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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-09-01 · Heft 9 (1.9.1905) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 9 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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203 der Menschheit die Religionslehre und die Lieder des Gotteshauses gebracht haben: ich bin ein Jude, der für seinen Gott zu leben zu sterben weiß gleich allen Märtyrern und Eharacteren, von den Makkabäern bis zu Moses Mendelssohn und Gabriel Riester; ich bin ein Jude, wie seine ideale Bedeutung in so sonniger Weise Abraham Geiger und Samuel Holdheim ausgeprägt haben: ich bin ein Jude, wie die durch Leopold Znnz erstandene Wissenschaft des Judentums dargelegt und seine Prediger seitdem verkündet haben. Und wenn sie uns trotzdem schmähen, indem sie uns als ein abgeschlostenes Volk betrachten, das selbstsüchtige Zwecke im Auge hat, wir wahren unseren Namen, wir wahren unseren Beruf. „Euer Stamm mit) euer Name soll ewiglich bestehen." „So spricht der Allmächtige, der Einige, der das All geschaffen und Geist gibt den Wesen: Ich der Ewige habe dich berufen im Heile, ich mache dich zum Bund der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, ans dem Kerker Gefangene zu führen, ans der Haft die im Finstern Wandelnden!" Wir bilden keinen Staat im Staate, wir sind Deutsche nach ^unserer Nationalität, wir sind Israeliten d. h. Weltbürger nach unserer Religion. „Es gibt nur eine Taufe, die zur Nationalität einigt: die Tarife des Blutes im gemeinsamen Kampf für Freiheit und Vaterland." Mögen sie uns immer höhnisch zurufen: „Juden sind sie!" — wir lasten uns voni Unmut nicht Hinreißen, wissen wir doch, daß sie'das Beste, was sie besitzen den Semiten pi verdanken haben; wissen wir doch, daß, wenn sie den Stamm und die Wurzel augreifen, sie damit auch die Zweige und Krone, gefährden, — kein Zorn überwallt uns, wie Mose und Elia; wir bewahren unfern Glauben an die bessere Natur im Menschen und an eine bessere Zeit; wir wenden gleich Jona unsere Augen ab von den sündhaften und boshaften Menschen, wir blicken gleich Jona zu Gott empor und sprechen: „Tu bist ein gnädiger und barmherziger Gott, langmütig und reich an Huld!" Wie dirrch Jona die Schiffstente zu Gott geführt wurden, so sollen durch uns die Völker — indem sie uns unsere Selbstverleugnung und Überzeugungstreue wahrnehmen — zu dem Ewigen geführt iverden, der allein ist der Gott des Himmels, der allein das Meer und das Trockene gemacht hat. „Haben wir nicht alle einen Vater, hat nicht Ein Gott uns Alle erschaffen? Wie dürften wir da treulos gegeneinander handeln!" Nicht müde werden wir, nicht entkräftet, bis auf Erden das Recht gegründet und die Länder jener Lehre harren: der Lehre von dem Einzig-Ewigen, der Lehre von der Einheit des Menschengeschlechts, in welchem alle gleichberechtigte K i n d e r s i n d des Einen Vaters! Von dieser Lehre werden wir nicht lassen. Keine Macht der Welt wird im Stande sein,'uns dieser abwendig zu machen. Wir sind Deutsche nach unserer Nationalität, wir sind Israeliten nach unserer Religion, und harren jenes Tages, da dje Verheißung erfüllet ist: Adonai echad usch'mo echad! Der Ewige einzig und sein Name einzig! Gelobt sei Er aus dem ganzen Erdenrund von Ewigkeit zu Ewigkeit!

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