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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-09-01 · Heft 9 (1.9.1905) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 9 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 ein Geschichtswunder, sondern beweist uns nur die Macht der Überzeugung, die Macht des Bewußtseins, einen Berns zu tragen. Obgleich über alle! Weltteile zerstreut, ohne ein gemeinsames staatliches Band, steht Israel 'jetzt in doppelter Stärke da, als zu jener Zeit, da es ein eigenes Reich bildete! Unfi es erscheintj das um so merkwürdiger, wenn man die Vernichtungspläne bedenkt, welche von Seite t der Völker gegen Israel geschmiedet wurden! Von Pharao an, d:r die neugeborenen Knäblein ins Wasser werfen ließ, bis zu den Scheiterhaufen des Mittelaltern bis zur Neuzeit hat Israel nichts beikommen können. Wie es bei Jona im Bilde ausgeführt ist, daß er auf wunderbare Weise dem Todesreiche entrissen wurde, so finden wir bei Israel, daß alle Todesarten über dasselbe nichts vermochtet! — der Tod' hat über Israel keine Gewalt! Israel ist unsterblich, weil „sein Nastre mit dem Einzig-Ewigen verbunden ist." Ein Volk, das eutj Fest feiert, welches Versöhnungstag heißt, ist unsterblich die Kraft, der Mut, dieHoffnung, die ein solches Fest verleiht, stählt zum siegreichen Kätnper gegett alle Anstürme von außen. Wir befinden uns wieder im Belagerungszustand. Wer schwach ist und gesinnungslos, der gehe zu den Belagerern über — wer zaghaften Herzens, war, mußte ja jederzeit in Israel das Heer verlassen — und bleibt auch nur eine geringe Schar, diese Schar! ist „ber heilige Stamm", durch den Israels Aufgabe getragen wird. Israels Stärke ruht nickt, auf der Majorität! Wo ein Minjan sich vereinigt, wo 10 Gesinnungstüchtige zusammentreten, da bilden sie die Gemeinde Israels. Wie Jona zu den heidnischen Assyrern geschickt wurde, um sie zur Buße aufzufordern, wie! Elia die heidnische Wittwe in Sarepta vom Hungerrode rettete, luic Elisa den heidnischen Feldherr» Naeman von seiner Krankheit durch das Iordanwasser heilte — so hat auch Israel den Beruf unter den Völkern, das Reich der Sünde zu bannen, den Hunger nach der Gotteserkenntnis zu stillen, den Durst nach der ewigen Wahrheit zu löschen. Und ob wir auch hie und da unserem Berufe entfliehen, ob wir auch hie und da uns einem Schlummer überlassen, jenem gefährlichsten Schlummer, den man Gleichgiltigkeit nennt — in den Zeitenstürmen naht immer wieder ein aufrüttelnder Mahner — in unserer Zeit war es der 'Antisemitismus — mit der Frage: was ist dein Beruf? In gefahrvoller 'Stunde kommt Israel stets zur Besinnung, da erlangt es sogleich sein Selbstbewußtsein; es ver eugnet sich nicht, sondern spricht: Ibri anochi! Ich bin ein Sohn jene»j Stammes, bei* den Ewigen, den Gott des Himmels fürchtet, der das Meer und das Trockene gemacht hat: ich bin ein Israelit, der mit Gott verbunden ist, mit Gott kämpft gegen tjic Mächte der Nacht; ich bin ein Jude, aber kein nationaler Jude, kein palästinensisiHer Jude, sondern ein Nachkomme jenes Stammes, der zum Segen berufen wurde fsir alle Geschlechter des Erdkreises; ich bin ein Sohn jenes Stammes, aus dessen Mitte hervorgegangen sind die Propheten und Psalmisten, welche

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