pfund für eine großzügige Kolonisation erforderlich. Die Durchführung im raschesten Tempo rvurde beschlossen. Der Bodeneinkauf darf nur durch den „Jüdischen Rat" oder den Nationalfonds erfolgen. Die Rationalisierung des staatlichen Bodens wurde beschlossen, über die Zulässigkeit privaten Bodenbesitzes soll der Zionistenkongrest entscheiden. ~ Julius Simon forderte in seinem Finanzreferat eine halbe Million Pfund für das nächste Jahr zwecks Organisierung des Palästinawerkes, wovon Amerika über die Hälfte zu decken hat, Deutschland 5000, Deutschs st erreich 500, Polen 7000 Pfund. Mozkin und Rofow wurden beauftragt, die politische Arbeit in Paris bezüglich der nationalen Rechte in der Diaspora zu leiten. Eine Sitzung des Großen Aktionskomitees soll' demnächst znsammentreten. Der zionistische Weltkongreß würde für 7. August festgesetzt, der Ort ist noch unbestimmt. Das Aktionskomitee hat seinen Sitz in London. Das Große Aktionskomitee wurde um sieben Mitglieder erweitert, und zwar wurden kooptiert: 3 Palästinensers 2 Amerikaner (Prof. Felix Frankfurter und Jakob dd Haas), 1 Misrachistz 1 Poale-Zionist (Kaplansky). noch die deutsche Regierung haben vom deutsche» Volke ein Mandat, einem Friede« zuzustimmen, der über die 14 Punkte Wilsons hinansgeht. Wollen die Alliierten diese Basis verlassen und das Friedensinstrument über die 14 Punkte WUsons hinaus mit neuen Bedingungen belasten, so wird die Nationalversammlung die Zustimmung zu einem solchen Frieden und die Legierung seine Anterzeichnung ablehnen müssen und die Entscheidung in disHande des Volkes legen. Ein Referendum des deutschen Volkes muß dann die Entscheidung herbeiführen. Wie sie ausfallenwird, darüber ist kein Zweifel. Das deutsche Volk hat schwere Opfer gebracht» aber es verliert ^eine nationale Ehre nicht. Das Adria- und Orientproblem. Berlin, 16. März. Dar „8 Uhrblatt' meldet aus dem Haag: Der „S?ieutt>e Rotterdamsche Courant" berichtet aus Paris: Eine Persönlichkeit, die in engen Beziehungen z» der englischen Delegation steht, teilte mit, daß Frankreich . bic Versicherung empfangen habe, daß cs alle Garantien, die es hinsichtlich der neuen deutschen Grenzen für nötig erachte, erhalten solle. Es gebe nur noch zwei r'orupllzierteFragen zu lösen: Die Frage des Adriaiischen Meeres und das türkische Problem. Die Verlesung deS Memorandums, das die italienischen Territorlalforderungen enthält, habe am Quai d'Orsay einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Trotzdem noch emigr Zwistigkeiten Gegenstand eines Gedankenaustausches feie«, bemerke «an. daß daS Memorandum insbesondere Görz, Triest und Fiume nennt, was lediglich den Grund trabe, bezüglich Dalmatiens mir Südslawien zu einer Einigung zu kommen. Die Zentral«ächte müssen alles Zahlen. Bern, 16. März. Dem „Corriere della Sera' zufolge hat die Pariser Entschädigungskommission sich in bezug' auf dir . vom Feinde zu leistenden Entschädigungen für das weitestgehende Prinzip entschieden, für das Prinzip, daß Entichadigung zu leisten ist für alle direkt und indirekt durch den Krieg verursachten Schäden und Ar alle Zerstörungen und Beschädigungen von beweglichem und unbeweglichem Eigentum auf allen Kriegsschauplätzen, Entschädigung auch 'für entgangenen Gewinn und für ben zukünftigen Verlust, etwa durch verminderte Produktionsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Arbeiter. Schließlich stnd die Kriegskosten und .Pensionen zu bezahlen. Jedoch hat die Kommission vor allem das Recht aus diese Entschädigungen feftsiellen wollen, ohne zunächst aus die Frage der Zahlungsmöglichü'.L einzugehen. Sie bat nur die Reihenfolge der Zahlungsverpflichtungen aufgestellt, iü drr zuerst die mehr unmittelbar festzustellenden Verluste von.Private» figurieren. Das Blatt äußert sodann sein Bedauern, daß aus der Konkursmasse Deutschlands ein so wertvolles Äktivum wie die Kolonien und die deutschen Konzessionen in verschiedenen Weltteilen bereits zugunsten einzelner Gläubiger verschlepp: seien, so daß die Passiven ungedeckt bleiben. Der englisch-australische Delegierte Hughes schätze die deutsche Zahlungsfähigkeit auf 600 Milliarden Lire, die