Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1892)
- Date
- 1892-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Deine» Willen mich entschlossen habe, hierher zu gehen, um im Dienste Deiner heiligen Thora zu arbeiten, und nun sind dies die Folgen!" Sprach's, schloß die Lade und ging-die Stufen herab, ohne weiter zu sprechen. Diese Scene machte einen überaus peinlichen Eindruck auf das ganze Auditorium, die Entrüstung über den Ruhestörer war eine grenzenlose und es fehlte nicht viel, daß man sich thatsächlich an ihm vergriffen hätte, hätte nicht der Rabbiner die aufgeregte Menge durch sanftes Zureden zu beschwichtigen gewußt. Nach Beendigung des Gottesdienstes rief der Störenfried einige Freunde mit sich nach Hause, um die Stelle im „Schach" nachzusehen, ob sie wirklich so lautete, wie sie der Rabbi citirte. Zu Hanse angelangt, wollte er dieses Buch ans dem Schranke holen, dieser aber stürtzte um und begrub ihn unter sich! — Der Mund, der noch vor einer halben Stunde gewettert und Lärm geschlagen, war nun für inimer verstummt! — In der Gemeinde hörte man niemals wieder einen unfreundlichen Ton gegen den Rabbiner. Dieser Rabbiner, allgemein genannt Reb Schmul, Reb Chajim Jeschajes, war der Urgroßvater des nachmaligen berühmten Rabbiners Moses Sofer in Preßburg. Am Sterbetage Abraham Kohn's. Ansprache, gehalten im Tempel zu Lemberg. Es giebt wohl keine geeignetere Stätte, an welcher das Andenken an Abraham Kohn besser könnte gefeiert werden, als in diesen Räumen. Dieses Haus hat er gebaut, er geweiht, in diesem Hause ertönten jene gewaltigen Reden, die wie Blitze hineinfuhren in die Geistcsfinstcrnis der damaligen Zeit, erleuchtend und zündend. Ich sage wohl nichts Neues damit, wenn ich ihm dem Namen eines der altjüdischen Helden gebe, er war ein „Abner" ein Vater seiner Gemeinde und ein Licht und eine Leuchte Israels, ein Vater der Armen und Unglücklichen und ein Licht für die Irrenden und Strauchelnden. Als dieser Held das Opfer finsterer Tat geworden war» da mochte die Klage Davids wohl am Platze gewesen. sein. Den Tod der Niedertracht starb Abner, seine Hände waren nie gefesselt das Gute zu thun, seine Füße nie in Banden/ wo es galt für Israel zu helfen, zu retten und doch mußte er sterben, den Tod erleiden aus der Hand des Verbrechens. Und doch über seinen Tod hätten mir nicht zu klagen und zu weinen, hat der Verewigte doch redlich seine Arbeit gethan, hat doch das Wirken und Wehen seines Geistes noch heute nicht aufgehört in unserer Mitte , einen anderen Grund hat das ganze Volk ihn fort u:.d fort zu beweinen. Ein halbes Jahrhundert ist fast vergangen seitdem Abraham Kohn die Saat des Lichtes und des Fortschrittes hat ansgestreut, manches Korn ist segensreich aufgegangen, manche Frucht aber aus dieser Saat ist eingegangen und vertrocknet. Was sich heute noch Fortschritt nennt, das ist meist Kälte und Gleichgiltigkeit und diesen gegenüber haben Finsternis und Aberglauben leichtes Spiel. Wem ist heute noch seine religiöse, Ueberzeugung soviel wert als sein Leben, wer kämpft heute noch ohne Rücksicht aufseinen geschäftlichen Vorteil für die Forderungen der modernen Zeit. Die Finsterlinge haben viel von uns gelernt, sie gebrauchen selbst den Fortschritt, die Presse, die Wissenschaft für ihre Zwecke, sie vergiften keinen Einzelnen mehr