Franzosen schätzen sie auf höchstens 200 Milliarden und die Amerikaner auf wenig über 100 Milliarden. Berechnungen eines Pariser Finanzmannes. Paris, 16. März. Sin Finanzmann erklärte ge- Müörr. .einem Vertreter des „Echo de Paris", die Krieg Sevtschüdigung, welche Deutschland Frankreich schulde, betrage 246 Milliarde». Wenn man für die Tilgung dieser Schuld samt Zinsen einen Zeitraum von 50 Jahren zugestehe, würde sie sich auf 840 Milliarden belaufen. Der Finanzmann nimmt für die Bezahlung Fristen von drei oder vier Jahren in Aussicht. Die erste Frist sei für das Jahr 1922 festgesetzt, wo Deutschland 10 Milliarden zu zahlen batte. Deutschlands Schuld wäre im Jahre 1972 durch die Bezahlung der letzten 26 Milliarden getilgt. , Wilson halt seinen Völkerbund plan aufrecht. Paris. 16.Wärz. (Funkspruch des Tel. Korr.-Bur.) Präsident Wilson erklärte heute, daß ervon seiner yrsprünslichen Absicht, de» Völkerbund gleich eitig mit dem Fruedensvertrag und von ihm untrennbar ins Leben Zu rufen, nicht um das Geringste abweichen \pttbt. Alle gegenteiligen Gerüchte seien «Z?sch. ' - Paris, 17. März. Während die britischen und andere Delegierte der Ansicht sind, daß es schwierig sei« würde, den Völkerbund mit dem Präliminarfriedensvertrag in Verbindung zu bringen, geht die Ansicht deS Präsidenten Wilson dahin, daß es von größter Bedeutung sei, daß in dem Präliminarfnedensvertrag auf den Völkerbund Bezug genommen werde. Wilson wird wahrscheinlich auf feinem Standpunkte beharren. Ein Kompromiß wird zweifellos zustande kommen. Der Völkerbund im Friedensvertrag. New Dort, 16. März. (Meldung des R.uterschen Bureaus.) Der Sekretär Wilsons, Tumulty, erhielt ein Kabeltelegramm des Präsidenten Wilson, wonach der obersteKriegsrat endgültig beschlossen hat, daß der Völkerbund einen Teil des Fried e ns verträgt$ bilden sott. Der Kampf um den Völkerbund. Paris, 16. 'März. (Tel.-Konrp.) Präsident Wilson ermächtigte den Korrespondenten - der „Associated Preß" zu der Erklärung» daß an dem Programm des PölkerbMdes keinerlei A e n d e r u n g e n vorgenommen worden sind. Washington, 16. März. (Tel.-Komp.) In einer Versammlung von Gegnern des Völkerbundes wurde der Plan geäußert, zwei oder mehrere Senatoren nach Paris zu senden und die Friedensdelegation persönlich von der in den Vereinigten Staaten gegen den Völkerbund herrschenden Opposition zu verständigen. Wilsons Rückkehr nach Amerika. Berlin. ,16. März. Das „8 Uhr-Abendblatt* meldet aus Basel, daß einer Meldung der „Times" aus New Aork zufolge Lau sing vor seiner Abreise;bte Hoffnung ausgesprochen habe, das; Wilson mit der amerikanischen Delegation am 15. Mai in Amerika rvieder eintreffen werde. Er «hoffe, daß dann' daS Werk eines gerechten, selbstlosen und dauerhaften Friedens vollendet sein werde. Generalstreik in Belgien. Genf, 17. Marz. Wie der Temvs nunmehr bestätigt, ist der General ft reit im Lütticher Kohlengebiete ausgebrochen, dev bereits einen aufruhrartigen Charakter angenommen hat. Die Sozialisten gehen mit den christlichen Gewerkschaften gemeinsam gegen die Kapitalisten vor. Ihre Hauptforderung bezieht sich auf die Verkürzung der Arbeitszeit. Die korrigierte Volkszählung in Brünn. Brünn, 16. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Organ des Ministers Dr. Stransky, die „Lidove Noviny" meldet: Bei der letzt.n Volkszählung in Brünn am 6. Jänner sind, wie der deutsche „Tagesbote" meldete, in Brünn 57*27 Prozent Tschechen (inklusive Militär)» 37*80 Prozent Deutsche. 4*49 Prozent Juden und 0*60 Prozent andere Nationalitäten gezählt worden. Nach Durchführung von Korrekturen, die allerdings bis zu den letzten Konsequenzen durchgelührt worden sind, wurden inklusive Militär 131,666 Einwohner in Brünn gezählt» wovon 80.144 Tschechen, 45.223 Deutsche. 5470 Juden und 826 Angehörige anderer Nationen sich befinden, das ist 61 Prozent Tschechen, 34*4 Prozent Deutsche, 4 Prozent Juden und 0*60 Prozent andere. Revolutionsfeier in Pretzbnrg. Preßburg, 16. März. (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) Der historische Tag der Revolution vom Jahre 1848 verlief in Preßburg, weil jegliche öffentliche Feiern verboten waren, in vollkommener Ruhe. Zwischen 9 und 10 Uhr vormittags ruhte in einigen Fabriken die Arbeit. Einige Geschäfte blieben geschlossen. Am Denkmal des Dichters Alexander P e t ö f i wurde ein Kranz niedergelegt. Oeffnung des Elbeberkehrs. Prag,. 16. März. (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) Es ist gelungen, die Entente von der unbedingten Notwendigkeit der Oeffnung des Elbeverkehres für die Approvisionierung der tschecho-slowakischen Republik zu überzeugen. Laut Nachrichten, die im Ministerium für Volksernährung aus Paris eingetroffen sind, ist die Oeffnung der Elbe für den Verkehr nach Böhmen im Prinzip bereits bewilligt; es wird jetzt über die Einzelheiten des Verkehrs verhandelt. Berlin, 16. März. (Meldung de« Wölfischen Bureaus.) Ter tscheLoilowaliiche Staat soll über die Elbe und den Rhein mit LebenSmuteln versorgt! wecken. Die Transporte über Hamburg sollen von alliierten und tschechoslowakischen Behörden kontrolliert werden. Die auf dem Rhein beförderten Lebensmittel sollen über Rotterdam nach Mannheim oder Frankfurt und dann mit der Bahn über Nürnberg und Pilsen geleitet werden. Die Kontrolle soll auf dem Rhein eine interalliierte Rhein-Schiffahrtskommission, von Mannheim bis Pilsen alliierte und tschecho-slowakische Behörden Übernehmen. Ruhe in Berlin. Berlin, 17. März. (Korr.-Dur.) In den gesäuberten Bezirken Berlins ist die Ruhe auch gestern nicht gestört worden. Ein Einschreiten des Militärs bei der Suche nach Waffen war nirgends mehr notwendig. Noske gegen die streikenden Arbeiter. Berlin, 16. März. Das „Berliner Tageblatt* meldet aus Düsseldorf: Reichswehrminister Noske hat einer Deputatton Düsseldorfer Arbeiter erklärt, daß er der Bitte der Streikenden in den Reichsbetrieben, daß ihnen die mit den Unternehmerverbänden vereinbarten Zahlungen von 75 Prozent für den Lohnausfall von 10 Arbeitstagen gezahlt würde, nicht Nachkommen könne. Das Reichsministerium habe beschlossen, diesen Lohnausfall bei Streiks nicht zu zahlen. Der Minister warnte vor weiteren Streiks, die nur Stockschläge auf d en .M agen d'er Arbeiter darstellen. Auf das Ersuchen, für die politischen Vergehen bei den letzten Vorkommnissen eine Amnestie zu erwirken, erklärte der Minister, daß dies eine Angelegenheit des Reiches fei. Zurzeit käme keine Amnestie in Betracht, weil dies als ein Freibrief für weitere Revolten wirken würde. Die Forderung auf Zurückziehung des Militärs in Düsseldorf wurde vom Reichswehrminister a b g elehnt, da keine Garantie für die Aufrechterhaltüna der Ordnung gegeben sei. Die Sozialisiernngsbestrebungen in Deutschland. Berlin, 16. März. Die „Vossische Zeitung" meldet, daß die sächsische Regierung aus dem Vorschlag Bayerns, die Sozialisierung gemeinsam mit Sachsen durchzusühren, ablehnend geantwortet habe. Sie teilte mit, . daß sie vorläufig keine Vertreter zu der gewünschten Zusammenkunft entsenden könne, weil sie selbst erst in Bildung begriffen sei und keine Verpflichtungen! auf sich nehmen könne. Ein Protest gegen die Auslieferung Danzigs an Polen. B 'klirr, 17. März. (Korr.-Bur.) Wie die „Vvsiische Zeitung" aus Basel meldet, Hai im Zehnerrat eine einzige Macht, offenbar Amerika, Einffpruch gegen die Zuweisung von Danzig an Polen erhoben. Deutschlands Kriegsentschädigung an Frankreich : 7 bis 0 Milliarden Pfund. Paris, 16. Marz. (Tel.-Komp.) Die Schadenersatzsumme, die F r a n k t e ich von Deutschland fordern wird, wird sich wahrscheinlich auf 7 bis 9*M i l l i a r d e n Pfund Sterling belaufen. Polnische Ritterlichkeit. Berlin, 16. März. (Wolfs.) Die deutsche Waffenstillstandskommission hat dagegen Einspruch erhoben, daß die Polen deutsche Kriegsgffängene schm achv o ll behandeln. Die Beköstigung besteht teilweise aus verdorbenem Fleisch und ist gänzlich unzureichend. Die Gefangenen sind in eiskalten unterirdischen Räumen untergebracht. Die Bekleidung besteht nur aus einem Drillichanzug. Es sind keine Decken vorhanden. Für die geringsten Vergehen ist die jeder Kultur hohnsprechende Prügelstrafe eingeführt. Bei der Gefangennahme wurde den deutschen Mannschaften das gesamte Hab und Gut gestoblen.